Spex (Zeitschrift)

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Spex
Logo von Spex
Beschreibung Musik- und Popkulturzeitschrift
Fachgebiet Subkultur
Sprache deutsch
Verlag Piranha Media
Erstausgabe 1980
Erscheinungsweise zweimonatlich
Verkaufte Auflage
(IVW Q1/2009)
21.237 Exemplare
Chefredakteur Torsten Groß
Herausgeber Alexander Lacher
Weblink http://www.spex.de/
ISSN 0178-6830

Spex ist eine zweimonatlich erscheinende Musik- und Popkulturzeitschrift aus Berlin. Schwerpunktmäßig befasst sich die Zeitschrift mit Themen und Werken aus dem subkulturellen Bereich.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründungsphase (1980–1982)[Bearbeiten]

Gruppenfoto der Spex-Gründer, August 1980 (Siegfried Syniuga, Gerald Hündgen, Wolfgang Burat, Clara Drechsler, Christof Pracht, Bernhard Schaub, Peter Bömmels, Wilfried Rütten)

Im September 1980 brachte ein Herausgeberkollektiv um Gerald Hündgen, Clara Drechsler, Dirk Scheuring, Wilfried Rütten und Peter Bömmels in Köln die erste Nummer der Zeitschrift heraus, die zuerst 555 heißen sollte, dann aber doch nach der englischen Punk-Band X-Ray Spex benannt wurde. Von den zahlreichen Fanzines der damaligen Zeit unterschied sich das großformatige Heft dadurch, dass es nicht kopiert, sondern gedruckt war und über einen Grossisten nicht nur in Independent-Plattenläden, sondern auch an Bahnhöfen verkauft wurde. Die erste Phase des Heftes war bestimmt durch die kulturelle Aufbruchstimmung von Punk und New Wave. Trotz der sachkenntnisreichen Berichterstattung zeichneten sich die Texte der Autoren durch ihre persönliche, bewusst unprofessionelle Handschrift aus.

Klassische Phase (1983–1992)[Bearbeiten]

Nach dem Ende der Musikzeitschrift Sounds entwickelte sich die Spex zur führenden deutschsprachigen subkulturell orientierten Musikzeitschrift. Spex entdeckte häufig Trends, so dass andere Medien Themen und Diskussionen der Zeitschrift aufgriffen. In der Spex erschien beispielsweise im November 1983 einer der ersten deutschsprachigen Berichte über Madonna. Wichtige Autoren von Sounds (wie Diedrich und Detlef Diederichsen, Andreas Banaski, Michael Ruff, Xao Seffcheque und Olaf Dante Marx) wechselten zur Spex, wodurch das Magazin literarisch und theoretisch aufblühte. Diedrich Diederichsen wirkte von 1985 bis 1990 als Chefredakteur; als Mitherausgeber stieg er 1988 ein und blieb es bis 2000. Das Konzept, eine Redaktion nur so weit zu bilden, dass für die Autoren kaum Einschränkungen entstehen, führte zu einer beispielgebenden Mischung von Essays, Artikeln und subjektiven Schreibweisen. Damit wirkte Spex auch stilbildend im Bereich der Popliteratur. Prägende Autoren der Spex waren u. a. auch Ralf Niemczyk (auch Redaktion und Mitherausgeber), Lothar Gorris (Redakteur von 1985–1989 und Mitherausgeber), Hans Nieswandt (Redakteur von 1990–1993), Sebastian Zabel (auch Redaktion), Manfred Hermes, Harald Hellmann, Markus Heidingsfelder, Mark Sikora, Olaf Karnik und Jutta Koether (langjährige Redakteurin und Mitherausgeberin von 1985 bis 2000). Auch Rainald Goetz und Joachim Lottmann veröffentlichten Texte in der Spex. Gestalterisch prägte Christoph Pracht (Inhaber der CCCP Werbeagentur) das Magazin mit einem klar gegliederten Layout.

Cultural Studies (1993–1999)[Bearbeiten]

Nachdem das Magazin seinen Untertitel von „Musik zur Zeit“ in „Magazin für Popkultur“ geändert hatte, wurde es politischer und griff zunehmend weniger musikalische als akademische Trends auf. Vor allem die Namen der Spex-Autoren Mark Terkessidis (Redakteur von 1992–1994), Tom Holert (Redakteur und Mitherausgeber von 1996–1999), Sandra und Kerstin Grether und schließlich Dietmar Dath (Chefredakteur von 1998–2000) standen in dieser Zeit für die sogenannte „Poplinke“. Von 1993 bis 1998 leitete Christoph Gurk das Blatt als Chefredakteur. 1995 trat Wolfgang Tillmans als Mitherausgeber hinzu. Weitere prägende Autoren in diesem Zeitraum waren u. a. Marcel Beyer, Christian Storms, Christoph Twickel, Lars Brinkmann, Oliver von Felbert und Tobias Nagl.

Gegen Ende der 1990er Jahre begann sich eine Krise abzuzeichnen, die sowohl finanzieller Natur war wie auch die inhaltliche Ausrichtung des Blattes betraf. Die sich unterschiedlich entwickelnden Szenen und Gruppierungen der Leserschaft fanden sich in den Artikeln der Spex immer weniger wieder. Aber auch neue, teilweise gratis angebotene Alternativ-Publikationen führten zu einem Auflagenrückgang bei der Spex. Dietmar Dath verarbeitet diese Phase der Zeitschrift in seinem Roman "Phonon oder Staat ohne Namen".

Piranha Media und Uwe Viehmann (2000–2006)[Bearbeiten]

Zum Jahreswechsel 1999/2000 wurde die Spex Verlagsgesellschaft an Piranha Media veräußert. Damit endete auch die bis dahin praktizierte Selbstherausgeberschaft. Der Geschäftsführer von Piranha Media, der Münchener Verleger Alexander Lacher, wurde zum Herausgeber der Zeitschrift. Alexander Lacher machte die Integration einer Modestrecke zur Bedingung für eine Fortführung des Titels.[1] Ein Großteil der alten Mitarbeiter verließ nach der Übernahme das Blatt. Uwe Viehmann wurde zum Chefredakteur ernannt und richtete die Spex anhand der geänderten Marktbedingungen aus. Die Spex wurde von nun an durchgängig vierfarbig gedruckt. Als Zugabe zum Heft wurde in den ersten beiden Jahren eine CD-ROM beigelegt,[2] später eine Audio-CD mit einer Zusammenstellung von Artikel-bezogenen Musikstücken. Spex wurde in diesem Zeitraum auf der einen Seite eine unkritische Haltung gegenüber der Werbe- und Musikindustrie vorgeworfen, andererseits wurden der neue Kurs und die Qualität der Zeitschrift aber auch durch diverse Preise und Auszeichnungen bestätigt (LeadAward[3] und ADC Award[4]).

Berliner Redaktion (seit 2007)[Bearbeiten]

Ein von der Verlagsleitung angestrebter Umzug von Köln nach Berlin scheiterte im Sommer 2006 vorläufig am Widerstand der Redaktion.[5] Zum Jahreswechsel 2006/2007 wurde der Umzug allerdings vollzogen. Die komplette Redaktion inklusive Chefredakteur Uwe Viehmann stellte sich gegen den Umzug und wurde daraufhin von der Verlagsleitung entlassen. Die Standortverlegung und die damit einhergehende Auflösung der Spex-Redaktion wurde von zahlreichen heftigen kritischen Reaktionen und Stellungnahmen in der publizistischen Öffentlichkeit begleitet.[6]

Max Dax übernahm als neuer Chefredakteur die Leitung des Objekts und stellte sich in der Märzausgabe 2007 der Leserschaft vor. Die Erscheinungsweise des Magazins wurde von elf Ausgaben pro Jahr auf eine zweimonatliche Veröffentlichung umgestellt. Anknüpfend an die Blütezeit der Spex sollen sich wieder Debatten mit Hilfe des Publikationsorgans Spex entwickeln können. Unter der neuen Leitung werden ausführliche Interviews abgedruckt, die erzählerische Dimension der Artikel entfaltet sich auf mehr Raum, aber auch visuelle Aspekte, wie ausführliche „schräge“ Modestrecken, großformatige Fotos und klar gegliederte Gestaltung, werden betont. In theoretischer Hinsicht verfolgt das Blatt nunmehr einen pragmatisch-kritischen Ansatz. Fragen nach sozio-kultureller Veränderung und Verantwortungsbewusstsein werden beispielsweise in der Artikelserie „Digitale Evolution“ erörtert. Künstlerische Schwerpunkte liegen im Bereich Avantgarde und zeitgenössischer Kunst. Als prägende Autoren treten u. a. in Erscheinung: Robert Defcon, Jens Balzer, Klaus Theweleit sowie die Redaktionsmitglieder Jan Kedves und Wibke Wetzker.

Im Oktober 2010 wurden Jan Kedves und Wibke Wetzker zu Chefredakteuren der Zeitschrift, nachdem Max Dax den Posten im selben Monat aufgab.[7]

Im April 2012 übernahm Torsten Groß (Redakteur des Rolling Stone) die Position des Chefredakteurs.[8] Komplettiert wird die Redaktion seitdem von Arno Raffeiner, Jacqueline Krause-Blouin und Jan Wehn, sowie Thomas Vorreyer als Onlineredakteur.

2013 veröffentlichten der ehemalige Chefredakteur Dax und die Journalistin Anne Waak ein Buch mit Texten aus 33 1/3 Jahren Spex, die danach ausgewählt waren, die Veränderung der Sprache des Musikjournalismus zu dokumentieren.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Hinz: Cultural Studies und Pop – Zur Kritik der Urteilskraft wissenschaftlicher und journalistischer Rede über populäre Kultur. Westdeutscher Verlag, Opladen / Wiesbaden 1998
  • Mark Siemons: Die Pop-Intellektuellen, die Ironie und der Krieg. Eine Episode aus dem Distinktionsgetümmel. In: Kursbuch, 142, 2000.
  • Richard Gebhardt: Zur Rezeption der Cultural Studies in ‚Spex – Magazin für Pop-Kultur‘. In: Die Werkzeugkiste der Cultural Studies. Hrsg. v. Lothar Mikos und Rainer Winter. Bielefeld 2001, S. 175–200.
  • Harun Maye: Living in a magazine. Spex sozialdemokratisiert den Pop. In: Ästhetik & Kommunikation, 34, 2003, Heft 122/123, S. 161–167.
  • Harun Maye: Die Rückkehr zum Konkreten. Der Neue Journalismus in deutschen Magazinen für Popkultur. In: Texte zur Kunst, 14, 2004, Heft 55, S. 96–103.
  • Max Dax, Anne Waak: Spex. Das Buch. 33 1/3 Jahre Pop. AV - Die Anderen Verlage, 2013, ISBN 978-3-8493-0033-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offener Brief von Alexander Lacher an Dietmar Dath (26. Dezember 2006)
  2. Daniela Burger: Spex CD-ROM – Diplomarbeit, Fachhochschule Potsdam, 2001. (Über die CD-ROMs, die 2000–2001 als Heftbeilage produziert wurden; enthält auch Informationen zur Zeitschrift selbst.)
  3. 2003 nominiert für „Lead Magazin des Jahres“ und „Still-Life-Fotografie des Jahres“; 2004 2. Preis für „Visual Leader des Jahres“ und 1. und 3. Preis für „Mode- und Lifestylebeitrag des Jahres“ sowie 2. Preis für „Lifestyle-Onlinemagazin des Jahres“; 2005 2. Preis für „Illustrationsbeitrag des Jahres“; 2006: 3. Preis für „Mode- und Lifestylebeitrag des Jahres“.
  4. 2003 Bronze für Gestaltung, Bronze in der Kategorie „Zeitschriften Beiträge“, sowie zwei Mal ausgezeichnet für die Cover-Gestaltung; 2004 Bronze für Gestaltung, sowie einmal ausgezeichnet in der Kategorie „Zeitschriften Beiträge“; 2005 Silber für Gestaltung, ausgezeichnet für Cover-Gestaltung. 2007 wurde die gestalterische Arbeit von Bureau Mario Lombardo für Spex ausgezeichnet.
  5. Wir Lassen Den Dom In Kölle. Spex zieht nicht nach Berlin. de:Bug News, 24. August 2006
  6. Reinhard Jellen: Spex wird geschreddert. Die Übersiedlung des Musikmagazins von Köln nach Berlin markiert das Ende einer Ära. Telepolis, 21. Dezember 2006
    Jens Balzer: Das Ende der Spex (wie wir sie kannten). In: Berliner Zeitung, 21. Dezember 2006
    Ralf Niemczyk: Vom Wahnsinn umzingelt. In: taz, 22. Dezember 2006
  7. Julian Weber: Ausgekocht, eingedampft. In: taz, 15. Oktober 2010
  8. Christian Werthschulte: Zurück zur Musik mit neuem Chef. In: taz, 31. März 2012
  9. Laut geschrien wird ohnehin immer. In: taz, 18. März 2013