Exmoor-Pony

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Exmoor-Pony
Exmoorponys im Winterfell

Exmoorponys im Winterfell

Wichtige Daten
Ursprung: Exmoor
Hauptzuchtgebiet: England
Verbreitung: gefährdete Rasse
Stockmaß: bis 129,5 cm
Farben: Falben und Braune mit Mehlmaul aber ohne andere Abzeichen
Haupteinsatzgebiet: Kinderpony, Reit- und Nutzpferd, Naturschutz[1]
Mutterstute mit Fohlen im Sommerfell

Das Exmoor-Pony ist eine mittelgroße englische Ponyrasse. Es ist das ursprünglichste und wildpferdartigste der britischen Kleinpferde, einige Herden wandern noch frei in den Mooren Südwestenglands (z. B. Exmoor-Nationalpark, ein Wildes Gestüt). Behauptungen, Exmoor-Ponys verfügen über einen siebenten Mahlzahn, den es bei anderen Pferderassen nicht gibt, basieren auf einer Fehlinterpretation[2].

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur[Bearbeiten]

Die braune Fellfarbe des Exmoorpferdes ist genetisch beim Tarpan nachgewiesen und auch in der Höhlenmalerei portraitiert.

Dem Exmoorpferd wird aufgrund seines Phänotyps von einigen eine besondere Nähe zum europäischen Wildpferd zugesprochen[2] Das Exmoor-Pony verfügt über einen gedrungenen, kräftigen Körperbau. Die Fellfarbe des Exmoors ist schwarzbraun, welches in Schattierungen von beige-bräunlich bis hin zu dunkelbraun-schwarz reichen kann. Die meisten Exmoorpferde sind jedoch rotbraun oder haselnussbraun gefärbt. Braun ist eine für das europäische Wildpferd nachgewiesene Fellfarbe[3]. Relevant wäre, ob die europäischen Wildpferde auch das Falb-Gen, welches genetisch noch nicht identifiziert wurde, aufwiesen oder nicht. Das Falbgen ergibt bei brauner Grundfarbe einen sandfarbenen Ton wie beim Przewalski-Pferd, bei schwarzer Grundfarbe eine mausgraue Farbe ähnlich der des Koniks. Folglich konnten sowohl braune, schwarze, sandfarbene und mausgraue Farben beim europäischen Wildpferd vorgekommen sein. Exmoor-Pferde weisen das aufhellende Falb-Gen nicht auf. Ein Fehlen des Falbgens beim westeuropäischen Exmoorpferd könnte als eine Anpassung an waldiges Terrain in Mittel- und Westeuropa zu verstehen sein, welches eine dunklere Farbe begünstigt haben könnte[2]. Das Exmoor-Pferd weist auch, wie sämtliche heutige Wildpferd-Vertreter, das Pangare-Gen auf, welches eine helle Körperunterseite und ein weißes Mehlmaul verursacht. Die Beine werden zu den Zehen hin sehr dunkel, auch ist ein feiner Aalstrich oft vorhanden.

Das Exmoorpferd ist als Robustpferd besonders abgehärtet und widerstandsfähig gegen viele Pferdeseuchen. Das Winterfell des Exmoor-Ponys besteht aus einem weichen wolligen Unterfell und einem längeren, öligen, wasserabweisenden Oberfell. Als weitere Anpassung an die Witterungen des britischen Klimas gelten die bei einigen ursprünglichen Ponys vorhandenen Augenwülste, welche die Augen vor Regenwasser und Schnee schützen.[2]

Interieur[Bearbeiten]

Das Exmoor-Pony ist zäh, robust und gesund. Auch wenn es manchmal seine Eigenwilligkeit zeigt, ist es im Allgemeinen dem Menschen gegenüber freundlich eingestellt und im Umgang aufmerksam und willig. Exmoor-Ponys sind, im Gegensatz zu vielen anderen Rassen, in extensiver Haltung scheu und meiden den Menschen. [2]. Andere, etwa Koniks, sind, auch wenn sie ihr ganzes Leben auf Naturflächen zugebracht haben, sehr zutraulich, was zu Konflikten mit Menschen führen kann[1]. Auch zeigen Exmoor-Ponys bei der Flucht einen starken Herdeninstinkt und bilden mitunter einen Verteidigungsring um die Fohlen, wenn sie sich bedroht fühlen[2], während sich Koniks zerstreuen[4].

Geschichte[Bearbeiten]

Wilde Exmoor-Ponys nahe Winsford, England

Bereits im Pleistozän dienten Wildpferde den Menschen in Großbritannien als Nahrung. Ihre Überreste sind in eiszeitlichen Fundstätten häufig. Unklar ist derzeit, ob Wildpferde während des Mesolithikums aus Großbritannien verschwanden und erst als Hauspferde wieder auf die Insel kamen, oder ob sie durchgehend überlebten.

Genetische Studien widersprechen der Ansicht, beim Exmoorpony handele es sich um eine überlebende Form der Wildpferde Großbritanniens. Sie teilen sich mDNA mit verschiedenen anderen Hauspferderassen, und ihr Y-Chromosom ist mit dem der meisten anderen Hauspferde identisch.[5][6]

Als sicher kann jedoch gelten, dass das Exmoor-Pony die einzige weitgehend unverkreuzte Population eines wilden Pferdetypus ist, der einst über ganz Großbritannien verbreitet war und zumindest bis zum Jahr 1086, der Zeit Wilhelm des Eroberers, zurückverfolgbar ist,[2] weshalb die Exmoorpony-Herden als die am längsten zurückverfolgbaren wilden Pferdepopulationen Europas gelten.[2]

Diese Pferde galten in historischer Zeit als scheu und wurden gejagt. Ihr Fleisch stellte eine wichtige Lebensgrundlage für viele Einwohner dar. Typisch war ein kleiner, Widerristhöhe von 130 cm nicht überschreitender, kräftiger Körperbau mit bulligem Kopf und kurzer buschiger Mähne. Die Färbung war überwiegend dunkelbraun oder schwarz, mit einer hellen Körperunterseite sowie einem Mehlmaul.[2]

Diese einheimischen Pferde wurden zusehends nicht nur gejagt, sondern auch gezähmt und von Farmern gezüchtet. Aufgrund ihrer kräftigen Statur waren sie bewährte Zugtiere. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurden sie vielerorts mit Pferden vom Festland gekreuzt, was zu einem Verlust der ursprünglichen Erscheinung vieler lokaler Ponyrassen führte. Um 1900 zeigten einheimische britische Pferderassen noch starke Ähnlichkeit untereinander. So waren damals Ponys aus Nordwales, den Hebriden, Welsh-Ponys, das Dartmoor-Pony und das heute ausgestorbene Galloway-Pony (aus dem das Fellpony hervorging) vom heutigen Exmoorpony so gut wie nicht unterscheidbar. Auch Pferde der Färöer-Inseln gehen auf solche Ponys zurück.[2] Genetische Befunde implizieren eine Nordpony-Gruppe, der weitere nördliche Ponyrassen wie das Shetland-Pony und das Fjordpferd angehören, was ebenfalls auf gemeinsamen Ursprung hinweist.[1]

Einzig in Exmoor gab es sehr wenig Vermischung, sodass sich dort der ursprüngliche wilde Pferdetypus erhalten konnte. Kreuzungen mit anderen Rassen, v.a. dem Englischen Vollblut, wurden zwar durchgeführt, aber da deren Resultate mit den harten Wintern meist wesentlich schlechter zurechtkamen, oft wieder aufgegeben. Dementsprechend blieb der Einfluss anderer Rassen im Exmoorpony gering. Dies wird unter anderem noch durch die auffallende Homogenität der Rasse bezeugt.[2]

Die Rasse ging während des Zweiten Weltkriegs zahlenmäßig stark zurück. Rund 50 Exmoorponys überlebten, darunter nur 6 Hengste. Dieser genetische Flaschenhals wird für einen wesentlichen Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb des Exmoorponys verantwortlich gemacht. So gab es früher auch eine schwarze Variante. Historisch nachgewiesen sind auch weiß-gräuliche Exmoorponys mit dunklen Beinen, die wahrscheinlich auf Vermischung mit anderen Rassen zurückgehen.[2]

1921 wurde die Exmoor Pony Society gegründet, mit dem Ziel, das reinrassige Exmoor-Pony zu erhalten. 2010 wurde der weltweite Bestand des Exmoorponys auf etwa 800 Tiere geschätzt. Einige Populationen leben wild bzw. halbwild, 12 Herden davon alleine in Exmoor.[2]

Verwendung[Bearbeiten]

Das Exmoor-Pony ist kräftig genug, einen ausgewachsenen Menschen zu tragen, wird aber vorwiegend als Kinderpony eingesetzt. Verwendung findet dieses ursprüngliche Pferd auch im Naturschutz. Da der Beweidungseinfluss großer Pflanzenfresser zur Erhaltung offener Flächen mit ihrer Biodiversität beiträgt (Megaherbivorenhypothese), werden robuste Tiere wie das Exmoorpferd u.a. von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) [1] oder der Stichting Taurus halbwild lebend eingesetzt. Auch wird das Exmoor als Ersatz für das ausgerottete europäische Wildpferd in der Wildnis vorgeschlagen[7].

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Exmoor Pony – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Margret Bunzel-Drüke, Carsten Böhm, Peter Finck, Gerd Kämmer, Rainer Luick, Edgar Reisinger, Uwe Riecken, Johannes Riedl, Matthias Scharf, Olaf Zimball: „Wilde Weiden“. Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung. 2. Auflage. Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest, Bad Sassendorf-Lohne 2009, ISBN 978-3-00-024385-1.
  2. a b c d e f g h i j k l m Baker, Sue, 2008: Exmoor Ponies: Survival of the Fittest – A natural history.
  3. Melanie Pruvosta, Rebecca Bellone, Norbert Benecke, Edson Sandoval-Castellanos, Michael Cieslak, Tatyana Kuznetsova, Arturo Morales-Muñiz, Terry O'Connor, Monika Reissmann, Michael Hofreiter, Arne Ludwiga: Genotypes of predomestic horses match phenotypes painted in Paleolithic works of cave art. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Bd. 108, Nr. 46, 2011, S. 18626–18630, PMID 22065780, doi:10.1073/pnas.1108982108.
  4. Tadeusz Jezierski, Zbigniew Jaworski: Das Polnische Konik. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 658, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2008
  5. Jansen et al. 2002: Mitochondrial DNA and the origins of the domestic horse
  6. Cieslak et al. 2010: Origin and History of Mitochondrial DNA lineages in domestic horses
  7. Wild horses for Europe – which breed is the best?