Electro Wave
Electro Wave, auch Synth(ie)-Wave[1] genannt, war eine seit den 1980er Jahren[2] hauptsächlich in Mitteleuropa verbreitete Bezeichnung für Künstler aus dem Wave-Umfeld, die ihre Lieder primär auf synthetischer Basis vertonten (z. B. Depeche Mode, Gary Numan, Anne Clark und Psyche). Klangcharakteristisch wurde das Genre besonders durch damals richtungsweisende Synthesizer, wie Moog Prodigy, Korg MS-20, Roland Juno-60, Roland Jupiter-8, Oberheim OB-8 oder Yamaha DX7, gestützt.
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[Bearbeiten] Hintergrund
Als einer der ersten Electro-Wave-Tracks gilt „Being Boiled“, ein Titel, den die britische Band The Human League im Jahre 1978 veröffentlichte.
Später wurde die Bezeichnung auf deutsche Bands, wie The Invincible Spirit und Second Voice, übertragen, die ab etwa der Mitte der 1980er Jahre new-wave-typische Grundelemente vermehrt und harten elektronischen Klangstrukturen zusammenführten und diese Melange bis in die Mitte der 1990er Jahre – zeitweise unter Einfluss der Electronic Body Music – umsetzten. Im Gegensatz zur reinen, minimalistisch geprägten EBM lag hierbei der Schwerpunkt auf Vielfältigkeit und Melodiösität. Peter Spilles von Project Pitchfork, einem der Zugpferde der Wave-Szene in den frühen 1990ern, äußerte sich dazu wie folgt:
„Es gibt da momentan sehr viele Sachen, die ziemlich trocken klingen, richtig steril. Wir versuchen, das Gegenteil zu machen: melodiös und trotzdem hart, und vor allem mit Atmosphäre drin, Raum! Das soll sich nicht so anhören, wie wenn du ein Bild an die Wand projizierst. Es soll ein Gefühl rüberkommen.[3]“
– Peter Spilles, 1990
Die Grenzen zum Dark-Wave-Umfeld wirkten oftmals stark verschwommen. Insbesondere bei Acts wie The Eternal Afflict, Deine Lakaien oder den zuvor genannten Project Pitchfork ließen sich Überschneidungen mit anderen Spielarten feststellen.
Nachdem zahlreiche Projekte ihre Aktivitäten in der Mitte der 1990er Jahre einstellten bzw. einen grundlegenden Stilwandel vollzogen, gilt die Electro-Wave-Bewegung heute weitgehend als erloschen. Nur wenige Bands, wie The Frozen Autumn, haben sich derzeit auf diese Form der Musik spezialisiert.
Electro Wave ist mit Electropunk und Minimal Electro verwandt, wenngleich die Grenzen zwischen den Genres fließend sind. Bisweilen wurde der Minimal Electro dem Electro-Wave-Umfeld sogar untergeordnet und als dessen Frühform betrachtet (bspw. John Foxx).
[Bearbeiten] Namensherkunft
Die Bezeichnung Electro(nic) Wave wurde vermutlich durch den Journalisten Sven Freuen geprägt, der bereits in den 1980er Jahren unter dem Pseudonym „Spenk“ Rezensionen und Band-Artikel für das New Life Soundmagazine sowie später auch für das Zillo verfasste.[4] Konträr zum schwammigen Etikett Synthie Pop, das allgemein eingängige, elektronische Popmusik bezeichnet, die mit der Entwicklung von Synthesizern aufkam, etablierte sich mit Electro Wave erstmals ein Terminus, der explizit Musikgruppen zusammenfasste, die im Zuge der Post-Punk- und New-Wave-Bewegung auf elektronisches Instrumentarium zurückgriffen und versuchten, die Rohheit und Experimentierfreudigkeit des Punk in ihren Kompositionen (beispielsweise durch kantige Gesangslinien) zu bewahren.
Alternativ zu Electro Wave wurde die Bezeichnung „Techno Wave“ genutzt. „Techno“ war in den 1980ern als Dachbezeichnung im Umlauf und deckte generell elektronisch generierte Musik ab (siehe hierzu „Die Bezeichnung „Techno“ in den 1980er-Jahren“). Ein Zusammenhang mit der späteren Techno-House-Bewegung besteht nicht.
[Bearbeiten] Veröffentlichungen mit Schlüsselqualitäten
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[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Sven Freuen: Rezension zur Maxi-Single „Killing Desire“ von Second Decay, New Life Soundmagazine, Ausgabe 46, Dezember 1989, S. 11
- ↑ Spex Musikmagazin: Die Profis für Electro Wave und Body Music. Werbung des Frankfurter Plattenladens „Marion's“, Ausgabe 2/88, Februar 1988, S. 54
- ↑ Glasnost Wave-Magazin: Interview mit der ehemaligen Electro-Wave-Band Project Pitchfork, Heft-Nr. 24, November/Dezember 1990, S. 22
- ↑ Sven Freuen: Rezension zu einer 12inch-Maxi der Band The Invincible Spirit, New Life Soundmagazine, Heft-Nr. 45, November 1989, S. 6