Chorasan

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Dieser Artikel behandelt die Region Chorasan, für die gleichnamige Provinz siehe Chorasan (Provinz).
Chorasan, Transoxanien und Choresmien

Chorasan (persisch ‏خراسان‎, auch Chorassan, Khorassan oder Khorasan geschrieben), historisch auch manchmal mit nördlicheren Regionen zusammengefasst als Chorāsān und Mā warā an-nahr (arabisch ‏خراسان وما وراء النهر‎, DMG Ḫurāsān wa-Mā warāʾ an-nahr), ist eine historische Region in Zentralasien im Gebiet der heutigen Staaten Afghanistan, Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan.

Etymologie[Bearbeiten]

Das Wort Chorasan ist altpersisch und bedeutet „Land der aufgehenden Sonne“. Später erhielt das Wort im Parthischen und Mittelpersischen generell die Bedeutung „Osten“.

Nach vielen kritischen Standardlexika der persischen Sprache bzw. des Dari, z. B. Dehchodas Lexikon, ist ‏خراسان‎ zusammengesetzt aus ‏خرchor „Sonne“ und ‏آسانāsān; dies bedeutet z. B. „Methode“, „Art und Weise“, und als Adjektiv bedeutet āsān „leicht“.

Somit bedeutet Chorasan wörtlich „Sonnenmethode“ bzw. „Sonne leicht“ und bezeichnet den Orient (Chāwarخاور‎) bzw. den Osten im Gegensatz von Westen (Bāchtarباختر‎), der Okzident bedeutet (siehe auch Baktra, Baktrien).

Wesentlich wahrscheinlicher ist jedoch der Vorschlag Ghilains (1939: 49),[1] wiederholt bei Nyberg (1974: 220),[2] Chorasan auf mittelpersisches xwar „Sonne“ und das parthische Verb ās „kommen“ zurückzuführen. Die Endung -ān bezeichnet das Partizip Präsens. Damit hieße Chorasan (Mittelpersisch xwarāsān) „die kommende Sonne“.

Geographie[Bearbeiten]

Die Region grenzt im Westen an das Kaspische Meer und im Osten an den Hindukusch. Der nördliche Teil befindet sich in Turkistan, die südlichen Teile gehören zur Wüstenregion Sistan.

Bedeutende Städte Chorasans sind: Samarkand, Buchara (heute Usbekistan), Herat, Balch, Ghazni, Kabul (heute liegen alle 4 Städte in Afghanistan), Maschhad, Tus und Nischapur (heute Iran).

Geschichte[Bearbeiten]

Als historische Landschaft, die sich in der Antike nordwestlich bis zum Kaspischen Meer und östlich bis zum heutigen Zentralafghanistan ausdehnte, gehörte die Region seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. unter Kyros dem Großen zum Perserreich und wurde in die Satrapien Baktrien, Sogdien, Choresmien und Parthien unterteilt. Mit dem Sieg Alexanders des Großen über die Achämeniden wurde Chorasan eine makedonische Kolonie und wurde als Teil des Seleukidenreichs von Makedonen verwaltet. Nach der Eroberung durch Arsakes I. (247 v. Chr.) war Chorasan Ursprung- und Kerngebiet des Partherreichs, welches 227 n. Chr. unter Ardaschir I. an die persische Dynastie der Sassaniden fiel und als eines der vier Teile des Neupersischen Reiches den Namen „Land der aufgehenden Sonne“ (= Chorasan) erhielt.

Seit 651 unter arabischer Herrschaft, wurde Chorasan von den Kalifaten der Umayyaden und Abbasiden islamisiert und entwickelte sich unter der Herrschaft der nachfolgenden Dynastien (Tahiriden, Saffariden, Samaniden) zu einem der Zentren persischer und islamischer Kultur. Diese Tradition wurde von den nachfolgenden turko-persischen Dynastien (Ghaznaviden, Seldschuken), die nach und nach die lokalen Dynastien ablösten, fortgesetzt. 1220 wurde Chorasan von den Mongolen unter Dschingis Khan überrannt und erobert, erlebte jedoch unter seinen Nachkommen (Ilchane, Timuriden, Mogulen) eine erneute Blütezeit.

1598 kam der größte Teil Chorasans endgültig unter iranische Oberhoheit, als die Safawiden den größten Teil Ostirans eroberten. Zeitweise waren kleinere Teile im Nordwesten und Südwesten unter usbekischer oder indischer Herrschaft. 1748 wurde in Chorasan die paschtunische Dynastie der Durrani gegründet, deren Emire als „Herrscher von Chorasan“ zu den Vorläufern des heutigen Staates Afghanistan wurden. 1863 fiel Herat endgültig an Afghanistan, Merw 1884 an Russland. Heute sieht sich Afghanistan bzw. die persische (tadschikische) Bevölkerung Afghanistans als rechtmäßiger Nachfolger des mittelalterlichen Chorasan.

Chorasan war sehr lange das eigentliche Zentrum der islamischen Blütezeit. Hier vermischten sich viele Völker, ihr Wissen und ihre Kulturen mit der einheimischen iranischen Zivilisation. Die wichtigsten und bekanntesten Gelehrten und Sufis (islamische Mystiker) der persisch-islamischen Welt lebten und wirkten hier, unter anderem der Arzt Avicenna, der Erfinder der Algebra al-Chwarizmi, der Theologe al-Ghazali, die Dichter Rumi, Attar und Ferdousī, die Mathematiker Ulugh Beg und Omar Chajjam, der persische Nationalheld Abu Muslim Chorassani und der Universalgelehrte al-Biruni. Durch diese lange und wichtige Geschichte hat diese Region einen besonderen Wert nicht nur für die iranische Bevölkerung, sondern auch für Kurden, Türken, Araber und Inder. Dies zeigt sich noch heute in der Zusammensetzung der Bevölkerung Chorasans.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Chorasan ist aufgrund seiner wechselvollen Geschichte eine multi-ethnische Region. Die Bevölkerung Chorasans setzt sich mehrheitlich aus Persern, Arabern, Türken, Kurden, Mongolen und Belutschen sowie aus kleineren Gruppen von Juden und Luren zusammen.[3] Hinzu kommen einige verstreut im Iran lebende, ehemals nomadisierende Ethnien, zu denen in Chorasan unter anderem die aus Indien stammenden Jat und die Asheq (vgl. Aşık) genannten Musiker gezählt werden.[4]

Die größte Bevölkerungsgruppe in Chorasan bilden die Sprecher iranischer Sprachen, hauptsächlich Persisch und Paschtu, wobei Persisch sowohl zahlenmäßig als auch historisch und kulturell die dominierende Sprache ist. Eine bedeutende Minderheit bilden die Sprecher zentralasiatischer Turksprachen, von denen Usbekisch und Turkmenisch sicherlich die wichtigsten sind. Daneben findet man auch kleinere Gemeinden von Arabern und Kurden.

99 Prozent der Bevölkerung Chorasans ist muslimisch, davon die Mehrheit im iranischen Teil schiitisch in den anderen Ländern mehrheitlich sunnitisch, mit einer sehr bedeutenden schiitischen Minderheit. Besonders der Westen Chorasans ist ein Zentrum der schiitischen Konfession. Unter anderem befindet sich dort die für Schiiten heilige Stadt Maschhad.

Belege[Bearbeiten]

  1. A. Ghilain: Essai sur la langue parthe: son système verbal d'après les textes manichéens du Turkestan oriental. Bureaux du Muséon, Louvain 1939.
  2. H. S. Nyberg: A Manual of Pahlavi II. Harrassowitz, Wiesbaden 1974.
  3. Pierre Oberling: Chorasan. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica (englisch, inkl. Literaturangaben)
  4. Sekandar Amanolahi: The Gypsies of Iran (A Brief Introduction). In: Iran & the Caucasus, Vol. 3/4. 1999/2000, S. 109–118, hier S. 109