Eszet

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Dieser Artikel befasst sich mit der ehemaligen Kakao- und Schokoladenfabrik. Für das Eszett, den deutschen Ligaturbuchstaben ß, siehe ß.
Ernst Staengel
Frontansicht der ehemaligen Eszet-Werksgebäude
Hinterhofansicht des ehemaligen Eszet-Betriebsgeländes
Eszet-Schnitten

Die Firma EszetStaengel & Ziller – war eine Kakao- und Schokoladenfabrik in Untertürkheim (heute ein Stadtteil von Stuttgart in Baden-Württemberg). Aus den Initialen der Nachnamen der beiden Gründer Ernst Staengel (1827–1915) und dessen Schwager Karl Ziller entstand der bekannte Markenname „Eszet“.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Firma wurde am 7. Mai 1857 in Stuttgart im Furtbachweg vom Hofkonditor Staengel gegründet. 1860 zog sie in die Olgastraße 75–77. 1869 schied Karl Ziller aus dem Unternehmen aus. Wegen beengter Platzverhältnisse siedelte der Fabrikbetrieb 1898 nach Untertürkheim an den Güterbahnhof um. 1899 wurde das Eszet-Gebäude an der Augsburger Straße 275 erbaut (heute Firma Centa Star GmbH), wo 1910 rund 150 Mitarbeiter beschäftigt wurden.[1][2] 1921 erfolgte ein großer Umbau und die Erweiterung des Gebäudes nebst monumentaler Fassadenansicht.

Der Eszet-Slogan in jener Zeit lautete:[3]

„Einst hat man am Karibischen Meer für 100 Kakaobohnen eine schöne Frau bekommen“

Nach dem Tod von Ernst Staengel blieb seine Witwe Elisabeth bis zu ihrem Tod 1973 geschäftsführende Gesellschafterin. 1974 musste Eszet die Liquidation beantragen. 1975 wurde die Marke Eszet vom Kölner Stollwerck-Konzern aufgekauft und fortan von diesem weiterproduziert; Staengel & Ziller hatte aufgehört zu existieren. Der Betrieb in Untertürkheim wurde stillgelegt. Bis heute gibt es eine Stadtbahn-Haltestelle namens Eszet.

Produkte[Bearbeiten]

  • Nachdem 1912 die Bonbon-Produktion aufgegeben wurde, konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Kakaopulver und Tafelschokolade in vielen Varianten, Ausführungen und Geschmacksrichtungen.
  • Das bekannteste Produkt sind die Eszet-Schnitten. Dies sind dünne Schokoladentafeln, die als Belag für Brötchen oder Brot gedacht sind. Die Eszet-Schnitten kamen erstmals 1933 auf den Markt. Seit 1975 werden sie von dem heutigen Eigentümer Stollwerck hergestellt und unter der Marke Sarotti vertrieben.

Marktumfeld in Stuttgart[Bearbeiten]

Eszet war nach Moser-Roth und Waldbaur die dritte der bedeutenden Schokoladenfabriken, die in Stuttgart begründet wurden. Schokolade wurde in Stuttgart außerdem noch von den Unternehmen Haller, Schoko-Buck, Friedel und Alfred Ritter produziert, die bis auf letztere heute nicht mehr existieren. Süßwarenfabriken galten als typisch großstädtische Industrie, denn neben Stuttgart waren sie in Deutschland in Städten wie Hamburg, Köln, Berlin, Magdeburg oder Dresden angesiedelt. Im Rahmen der allgemeinen Veränderungen der Lebensgewohnheiten ab Mitte des 19. Jahrhunderts gewann dieser Industriezweig zunehmend an Bedeutung, denn Schokolade galt als gesundes und kraftspendendes Nahrungsmittel. Nachfragende Zielgruppe war in den Anfängen das Bürgertum.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die württembergischen Handelskammern, S. 45
  2. Gabriele Kreuzberger, S. 394 (s. LIT.)
  3. Skretny, S. 160
  4. Gabriele Kreuzberger, S. 387 (s. LIT.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriele Kreuzberger, Fabrikbauten in Stuttgart, Ihre Entwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, Klett-Cotta 1993, ISBN 3-608-91629-6
  • Werner Skrentny, Rolf Schwenker, Sybille Weitz, Ulrich Weitz: Stuttgart zu Fuß. Silberburg-Verlag, ISBN 978-3-87407-813-9.