Elstertalbrücke

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Dieser Artikel beschreibt die Eisenbahnbrücke nahe Jocketa. Für die gleichnamige Autobahnbrücke nahe Pirk siehe Elstertalbrücke (Autobahn).
Die Elstertalbrücke bei Jocketa

Die Elstertalbrücke ist eine Eisenbahnbrücke in Sachsen. Sie überführt die Bahnstrecke Leipzig–Hof bei Jocketa (im sächsischen Vogtlandkreis) über das Tal der Weißen Elster. Sie gilt nach der Göltzschtalbrücke als zweitgrößte Ziegelsteinbrücke der Welt. Unter der 68 m hohen Brücke hindurch führt die Elstertalbahn.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Landschaft an der Elstertalbrücke um 1900

Die Brücke wurde im Zuge des Baus der Verbindung Leipzig–Hof der Sächsisch-Bayrischen Eisenbahn errichtet. Der Grundstein wurde am 7. November 1846 gelegt. Da sich der Baugrund am linken Flussufer im bebauten Grubenfeld der seit 1834 verliehenen Eisensteinzeche Fischer Fundgrube an der Röttisleithe befand, machte es sich erforderlich, einen Sicherheitspfeiler zum Schutz des Brückenbaus anzuordnen. Der Bergbauunternehmer und Besitzer der Eisenhütte Tannenbergsthal Hermann Lattermann legte dagegen Beschwerde ein. Erst nach langwierigen Verhandlungen kam es zu einer Einigung über die Abtretung des Grubenfeldteiles durch die Brüder Robert und Hermann Lattermann auf Morgenröthe an die Eisenbahn-Direktion. Dies veranlasste das Oberbergamt, den Bergämtern Grubenfeldverleihungen im Bereich von Eisenbahnen generell zu untersagen.

An der Brücke wurden zwischen 1846 und 1851 von bis zu 800 Arbeitern 12 Millionen Ziegelsteine verbaut. Im Gegensatz zur nur zehn Meter höheren Göltzschtalbrücke wurden hier nur zwei Etagen und Mittelbögen angelegt. Das untere Stockwerk hat fünf Pfeiler, von denen vier zu Doppelpfeilern verbunden sind. Für die Gründungen der Pfeiler und für die Deckplatten wurde Granit verwendet.

1853 wurden in der Firste des Tiefen Fischer Erbstolln im Sicherheitspfeiler unter den Brückenpfeilern unbekannte alte Grubenbaue aufgefunden, die zu Untersuchungen der Standfestigkeit der Brückenpfeiler verlassten und eine Ausmauerung des Tiefen Fischer Erbstolln empfahlen, die dem sächsischen Staatsfiskus jedoch zu kostspielig erschien. 1854 wurde die marode Stollnzimmerung erneuert. Vier Jahre später war diese erneut verfault, so dass erneut eine Wiederherstellung durchgeführt wurde. Nach der Einstellung des Betriebs bei Fischer Fundgrube erwarb der Staatsfiskus 1867 von der Königin-Marien-Hütte den Tiefen Fischer Erbstolln unter dem Sicherheitspfeiler zwecks Verstürzung mit Bergen und verpflichtete sich im Falle einer Wiederaufnahme der Grube zur Anlegung eines Umbruches. Diese Möglichkeit löste erneute Sicherheitsbedenken aus, dabei wurde befürchtet, dass die Erschütterungen beim Vortrieb eines Umbruches Brüche in den alten Bauen unter den Pfeilern auslösen könnten. 1868 wurde diese Verpflichtung dahingehend geändert, dass ein neuer Stolln aus dem Lohbachtal vorgetrieben werden sollte. Die Grube wurde jedoch nie wieder aufgenommen.[1]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke am 16. April 1945 von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Daraufhin konnten die Züge aus südwestlicher Richtung vorerst nur bis Röttis und aus nordöstlicher Richtung nur bis Jocketa verkehren. Sehr spektakulär sah der provisorische Brückenschluss aus. Auf dem Rest des gesprengten mittleren Stützpfeilers wurde eine Stahlfachwerkstütze aufgesetzt, welche einen Fachwerksbrückenträger stützte. Diese wichtige Brücke war im Februar 1946 wieder befahrbar. Der endgültige Wiederaufbau der beiden zerstörten gemauerten Ziegelbögen wurde im Oktober 1950 abgeschlossen.

Die Brücke kann am Fuß der zweiten Bogenetage über einen Wanderweg begangen werden. Hier sind zwei Tafeln angebracht, welche einen Einblick in die bewegte Vergangenheit der Brücke geben sollen. Diese wurden noch zu Zeiten der DDR im Auftrag der Reichsbahndirektion Dresden angefertigt und zeigen das Bauwerk im Ursprungszustand und im Zustand mit der Behelfsreparatur nach der Zerstörung. Im Jahr 2012 wurde im Zuge der Elektrifizierung von der Eisenbahnstrecke von Herlasgrün bis Plauen auch die Elstertalbrücke mit einer Oberleitung versehen.

Beteiligte Personen[Bearbeiten]

  • Professor Johann Andreas Schubert (1808–1870) – Entwurf der Brücke und Berechnung der Statik
  • Oberingenieur Robert Wilke (1804–1889) – Ausführungsplanung und Oberbauleitung
  • Ingenieur Hermann Kell (1820–1889) – Bauleiter
  • bis zu 899 Arbeiter

Technische Daten[Bearbeiten]

Höhe 68 m in 2 Etagen
Länge 279 m, größte Spannweite eines Bogens 31,1 m
Anzahl Ziegel 12.323.000
Ziegelmauerwerk 31.237 m³
Werksteinmauerwerk 21.579 m³

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Beyer: Der Bau der Göltzschtal- und Elstertalbrücke 1846 bis 1851. Seine Beziehungen zu den Produktivkräften und der Umwelt im sächsischen Vogtland und dessen Nachbargebieten. in: Sächsische Heimatblätter Heft 1/1984, S. 1–16
  • Peter Beyer: Das Entstehen der Eisenbahnverbindung zwischen Sachsen-Bayern mit den Großbrücken im Göltzsch- und Elstertal 1836-1851. in: Sächsische Heimatblätter 47(2001)3, S. 139-155

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sächsisches Staatsarchiv-Bergarchiv Freiberg, 40169 Nr. 721 Fischer Fundgrube in der Röttisleithe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elstertalbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.55352777777812.167666666667Koordinaten: 50° 33′ 13″ N, 12° 10′ 4″ O