Electroputere V-54

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Electroputere V-54
Bucureşti EP-V3A Bogie Car June 1996 - Flickr - sludgegulper.jpg
Anzahl: 303 (inklusive Vorgängerbaureihe Festival V-951)
Hersteller: Electroputere
Baujahr(e): 1955–1959
Achsformel: B'B'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 14.805 mm
Breite: 2292 mm
Drehzapfenabstand: 6010 mm
Leermasse: 18.000 kg
Stromsystem: 600 V = (Timișoara) bzw.
750 V = (Bukarest, Oradea)
Stromübertragung: Oberleitung
Anzahl der Fahrmotoren: 4
Betriebsart: Einrichtungsfahrzeug
Sitzplätze: 22
Besonderheiten: nicht mehrfachtraktionsfähig, ausgelegt für Fahrgastfluss

Als Electroputere V-54 oder kurz EP V-54 beziehungsweise V-54 wird ein ehemaliger rumänischer Straßenbahn-Triebwagen des Herstellers Electroputere aus Craiova bezeichnet. Das Unternehmen – eigentlich ein Lokomotivhersteller – fertigte in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre insgesamt 303 dieser Großraumwagen. Sie kamen bei der Straßenbahn Bukarest, bei der Straßenbahn Oradea und bei der Straßenbahn Timișoara zum Einsatz. Die Typenbezeichnung ist eine Kurzform für vagon de anul 1954rumänisch für Wagen des Jahres 1954 – und leitet sich aus dem Konstruktionsjahr ab.

Vorgängerbaureihe V-951[Bearbeiten]

Der V-54 ist weitgehend baugleich mit dem drei Jahre älteren Bukarester Typ V-951, der auch den Beinamen Festival trug. Namensgebend waren hierbei die Weltfestspiele der Jugend und Studenten, die 1953 in Bukarest stattfanden. Die 37 Exemplare mit den Betriebsnummern 3001 bis 3037 wurden jedoch noch direkt durch die Hauptwerkstätte der Bukarester Verkehrsbetriebe – damals Întreprinderea de Transport București beziehungsweise kurz I.T.B. – hergestellt. Der Prototyp wurde 1951 fertiggestellt, die Serienwagen folgten in den Jahren 1952 (sechs Stück) und 1953 (30 Stück). Nach dem ab 1950 produzierten Typ Gb 2/2 der Straßenbahn Timișoara war der V-951 der zweite moderne Großraumstraßenbahnwagen Rumäniens.

Wie später der Typ V-54 besaßen auch die Festival-Wagen konventionelle Tatzlagermotoren und eine Direktschaltung, infolgedessen konnten sie auch nicht in Mehrfachtraktion betrieben werden. Wagen 3037 gelangte 1954 zu Electroputere nach Craiova und diente als Baumuster für die spätere Baureihe V-54, in diesem Zusammenhang wurde die Konstruktion etwas überarbeitet und verbessert.

Die Bukarester Hauptwerkstatt selbst nutzte hingegen die freigewordenen Kapazitäten, um die teilweise noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammenden Altbauwagen mit Holzaufbau zu modernisieren. Auf diese Weise entstanden ab 1956 die Rekowagen des Typs Vo56 samt dazu passender Beiwagen.

Einsatzbetriebe[Bearbeiten]

Bukarest[Bearbeiten]

Zwei Electroputere-Züge begegnen sich bei der Universität, rechts ein Zug mit einem noch nicht motorisierten V-54 als Beiwagen, links ein V-54 mit einem I.T.B.-Zweiachsbeiwagen
Juni 1996: Der 1978 modernisierte Triebwagen 6032 mit einem V12/V3A-Beiwagen

Nach Bukarest wurde in den Jahren 1955 bis 1959 mit 232 Triebwagen der mit Abstand größte Anteil der V-54-Produktion geliefert. Sie wurden dort unter den Betriebsnummern 3037 bis 3268 in den Bestand eingereiht. Beim ersten Wagen mit der Nummer 3037 handelte es sich dabei um den ehemaligen V-951 der im Jahr zuvor als Baumuster diente und fortan als V-54 geführt wurde. Mangels elektrischer Ausrüstungen mussten jedoch 106 von ihnen zunächst als Beiwagen laufen, sie konnten erst zwischen 1961 und 1965 nachträglich motorisiert werden.

Die Hauptstadt erhielt darüber hinaus als einziger der drei Betriebe auch 80 zu den Triebwagen passende vierachsige Beiwagen von Electroputere. Diese waren etwas kürzer als die Motorwagen, ihre Typenbezeichnung lautete Vo12. Abgesehen davon wurden die Triebwagen auch mit zweiachsigen Beiwagen anderer Typen behängt.

Zwischen 1976 und 1981 modernisierte die Hauptwerkstätte der Bukarester Straßenbahn (Uzina de Reparaţii Atelierele Centrale, kurz U.R.A.C.) 172 der zusammen 268 Bukarester V-951 und V-54-Triebwagen, wodurch die neue Baureihe EP/V3A entstand:

  • 1976: 6001
  • 1977: 6002–6023
  • 1978: 6024–6043
  • 1979: 6044–6068
  • 1980: 6069–6093
  • 1981: 6094–6162
  • 1982: 6163–6172

Zu erkennen waren die umgebauten Wagen an den neuen Einholmstromabnehmern, den neuen Drehgestellen, der einteiligen Frontscheibe samt neuer Linienverlaufsanzeige und den Klappfalttüren. Zuvor besaßen sie zweiteilige Schiebetüren, eine zweigeteilte Frontscheibe sowie eine einfache Liniennummernanzeige. Zudem erhielten sie auch eine neue elektrische Ausrüstung. Von den verbleibenden 96 Triebwagen baute man 92 in – analog zu den Triebwagen modernisierte – Beiwagen um, vier wurden ausgemustert. Diese 92 Beiwagen wurden fortan ebenfalls als EP/V3A bezeichnet und erhielten die Betriebsnummern 6201 bis 6286 und 6288 bis 6293. Die 80 Original-Beiwagen des Typs V-12 wurden ebenfalls modernisiert und erhielten die neue Typenbezeichnung V12/V3A. Sie erhielten die neuen Nummern 6287 und 6294 bis 6372. Somit standen erstmals gleich viele Triebwagen wie Beiwagen zur Verfügung.

Ab den 1980er Jahren wurden die EP/V3A dann zunehmend durch modernere Gelenkwagen ersetzt, mit einem Teil der infolgedessen überzähligen Beiwagen bildete man ab 1988 auch Electroputere-Dreiwagenzüge mit einem Triebwagen und zwei Anhängern.[1] Die letzten Electroputere-Züge in Bukarest verkehrten im Jahr 2000, einige blieben als Arbeitswagen erhalten.[2]

Timișoara[Bearbeiten]

Die 20 Wagen für Timișoara wurden wie folgt abgeliefert:

  • 1955: 5 Wagen (208–212)
  • 1956: 7 Wagen (213–219)
  • 1959: 8 Wagen (220–227)

Die Nummerierung erfolgte im Anschluss an die sieben Großraumwagen des Typs Gb 2/2 mit den Nummern 201 bis 207. Die Wagen 208 und 209 wurden in den 1960er Jahren in 228 und 229 umbenannt, weshalb in manchen Quellen 22 Wagen erwähnt werden.[3] Zeitweise wurde der Typ V-54 in Timișoara auch als T.8 bezeichnet. Die V-54 kamen in Timișoara zunächst nur solo zum Einsatz. In den Jahren 1961 bis 1966 beschaffte die damalige Intreprinderii de Transport Timișoara schließlich bei I.T.B. 37 zweiachsige Beiwagen des Typs Vo15. Von ihnen waren 24 für den Einsatz hinter den Vo58 vorgesehen, die übrigen 13 hingegen für die V-54. Für den Anhängerbetrieb mussten die Electroputere-Triebwagen vorher umgebaut werden, dies geschah wie folgt:

  • 1965: 210 und 228
  • 1966: 211, 215, 220 und 229
  • 1967: 212, 213, 214, 216, 218, 219 und 226
  • 1968: 217, 221, 222, 224, 225 und 227
  • 1969: 223

Weil das Netz der Straßenbahn Timișoara in den 1950er Jahren noch überwiegend auf den Zweirichtungsverkehr ausgelegt war, konnten die ersten V-54 nur auf der Linie 2 sowie der Ringlinie 6 eingesetzt werden. Erst 1958 kam durch die Einrichtung einer zweiten Ringlinie – der Linie 5, die 1959 in Linie 7 umbenannt wurde – eine dritte Einsatzstrecke hinzu. Der Ringschluss im Stadtbezirk Fabric ermöglichte schließlich ab 1959 auch den Einsatz auf der Linie 1. Nachdem jedoch der Ringverkehr auf der Linie 7 infolge der Stilllegung der Strecke durch die damalige Calea Șagului 1969 wieder unterbrochen wurde, entfiel die Linie 7 wieder als Einsatzgebiet.

Zwischen 1972 und 1976 wurden die V-54 dann auch auf den Hauptlinien 1, 2 und 6 durch Timiș2-Züge ersetzt. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre waren sie auf der 1973 neu eingeführten Linie 8 anzutreffen sowie ab 1976 kurzzeitig auch auf der Linie 4, zuletzt dann bis Mitte der 1980er Jahre auf der Linie 7, die ab 1980 wieder als Ringlinie mit Einrichtungswagen betrieben wurde. Mit Ausnahme des Wagens 229, der einige Jahre als Arbeitswagen diente, wurden alle Timișoaraer V-54 verschrottet. Nachdem 1996 auch Wagen 229 abgebrochen wurde, beschaffte das örtliche Verkehrsunternehmen Regia Autonomă de Transport Timișoara im Jahr 1999 aus Bukarest den Zug 6026–6207, um aus historischen Gründen auch in Timișoara einen V-54 vorweisen zu können. Der Triebwagen wurde 2008 restauriert und mit der Nummer 229 versehen, der Beiwagen ist hingegen zur Verschrottung vorgesehen.

Oradea[Bearbeiten]

Oradea bekam mit 15 Triebwagen die geringste Stückzahl zugeteilt, sie wurden alle 1957 dorthin geliefert und erhielten die Betriebsnummern 44–54, 56 und 58–60.[4] Besonders charakteristisch für die Oradeaer V-54 war ihr Lyrastromabnehmer. Wie in den beiden anderen Städten kamen sie sowohl solo als auch zusammen mit zweiachsigen I.T.B.-Beiwagen zum Einsatz. 1960 baute der örtliche Verkehrsbetrieb den Wagen 56 zu einem Beiwagen um, so dass auch ein typenreines Electroputere-Gespann existierte. 1980 waren noch alle 14 Triebwagen vorhanden, der Beiwagen existierte damals nicht mehr. Ende 1986 befanden sich schließlich nur noch fünf V-54 im Bestand, bevor auch diese im Laufe des Jahres 1989 ausgemustert und durch Timiș2-Züge sowie V2A- und V3A-Gelenkwagen ersetzt wurden.[5]

Fahrgastfluss[Bearbeiten]

Eine Besonderheit war das ursprünglich angewandte Fahrgastflussverfahren beim V-54. Der Einstieg erfolgte anfangs über den etwas breiteren Türbereich in der Mitte, der dort sitzende Schaffner fertigte zwei Fahrgäste gleichzeitig ab. Diese rückten dann entweder nach links oder nach rechts in den Wagen auf, der Durchgang zwischen den beiden Wagenhälften wurde durch eine Stange verhindert. Der Ausstieg erfolgte über die etwas schmäleren Türen vorne und hinten. Dieses Prinzip bewährte sich jedoch nicht, weshalb die Wagen später auf einen gewöhnlichen Fahrgastfluss mit Einstieg an der Hecktüre – wo sich fortan auch der Schaffnersitz befand – umgebaut wurden.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dorin Sarca, Gh. Radulovici: Centenarul tramvaielor din Timișoara, Monografie 1869−1969. Timișoara 1969.
  •  Hans Lehnhart und Claude Jeanmarie: Straßenbahn-Betriebe in Osteuropa II. Verlag Eisenbahn, Villingen 1977, ISBN 3-856490-32-9.
  •  1869−1994, 125 de ani de circulație cu tramvaiul în Timișoara, Monografie. Timișoara 1994.
  •  A. Günther, S. Tarkhov, C. Blank: Straßenbahnatlas Rumänien 2004. Arbeitsgemeinschaft Blickpunkt Straßenbahn e. V., Berlin 2004, ISBN 3-926524-23-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uzina de Reparaţii – Atelierele Centrale auf www.ratb.ro
  2. Straßenbahnatlas Rumänien 2004, Seite 10
  3.  1869−1994, 125 de ani de circulație cu tramvaiul în Timișoara, Monografie. Timișoara 1994.
  4. A járműpark története auf www.eminescu.rdsor.ro
  5. Borcea Liviu, Mihai Apan und Moisa Gabriel, De la o stație la alta, Editura Arca, Oradea, 2006, Seite 120
  6. Hans Lehnhart, Die Straßenbahnbetriebe in Rumänien, Sonderdruck aus der Fachzeitschrift DER STADTVERKEHR Heft 11/12-1966 und 3/1967, Seite 4