Elizabeth Craven

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Elizabeth Craven Porträt von Ozias Humphrey circa 1780-1783

Elizabeth Craven (1750-1828) war eine britische Schriftstellerin. Sie war besonders bekannt für ihre Reiseberichte.

Biografie[Bearbeiten]

Elisabeth Craven wurde am 17. Dezember 1750 in Westminster geboren und starb im Alter von 77 Jahren am 13. Januar 1828 in Neapel. Elizabeth Carven war die Tochter des 4. Earl von Berkley und dessen Frau Elizabeth. Der Vater starb, als die Tochter fünf Jahre alt war. Im Alter von 16 Jahren wurde Elizabeth mit William Craven, 6. Baron Craven verheiratet. Das Paar hatte sieben gemeinsame Kinder, trennte sich allerdings nach nur 13 Ehejahren, zur Scheidung kam es jedoch nie.

Bereits drei Jahre vor der arrangierten Hochzeit mit Baron Craven lernte Elizabeth 1764 Markgrafen Karl Alexander von Ansbach und Bayreuth, Prinz zu Sayn.[1], auf einer Reise anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester Georgina nach Paris, kennen.

1782 hält sich Elizabeth Craven wieder in Paris auf, wo es zur Annäherung an den ebenfalls zwangsweise verheirateten deutschen Markgrafen Karl Alexander kommt. Sie erhält eine erste Einladung nach Ansbach. Von 1787 bis 1791 lebt sie am Hof des Markgrafen in Ansbach.

Nach dem Tod ihres Gatten und der Ehefrau des Markgrafen Karl Alexander, beide sterben im Jahr 1791, heiraten der Markgraf und Elizabeth Craven und gehen gemeinsam nach England. Dort verstirbt der Markgraf 1806. Craven zieht daraufhin mit ihrem Sohn Kepel nach Neapel, wo sie ihre Memoiren schreibt. Sie stirbt 1828 und ist auf dem Cimitero degli Inglesi beigesetzt.

Literarisches Werk[Bearbeiten]

Elizabeth Craven schrieb seit ihrem 26. Lebensjahr Theaterstücke, die sie meist von klassischen Mustern aus Frankreich oder Deutschland übernahm und nachbearbeitete. Durch eine Freundschaft mit Horace Walpole, der sie förderte, wurden diese Stücke in der englischen Gesellschaft bekannt und teilweise sogar im Theatre Royal Haymarket von Samuel Foot als sogenannte "Afterpieces" vorgeführt.

Nach der Trennung von Baron Craven, im Alter von 30 Jahren, engagiert sie sich zwei weitere Jahre in der englischen Theaterszene, geht dann allerdings 1782 nach Paris. Drei Jahre später unternimmt sie eine Reise nach Italien, Österreich, Russland und Konstantinopel. 1786 veröffentlicht sie einen Reisebericht zu Ihrer Reise in Briefen, der sich teilweise an das Vorbild der Reisebriefe der Lady Montagu aus dem Jahre 1716 anschließt, teilweise deren Idealisierung kritisch hinterfragt. Zwischen 1787 und 1791 organisiert sie am Hof Karl Alexanders in Ansbach „Nouveau Théathre de Societée d'Anspac et de Triesdorf“, in dem auch ihre Stücke gegeben werden. In dem nahe Ansbach gelegenen Triesdorf versucht sie außerdem, eine Sommerresidenz im englischen Gartenstil einzurichten, wird durch ihre Extravaganz jedoch von einem Teil des Markgräflichen Hofes abgelehnt und schließlich auch boykottiert.

Nach dem Umzug versucht Craven in England an ihre ersten Erfolge anzuknüpfen und schreibt eine Reihe von der Kritik gut aufgenommener Stücke (Etwa: Die Prinzessin von Georgien). E. Craven schrieb oder adaptierte über 20 Dramen, meist nach klassischen Vorbildern, von denen etwa die Hälfte veröffentlicht ist. Die nicht veröffentlichten befinden sich in ihrem Nachlass, der im Britischen Museum aufbewahrt wird. Ihr Erfolg war wechselhaft, ihre Stücke wurden allerdings an prominenten Orten aufgeführt.

Horace Walpole förderte und kritisierte sie zugleich, da er eine Dramen schreibende Frau faszinierend fand. Die Stücke erschienen teilweise in deutscher Übersetzung in Leipzig und Frankfurt und wurden eifrig subscribiert, d. h. nicht selbst finanziert.

Neben ihrer Reisebeschreibung in Briefen verfasste sie eine umfangreiche Autobiographie, die 1828 erschien. Auch diese ist ins Deutsche übersetzt und erscheint unter dem Titel Denkwürdigkeiten. „Diese deutsche Ausgabe ist wichtig, da sie vielfache Abweichungen von der englischen enthält. Man vergleiche darüber das Vorwort des Übersetzers: 'Vor Bekanntmachung der englischen Ausgabe nachfolgender Denkwürdigkeiten erhielt der Übersetzer dieselben aus London in einer Handschrift, nach welcher die deutsche Übertragung gefertigt wurde. Als ihm die gedruckte englische Ausgabe vorlagnachher u Gesicht kam, bemerkte er, daß dieselbe von dem ihm eingesendeten Manuskript mannigfaltig abwich, jedoch durchaus zu Vorteil des letzteren, das sorgsamer gearbeitet war, auch einige interessante Zusätze enthielt, während die bei Henry Colburn, New Burlington Street, erschienene Ausgabe nach dem ersten flüchtigen Entwurf abgedruckt zu sein schien...'“ [2]

Werke[Bearbeiten]

  • The Sleep-Walker - Im Wesentlichen eine Übersetzung des französischen Dramas von Pont de Ville (1778), das sie in Strawberry Hill, der Bühne Walpoles aufführt.
  • Modern Anecdote of the Ancient Family of the Kink-vervankotsdarsprakengotchderns. (Eine deutsche Adaption mit skurrilen Anreicherungen die die Absurdiäten des dt. Adelslebens aufs Korn nimmt)1779.
  • The Miniature Picture. (1780).
  • The Silver Tankard. (1781) der im Royal Haymarked Theatre gespielt wird.
  • The Arcadian Pastoral. Aufgeführt 1782. 6. Und noch im selben Jahr:
  • The Statue Feast (eine Voltaire-Adaption des steinernen Gastes, wie wir sie auch von Mozarts Don Jovanni kennen).
  • Anekdote aus einer alten Familie. Ein Weihnachtsmärchen. Schwickert, Leipzig 1781, Nachdruck Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1982 (Originalausgabe: Modern Anecdote of the Ancient Family of the Kinkvervankotsdarsprakengotchderm, anonym 1779).
  • 'Nourjad (franz.), der bereits 1787 aufgeführt wurde.
  • Nurjad e Fatme. (Adaption)
  • Repentir des Voeux.
  • Le Disguisement.
  • Abdoul.
  • Le Prince Lutin
  • La Folie du Jour.
  • Le Philosophe Moderne (Adaption) 1790.

Während der zweiten Englischen Periode:

  • Die Prinzessin von Georgien.
  • The Soldier of Dierenstein. Or, Love and Mercy. An Austrian Story.

London, White. 1802. Microfiche-Ausgabe Belser Wissenschaftlicher Dienst, Wildberg 1989/90. ISBN 978-3-62851134-9.

Teilw. unveröffentlicht. Einsehbar: Nachlaß der Lady Craven (einschließlich Kompositionen) im Britischen Museum.

  • Briefe der Lady Elisabeth Craven über eine Reise durch die Krim nach Konstantinopel. Kummer, Leipzig 1789 (Originalausgabe: A Journey through the Crimea to Constantinopole. In a Series of Letters. Chamberlain, Dublin 1789). In den Stücken spiegelt sich ihr eigens Schicksal, früh verheiratete oder vergewaltigte Mädchen, meist in eingestreuten Liedern; sowie Passagen, die auf eine Emotionsstörung hinweisen.
  • Denkwürdigkeiten der Markgräfin von Anspach, in zwei Bänden. Cotta, Stuttgart 1826 (Originalausgabe: Memoirs of the Margrovine of Anspach, Written by Herself. London 1826)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Varnhagen (Hg.): DIE LITTERARISCHE TÄTIGKEIT DER LADY CRAVEN. ERLANGER BEITRÄGE ZUR ENGLISCHEN PHILOLOGIE UND VERGLEICHENDEN LITTERATURGESCHICHTE. Verlag Fr. Junge, Erlangen 1904.
  • Günter Tiggesbäumker 2010 in: L.Cr. Briefe einer Reise in die Türkey 1785/86 Nachdruck der deutschen Erstausgabe Leipzig 1789 mit Einführung. Verlag Alte Post. Unter der Redaktion von Horst v. Zerboni, Gerhard Schulz Rothemund und Carl Alexander Mavridis in Weidenbach.
  • Günter Tiggesbäumker: Elizabeth Craven (1750-1828), in: Corvey-Journal 8, 1997, S. 21-38. ISSN 0936-1189.
  • Annegret Pelz: Reisen durch die eigene Fremde. Reiseliteratur von Frauen als autogeographische Schriften, Literatur-Kultur-Geschlecht 2, Köln, Weimar, Wien: Böhlau 1993.
  • Tobias Smollett, 1763, Critical Review Nr. 15.
  • Susanne Franke: Die Reisen der Lady Craven durch Europa und die Türkei 1785-1786: Text, Kontext und Ideologien. Trier: WVT, 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.thepeerage.com/p10875.htm#i108747
  2. Hans Ley: Die literarische Tätigkeit der Lady Craven, letzte Markgräfin von Ansbach-Bayreuth. K. b. Hof- und Univ.-Buchruckerei von Junge & Sohn, Erlangen 1904