Eugen von Keyserling

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Eugen Graf von Keyserling (* 22. Märzjul./ 3. April 1832greg. in Pokroy (litauisch: Pakruojis) in Litauen; † 4. April 1889 auf seinem Gut Ernsdorff bei Reichenbach in Schlesien) war ein deutschbaltischer Forschungsreisender und als Zoologe einer der bedeutenden Arachnologen des 19. Jahrhunderts. Hinter wissenschaftlichen Tiernamen in Bestimmungsbüchern u. ä. wird sein Name häufig „Keyserling“ abgekürzt.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Cosmophasis micans, Zeichnung von Eugen Graf von Keyserling

Keyserling studierte Kameralwissenschaften und Zoologie an der Universität Dorpat und war in Dorpat 1852 Mitglied des Corps Curonia Dorpat. Im Anschluss an das Studium beteiligte er sich an Expeditionen der Russischen Regierung im Zarenreich, an den Kaukasus und insbesondere 1858/59 an einer wissenschaftlichen Expedition nach Chorasan. Im Rahmen dieser Expedition beschrieb er auch Nicht-Spinnen, wie beispielsweise iranische Arten von Süßwasserfischen (beispielsweise Squalius latus). Er bereiste weiter England, Frankreich und Algerien. Dabei lernte er seine zukünftige Frau Margarethe kennen, die Tochter des Historikers und bayrischen Gesandten in Genf Wilhelm von Dönniges. Als dessen Unterhändler war er gemeinsam mit Wilhelm Arndt auch in die Vorgeschichte des Duells zwischen Ferdinand Lassalle und dem rumänischen Fürsten Yanko von Racowietza 1864 bei Genf einbezogen. Nach seiner Heirat 1864 mit der Tochter von Dönniges gab Keyserling seine bestehenden Reisepläne nach Amerika auf und erwarb ein Gut in Niederschlesien, um dort Landwirtschaft zu betreiben. Er widmete sich aber weiterhin seinem Spezialthema, den Spinnen, und bekam diese auch von dem deutsch-amerikanischen Arachnologen George Marx und anderen Freunden seines Fachgebiets zugesandt. Marx stellte sein Lebenswerk Die Spinnen Amerikas nach dem frühen Tod Keyserlings druckreif fertig, dieses ist heute für Fachleute eine bibliophile Kostbarkeit. Die darin enthaltenen Zeichnungen sind von der Hand Keyserlings.

Seine Spinnensammlung umfasste über 10.000 Arten und wurde nach seinem Tode vom Natural History Museum in London erworben, nachdem das Naturkunde Museum in Berlin im Jahr 1890 das Angebot der Witwe Margarethe Gräfin von Keyserling zum Erwerb der Sammlung für 15.000 Reichsmark abgelehnt hatte.[1]

Werke[Bearbeiten]

  • Er beendete Die Arachniden Australiens (1871–1883) für Ludwig Carl Christian Koch.
  • Die Spinnen Amerikas (Herausgeber post mortem: George Marx). Bauer & Raspe, Nürnberg 1880–1893, 6 Teile in 4 Bänden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich G. Barth: Sinne und Verhalten - aus dem Leben einer Spinne. Springer 2001, ISBN 3-540-67716-X, S. 8 ff.
  1. Carsten Kretschmann: Räume öffnen sich - Naturhistorische Museen im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Frankfurt 2004, ISBN 3-05-004202-8, S. 145 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eugen von Keyserling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Eugen von Keyserling – Quellen und Volltexte