Mehrfachtraktion

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Regio-Shuttle in Dreifachtraktion
Doppeltraktion bei zwei B80D Wagen der BOGESTRA
Doppeltraktion auf der Inntalstrecke in Oberaudorf
Bei vielen Stadt- und einigen Straßenbahnbetrieben ist die Doppeltraktion Standard. Hier am Beispiel Köln

Befördern mehrere Triebfahrzeuge, beispielsweise Lokomotiven, gemeinsam einen Zug, wird dies als Mehrfachtraktion bezeichnet. Dabei laufen alle diese Fahrzeuge regulär im Zug mit und werden zentral vom ersten Fahrzeug mithilfe einer Mehrfachsteuerung ferngesteuert; das ist eine durch Verbindungskabel geschaffene Fernsteuerung vom vorderen Führerstand zum hinteren Triebfahrzeug. Die einfachste Mehrfachtraktion ist die Doppeltraktion, also das Fahren mit zwei Lokomotiven an einem Zugende bzw. das Kuppeln zweier Triebzüge (siehe auch Flügelung). Analog gibt es Dreifachtraktion, Vierfachtraktion usw.; bei Lokomotiven begrenzt die Zugfestigkeit der Kupplung zum ersten Wagen die mögliche Triebfahrzeuganzahl.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Von der Mehrfachtraktion zu unterscheiden sind:

  • Mehrfachlokomotiven (z.B. Doppellokomotiven) und Gliedertriebzüge, bei denen ein einzelnes Triebfahrzeug aus mehreren (kurz-)gekuppelten Einheiten besteht, die betrieblich nicht oder nur ausnahmsweise trennbar sind
  • Vorspann, bei dem ein Triebfahrzeug zusätzlich vor einen Zug gespannt wird, ohne dass eine Fernsteuerverbindung besteht
  • Nachschieben, wobei ein Zug zeitweise von einem zusätzlichem Triebfahrzeug geschoben wird, das nicht ferngesteuert, eventuell nicht einmal mit dem Zug gekuppelt ist.
  • Wagenlok, wenn zusätzlich zur Zuglokomotive ein nichtarbeitendes Triebfahrzeug zur Überführung „als Wagen“ in den Zug gestellt wird. - Gewissermaßen die funktionelle Umkehrung eines Lokzugs.

Bei Triebwagen und Triebzügen ist ein Kuppeln von Fahrzeugen zu Verbänden ohne Minderung der Fahrleistungen grundsätzlich nur als Mehrfachtraktion möglich. Bei Wagenzügen, vor allem im Güterverkehr, ist oft mehr als ein Triebfahrzeug nötig, um schwere Züge auf bestimmten Strecken überhaupt befördern zu können.

Besondere Formen[Bearbeiten]

Sandwich[Bearbeiten]

Das Lokomotivsandwich (seltener als Tandem, in der Schweiz als Doppelpendelzug bezeichnet), d.h. das Fahren mit zwei Triebfahrzeugen an entgegengesetzten Enden eines Wagenzuges, unterscheidet sich von der Doppeltraktion durch geringere Kupplungsbelastung und Wendezugfähigkeit ohne Notwendigkeit eines Steuerwagens. Bei Kabelfernsteuerung müssen hier allerdings die Wagen die Möglichkeit zur Durchkupplung der Steuerleitung bieten.

Verteilte Traktion[Bearbeiten]

Bei der verteilten Traktion laufen Lokomotiven oder Lokomotivgruppen nicht nur an den Enden, sondern auch in der Mitte eines Wagenzuges. Dies ermöglicht es, größere Zugkräfte an einen Zug zu bringen, ohne die Kupplungen überzubeanspruchen.

In Mittel- und Westeuropa sind im Güterverkehr allgemein keine Mehrfachtraktionsformen außer der einfachen Doppeltraktion üblich; im Personenverkehr kommen allerdings lange Triebwagengespanne (z.B. fünf Einheiten) vor.

Anderswo, vor allem in den USA, herrschen lange Güterzüge mit Dieseltraktion vor. Die hohen Zuggewichte erfordern vielfache, verteilte Traktion ("distribution traction", siehe auch "Distributed Power Unit"). Bis zu acht Lokomotiven pro Zug können vorkommen, dabei erlaubt die hohe Festigkeit der in den USA verwendeten Janney-Kupplungen die Verwendung von bis zu vier sechsachsigen Lokomotiven an der Zugspitze.

A-Unit und B-Unit[Bearbeiten]

B- und A-Unit der EMD F7

In den Vereinigten Staaten wurden für die Beförderung schwerer Güterzüge in Mehrfachtraktion führerstandslose Diesellokomotiven entwickelt, welche man als B-Unit oder als Booster bezeichnete. Diese wurden von einer A-Unit, also einer Lokomotive mit einem Führerstand, aus gesteuert.

Geführte Triebwagen bei der Straßenbahn[Bearbeiten]

Vereinzelt existieren im Straßenbahnbereich sogenannte Beitriebwagen. Diese sind motorisiert, besitzen aber keinen (vollwertigen) Führerstand und können daher nicht an erster Stelle einer Mehrfachtraktion laufen.

Steuerungsarten[Bearbeiten]

Zwei Dampflokomotiven ziehen einen Zug der Liliputbahn im Wiener Prater, einer Parkeisenbahn

Im Dampflokzeitalter gab es keine Mehrfachtraktion im heutigen Sinne, sondern eigentlich nur Vorspann bzw. Nachschieben; alle Lokomotiven waren mit Personal besetzt und wurden einzeln gesteuert, die Kommunikation erfolgte durch Pfeifsignale.

In Europa werden Triebfahrzeuge heute generell über Leitungsverbindungen gesteuert; dabei kommunizieren die Steuerungsrechner der Fahrzeuge über Buskabel, die auch durch die Mittelwagen geleitet werden müssen. Manchmal sind nur baugleiche Fahrzeuge miteinander traktionsfähig. In Deutschland und der Schweiz können viele Lokomotiven und Steuerwagen untereinander vielfachgesteuert werden. Siehe auch: Vielfachsteuerung.

Die verteilte Traktion in den USA u.ä. würde eigentlich eine Steuerleitung verlangen, wie sie in europäischen Schnellgüterwagen oft schon für die elektropneumatische Bremse vorgesehen ist. Diese ist zumindest in den USA jedoch nicht üblich, sodass die Traktionssteuerung per Funk erfolgt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Multiple-unit train control – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien