Imperialismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Imperialismus als Herrschaftsform. Das gleichnamige Computerspiel ist unter Imperialismus (Computerspiel) verzeichnet.

Als Imperialismus (von lateinisch imperare „herrschen“; imperiumWeltreich“; etwa bei Imperium Romanum) bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens bzw. seiner politischen Führung, in anderen Ländern oder bei anderen Völkern wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu erlangen, bis hin zu deren Unterwerfung und zur Eingliederung in den eigenen Machtbereich. Typischerweise geht das damit einher, eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.[1]

Imperialismus wurde im Nachhinein auch für eine Reihe von antiken Großreichen angenommen. Der Begriff als solcher wurde im 16. Jahrhundert geprägt und galt damals als Negativbezeichnung für eine auf Militärmacht und Despotie – im Gegensatz zum Rechtsstaat – basierende Herrschaft. Als eigentliches Zeitalter des Imperialismus gilt das späte 19. Jahrhundert, wozu auch die verschiedenen marxistischen Imperialismustheorien beitrugen.

Der Begriff Imperialismus umfasst mehr als Kolonialismus und sollte vor allem von Kolonisierung getrennt werden. Edward Said sieht beim Imperialismus „die Praxis, Theorie und die Benehmensregeln eines dominierenden städtischen Zentrums gegenüber einem regierten fernen Territorium“, der Provinz. Said zufolge sei Kolonisierung nicht mehr als die Besiedlung entfernter Länder. Robert J. C. Young stimmt dem insoweit zu, als Imperialismus aus dem Zentrum operiere, als staatliche Politik, während Kolonisierung nicht mehr als Siedlungs- oder Wirtschaftsentwicklung bedeute.

Von der bewussten Politik der Machtprojektion und der Erweiterung von Regierungsgewalt auf verschiedene Territorien ist der weiter gefasste Begriff des Kulturimperialismus zu unterscheiden, wie auch der der kulturellen Hegemonie im Sinne Antonio Gramscis.

Begriffsgeschichte

Traditionelle Begriffsverwendung

Die Begriffe imperialist (englisch) und impérialiste (französisch) sind im 16. Jahrhundert entstanden: sie bezeichneten in der Frühen Neuzeit in der Regel Anhänger des römisch-deutschen Kaisers. In diesem Sinne war auch der Begriff Imperialismus bei seinem ersten belegten Auftauchen gemeint: 1791 wurde in Frankreich erstmals die Geisteshaltung von Anhängern des habsburgischen Kaiserhauses als impérialisme bezeichnet.[2] Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts verstand man sowohl im englischen als auch im französischen Sprachraum unter einem Imperialisten einen Parteigänger Napoleons und später einen Befürworter der Herrschaftsansprüche von dessen Familie. Mit dieser Bedeutung taucht 1826 auch im Deutschen das Wort Imperialist auf.[3] Der Begriff fand aber erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung, wofür der Staatsstreich Napoleons III. von 1851 den Anlass bot. In der Folgezeit wurde Imperialismus gewöhnlich etwa im selben Sinn wie Cäsarismus, Napoleonismus und Bonapartismus verwendet. Dabei ging es nicht um territoriales Expansionsstreben, sondern um den Anspruch der Herrscherfamilie, den Staat zu regieren.[3] Daneben war aber schon in der ersten Jahrhunderthälfte vereinzelt ein etwas anderer Sprachgebrauch vorgekommen, bei dem nicht die Person des Herrschers im Vordergrund stand, sondern die Vorstellung von militärischem Erfolg und nationaler Größe, die mit dem Namen Napoleon verbunden war. Wer in Frankreich einen so orientierten Nationalismus kultivierte, war ein impérialiste, aber nicht notwendigerweise Bonapartist.[4]

In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ein langsamer Bedeutungswandel ab. Man verstand unter Imperialismus in erster Linie weiterhin dasselbe wie unter Cäsarismus: die Alleinherrschaft eines Machthabers, der sich nach dem Vorbild Caesars auf militärische Machtmittel und auf sein persönliches Prestige stützt, womit er einen Mangel an verfassungsmäßiger Legitimität verdeckt. Diesen Herrschertypus verkörperte nach damaligem Verständnis Napoleon III. Damit verband sich zunehmend – wiederum in Anknüpfung an das antike römische Muster – die Vorstellung von Expansionstendenz und Streben nach Weltherrschaft. Daher wurde der Begriff Imperialismus nun auch für das Britische Weltreich verwendet, obwohl dort keine Alleinherrschaft im Sinne von Cäsarismus bestand.[5] Allerdings dominierte weiterhin die traditionelle Bedeutung; so äußerte Wilhelm I. im Herbst 1870 nach der Gefangennahme und Absetzung Napoleons III., der „Imperialismus liege zu Boden“, wobei er darunter das Kaisertum im Stil Napoleons III. verstand.[6] Noch 1888 wurde in Meyers Konversations-Lexikon Imperialismus als politischer Zustand definiert, in welchem „nicht das Gesetz, sondern die auf die Militärmacht sich stützende Willkür des Regenten herrscht“.[7]

Neuere Begriffsverwendungen

Eine neuere Begriffsverwendung setzte sich zunächst in England in den 1870er Jahren durch. Dabei ging es um eine innenpolitische Auseinandersetzung zwischen den Befürwortern einer starken Verknüpfung der überseeischen Gebiete mit dem Mutterland und ihren liberalen Widersachern. Die liberalen Kritiker, Gegner der Politik des Premierministers Benjamin Disraeli, pflegten die Position der Gegenseite als Imperialismus zu kennzeichnen.[8] Dabei knüpften sie bewusst an die traditionelle negative Konnotation dieses Begriffs in Zusammenhang mit dem in England verhassten Bonapartismus an. Ihnen war eine offizielle Weltreichspolitik suspekt, da sie auf bedenkenloser Anwendung militärischer Macht beruhe. Sie befürchteten als Folge der imperialistischen Expansion eine Machtzusammenballung, die eine Mentalität erzeugen könnte, welche eine Schwächung der parlamentarischen Kontrolle und letztlich Despotismus auch in England selbst zur Folge hätte.[9][10]

Die ursprünglich abwertend gemeinten Begriffe „Imperialist“ und „Imperialismus“ wurden aber bald auch von den Befürwortern der imperialen Machtentfaltung aufgegriffen und als Selbstbezeichnung in positivem Sinn verwendet. Da der Begriff durch die traditionelle negative Konnotation und die Polemik der Kritiker der Expansionspolitik vorbelastet war, sprach man zwecks Abgrenzung von „imperialism in its best sense“ oder „true imperialism“.[10] Dieser neue Sinn des Begriffs bürgerte sich langsam auch in Deutschland als Nebenbedeutung ein; man verstand unter „Imperialisten“ eine bestimmte Strömung in innenpolitischen Auseinandersetzungen Englands.[11]

Die Verwendung des Begriffs Imperialismus im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart bezieht sich insbesondere auf die europäische Expansionswelle zwischen 1870 und 1914 und deren Folgen. In Bezug auf das Deutsche Reich wird dabei häufig nicht beachtet, dass die englische Übersetzung von Reich „empire“ lautet. Daher sprach man im englischsprachigen Ausland von der kaiserlichen Reichsregierung als Imperial German Government. Das Großmachtstreben der europäischen Mächte führte dann auch zum Ersten Weltkrieg, mit dem das „Zeitalter des klassischen Imperialismus“ endete.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Begriff „Imperialismus“ ganz allgemein für Bemühungen benutzt, die – aus ideologisch-missionarischen Gründen – eine Weltherrschaft oder zumindest die Herrschaft über großräumige Gebiete außerhalb des eigenen Staates anstreben. So sprach und spricht man insbesondere vom „Sowjet-Imperialismus“ und vom „US-Imperialismus“. Zur Abgrenzung vom heutigen Neo-Imperialismus wird mit Blick auf das „Zeitalter des Imperialismus“ heute vom „historischen Imperialismus“ gesprochen.

Im Marxismus wurde der Imperialismus zunächst von Karl Kautsky im Anschluss an Platons DialogDer Staat“ als eine bestimmte Politik zur Unterwerfung eines außerhalb des Staates liegenden, agrarischen Territoriums verstanden.[12] Dem widersprach die marxistische Wirtschaftstheorie, die den Imperialismus als besondere Entwicklungsstufe (Stadium) des Kapitalismus beschrieb. Die ältere diesbezügliche Theorie Rosa Luxemburgs ging dabei analytisch von der Sättigung des inneren Marktes, der Eroberung des Weltmarktes und der Konkurrenz um denselben durch die nationalen Kapitale aus.[13] Dagegen ging Lenins spätere Imperialismustheorie empirisch vom Auftreten bestimmter Erscheinungen (wie dem Verschmelzen von Industrie- und Bankkapital zum Finanzkapital) aus. Lenin sah zudem die monopolistische Phase des Kapitalismus, die er als den Imperialismus kennzeichnend bezeichnete, als dessen höchstes und letztes Stadium überhaupt an.[14] Am Ende seines Lebens sah Lenin allerdings abweichend von seiner früheren Auffassung des Imperialismus in seinem Brief „Zur Frage der Nationalitäten“ die Möglichkeit imperialistischer Beziehungen der sozialistischen Sowjetunion zu anderen Staaten.[15] Während Lenin, Luxemburg und Kautsky den Imperialismus und Kolonialismus als Teil eines Gesamtsystems kapitalistischer Unterdrückung entschieden ablehnten, gab es allerdings auch Gegenstimmen wie jene des Niederländischen Sozialdemokraten Henri van Kol, der koloniale Eroberungen außereuropäischer Regionen als „Zivilisationspolitik” verteidigte. Derartige Ansichten blieben jedoch eine kleine Minderheit innerhalb des Marxismus, theoretisch und politisch prägend waren die Imperialismuskritischen Analysen.[16]

Im strengen Gegensatz zur marxistischen Auffassung hat der Ökonom Schumpeter den Imperialismus nicht als notwendiges Ergebnis der Konkurrenz in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung angesehen. Vielmehr sah er ihn als Ausdruck eines irrationalen Chauvinismus von Oberschichten zur Festigung ihrer Macht. Insofern könne er in allen Stadien der Geschichte und in verschiedenen politischen Systemen vorkommen.

Der Begriff „Imperialismus“ überschneidet sich in vielen Punkten mit dem des Kolonialismus. Ein Unterschied liegt Jens Flemming zufolge allerdings im Machtstreben. Seiner Ansicht nach muss nicht jeder Kolonialismus darauf ausgerichtet sein, ein Imperium zu errichten. Zugleich beinhaltet die Kategorie des Imperialismus nicht nur direkte Herrschaftsformen, sondern auch indirekte Abhängigkeitsverhältnisse (Indirect rule) von Staaten[17]

Herfried Münkler zieht in seiner Imperiumstheorie Parallelen zwischen der heutigen US-amerikanischen Außenpolitik mit der von früheren Imperien.[18]

Siehe auch: Neokolonialismus

Eine schon frühzeitig (1902/12) formulierte Gegenthese zum „Imperialismus“ ist die eines möglichen friedlichen Ultra-Imperialismus. Diese impliziert, dass der Imperialismus mit seinen kriegstreibenden Widersprüchen überwunden werden könne – und zwar systemimmanent innerhalb des Kapitalismus selbst. In dieser wirtschaftlichen Bedeutung wird heute auch von „Globalisierung“ gesprochen, die etwa nach Thomas L. Friedman selbst auch friedenstiftend wirken kann.

Kritik

Die Historiker John Andrew Gallagher und Ronald Robinson wiesen die Idee einer formalen rechtlichen Kontrolle einer Regierung über die anderen als Grundlage des Imperialismus zurück. Die meisten Historiker würden sich von verschieden gefärbten Karten (wörtlich „rot gefärbten Karten“ im Sinne Cecil Rhodes’) einnehmen lassen. Der Großteil der britischen Emigration, Handel und Investitionen fand aber außerhalb des formalen Britischen Empires statt.[19][20]

Während militärische Gewalt beim Aufbau von Imperien zuweilen eine Rolle spielte, kam die entscheidende Rolle beim britischen Empire der Mitwirkung der wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Eliten vor Ort zu. Die indirekte Beherrschung Indiens basierte ganz wesentlich auf der politischen Schwäche der angetroffenen Mogulstaaten.[21]

Painter und Jeffrey gehen so weit zu sagen, dass die zweite europäische Expansion mehr auf einer zufälligen Interaktion der europäischen Mächte und ihrer Innenpolitik basierte als auf bewusstem Imperialismus. Kein europäisches Imperium als solches hatte demnach einen wirklich definierbaren Zweck, ob ökonomisch oder anderweitig. Die Imperien bildeten nur eine Phase der komplexen Interaktion Europas mit dem Rest der Welt ab.[21]

Der US-indianische Professor Jack D. Forbes hingegen sieht im Imperialismus gar ein Symptom der von ihm als „Wétiko-Psychose“ bezeichneten kollektiven Faszination der Europäer für das Böse.

Jawaharlal Nehru hat 1940 den Nazismus „... als ‚Zwillingsbruder‘ des westlichen Imperialismus identifiziert ...“, der in Europa so funktionieren sollte wie der westliche Imperialismus in Übersee.[22]

Imperialismus vor dem 19. Jahrhundert

Großreiche des Altertums

Die ersten imperialen Ausdehnungen ergaben sich durch die Machtkonzentration bei der Bewältigung großer Bewässerungsbauwerke und Dammanlagen in China (Hoangho), Indien (Indus), Mesopotamien (Euphrat und Tigris) und Ägypten (Nil), nach Wittfogel in den „hydraulischen Kulturen“. Namensgebend wurde dann das Wachstum Roms. Nach dem Prinzip divide et impera (lateinisch „teile und herrsche“) gaben sie den eroberten Gebieten allerdings auch eine gewisse Mitbestimmung durch eine Selbstbestimmung der Bevölkerung oder eine eigene Regierung, die durch einen Statthalter vertreten war. Neben dem kurzlebigen aber durch seine Ausdehnung für den Hellenismus wichtigen Alexanderreich kam dem römischen Reich große Rolle zu. Die Pax Romana bezog sich auf den Herrschaftsbereich S.P.Q.R. in dem die Römer ihre eroberten Gebiete durch Machtteilung mit den lokalen Eliten befriedeten.

Mittelalter

Auch dem Byzantinischen Reich, als Nachfolger des Imperium Romanum gelang es im frühen Mittelalter, den östlichen Mittelmeerraum, Vorderasien und Teile Italiens zu erobern und damit beinahe das Reich wieder herzustellen. Bis ins 13. Jahrhundert hinein war Byzanz eine der dominierenden Großmächte Europas, erst mit dem 4. Kreuzzug, die Eroberung Konstantinopels durch die Venezianer und „Franken“, begann der schrittweise Verfall der Macht, bis schließlich 1453 Konstantinopel in die Hände der Osmanen fiel. Auch die oberitalienischen Stadtstaaten Genua und Venedig schufen ausgedehnte Handelsimperien mit Stützpunkten und Kolonien am Schwarzen Meer und im Mittelmeerraum. (Genueser Kolonien, Venezianische Kolonien)

Weitere wichtige imperiale Großreiche des Mittelalters waren das Frankenreich, das ebenfalls die Nachfolge des Imperium Romanums beanspruchte und die Krone Aragon, die vor allem den westlichen Mittelmeerraum beherrschte.

Außereuropäischer Imperialismus des Mittelalters

Islamische Expansion

Da durch den im 7. Jahrhundert entstanden Islam die Ausdehnung der Religion von zentraler Bedeutung war, kam es auch hier zu einem religiös motivierten Imperialismus. Nach dem Tode des Propheten Mohammeds wurde unter den Kalifen-Dynastien der Umayyaden und Abbasiden weite Teile Nordafrikas, sowie Vorderasien erobert und damit ein islamisch-arabisches Weltreich geschaffen, das in Teilen bis ins 13. Jahrhundert hinein Bestand hatte.

Das Osmanische Reich stieg mit der Einnahme Konstantinopels 1453 zu einer der führenden Großmächte in Vorderasien und dem Mittelmeerraum auf.

Mongolisches Weltreich

Das mongolische Weltreich entstand mit den Eroberungen Dschingis Khans und wurde durch seinen Enkel Kublai Khan, später mit dem Chinesischen Kaiserreich verbunden (Yuan-Dynastie), das um 1260 beinahe ganz Zentralasien umfasste.

Kolonialismus Portugals und Spaniens

Die Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal
1497 eroberte Spanien das nordafrikanische Melilla und blieb 450 Jahre. Fotos von 1909.

Schon zwei Jahre nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus gipfelte der Wettlauf zwischen den beiden Seemächten Portugal und Spanien in einer Aufteilung der Erde durch den Vertrag von Tordesillas (1494). Danach begann die Kolonialisierung Mittel- und Südamerikas. Abenteurer wie Hernán Cortés und Francisco Pizarro trieben die Ausbeutung der ortsansässigen Azteken und Inkas für Spanien voran. Ziel war also die Eroberung der vermeintlich „unzivilisierten“, d. h. unterentwickelten Bevölkerung. Die Spanier unter Cortes und Pizarro versklavten die Azteken und Inkas. Sie agierten nach den Prinzipien Erobern (von Land), Vernichten (der Kultur) und Errichten (eigener Staaten → Vizekönigreiche), man sprach daher vom Konquistadoren-System Spaniens (vom spanischen Wort conquista, das „Eroberung“ bedeutet).

Auch in Asien versuchten die beiden iberischen Länder Fuß zu fassen. So gelang es Portugal Goa, Macau und die Gewürzinseln zu erwerben; Spanien besetzte die Philippinen und einige pazifische Inseln. Die Portugiesen errichteten zunächst nur Stützpunkte bei den fremden Kulturen und nutzten diesen Kontakt eher wirtschaftlich. Erst im 17. Jahrhundert begann man auch größere Landflächen wie Brasilien in Südamerika, Mosambik und Angola in Afrika zu erobern.

Zeitalter des Imperialismus

Die Aufteilung Afrikas unter die Kolonialmächte 1913

Das „Zeitalter des Imperialismus“ (auch „klassischer Imperialismus“ oder „Hochimperialismus“) bezeichnet eine Epoche der vor allem durch europäische Groß- und Mittelmächte betriebenen weltweiten Ausdehnung von Herrschaftsgebieten auf Übersee-Territorien im Zeitraum ab ca. 1870 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914), motiviert vornehmlich durch strategische Interessen wirtschaftlicher und politischer Art, später auch zunehmend von Prestigestreben und irrationalen Rivalitäten zwischen den imperialistischen Mächten. Der in dieser Zeit betriebene formelle Imperialismus (Kolonialismus) vor allem in Afrika (Wettlauf um Afrika) ist dabei nur ein Teilaspekt des Imperialismus, der auch informelle machtpolitische und wirtschaftliche Durchdringung umfasst (etwa in China und dem Osmanischen Reich).

Dem Hochimperialismus ging die Phase des Frühimperialismus voraus, deren Beginn etwa mit 1815 angesetzt wird und die vor allem von Formen des informellen Imperialismus geprägt war.

Man kann drei charakteristische Formen imperialistischer Herrschaftsbildung unterscheiden:

  1. Vom Handelsstützpunkt zum Herrschaftsgebiet mit Ansätzen einer eigenen Industrie (Beispiel: Indien).
  2. Beherrschung unter Wahrung des Anscheins der Souveränität und Autonomie (Beispiel: China zur Zeit der „Ungleichen Verträge“, während der Qing-Dynastie)
  3. wirtschaftliche Beherrschung souveräner Staaten ohne eigene Industrie (Beispiel: Balkanstaaten, Osmanisches Reich).

Wie sehr der Imperialismus das politische Denken zeitweise nationenübergreifend in Europa prägte, lässt sich schon an parallelem Begriffsgebrauch erkennen: Charles Dilkes schrieb 1869 in England sein Buch Greater Britain,[23] Paul Rohrbach veröffentlichte im August 1915 seine Schrift Das größere Deutschland,[24] und in Frankreich war die Rede von „la Plus Grande France“ seit den 1880er Jahren eine stehende Redensart und Forderung.[25]

Großbritannien

Die Industrielle Revolution fand in Großbritannien früher als in jedem anderen Staat der Erde statt. 1805 besiegten die Briten Napoleon in der Schlacht von Trafalgar, und 1806 bis 1814 trotzte das Vereinigte Königreich der von Napoleon verhängten Kontinentalsperre. Großbritannien erschloss sich neue Absatzmärkte (insbesondere in Nordamerika).

Fortschritte in der Schwerindustrie ermöglichten Fortschritte im Schiffbau. Die Dampfschifffahrt ermöglichte neue Dimensionen. Kohle- und Eisenvorkommen wurden zu wichtigen Machtfaktoren. Großbritannien veränderte sich durch die Industrialisierung vom Agrar- zum Industriestaat. Die Zunahme der Massenproduktion erforderte neue Absatzmärkte, die man in den Kolonien zu finden hoffte. In den Kolonien gab es auch viele ungenutzte Agrarflächen und preisgünstige Arbeitskräfte, was große Gewinne ermöglichte.

Nach der Niederlage Napoleons 1815 in Europa und der Beendigung des Britisch-Französischen Kolonialkonflikts war Großbritannien unangefochten die führende Seemacht der Welt; die Briten übernahmen die Rolle eines „Weltpolizisten“, eine später als „Pax Britannica“ bezeichnete Staatsdoktrin.[26] Die Außenpolitik war vom Prinzip der „splendid isolation“ geprägt: Andere Mächte waren durch Konflikte in Europa gebunden, während die Briten sich heraushielten und durch die Konzentration auf den Handel ihre Vormachtstellung festigten bzw. weiter ausbauten.[27] Großbritannien beeinflusste mit seiner starken Position in der Weltwirtschaft auch die Innenpolitik zahlreicher nominell unabhängiger Staaten; dazu gehörten China, Argentinien und Siam (auch „informelles Empire“ genannt).[28]

Bis 1914 beherrschte das British Empire ein Viertel der Landfläche der Erde. Aus dem Ersten Weltkrieg ging Großbritannien (wie auch alle anderen europäischen Mächte) personell und finanziell geschwächt hervor. Im Zweiten Weltkrieg bekam das UK viel Hilfe aus seinen Kolonien; gleichwohl stand es nach dem Krieg am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Britisch-Indien wurde 1947 unabhängig, Burma 1948.

Die europäischen Imperien wurden zu einer Zeit (vgl. Dekolonisation) aufgelöst, als die militärische Ungleichheit zwischen den Kolonien und den europäischen Mächten Frankreich und Großbritannien so groß wie nie zuvor war.

Frankreich

Das napoleonische französische Kaiserreich zu mit besetzten Gebieten zur Zeit seiner größten Ausdehnung 1812

Die französischen imperialistischen Bestrebungen konkurrierten oft mit denen des British Empire, das damals die weltweit führende Seemacht war. Viele Franzosen betrachteten England als Erzfeind. Die Wiederherstellung des einstigen Weltmachtstatus hatte hohe Priorität. Der verlorene Deutsch-Französische Krieg 1870/71 war ein Rückschlag für diese Bemühungen. Eine französisch-britische Konkurrenz gab es auch in den Kolonien (etwa bei der Faschoda-Krise). Frankreich besaß im 18. Jahrhundert noch zahlreiche Kolonien in Amerika und Indien, die es aber nach dem Siebenjährigen Krieg in Nordamerika (1754-62) an Großbritannien abtreten musste.

Auch große Teile im Norden Afrikas waren Kolonien von Frankreich (Französisch-Westafrika – weite Teile der Sahara und umliegende Gebiete). Frankreich und der Sultan von Marokko einigten sich im Vertrag von Fès vom 30. März 1912 auf die Errichtung eines französischen Protektorates ("Französisch-Marokko"; Hauptstadt war Rabat). Staatsoberhaupt blieb offiziell der Sultan. Spanien erhielt mit Abschluss des französisch-spanischen Vertrags vom 27. November 1912 von Frankreich eine eigene Einflusszone im Norden Marokkos (Zone d’influence espagnole) zugesprochen, Tanger wurde Zentrum eines internationalen entmilitarisierten Gebietes.

Deutsches Reich

Die deutsche Kolonialpolitik begann 1884/85. Bismarck verlieh mehreren afrikanischen Gebieten (Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo) sowie Deutsch-Neuguinea den Status deutsches „Schutzgebiet“. Innerhalb weniger Jahre wurden diese Gebiete in formelle Kolonien umgewandelt. Das Deutsche Reich entwickelte nach der Ablösung Bismarcks 1890 unter Kaiser Wilhelm II. mit dem „Neuen Kurs“ eine imperialistisch orientierte Politik. Im Jahr 1897 forderte der spätere Reichskanzler Bernhard von Bülow im Reichstag einen deutschen „Platz an der Sonne“. Diese Prämisse eines nationalen Prestigedenkens sollte die deutsche „Weltpolitik“ bis 1914 prägen. In der Zeit der „Weltpolitik“ unter Wilhelm II. (1888-1914) konnten nur noch wenige, kleinere Gebiete (etwa Kiautschou und Deutsch-Samoa) erworben werden, die gleichwohl als „Musterkolonien“ galten. Die von Deutschland erworbenen Kolonien waren jedoch wirtschaftlich und strategisch unbedeutend, da sie weder über größere Bodenschätze, noch über landwirtschaftliche Nutzflächen verfügten, noch als relevante Absatzmärkte fungierten.

1905 kam es zur Ersten Marokkokrise, weil Deutschland französischen Bestrebungen, Marokko dem französischen Kolonialreich beizufügen (die Franzosen beabsichtigten, ein Protektorat einzurichten), unter Berufung auf internationale Verträge entgegentrat. Zusätzlich hofften die Deutschen, unter Kriegsdrohungen die Entente cordiale so unter Druck zu setzen, dass diese sich auflösen würde. In der Tat aber fanden unter Frankreich und Großbritannien nun Generalstabsbesprechungen statt, was die Entente cordiale faktisch zu einem Bündnis werden ließ.

1911 kam es vor dem Einmarsch französischer Truppen in die marokkanischen Städte Rabat und Fès und der Entsendung des deutschen Kanonenbootes Panther (Panthersprung nach Agadir) zur Zweiten Marokkokrise. Deutschland erhielt als Kompensation Teile des französischen Äquatorialafrikas zur Abrundung seiner kamerunischen Besitzungen (Neukamerun), sah sich aber außenpolitisch isoliert. Insbesondere die von Alfred von Tirpitz zwischen 1898 und 1912 durchgesetzten, imperialistisch motivierten Flottengesetze hatten schon zuvor die deutsch-englischen Beziehungen schwer belastet.

Nach der Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg 1918 wurde das Schicksal der deutschen Kolonien durch die Siegermächte im Friedensvertrag von Versailles bestimmt. Der gesamte „reichsdeutsche“ Kolonialbesitz wurde dem Völkerbund unterstellt, der die Territorien als Mandatsgebiete an interessierte Siegermächte übergab.

Russland

Der Imperialismus des Russischen Reiches unterschied sich in seiner Form deutlich von den Imperialismen der anderen Großmächte. Er bezog sich in der Hauptsache auf die Territorialvergrößerung: Sibirien (bis hin zur Insel Sachalin), im Süden die zum größten Teil noch unkartographierten Gebiete des Kaukasus (hier kam es zum Konflikt mit dem Osmanischen Reich vor, siehe Türkenkriege), Nordpersien, Afghanistan, Samarkand, Taschkent und Nordmongolei. Eine der wichtigsten Triebfedern dieser Ausdehnung war das russische Bestreben, einen eisfreien Seehafen zu erlangen, um eine ganzjährig verfügbare Flotte stationieren zu können. Hier sind besonders die Ausdehnung nach Osten und die Gründung der Stadt Wladiwostok (was zu Deutsch „Beherrscherin des Ostens“ bedeutet), sowie die Politik um die Meerengen am Bosporus zu betrachten (ein weiterer Konflikt mit dem Osmanischen Reich, siehe auch Navalismus). Zwischen Großbritannien (British Empire) und dem Zarenreich bestand im 19. Jahrhundert lange eine Rivalität (The Great Game), bei der es um die Vorherrschaft in Zentralasien ging.

Der russische Imperialismus wurde von einer gezielten Politik der Russifizierung der eroberten Gebiete begleitet. Die Russifizierung diente als Instrument der Stabilisierung der Herrschaft und war daher gegen die kulturelle Eigenständigkeit der beherrschten Völker gerichtet.

Hinzu kam die Vorstellung, mit einer Südausdehnung auch in eine Verhandlungsposition gegenüber Großbritannien zu kommen. Mit Druck auf die Peripherie (Nordpersien, Afghanistan und Nordindien) wurde der zentrale Nerv des britischen Weltreichs bedroht: Die Seewege nach Indien und die Kronkolonie selbst. So erhofften sich die Zaren ein Einlenken Großbritanniens in der Meerengenfrage.

1904/05 wurde Russlands Expansion durch den Krieg gegen Japan gestoppt. Gerade die Verlagerung der Konfliktfelder in den Osten Asiens legte eine Grundlage für die spätere Eskalation in Mitteleuropa, die ohne die Geschehnisse am Rand der Interessensphären überhaupt nicht verständlich erscheint: der Erste Weltkrieg.

Japan

Der Imperialismus des Japanischen Kaiserreichs gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird von der einschlägigen Literatur am wenigsten berücksichtigt, obwohl er durch seinen Verlauf für die nachfolgenden Ereignisse nicht minder wichtig war.

Nachdem US-Admiral Matthew Perry 1854 mit seiner Flotte von vier Kriegsschiffen unbehelligt in den Hafen des heutigen Tokio einlief und die sogenannte Abschließung Japans beendete, wurde der Grundstock der Meiji-Restauration gelegt. In einer beispiellosen Entwicklung gelang es, radikale Reformen durchzusetzen und in atemberaubender Geschwindigkeit den technischen Rückstand zu den industrialisierten Staaten aufzuholen. Schon 30 Jahre später war aus Japan eine zu beachtende Territorialmacht geworden, die nicht nur 1894/95 China in einem Krieg besiegen konnte, sondern nach einem gleichberechtigten Bündnis mit Großbritannien 1902 es sogar schaffte, die gesamte russische Flotte im Russisch-Japanischen Krieg 1905 zu zerstören und so die Ambitionen des Zarentums in Asien zu stoppen. Im Zusammenhang mit diesem Krieg stehen auch die ersten revolutionären Unruhen in Russland, die später dann in die Russische Revolution münden sollten, und die Rückverlagerung des Konfliktschwerpunkts der Großmächte nach Europa, insbesondere auf die Balkanhalbinsel.

Japan war mit dem Sieg von 1905 in den Kreis der Großmächte aufgerückt. Es verstand das imperiale Spiel der Geheimdiplomatie zu seinen Gunsten zu nutzen, so dass es seine Ambitionen in Korea und Nordchina schon im Vorfeld des Ersten Weltkrieges verwirklichen konnte. Japan blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die einzige imperialistische Macht im ostasiatischen Raum.

Vereinigte Staaten

Karikatur zur Imperialismusdebatte in den USA

Mit dem Sieg im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 traten auch die Vereinigten Staaten in den Kreis der imperialistischen Weltmächte ein. Der Erwerb der Philippinen und Puerto Ricos sowie die Besetzung Kubas und der Bau des Panamakanals wurden auch in der innenpolitischen Diskussion als erster Schritt gesehen, um mit den europäischen Kolonialmächten in Konkurrenz zu treten. Vor dem Sezessionskrieg hatte bei der Ausdehnung auf dem amerikanischen Kontinent die inneramerikanische Debatte um die Zulassung der Sklaverei zu erheblichen Verzögerungen geführt.[29]

Bis heute bekannt ist Rudyard Kiplings vieldiskutiertes Gedicht „The White Man’s Burden“ von 1899. Kiplings Botschaft ist, dass moderne, dynamische Staaten wie die USA die stagnierenden europäischen Kolonialmächte wie Spanien zurückdrängen müssen, ein Imperium aufzubauen sei zudem mit erheblichen Verpflichtungen und Opfern verbunden. Das Gedicht gilt als eines der wesentlichen Zeugnisse wie auch moralischen Rechtfertigungsversuche des Imperialismus; sein Titel wurde sprichwörtlich.

Kiplings reflektierter und selbstkritischer Imperialismus wurde im Zusammenhang mit den Herausforderungen bei der Nationenbildung im früheren Jugoslawien wie in Afghanistan regelmäßig erneut zitiert und neu überdacht, unter anderem bei Philip Hensher.[30]

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Großbritannien, Frankreich, die Vereinigten Staaten und Japan erhielten vom Völkerbund Gebiete der im Ersten Weltkrieg unterlegenen Staaten, dem Deutschen Reich und dem Osmanischen Reich, als Mandatsgebiete zur Verwaltung übertragen. Die von Großbritannien und Frankreich beherrschten Imperien erreichten ihre jeweils größte Ausdehnung. Gleichzeitig erstarkten in den von den Imperialmächten beherrschten Ländern die Befreiungsbewegungen und bereiteten die Entkolonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg vor.

Die Sowjetunion (gegründet im Dezember 1922) entstand nach einem fünfjährigen Bürgerkrieg. Unter Stalin (er regierte ab etwa 1922 diktatorisch bis zu seinem Tod 1953) verfolgte die UdSSR expansive Ziele. Sie wehrte Hitlers 1941 begonnenen Angriff ab und installierte in den besetzten Staaten Osteuropas Vasallenregime (=> Ostblock, Warschauer Pakt, RGW). Bald nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs zerfiel auch die UdSSR (1990/91).

Japan begann im Juli 1937 den Pazifikkrieg (Angriff auf China) ein eigenes imperiales Programm (siehe Großostasiatische Wohlstandssphäre). Der Angriff auf Pearl Harbour (7. Dezember 1941) führte zum Eintreten der USA in den Pazifikkrieg.

Nach der Machtübernahme des NS-Regimes strebte Deutschland ein auf Europa und insbesondere Osteuropa (Generalplan Ost, Lebensraum im Osten) orientiertes Imperium an. Im Zweiten Weltkrieg schienen diese Pläne in den Jahren 1941/42 der Verwirklichung nahe zu kommen. Auch das faschistische Italien betonte in den 1930er Jahren seine imperialistischen Ziele und überfiel 1935 das Kaiserreich Abessinien (Italienisch-Äthiopischer Krieg).

Mit der Übernahme japanischer Mandate erreichte das von den USA beherrschte Imperium nach dem Zweiten Weltkrieg seine größte Ausdehnung; die USA galten als Weltmacht oder 'Supermacht'. Im Kalten Krieg verausgabten sich USA und UdSSR finanziell (Wettrüsten); sie führten einige Stellvertreterkriege.

Die USA zogen sich aus besetzten Gebieten zurück und überließen die Länder ihrer Selbstbestimmung. Mit Ausnahme des Stützpunktes Guantanamo auf Kuba gibt es im Jahr 2014 keine alleinigen US-Truppen auf fremden Staatsgebiet ohne Zustimmtung (der Kosovo steht unter Verwaltungshoheit der Vereinten Nationen). Der Imperialismus der USA wird stattdessen in der hemmungslosen Ausnutzung ihrer Wirtschaftsmacht gesehen und beeinflusst mit ihrer Weltwährung Dollar[31] die Wirtschaft (was zum Beispiel zum Untergang der Schweizer Bank Wegelin & Co. führte).

Vor Glasnost hatte die damalige Sowjetunion in Ungarn und der Tschechoslowakei zur Wahrung ihrer Interessen militärisch interveniert. Der Einsatz von sowjetischen Truppen nach einer Wirtschaftsblockade des nach der Unabhängigkeit strebenden Litauen war der Auftakt zu einer Reihe von bewaffneten Auseinandersetzungen im Randbereich Russlands nach 1990. Ebenfalls ohne Vereinbarung fand der Vorstoß nach Priština 1999 statt. 2008 standen erstmals russische Truppen außerhalb der Russischen Föderation in Südossetien und Abchasien (in großer Anzahl entgegen dem Abkommen von 1994) im Einsatz. Während diesem Kaukasuskrieg 2008 drangen russische Truppen auch auf georgisches Gebiet vor. Russische Truppen standen im Jahr 2014 in folgenden Gebieten außerhalb Russlands: Transnistrien, Südossetien, Abchasien und in der Autonomen Republik Krim. Auf letzterer waren die Truppen anfänglich ohne Hoheitszeichen eingesetzt, wobei Präsident Putin im Nachhinein erklärte, deren Identität nie verheimlicht zu haben.[32] Die angewandte Strategie beinhaltete „das rechtzeitige Ausschalten einiger Anführer des Gegners“ vor allem auch „jenseits der Grenzen des eigenen Territoriums“.[33] Möglicherweise hat Russland Interesse an Gebieten in der Arktis und der Antarktis.

China zählt zu den Ländern mit der größten Anzahl von strittigen Gebietsansprüchen. „Wir hoffen, dass Vietnam (...) aufhört, die chinesischen Handlungen zu stören“ ließ Peking zum Konflikt mit Vietnam verlauten.[34] Zudem sitzt China als Beobachter im Arktischen Rat und vertritt seine Interessen in der Antarktis, um jede Änderung des Politischen Status der Antarktis zu verfolgen.

Literatur

  • Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Darin: Teil 2: Imperialismus. München 1986. (engl. Erstausgabe 1951)
  • Robert Bickers, Christian Henriot (Hrsg.): New frontiers: imperialism's new communities in East Asia, 1842-1953. Manchester University Press, Manchester 2000, ISBN 0-7190-5604-7.
  • Ralph Bollmann: Lob des Imperiums – Der Untergang Roms und die Zukunft des Westens. wjs-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-937989-21-8.
  • François Caron: Geschichte Frankreichs. Bd. 5: Frankreich im Zeitalter des Imperialismus 1851-1918. Stuttgart 1991.
  • Alexander Demandt (Hrsg.): Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sowjetunion. Verlag H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-41850-3.
  • Frank Deppe u. a.: Der neue Imperialismus. Distel Verlag, Heilbronn 2004.
  • Frank Deppe, David Salomon, Ingar Solty: Imperialismus. Papyrossa, Köln 2011.
  • Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. S. Fischer, Frankfurt a. M. 1999, ISBN 3-596-14539-2.
  •  Thomas Fischer/Anneliese Sitarz (Hrsg.): Die Grenzen des „American Dream“. Hans Sitarz als ‚Gelddoktor‘ in Nicaragua 1930-1934. In: Lateinamerika-Studien. Band 50, Iberoamericana/Vervuert, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-86527-420-5.
  • Philip S. Foner: The Spanish-Cuban-American War and the Birth of American Imperialism 1895-1902. 2 Bände. New York/ London 1972. (sehr detaillierte Untersuchung mit vielen Quellen besonders aus US-amerikanischen Archiven)
  • David Harvey: Der neue Imperialismus. VSA, Hamburg 2005.
  • Karl Held (Hrsg.): Imperialismus 1: Ableitung – Anti-imperialistische Illusionen über Staat und Revolution. München 1979, DNB 800588800. RTF-Datei zum Download (364.580 Bytes) (Marxistische Analyse)
  • Eric J. Hobsbawm: Das imperiale Zeitalter 1875-1914. Fischer, Frankfurt a. M. 2004. (TB 16391)
  • Wladimir Iljitsch Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. 1917. (Onlineversion)
  • Michael Mann: Geschichte der Macht. 3 Bände, Frankfurt 1990-1998.
  • Rudolf A. Mark: Im Schatten des 'Great Game'. Deutsche 'Weltpolitik' und russischer Imperialismus in Zentralasien 1871-1914. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2012, ISBN 978-3-506-77579-5.
  • Herfried Münkler: Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten. Rowohlt, Berlin 2005.
  • Oliver Nachtwey: Weltmarkt und Imperialismus. Zur Entstehungsgeschichte der klassischen marxistischen Imperialismustheorie. Neuer ISP-Verlag, Köln 2005, ISBN 3-89900-021-8.
  • Sönke Neitzel: Weltmacht oder Untergang. Die Weltreichslehre im Zeitalter des Imperialismus. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-76102-1.
  • Daniel A. Offiong: Imperialism and Dependency – Obstacles to African Development. Fourth Dimension Publishers, Enugu/Nigeria 1980, ISBN 978-156-111-4.
  • Leo Panitch, Sam Gindin: Globaler Kapitalismus und amerikanisches Imperium. Aus dem Amerikanischen von Ingar Solty. VSA, Hamburg 2005.
  • John Pilger: Verdeckte Ziele. Über den modernen Imperialismus. Zweitausendeins, Frankfurt 2004, ISBN 3-86150-632-7.
  • Klaus Schwabe: Weltmacht und Weltordnung. Amerikanische Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart. Schöningh Verlag, Paderborn 2006.
  • Gregor Schöllgen: Das Zeitalter des Imperialismus. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 15). 4. Auflage. München 2000. (hervorragende, umfassende und forschungsnahe Gesamtdarstellung mit 1223 Literaturhinweisen zu verschiedenen Einzelthemen).
  • Gerhard Stapelfeldt: Der Imperialismus – Krise und Krieg 1870/73 bis 1918/29. Erster Band: Politische Ökonomie. Dr. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3654-8.
  • Gerhard Stapelfeldt: Der Imperialismus – Krise und Krieg 1870/73 bis 1918/29. Zweiter Band: Anthropologie und Rationalität. Dr. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3655-5.
  • Wolfgang Caspart: Das Gift des globalen Neoliberalismus. Mit Turbokapitalismus in die Krise. Amalthea Signum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85436-395-8.
  • Christian Zeller (Hrsg.): Die globale Enteignungsökonomie. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2004, ISBN 3-89691-549-5.
  • René Hauswirth, Lukas Meyer, Christian Felix: Das Zeitalter des Imperialismus 1870-1912. (AKAD Bildungsmedien Geschichte, GS301). Compendio Bildungsmedien, Zürich 1999, ISBN 3-7155-1659-3.

Film

Siehe auch

Weblinks

 Wiktionary: Imperialismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Johnston, Ronald John (2000). The Dictionary of Human Geography (4th ed.). Wiley-Blackwell, ISBN 0-631-20561-6, S. 375.
  2. Dieter Groh: Cäsarismus. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 1, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 726–771, hier: 731f.
  3. a b Dieter Groh: Cäsarismus. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 1, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 732.
  4. Richard Koebner/Helmut Dan Schmidt: Imperialism. The Story and Significance of a Political Word, 1840-1960, Cambridge 1964, S. 2 f.
  5. Dieter Groh: Imperialismus III-VI. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 3, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 175–221, hier: 175 f.
  6. Dieter Groh: Cäsarismus. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 1, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 761.
  7. Meyers Conversations-Lexikon, 4. Auflage. Band 8, 1888, S. 904.
  8. Dieter Groh: Imperialismus III-VI. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 3, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 180.
  9. Dieter Groh: Imperialismus III-VI. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 3, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 185–187.
  10. a b Dieter Flach: Der sogenannte römische Imperialismus. In: Historische Zeitschrift Bd. 222, 1976, S. 1–42, hier: 15-17.
  11. Dieter Groh: Imperialismus III-VI. In: Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 3, Studienausgabe, Stuttgart 2004, S. 177–179.
  12. Karl Kautsky in Die Neue Zeit Nr. 2 vom 11. September 1914, S. 909, angeführt bei Lenin „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ in: Lenin Werke 22, S. 272.
  13. Rosa Luxemburg: Die Akkumulation des Kapitals. In: Gesammelte Werke 5, Dietz Verlag Berlin 1975.
  14. Lenin Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. In: Lenin Werke 22, siehe auch Lenin Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus in: Lenin Werke 23, beides Dietz Verlag Berlin 1974.
  15. Lenin: „Zur Frage der Nationalitäten oder der Autonomisierung“ in: Lenin Werke 36, S. 596.
  16. Vgl. Ralf Hoffrogge, Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland, Stuttgart 2011, S. 167 f.
  17. Jens Flemming: Kolonialismus. In: Geschichte. Lexikon der wissenschaftlichen Grundbegriffe. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 3-499-16331-4, S. 381 f.
  18. http://docupedia.de/zg/Imperium Imperium und Imperialismus
  19. Louis, Wm. Roger. (1976) Imperialism S. 4.
  20. John Gallagher, Ronald Robinson: The Imperialism of Free Trade. In: The Economic History Review, vol. VI, n. 1, 1953.
  21. a b J. Painter, A. Jeffrey: Political Geography 2nd ed., Sage 2009, S. 183–184.
  22. Pankaj Mishra: Auf den Ruinen des Imperiums. In: Le Monde Diplomatique. Januar 2013, S. 12.
  23. H. Arendt, EuU, S. 397.
  24. Vgl. Tomáš Garrigue Masaryk: Das neue Europa. S. 181.
  25. Olivier Le Cour Grandmaison: La République impériale. Politique et racisme d’État. Fayard, Paris 2009, S. 18.
  26. Porter: The Nineteenth Century. S. 332.
  27. Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 285.
  28. Porter: The Nineteenth Century. S. 8.
  29. James M. McPherson Für die Freiheit sterben – Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges List 2000, ISBN 3-471-78178-1.
  30. [Exceedingly good advice from Mr Kipling, Some of his supposedly most preposterous poems have never sounded more to the point than now] (Ausgezeichnete Ratschläge von Herrn Kipling. Einige seiner lächerlichsten Gedichte kamen noch nie so auf den Punkt wie heute), von Philip Hensher, 14. Mai 2003.
  31. Großbank BNP Paribas fürchtet hohe Strafe in den USA
  32. Wladimir Putin zur Identität der Krim-Soldaten bei "Direkter Draht" am 17. April 2014 - Minute 4:40
  33. Der Mann hinter der Schreckensherrschaft, Süddeutsche Zeitung vom 12. Mai 2014, abgerufen am 13. Mai 2014.
  34. Arbeiter zünden chinesische Fabriken in Vietnam an