Triebwagen

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Dieser Artikel beschreibt das Schienenfahrzeug. In Abgrenzung zum Busanhänger wurden früher auch Oberleitungsbusse so bezeichnet.
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Arbeitstriebwagen British Rail MPV
Polnischer Newag 19WE

Triebwagen sind angetriebene Schienenfahrzeuge, die regulär auch Platz für Fahrgäste oder Fracht bieten. Im Unterschied dazu bieten Lokomotiven, die zum Befördern angekuppelter Wagen dienen, mit Ausnahme der Gepäcklokomotiven keinen solchen separaten Raum für Beförderungen. Bereits 1854 wurde eine Dampfdraisine mit einem Personenabteil auf der Berlin-Hamburger Eisenbahn eingesetzt. Dies war der erste Dampftriebwagen. Im späteren Verlauf wurden Triebwagen überwiegend im Straßenbahnbetrieb eingesetzt, nach dem Verschwinden der Pferdestraßenbahn wurden sie dort das praktisch ausschließliche Beförderungsmittel, an die bald auch zusätzliche motorlose Wagen angehängt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen [Bearbeiten]

Deutsch [Bearbeiten]

  • Ein Triebwagen ist ein einzelner, angetriebener Wagen, der allein oder zusammen mit Steuer-, Mittel- und Beiwagen als Zug eingesetzt wird. Gewisse Triebwagen können auch anstelle einer Lokomotive einen Zug befördern.
  • Ein Doppeltriebwagen besteht aus zwei fix gekuppelten Triebwagen und wird gleich wie ein Triebwagen eingesetzt.
  • Ein Gelenktriebwagen ist ein Triebwagen, der aus mehreren gelenkig verbundenen Kastenelementen besteht, z. B. mit Jakobs-Drehgestell, aufgesattelt wie beim GTW oder in der Art der Kurzgelenkwagen.
  • Ein Triebzug ist eine mit eigenem Antrieb versehene, im Regelbetrieb nicht trennbare Einheit aus mehreren Fahrzeugen; diese werden je nach Funktion als Triebwagen/Triebkopf, Mittel- und Steuerwagen bezeichnet. Auch vielteilige Gelenktriebwagen werden als Triebzüge bezeichnet. Der Triebzug unterscheidet sich vom Wendezug (schweiz.: Pendelzug) dadurch, dass die Mittelwagen nicht als normale Reisezugwagen verwendet werden können. Allerdings werden auch Wendezüge heute oft nur noch in den Fahrzeugunterhaltungszentren umformiert. Andererseits umfassen manche Triebzüge keinen einzigen Triebwagen, wenn nämlich die Triebköpfe nichts außer Fahrstand und Antriebseinrichtungen enthalten und keine Achse der Fahrgastwagen angetrieben ist.
  • Ein Triebwagenzug wird aus zwei oder mehreren Triebwagen – also ausschließlich motorisierten Einheiten – gebildet (zum Beispiel ET 403 und ET 420 der Deutschen Bundesbahn). Diese über Jahrzehnte verwendete klare Definition wurde zuletzt jedoch verwässert; nach einer neueren, zu Kuppelzwecken getroffenen Definition handelt es sich um Triebwagenzüge, sofern die gekuppelten Triebwageneinheiten betrieblich trennbar sind – z. B. für Flügelzugkonzepte. (Einheiten, die betrieblich nicht trennbar sind, seien dagegen allein schon aus diesem Grund Triebzüge.)[1]
  • Als Zwillingstriebwagen bezeichnet man zwei permanent miteinander gekuppelte Straßenbahn-Triebwagen die nur gemeinsam eingesetzt werden können
  • Als Beitriebwagen oder geführten Triebwagen bezeichnet man einen Straßenbahn-Triebwagen der keine vollwertige Führerstandseinrichtung besitzt und nicht an erster Stelle eines Zugverbands eingesetzt werden kann
  • Sind zwei Triebwagen in einem Zug zusammengekuppelt, so spricht man von Doppeltraktion, bei drei Triebwagen von Dreifachtraktion usw.
  • Triebwagenzüge können außer Triebwagen auch nichtmotorisierte sogenannte Beiwagen umfassen.

Umgangssprachlich werden die Begriffe „Triebwagen“, „Triebzug“ und „Triebwagenzug“ nicht immer scharf voneinander abgegrenzt. „Triebzug“ wird dabei eher im technischen Zusammenhang verwendet; für kürzere Einheiten wird dafür häufig auch der Begriff „Triebwagen“ gebraucht.

Andere Sprachen [Bearbeiten]

In manchen Sprachen gibt es kein Wort, das alle Fahrzeugtypen abdeckt, die im Deutschen als Triebwagen bezeichnet werden.

  • Das Französische unterscheidet bei Einzeltriebwagen zwischen «motrice» (bei der Straßenbahn), «automotrice» (Elektro- und Dampftriebwagen bei der Eisenbahn) und «autorail» (Verbrennungstriebwagen). Triebzüge jeder Antriebsart heißen französisch «rame automotrice»(fr.wiki).
  • Das Italienische nennt Einzeltriebwagen unabhängig von der Antriebsart „automotrice“, Elektrische Triebzüge „elettrotreno“ (it.wiki).
  • Im Spanischen heißen Triebwagen unabhängig von der Antriebsart „automotora“, Triebzüge „unidad de tren“ (es.wiki).
  • Ähnlich ist es im Rumänischen: Der Triebwagen heißt Automotor (Pl.: Automotoare) und kann ein „automotor diesel“ oder ein „automotor electric“ sein. Ein elektrischer Triebzug heißt abgeleitet vom Französischen „rama electrica“ (ro.wiki).
  • Im Englischen heißen Einzeltriebwagen "railcar". Im amerikanischen Englisch, wo railcar auch gewöhnliche, also unmotorisierte Eisenbahnwagen bezeichnet, gibt es daneben für Triebwagen die genauere Bezeichnung "railmotor". Im irischen Englisch verwendet man railcar auch für Triebzüge. Korrekt werden Triebzüge als "multiple units" bezeichnet, unterschieden nach Antrieb in "electric multiple unit" (EMU, en.wiki), "diesel multiple unit" (DMU, en.wiki) und "bimodal multiple unit" (BMU). Oft wird dahinter in Ziffern die Anzahl der verbundenen Fahrzeuge angegeben, z. B. "DMU3". Nach diesem Schema werden Einzeltriebwagen wiederum auch als "EMU1" oder "DMU1" bezeichnet.
  • Im Niederländischen bezeichnet man Einzeltriebwagen einfach als „motorrijtuig“ (dt.: Motorfahrzeug), was auch motorisierte Draisinen einschließt, im Flämischen als „motorwagen“. Triebzüge nennt man „treinstel“ (nl.wiki).
  • Im Russischen heißt der Einzeltriebwagen Автомотриса (Awtomotrisa), der Triebzug übergreifend Моторвагонный подвижной состав (Motorwagonnyj Podwischnoj Sostaw, ru.wiki) oder je nach Antrieb Электропоезд (Elektropojesd, dt.: „Elektrozug“, ru.wiki) oder Дизель-поезд (Disel-Pojesd, dt.: Dieselzug, ru.wiki).
  • Im Ungarischen heißt der Triebwagen „motorkocsi“ und der Triebzug „motorvonát“ (hu.wiki). Beim Betrachtungen zur Eisenbahngeschichte ist zu beachten, dass die Dampfmaschine „gözmotor“ heißt und daher auch Dampftriebwagen das Kürzel „mot“ in der Seriennummer tragen.

Straßenbahn [Bearbeiten]

Bei der Straßenbahn verkehren Triebwagen meistens alleine oder in Mehrfachtraktion. Früher weit verbreitet und heute etwas seltener ist der Betrieb mit Beiwagen ohne eigenen Antrieb. Einrichtungsfahrzeuge haben nur einen Führerstand und Türen nur auf einer Seite; sie benötigen an den Endstellen Wendeschleifen. Zweirichtungswagen sind so wie Eisenbahnfahrzeuge frei in beide Richtungen verwendbar. Vereinzelt wurden auch zwei Triebwagen „Rücken an Rücken“ gekuppelt, so dass sie als Zweirichtungszug verwendet werden können. Für die freie Verwendbarkeit müssen die beiden Triebwagen sowohl links als auch rechts Türen besitzen. Man spricht dann auch von Anderthalbrichtungsfahrzeugen. Anstelle eines zweiten Triebwagens kann auch ein mit Führerstand ausgerüsteter Beiwagen, also ein Steuerwagen eingesetzt werden.

Eisenbahn [Bearbeiten]

Neben den Triebwagen des Personenverkehrs gibt es auch Gütertriebwagen und Arbeitstriebwagen. Gepäcktriebwagen sind heute vor allem noch in der Schweiz anzutreffen, sind andernorts mit dem Rückgang oder der Abschaffung des Gepäcktransports aber verschwunden. In einigen Ländern gab und gibt es spezielle Posttriebwagen oder -züge, zum Beispiel in Belgien, den Niederlanden oder in Frankreich (dort als „TGV La Poste“).

Vor allem auf Nebenbahnen und Schmalspurbahnen wurden früher Triebwagen anstelle von Lokomotiven für Personen- und Güterzüge eingesetzt, weil die kleinere Antriebsleistung für das im Vergleich zu Hauptbahnen geringere Verkehrsaufkommen ausreichte und pro Zug ein Reisezugwagen eingespart werden konnte. Solche Triebwagen wurden gelegentlich als Schlepptriebwagen bezeichnet. Auf einigen Schmalspurbahnen, z. B. bei der Berninabahn, hat sich diese Betriebsart bis heute gehalten und in Zukunft werden dreiteilige Triebzüge die Traktion der Züge übernehmen.

Am häufigsten finden sich Triebwagen im elektrischen Betrieb als Elektrotriebwagen. Ebenfalls große Verbreitung gefunden haben Dieseltriebwagen, wogegen Benzintriebwagen und Dampftriebwagen vergleichsweise selten waren. Triebwagen mit mehreren Antriebsarten (Hybridantrieb) heißen Zweikrafttriebwagen.

Triebzüge stellen einen im Betrieb unteilbaren Verband von Fahrzeugen dar, im einfachsten Fall ein Trieb- und ein Steuerwagen. Meistens wird der Begriff Triebzug allerdings erst für mindestens dreiteilige Züge gebraucht. Anstelle von Triebwagen können in Triebzügen auch Lokomotiven eingereiht sein, in diesem Falle spricht man dann von einem Triebkopf.

Kennbuchstaben nach technischer Ausrüstung [Bearbeiten]

In Deutschland und Österreich sind die folgenden Kennbuchstaben gebräuchlich:

  • DTDampftriebwagen, z. B. BBÖ Reihe DT 1, spätere ÖBB Reihe 3071
  • ET – Elektrotriebwagen/-triebzug, z. B. DB-Baureihe 425. Teilweise wird hierfür auch die englische Abkürzung EMU (Electrical Multiple Unit) verwendet.
  • ETAAkkumulatortriebwagen, DB Baureihe ETA 150, später DB Baureihe 515
  • VTVerbrennungstriebwagen/-triebzug; heutzutage handelt es sich dabei in aller Regel um Dieseltriebwagen/-züge, z. B. DB-Baureihe 628. Für solche wird gelegentlich auch die englische Abkürzung DMU (Diesel Multiple Unit) bzw. bei dieselelektrischem Antrieb DEMU (Diesel-Electrical Multiple Unit) verwendet.
  • SVTSchnelltriebwagen mit Verbrennungsmotor, ehemals bei der Deutschen Reichsbahn vor 1945

In der Schweiz sind die meisten dieser Kennbuchstaben und Abkürzungen ungebräuchlich, ausgenommen DTZ für die elektrischen Doppelstock-Triebzüge SBB RABe 514 der S-Bahn Zürich. Der Triebwagentyp geht aus der Bauartbezeichnung hervor, beispielsweise:

  • RAm – Triebwagen/Triebzug mit mindestens 110 km/h (R), nur 1. Klasse (A), Brennstoffantrieb (m), z. B. SBB RAm TEE
  • RBe – Mindestens 110 km/h, nur 2. Klasse, elektrisch (e), z. B. SBB RBe 540
  • RABDe – Mindestens 110 km/h, 1. und 2. Klasse, Gepäckabteil (D), elektrisch, z. B. SBB RABDe 8/16
  • Deh – Reiner Gepäcktriebwagen, elektrisch, Adhäsions- und Zahnradantrieb (h nach e), z. B. BVZ Deh 4/4
  • Bhe – Nur 2. Klasse, reiner Zahnradantrieb (h vor e), elektrisch, z. B. PB Bhe 1/2

Triebwagen als Zuggattung [Bearbeiten]

S-Bahn-artige Züge sind nicht berücksichtigt. –

Deutschland [Bearbeiten]

Bei der Deutschen Bundesbahn wie auch der Deutschen Reichsbahn wurden Triebwagen lange Zeit als eigene Zuggattungen geführt, mit dem Hinweis, dass der Platz in diesen Zügen beschränkt sein könnte. Andere Züge hatten damals beispielsweise in der Regel Packwagen.

  • T – (Nahverkehrs-)Triebwagen. Oft waren das Schienenbusse. Andere Züge der untersten Zuggattung hatten lange Zeit als einfache Personenzüge gar keinen Buchstaben vor der Nummer, bekamen dann um 1970 das N für Nahverkehrszug.
  • Et – Eiltriebwagen, die Triebwagenversion des Eilzuges [2]
  • Dt – Schnelltriebwagen; Treibwagenversion des D-Zugs, im Gegensatz zu diesem allerdings grundsätzlich mit Großraumwagen.
  • FDt – Fernschnelltriebwagen, etwa die Fliegenden Züge der 1930er Jahre, technisch die Baureihen DR 137 und DR 877
  • TEE – Von ihrer Einführung bis 1965 waren die in Deutschland verkehrenden Trans-Europ-Express-Züge grundsätzlich Dieseltriebzüge, darunter die DB-Baureihe VT 11.5 und ähnliche Züge anderer westlicher Staatsbahnen.
  • Ext – Expresstriebwagen bei der Reichsbahn der DDR, technisch zuerst Triebzüge ungarischer Produktion (Ganz-MAVAG, bei der DR als VT 12.14), später Züge der DR-Baureihe VT 18.16.[3]

In den Zuglauftabellen wurde das T bei der DB seit 1955, bei der DR seit 1960 zunehmend durch das Triebwagensymbol der UIC ersetzt.

Durch die gegenwärtigen Privatisierungstendenzen und die Darstellung von Zügen privater Träger als Zuggattungen sind neue Gattungskürzel hinzugekommen, die praktisch für Triebwagenzüge stehen, wenn der jeweilige Träger nur Triebwagen betreibt.

Schweiz [Bearbeiten]

Österreich [Bearbeiten]

  • TS – Triebwagenschnellzug, u.a. bis 1971 für TEE-Züge wie den Mediolanum

Spanien [Bearbeiten]

  • TER – Tren Español Rápido. Diese reservierungspflichtigen Schnelltriebwagen der RENFE verkehrten von 1965 bis 1990. Technisch waren es zweiteilige Dieseltriebwagen der Baureihe 9700, später umbenannt in 597.

Übersicht über die Triebwagenentwicklung im deutschen Eisenbahnverkehr [Bearbeiten]

Dampftriebwagen
Bauzeichnung Preußischer VT 2, zweite Serie, späterer VT 159
Schnelltriebwagen Typ "Hamburg" der DR
Elektrotriebwagen der DB: ET 30/430
Führerstand eines Triebwagens der Ortenau-S-Bahn

Die ersten Dampftriebwagen wurden in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts im Nahverkehr eingesetzt.

Bei den meisten frühen elektrischen Bahnen wurden zunächst straßenbahnartige Triebwagen verwendet, so beispielsweise bei der Volk’s Electric Railway von Magnus Volk in Brighton, die den Betrieb im August 1883 aufnahm, der 1895 in Betrieb genommenen ersten deutschen elektrischen Vollbahn Meckenbeuren–Tettnang, der 1900 eröffneten Elektrischen Kleinbahn Mansfeld und der 1903 eröffneten Elektrischen Kleinbahn Alt-Rahlstedt–Volksdorf–Wohldorf bei Hamburg.

Bei der ab 1907 elektrisch betriebenen Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn wurden demgegenüber kurzgekuppelte und mit Motorantrieb versehene preußische Abteilwagen verwendet.

Infolge der Entwicklung der elektrischen Antriebstechnik kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Elektrotriebwagen und auch Akkumulatortriebwagen (z. B. in Preußen spätere ETA 177) auf, ebenfalls überwiegend für den Nahverkehr. Im Jahre 1903 stellte ein Drehstrom-Triebwagen auf dem Abschnitt Marienfelde–Zossen der Militäreisenbahn Marienfelde–Zossen–Jüterbog den Geschwindigkeitsrekord von 210 km/h auf.

Zwischen 1907 und 1915 wurden von den Preußischen Staatsbahnen insgesamt 24 Verbrennungstriebwagen unterschiedlicher Bauarten in Dienst gestellt. Sie hatten die Baureihenbezeichnung VT 1 (1 Fahrzeug), VT 2 (2 Serien mit je 10 Fahrzeugen, VT 21 (1 Fahrzeug), und VT 101 bis VT 103 (3 Triebfahrzeuge jeweils mit Steuerwagen). Sie waren sämtlich mit Verbrennungsmotoren ausgestattet, die einen Generator antrieben, der wiederum den elektrischen Strom für die Fahrmotoren erzeugte. Die VT 1, VT 21 und die erste Serie der VT 2 waren Einzelfahrzeuge mit beiderseitigen Führerständen, die zweite Serie der VT 2 und die VT 101 bis VT 103 konnten nach Bedarf zusätzlich mit einem eigenen, motorlosen Steuerwagen gekoppelt werden. Der Ottomotor, bzw. bei den VT 101-103 der Dieselmotor, und der darangekoppelte Generator dieser Fahrzeuge befanden sich meist in einem Vorbau über dem ersten Drehgestell. Die meisten dieser Triebwagen waren vierachsig mit jeweils zwei Drehgestellen bis auf den VT 21 (2-achsig) und die VT 101-103 (fünfachsig). Überwiegend wurden diese Triebwagen von den Eisenbahndirektionen der östlichen preußischen Provinzen sowie in der ED Altona eingesetzt. Von der letzten dieser Bauarten wurden zusätzlich auch zwei Exemplare unter der Bezeichnung DET 1–2 von den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen in Betrieb genommen.[4]

In den 1920er Jahren wurden vermehrt Triebwagen mit Verbrennungsmotor mit unterschiedlichen Konzepten der Kraftübertragung in Dienst gestellt. Es entstanden in Deutschland eine Vielzahl von Nahverkehrstriebwagen und auch erste Eiltriebwagen. Anfang der 1930er Jahre wurde der Schritt zum Einsatz von Triebwagen im Schnellverkehr vollzogen, in Deutschland mit dem Fliegenden Hamburger von 1932 oder dem späteren ET 11.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sowohl für den Nahverkehr als auch für den Fern- und Schnellverkehr neue Triebwagen konzipiert. In den 1950er Jahren entstanden der VT 08 und der VT 11.5 als Schnellverkehrstriebwagen und der ET 30 als Nahverkehrstriebwagen.

Für den Nahverkehr vor allem auf schwach ausgelasteten Nebenbahnen wurde in Deutschland der Schienenbus entwickelt (DB-Baureihen VT 95, VT 97 und VT 98, der u. a. auch bei der ÖBB als Baureihe 5081 zum Einsatz kam).

Für die DR entwickelte der VEB Waggonbau Bautzen den als „Ferkeltaxe“ bekannten Typ VT 2.09. Der VEB Waggonbau Görlitz entwickelte Anfang der 1960er Jahre die Baureihe VT 18.16 (Bezeichnung ab 1970 BR 175) für den schnellen und internationalen Fernverkehr.

Ab Mitte der 1960er Jahre wurde für den Fernverkehr in Deutschland auf lokbespannte Züge gesetzt, Triebwagen wurden vornehmlich für den Nahverkehr beschafft. Die einzige Ausnahme war der IC-Triebwagenzug ET 403 der DB. Erst seit Einführung des ICE werden in Deutschland auch im Fernverkehr wieder vermehrt Triebwagen eingesetzt. Gepäck- oder Gütertriebwagen fanden in Deutschland bisher keine nennenswerte Verbreitung.

Einsatz im Eisenbahnverkehr heute [Bearbeiten]

Auf nicht elektrifizierten Nebenbahnen, manchmal auch auf Hauptbahnen, werden im Nahverkehr Dieseltriebzüge eingesetzt. Sie haben weitgehend die lokbespannten Züge abgelöst. Einige, wie beispielsweise die Baureihe 610 („Pendolino“), verfügen über Neigetechnik.

In den großen Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Frankfurt am Main erledigen elektrische Triebzüge den Nahverkehr als S-Bahnen. Fast baugleiche Elektrotriebzüge fahren zunehmend auch in Regionalbahnverkehren. Diese Züge werden an allen oder fast allen Achsen angetrieben, um die geforderte hohe Beschleunigung zu erreichen.

Der ICE 3, der beispielsweise auf der Neubaustrecke Köln–Rhein/Main verkehrt, sowie der ICE 3MF, der zwischen Frankreich und Südwestdeutschland eingesetzt wird, sind Triebzüge – keine Triebwagenzüge –, da nur ein Teil der Wagen angetrieben wird. Ebenso der mit Neigetechnik ausgerüstete ICE T-Zug.

Technik heute [Bearbeiten]

Für neue Triebwagen-Generationen werden Leichtmetall- und Verbundwerkstoffe verwendet, um die Masse der Fahrzeuge deutlich zu senken. Sie haben meist eine automatische Mittelpufferkupplung statt der herkömmlichen Schraubenkupplung.

Triebwagen mit Verbrennungsmotor haben meist eine hydrodynamische Kraftübertragung mit Strömungsgetrieben. Ein dieselelektrischer Antrieb mit nachgeschaltetem Generator und elektrischen Fahrmotoren ist in Deutschland seltener, er wurde beispielsweise bei den Schnelltriebwagen „Fliegender Hamburger“ von 1936 oder bei den ab 1976 in Betrieb gesetzten LHB VT 2E angewendet und hat heute mit den GTW und den „Talenten“ der Reihe 644 wieder eine gewisse Verbreitung gefunden. Kleinere Triebwagen (Schienenbus) besitzen häufig ein mechanisches Automatikgetriebe mit Retarder aus dem Kraftfahrzeugbau.

Ein Problem bei Diesel-Triebwagen kann die Beeinträchtigung des Fahrkomforts durch Motorgeräusche und Vibrationen sein.

Literatur [Bearbeiten]

  • Günther Klebes: Die elektrischen und Diesel-Triebfahrzeuge auf der Eisenbahntechnischen Ausstellung in Seddin anläßlich der Eisenbahntechnischen Tagung in Berlin in der Zeit vom 21. September bis 5. Oktober 1924. Monographien und Mitteilungen, Folge 20 (Doppelheft). Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e. V. Karlsruhe 1978. ISBN 3-921700-18-3
  • Horst J. Obermayer: Taschenbuch Deutsche Triebwagen. Franckh, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-04054-2

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Triebwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Triebwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Ergänzungsregelung Nr. B 015 „Aus §4 AEG und EBO abgeleitete Schutzziele zum Kuppeln von Fahrzeugen mit automatischer Kupplung im Stand“. Version 2.0 vom 6. Juli 2009
  2. http://www.woernitz-franken.de/agvtwi2.htm Die ARGE-Schienenbus Wilburgstetten mit Hinweis auf eine ET-Fahrlannummer]
  3. Karllex und Karola
  4. VT 1 bis VT 103 In: Preußen-Report Band 9, Hermann Merker Verlag, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-84-7