Emil Beck (Fechttrainer)

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Emil Beck (* 20. Juli 1935 in Tauberbischofsheim; † 12. März 2006 ebenda) war ein deutscher Fechttrainer.

Leben[Bearbeiten]

Biografie[Bearbeiten]

Der von „Gründervater“ Emil Beck aufgebaute Fecht-Club Tauberbischofsheim mit Olympiastützpunkt im Jahr 2013

Der gelernte Friseur begann Mitte der 1950er Jahre mit dem Fechtsport. Fechtszenen aus dem Kinofilm Die drei Musketiere hatten den Jugendlichen beeindruckt. Daraufhin kommt es am 12. Oktober 1954 auf Emil Becks Initiative im „Gasthaus zum Schwanen“ in Tauberbischofsheim zur Gründungsversammlung einer Fechtabteilung im TSV 1863 Tauberbischofsheim. Mit großer Leidenschaft für diesen Sport schuf er schließlich am 14. Oktober 1967 in der „Raststätte Block“ bei einer offiziellen Gründungsversammlung den eigenständigen Fecht-Club Tauberbischofsheim, der bald zum weltbekannten Fechtleistungszentrum avancierte, das in den 1970er Jahren zur olympischen „Goldschmiede“ wurde.[1]

Als Trainer von Fechtgrößen wie Matthias Behr, Alexander Pusch und Anja Fichtel wurde er zu einem der erfolgreichsten Fechttrainer der Welt. Olympiasiege, Welt- und Europameistertitel wurden seit 1973 (erster Weltmeistertitel für einen Sportler aus Tauberbischofsheim) reihenweise unter seiner Obhut errungen. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens errangen Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser Gold, Silber und Bronze bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul im Damenflorett. Solch ein Triumph konnte in der Historie des deutschen Fechtens nicht mehr wiederholt werden. Beck zählte mit Karl Adam (Rudern) und Gustav Kilian (Bahnrad) zu den großen Drei unter den Trainer-Autodidakten im bundesdeutschen Sport. Bis 1999 hatte Beck, der von 1970 bis 1986 für die Bereiche Degen und Herren-Florett zuständig und ab 1986 für sämtliche Fechtwaffen Cheftrainer war[2], als Bundestrainer 20 olympische und 91 Weltmeisterschafts-Medaillen gewonnen, musste dann aber nach Querelen im Tauberbischofsheimer Olympiastützpunkt zurücktreten.

Matthias Behr wurde für kurze Zeit sein Nachfolger als Teamchef der deutschen Fechtnationalmannschaft.

Beck lebte seit der Neuerrichtung im Jahre 1997 im „Haus der Athleten“ in seinem Heimatort. Einige Zeit, nachdem sich Beck aus dem Sport zurückgezogen hatte, kam er wieder in die Schlagzeilen, als Vorwürfe wegen Veruntreuung von einer Million Euro aufkamen. Im Jahr 2004 kam es zur Anklageerhebung wegen Untreue und Urkundenunterdrückung. Das Gerichtsverfahren konnte zu seinen Lebzeiten nicht zu Ende geführt werden. Am 12. März 2006 starb Beck an Herzversagen.[3][4]

„Seine Leistungen für unseren Sport kann man gar nicht hoch genug bewerten – umso tragischer war sein Ende“, sagte hierzu der ehemalige Fechter und heutige IOC-Präsident Thomas Bach und ergänzte, Beck habe sich zuvor lange mit Kritikern auseinandersetzen müssen, ehe sichtbar geworden sei, dass Beck das gesamte Fechttraining, die Technik, den gesamten Fechtsport revolutioniert und aus seiner elitären Isolierung gelöst habe. „Das Fechten“, so Bach, „wurde allen sozialen Schichten zugänglich“.[5]

Nach Beck wurde der erstmals 2008 verliehene[6] Emil-Beck-Gedächtnispreis des FC Tauberbischofsheim benannt, mit dem der Club Persönlichkeiten ehrt, die sich in besonderer Weise um den Fechtsport verdient gemacht haben.[7]

Sein Sohn Frank Beck war ebenfalls im Fechtsport aktiv.

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Emil Beck trug durch sein Lebenswerk beim Fecht-Club Tauberbischofsheim maßgeblich dazu bei, dass der Fechtsport in Deutschland und die Stadt Tauberbischofsheim einen größeren Bekanntheitsgrad erlangten. Einige Zitate bekannter Persönlichkeiten über Beck verdeutlichen dies:

„Er war eine charismatische Persönlichkeit, die keinen gleichgültig ließ. Seine Lebensleistung ist herausragend, er hat den Fechtsport und seine Heimatstadt positiv verändert und das wird noch lange nachwirken.“

Thomas Bach[8]

„Tauberbischofsheim hätte ohne Emil Beck nie diesen Bekanntheitsgrad.“

Matthias Behr[3]

Der Ehrenpräsident des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), Gordon Rapp, würdigte Becks Engagement als:

„einmalig in der Welt. Fechten in Deutschland hätte ohne Emil Beck nicht diesen Stellenwert in Deutschland, und auch nicht international.“

Gordon Rapp[8]

Ehrungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Beck als Namensgeber[Bearbeiten]

  • „Emil-Beck-Gedächtnispreis“[7]
  • „Emil-Beck-Halle“[10]

Werke[Bearbeiten]

  • Emil Beck (Autor): „Tauberbischofsheimer Fechtlektionen für Anfänger und Fortgeschrittene.“ Philippka-Verlag, Münster 1987, ISBN 978-3870390150.
  • Emil Beck (Autor): „Richtig Fechten.“ BLV-Verlag, München 1990, ISBN 978-3405137342.
  • Emil Beck (Autor): „Fechten. Florett, Degen, Säbel.“ Falken-Verlag, Niedernhausen im Taunus 1995, ISBN 978-3806804492.
  • Emil Beck (Hrsg.), Berndt Barth (Autor): „Fechttraining.“ Meyer-Verlag, Aachen 2004, ISBN 978-3898991162.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fecht-Club Tauberbischofsheim e.V.: Geschichte des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim. Online auf www.fechtentbb.de. Abgerufen am 29. April 2015.
  2. "Das große Olympia Lexikon", Sport-Bild vom 19. Juni 1996, S.36
  3. a b c FAZ: Ehemaliger Bundestrainer Beck gestorben. Online auf www.faz.net. 13. März 2006. Abgerufen am 5. Mai 2015.
  4. Spiegel Online: Fechten: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Emil Beck. Online auf www.spiegel.de. 2. April 2001. Abgerufen am 5. Mai 2015.
  5. Deutscher Fechter-Bund mit Sportplakette ausgezeichnet. Vorzeigesportart deutscher Olympiamannschaften. Erinnerungen an Emil Beck. DOSB, abgerufen am 5. Mai 2015.
  6. Stolz, dass die Firma Samsung ausgezeichnet wird. In: Südwest Presse Online. Tauber-Zeitung, Bad Mergentheim, 18. Dezember 2009, abgerufen am 23. März 2013.
  7. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatReinhold Würth erhält Emil-Beck-Gedächtnispreispreis. Main-Post, 6. Oktober 2011, abgerufen am 23. März 2013 (Nur Auszug frei verfügbar).
  8. a b NTV: Emil Beck ist tot. Online auf www.ntv.de. 13. März 2006. Abgerufen am 5. Mai 2015.
  9. Spiegel Online:Wenn Emil pfeift ... Online auf www.spiegel.de. 16. Oktober 1989. Abgerufen am 5. Mai 2015.
  10. Fränkische Nachrichten: Aus Pestalozzi-Halle wird Emil-Beck-Halle. Online auf www.fnweb.de. 27. März 2015. Abgerufen am 5. Mai 2015.