Empire – die neue Weltordnung

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Empire – die neue Weltordnung ist ein Buch des US-amerikanischen Literaturwissenschaftlers Michael Hardt und des italienischen Philosophen Antonio Negri. Es wurde von Slavoj Žižek als Versuch eines „kommunistische[n] Manifest[s] des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet und gilt als zentrales Werk des Postoperaismus. Die englischsprachige Originalausgabe (Empire. Globalization as a new Roman order, awaiting its early Christians) erschien 2000, die deutsche Übersetzung 2002.

Inzwischen sind ein zweiter Band (Multitude – Krieg und Demokratie im Empire) und ein dritter Band (Common Wealth: Das Ende des Eigentums) erschienen.

Zum Inhalt[Bearbeiten]

Empire versucht, die aktuelle Weltordnung zu beschreiben. Die Macht habe kein eindeutiges Zentrum mehr, sie ist vielmehr überall, sie durchzieht unser Leben als „Bio-Macht“, die Nationalstaaten verlieren an Bedeutung, Kriege werden zu Polizeiaktionen, es wird immateriell und vernetzt produziert („Immaterielle Arbeit“). Die Institutionen der Disziplinargesellschaft nach Michel Foucault, wie etwa Schule, Gefängnis oder Klinik, verlieren ihre Begrenzung und werden über die ganze Gesellschaft ausgedehnt. Daraus bildet sich die allgegenwärtige Kontrollgesellschaft. Diese kennzeichnet Sprachverhältnisse, militärische Einheiten, Muster der Migration, soziale Bewegungen, Firmen, physiologische Strukturen und sogar persönliche Beziehungen.

Das Empire kenne kein Außen mehr, es umfasse die ganze Welt und das ganze Leben. Das Empire könne mit verschiedenen Subjektformen, flachen Hierarchien und dem vielfältigen Austausch in Computernetzwerken flexibel umgehen. Dennoch sei seine Macht nur scheinbar. Das Empire könne immer nur reagieren auf die Aktionen der Multitude (Menge, Vielheit). Sie sei es, die kreativ und produktiv ist und dadurch das Empire erst erschaffe. Das Empire sei nichts ohne die Multitude.

„Multitude“ ist in dem Buch Empire ein schillernder Begriff und schwer übersetzbar, er wird in Multitude – Krieg und Demokratie im Empire genauer ausgeführt. In der deutschen Übersetzung wird „Menge“ verwendet, man kann ihn aber auch als Vielheit, als Vielfalt (von Personen, Subjekten, „Singularitäten“) verstehen. Er geht zurück auf die Philosophie von Cicero (de re publica), Spinoza (Multitudo) und Gilles Deleuze (Rhizom).

Da es kein Außen mehr gibt, ist nach Negri und Hardt jede Politik verfehlt, die sich auf einen Standpunkt außerhalb des Empire bezieht. Stattdessen gelte es, die Multitude „zu sich selbst“ kommen zu lassen und so das parasitäre Empire abzuwerfen und einen erneuerten Kommunismus zu erreichen. Dies geschehe im Prozess der Durchsetzung dreier Rechte: der Weltbürgerschaft, des sozialen Lohnes und der Wiederaneignung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Hardt, Antonio Negri: Empire. Globalization as a new Roman order, awaiting its early Christians. 2000
  • Michael Hardt, Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung. Frankfurt am Main: Campus 2002. ISBN 3-593-37230-4
  • Michael Hardt, Antonio Negri: Multitude. Krieg und Demokratie im Empire. Frankfurt am Main: Campus 2004. ISBN 3-593-37410-2
  • Marc Ziegler: Das Empire und der Republikanismus der Menge, in: Oliver Flügel/Reinhard Heil/Andreas Hetzel (Hrsg.): Die Rückkehr des Politischen. Demokratietheorien heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17435-6. Leseprobe
  • Manfred Lauermann: Antonio Negri/Michael Hardt. In: Stephan Moebius & Dirk Quadflieg (Hg.): Kultur. Theorien der Gegenwart. Wiesbaden: VS- Verlag für Sozialwissenschaften, 750 S., 2006, ISBN 3-531-14519-3
  • Röteln, Die (Hrg.), 'Das Leben lebt nicht'. Postmoderne Subjektivität und der Drang zur Biopolitik, ISBN 3-935843-52-6
  • Detlef Hartmann: »Empire« - Linkes Ticket für die Reise nach rechts. Umbrüche der Philosophiepolitik Hardt/Negri, Sloterdijk, Foucault, ISBN 3-935936-15-X
  • Marianne Pieper, Thomas Atzert, Serhat Karakayali, Vassilis Tsianos (Herausgeber): Empire und die biopolitische Wende: Die internationale Diskussion im Anschluss an Hardt und Negri Frankfurt, 2007, ISBN 3-593-37541-9.
  • Bob Jessop: Imperium (PDF; 85 kB), in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 6/II, Argument-Verlag, Hamburg, 2004, Sp. 865-873.
  • Philipp Metzger: Die Werttheorie des Postoperaismus: Darstellung, Kritik und Annäherung Marburg, Tectum. ISBN 978-3828825734

Siehe auch[Bearbeiten]

Immaterielle Arbeit | Disobbedienti | Globalisierungskritik | John Holloway | Imperialismus | Operaismus | Weltsozialforum | Weltorganisation für geistiges Eigentum | Wuming (Schriftstellerkollektiv)

Weblinks[Bearbeiten]

Kritik an Negri/Empire[Bearbeiten]