Tarpan

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Tarpan
Das einzige Foto eines angeblichen Tarpans, das jedoch wahrscheinlich kein reinerbiges Exemplar oder ein verwildertes Hauspferd zeigt(veröffentlicht im Jahr 1884)

Das einzige Foto eines angeblichen Tarpans,
das jedoch wahrscheinlich kein reinerbiges Exemplar oder ein verwildertes Hauspferd zeigt
(veröffentlicht im Jahr 1884)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Pferde (Equus)
Art: Wildpferd (Equus ferus)
Unterart: Tarpan
Wissenschaftlicher Name
Equus ferus ferus
Lebendrekonstruktion der in Europa vorgekommenen Erscheinungsformen des Wildpferds, basierend auf genetischen und historischen Informationen
Replik einer Höhlenmalerei in der Höhle von Lascaux.
Lebendrekonstruktion des Kopfes von Equus ferus lambei, einer verwandten Wildpferdeform.

Als Tarpan (Equus ferus ferus) wird seit frühestens dem 18. Jahrhundert die ausgerottete westliche Form des eurasischen Wildpferds bezeichnet. Sie war westlich des Urals verbreitet und verschwand im Laufe des 19. Jahrhunderts.

Abzugrenzen ist es vom Przewalski-Pferd, das die östliche Unterart des Wildpferds darstellt und die einzige überlebende Wildform dieser Spezies ist. Das Przewalski-Pferd ist jedoch nicht die Stammform des Hauspferdes, welches vermutlich in der eurasischen Steppe vor rund 6000 Jahren domestiziert wurde.[1]

Etymologie und Taxonomie[Bearbeiten]

Der Begriff „Tarpan“, und was er ursprünglich beschrieb, ist umstritten. Mittlerweile hat er sich jedoch als Bezeichnung für das westeurasische Wildpferd durch zoologische Literatur eingebürgert. Er stammt aus dem tatarischen Volksmund und bezeichnete sowohl Wildpferde als auch verwilderte Hauspferde und deren Hybride sowie dort vorkommende Wildesel. 1762 wurde der Name Tarpan von Peter Rytschkow zum ersten Mal in wissenschaftlicher Literatur verwendet und wurde heute zum allgemeinen Begriff für das westliche Wildpferd.[2]

1784 wurde der Tarpan von Pieter Boddaert in Elenchus Animalium als Equus ferus beschrieben. Otto Antonius beschrieb die Spezies als Equus gmelini im Jahre 1912, somit stellt dieser Name ein Juniorsynonym dar. Equus sylvaticus ist eine 1928 von Tadeusz Vetulani erstellte Bezeichnung für die von ihm als Waldtarpan bezeichneten Populationen;[2] je nach Zutreffen der Waldtarpan-Hypothese dürfte es sich hierbei um ein weiteres Juniorsynonym handeln. Innerhalb der Spezies des Wildpferds ist der Tarpan, Equus ferus ferus, vom Przewalski-Pferd, Equus ferus przewalskii, abzugrenzen. Beide Pferdelinien trennten sich bereits vor 120.000 bis 240.000 Jahren voneinander.[3] Zur selben Zeit breiteten sich die Tarpane aus Nordosten kommend über Eurasien aus.[1]

Sofern Wildpferd und Hauspferd als eine Spezies betrachtet werden, sollte letzteres als Equus ferus caballus geführt werden, da entsprechend dem ICZN die Namen von Wildformen gegenüber Hausformen Priorität haben.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das rekonstruierte Aussehen des Tarpans basiert auf genetischen, osteologischen und historischen Befunden. Genetische Untersuchungen zeigen, dass bei europäischen und russischen Wildpferden die Grundfarbe Braun überwog.[4] Während des Mesolithikums entstand bei Wildpferden auf der iberischen Halbinsel zusätzlich ein Gen für eine schwarze Fellfarbe.[4] Diese Farbe breitete sich weiter nach Osten aus, erreichte Sibirien jedoch nie und blieb gegenüber der braunen Farbe in der Minderheit unter den untersuchten Wildpferd-Genotypen.[5] Des Weiteren wurde bei prähistorischen Wildpferden der Tigerschecken-Komplex nachgewiesen, der für eine schwarz gescheckte weiße Grundfarbe verantwortlich ist, wie man sie bei Knabstruppern und einigen Norikern finden kann.[5] Das Vorkommen des Dilute-Gens, das bei falben Pferden eine Aufhellung der Grundfarbe bewirkt, wurde bislang bei Wildpferden noch nicht getestet. Es wird jedoch für wahrscheinlich gehalten, dass Wildpferde zumindest in offeneren Lebensräumen falben waren, da sowohl das Przewalski-Pferd als auch viele Wildesel allesamt braunfalben gefärbt sind und die helle Grundfarbe für steppenartige Habitate vorteilhaft ist.[5] Die Grundfarben Braun und Schwarz ergeben mit Falbe Braunfalbe bzw. Schwarzfalbe. Darüber hinaus wird vermutet, dass ein eventueller Verlust des Falbgens wiederum im mittleren und westlichen Teil Europas von Vorteil gewesen wäre, da dunkler gefärbte Pferde (in diesem Fall phänotypisch braun und schwarz) in bewaldeten Gebieten besser getarnt gewesen sein könnten.[6] Helle Körperunterseite (Pangare) und Mehlmaul sind Charakteristika, die ebenfalls bei europäischen Wildpferden vorkommen konnten, da sie bei allen anderen wilden Equinen (mit Ausnahme der Zebras) ein fester Bestandteil der Fellfarbe sind[6] und historische Berichte eine helle Bauchseite teilweise erwähnen.[2] Sehr wahrscheinlich wiesen falbe Wildpferde auch die so genannten „primitiven Markierungen“ auf, wozu neben Aalstrich auch Fesselstreifen und Schulterkreuz gehören. Höhlenmalereien, die Wildpferde des Pleistozäns in Europa darstellen, zeigen sowohl braune, schwarze als auch falbe und weiß-gepunktete Tiere.[5]

In einer Vielzahl historischer Quellen werden wildlebende Pferde in Europa beschrieben. Diese sind oft jedoch ungenau, sodass über die Natur der jeweiligen Pferdepopulationen Unklarheit bezüglich ihres Status als Wildpferde oder verwilderte Hauspferde besteht.[2] So ist weiter auch unklar, ob mit „mausfarben“ eine mausgraue oder mausbraune Färbung gemeint ist.

Herodot beschrieb im fünften Jahrhundert vor Christus helle Wildpferde, die auf dem Gebiet der heutigen Ukraine vorkamen. Albertus Magnus berichtet im 12. Jahrhundert nach Christus von Wildpferden auf deutschem Gebiet, die mausfarben und mit dunklem Aalstrich versehen waren.[2]

Belsazar Hacquet, Arzt bei der österreichischen Armee während des Siebenjährigen Krieges, schilderte die Wildpferde im Tierpark Zamość als klein, schwarzbräunlich gefärbt, mit großen und dicken Köpfen, mit kurzen dunklen Mähnen und Schweifhaaren sowie einem „Bart“. Die Wildpferde seien absolut unzähmbar gewesen und verteidigten sich hartnäckig und mutig gegen Raubtiere. Auch Kajetan Kozmian beschreibt die Wildpferde von Zamość als klein und sehr kräftig, mit robusten Gliedmaßen und einheitlicher dunkler Mausfarbe.[2]

Eine weitere wichtige Beschreibung wilder Pferde lieferte Samuel Gottlieb Gmelin im Jahre 1768, der Populationen in Woronesch sah. Laut ihm waren die Wildpferde sehr klein, trugen spitze Ohren und eine kurze krause Mähne. Der Schwanz war ebenfalls kürzer als bei Hauspferden. Die Farbe war typischerweise mausfarben, der Bauch heller gefärbt, die Beine gingen ins Schwarze über. Allerdings wurde auch von weißen und Grauschimmeln berichtet. Das Fell war lang und dicht. Die Wildpferde waren sehr schnell und scheu und flüchteten beim leisesten Geräusch. Angeführt wurden die Herden von einem Leithengst. Diesen genauen Berichten zum Dank wurde das europäische Wildpferd von Antonius nach Gmelin benannt.[2]

Peter Pallas lieferte ebenfalls wertvolle Beschreibungen über wilde Pferde im südlicheren Russland, die er auf einer Reise im Jahre 1768 sichtete. Seiner Meinung nach handelte es sich bei den von ihm gesehenen Pferden jedoch nicht um Wildpferde, sondern um verwilderte Hauspferde, die während Kriegswirren entkamen. Sie waren jedoch wichtige Jagdtiere für die Tataren und lebten in Herden von fünf bis zu 20 Tieren und zeigten einen wildpferdeartigen Körperbau: kleine Statur, dicke Köpfe, kurze krause Mähnen und kurze Schweifhaare sowie spitze Ohren. Die Farbe wurde als fahl-braun, hier und da dunkelbraun oder schwarz beschrieben. Des Weiteren berichtet Pallas von solchen mit deutlichen Anzeichen von Vermischung, wie etwa hell gefärbten Beinen oder Grauschimmel.[2]

Charles Hamilton Smith berichtet in The Natural History of Horses, with Memoir of Gesner, dass Tarpane in Herden von einigen bis zu hundert Tieren angetroffen werden konnten, die von einem Leithengst angeführt wurden. Oft waren diese Herden mit Hauspferden vermischt, und neben reinerbigen Herden gab es ebenso wilde Hauspferd-Herden bzw. Hybridherden. Die Farbe der reinen Tarpane wird als einheitlich braun, creme-farbig oder mausfarben beschrieben. Die kurze krause Mähne wurde als schwarz beschrieben, genauso wie der Schweif und die Fesseln. Die Ohren seien entweder lang oder kurz gewesen und setzten hoch am Schädel an. Die Augen waren klein. Die Lautäußerungen des Tarpans seien schriller und lauter als die von Hauspferden gewesen, und generell machte das Wildpferd eine Maultier-ähnliche Erscheinung. Der Tarpan soll laut Hamilton Smith jahreszeitliche Wanderungen unternommen haben, während des Sommers wanderten sie nordwärts und zogen sich im Herbst wieder in den Süden zurück.[7]

Dem europäischen Wildpferd bzw. Tarpan wird heute oft eine Stehmähne zugesprochen. Alle überlebenden Wildpferdearten weisen eine Stehmähne auf, so hielt man Hängemähnen für ein Domestikationsmerkmal.[8] Historische Berichte beschrieben jedoch nie eindeutig Stehmähnen für europäische Wildpferde, und es ist wahrscheinlich, dass bei diesen eine kurze Hängemähne vorkam. Denn dieses Merkmal ist in niederschlagsreichen Regionen von Vorteil, da es Regenwasser und Schnee von der Hals- und Gesichtsregion abhält und den Wärmeverlust reduziert. Mumifizierte sibirische Wildpferde weisen ebenfalls eine Hängemähne auf.[6]

Waldtarpan[Bearbeiten]

Tadeusz Vetulani nahm an, dass die zunehmende Bewaldung in Mitteleuropa nach der Würm-Kaltzeit zu einem an Wälder angepassten Wildpferdetypus führten, den er als „Waldtarpan“ gegenüber dem „Steppentarpan“ abgrenzte.[2] Die meisten historischen Quellen bezeugen jedoch keine nennenswerten Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen, sodass etliche Autoren diese als eine Unterart führen.[8]

Allerdings wird von C. H. Smith berichtet, dass es in Westeuropa einen stämmigen Wildpferdetyp gab, der Wälder und Hochländer bewohnte. Zu finden war dieser in Spanien, den Pyrenäen, der Camargue, den Ardennen, Großbritannien und dem südschwedischen Hochland. Der Kopf dieser Wildpferde war bullig und mit einem starken Unterkiefer versehen, sie hatten einen robusten und starken Körper, schwere Mähnen mit Stirnlocken und einen langen buschigen Schweif. Die Farbe wurde als blass, gelblich-braun mit Aalstrich und Fesselstreifen oder gänzlich schwarzen Fesseln beschrieben. Die Flanken und der Schulterbereich konnten gesprenkelt sein, und einige wiesen eine Tendenz zu einer Aschfarbe auf. Sie lebten in hügeligen, felsigen Habitaten und zeigten sich intelligent und „arglistig“. In den Sümpfen der Niederlande soll es weiters schwarze Wildpferde gegeben haben, die einen großen Schädel mit kleinen Augen und borstiger Schnauze aufwiesen. Die Mähne war opulent, die Zehen breit und trugen starke Fußlocken. Diese Form war bis zum Harz zu verbreitet. Möglicherweise stellte es auch nur ein verwildertes Pferd dar.[7]

Vermischung mit Hauspferden[Bearbeiten]

Sehr wahrscheinlich handelt es sich nicht bei allen beschriebenen wilden Pferden um tatsächliche Wildpferde, sondern um verwilderte Hauspferde oder Hybriden. U.a. wurde von manchen polnischen Autoren aus dem 19. Jahrhundert beschrieben, die wilden Pferde des Landes hätten Hufprobleme, was zu verkrüppelten Beinen führte, weshalb sie annahmen, dass es sich um verwilderte Hauspferde handelte.[2] Andere zeitgenössische Autoren wie etwa Pallas gingen noch weiter und behaupteten, sämtliche wilden Pferde von der Wolga bis zum Ural seien verwilderte Hauspferde.[7] Andere, wie Hamilton Smith, hielten dies für zu spekulativ und gingen von der Fortexistenz wilder, undomestizierter Pferde im 19. Jahrhundert aus.[7]

Tatsächlich wurden nach Kriegen des Öfteren Schlachtpferde in die Wildnis entlassen, da sie nicht mehr benötigt wurden. Auch entführten Wildhengste oft Hausstuten und töteten konkurrierende Haushengste. Nicht selten wurde im 18. und 19. Jahrhundert von wilden Pferden mit abweichenden Fellfarben sowie Herden, in denen sich eindeutige Hausstuten befanden, berichtet. Pallas beschrieb zwar einerseits Pferde mit Wildmerkmalen wie großen Köpfen, spitzen Ohren, kurzer krauser Mähne und Schweif, aber auch Farben wie Grau, Schimmel und helle Gliedmaßen.[2]

Aufgrund dessen hielt bzw. hält eine Vielzahl von Autoren die Tarpane der letzten beiden Jahrhunderte für eine wilde Mischlingspopulation oder gar verwilderte Hauspferde, andere betrachten diese Frage als nicht abschließend zu klären. Nur wenige gehen von allen historisch als Tarpan bezeichneten Tieren als reine, echte Wildtiere aus.[2]

Das einzige bekannte Exemplar der wildlebenden osteuropäischen Pferde, das photographisch dokumentiert wurde, ist der sogenannte Cherson-Tarpan, der in der Steppe nahe Novo-Voroncowka 1866 als Fohlen gefangen wurde. Er starb 1887 im Moskauer Zoo.[2] Die Natur dieses Pferdes war bereits damals umstritten, da es nahezu keines der typischen Wildpferd-Merkmale aufwies.[8] Heute geht man davon aus, dass es sich um ein wildes Hauspferd oder einen Hybriden handelte, jedoch nicht um ein echtes Wildpferd.[2]

Verbreitung und Ausrottung[Bearbeiten]

In prähistorischer Zeit hatte Equus ferus ein durchgehendes Verbreitungsgebiet von Westeuropa bis Alaska, und auch historische Befunde legen ein Vorkommen in weiten Teilen des Holozänen Europas nahe (mit Ausnahme von großen Teilen Skandinaviens, Islands und Irlands) und Teilen der eurasischen Steppe.[8] Das vom Menschen verursachte Aussterben des Tarpans begann in den stärker zivilisierten Regionen, also Südeuropa.[2]

In Dänemark kamen bis zum 12. Jahrhundert noch Wildpferde in großer Zahl vor, die aufwändig gejagt wurden. Im 15. und frühen 16. Jahrhundert wurde in ostpreußischen Provinzen noch von Wildpferden berichtet.[2] Im Laufe des 16. Jahrhunderts verschwanden die Wildpferde aus weiten Teilen des Festlands in Westeuropa und wurden auch in Osteuropa zusehends seltener, da sie begehrtes Jagdwild des Adels darstellten.[2] Für die wilden Pferde Großbritanniens siehe Exmoor-Pony.

Im Tierpark Zamość überlebten die Wildpferde recht lange, bis sie 1806 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten an umliegende Bauern der Biłgoraj -Region verteilt wurden und in deren Hauspferden aufgingen. Kozmian schreibt im Weiteren, dass die Pferde kurz zuvor in freier Wildbahn in Polen ausgerottet wurden, da sie Heuvorräte für Nutzvieh beschädigten.[2]

In den südrussischen Steppen überlebte das europäische Wildpferd am längsten. Um 1880 waren die Tarpane, die wahrscheinlich bereits großteils Hybride waren, auch in Südrussland bereits sehr selten. 1879 wurde das letzte wissenschaftlich belegbare Exemplar getötet. Für danach sind Sichtungen zweifelhafter Authentizität überliefert.[2] Das letzte in Gefangenschaft gehaltene Pferd, das als Tarpan bezeichnet wurde, starb 1918.[8]

Gründe für die Ausrottung[Bearbeiten]

Der Mensch nutzte Wildpferde bereits seit der Altsteinzeit als Jagdbeute.[6] Auch in historischer Zeit dienten die Tarpane vielen Kulturen als wichtiger Fleischlieferant.[2] Wie viele Großherbivoren handelte es sich beim Wildpferd jedoch um einen ausgesprochenen Kulturflüchter, und die zunehmende Zivilisation des Kontinents verkleinerte durch Siedlungs- und Ackerbau den Lebensraum der Tiere. Darüber hinaus wurden sie verfolgt, da sie Heuvorräte beschädigten und des Öfteren Hausstuten von Weiden entführten. Auch war die Vermischung mit Wildpferden unter Landwirten nicht geschätzt, da sehr hartnäckiger Nachwuchs die Folge war.[2]

Domestikation[Bearbeiten]

Man nimmt an, dass das Wildpferd vor ca. 6000 Jahren BP domestiziert wurde.[1] Als Ausgangsort, und womöglich einziger Ort der Domestikation, wird die westliche eurasische Steppe angesehen. Das Przewalski-Pferd scheint jedoch nicht unter den domestizierten Wildpferden gewesen zu sein. Die ältesten archäologischen Befunde stammen aus Kasachstan und der Ukraine, rund 6000 bis 5500 Jahre BP.[9]

Die ausgesprochen diverse mitochondriale DNA des Hauspferdes bei gleichzeitig geringer Vielfalt auf dem Y-Chromosom legt nahe, dass zur Domestikation des Pferdes wesentlich weniger Hengste als Stuten verwendet wurden[10] und dass lokale Introgression durch Wildstuten sowie mögliche lokale Domestikation zur großen mitochondrialen Diversität des Hauspferdes führten.[11] Dementsprechend lieferten Tarpanpopulationen nach der räumlichen Ausbreitung des Hauspferdes genetische Beiträge in die heutige Hauspferdepopulation.[11]

Tarpan-ähnliche Rassen[Bearbeiten]

Von einigen Hauspferderassen wird immer wieder behauptet, es handle sich um überlebende oder „rückgezüchtete“ Tarpane bzw. Wildpferde. Dazu gehören Koniks, Exmoor-Ponys und Dülmener Pferde. Genetische Studien sprechen jedoch keiner dieser Rassen eine Sonderstellung unter Hauspferden zu,[11][12] allerdings wurde bislang auch keine Hauspferde mit dem Tarpan direkt genetisch verglichen.[13]

Folgenden Pferderassen werden Eigenschaften zugeschrieben, die sie als geeignet für ein Leben unter wilden Bedingungen in Europa erscheinen lassen. Zu diesen Eigenschaften zählen Robustheit, Ähnlichkeit zum Wildpferd, eine Anpassung an die lokalen Gegebenheiten der jeweiligen Region sowie dass die Tiere bereits möglichst lange unter natürlichen Bedingungen gelebt haben. Eine einheitliche Fellfarbe kann dazu beitragen, dass die Tiere auch in der allgemeinen Öffentlichkeit als Wildpferde betrachtet werden:[14]

  • Dartmoor-Pony: wild lebende Herden im Dartmoor-Nationalpark; entspricht ursprünglich dem Exmoor-Pferd, doch durch Einkreuzung von Shetland-Ponies nicht einheitlich in Erscheinungsbild
  • Konik-Typ
    • Konik: robuste polnische Ponyrasse, in einigen Reservaten ausgewildert, große Populationen etwa in Oostvaardersplassen
    • Dülmener Pferd: kleine frei lebende Population in Nordwestdeutschland, die auf das Mittelalter zurückgeht. Durch Einkreuzung von Konik-Hengsten entsprechen die Tiere äußerlich weitgehend dem Konik

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9, LCCN 98-23686.
  • V. G. Heptner: Mammals of the Soviet Union. Vol. I: Ungulates. Leiden, New York, 1989 ISBN 9004088741
  • M. Bunzel-Drüke, C. Böhm, P. Finck, G. Kämmer, R. Luick, E. Reisinger, U. Riecken, J. Riedl, M. Scharf, O. Zimball: Wilde Weiden. Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung. ABU e.V., 2008 ISBN 978-3-00-024385-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Warmuth et al. 2012: Reconstructing the origin and spread of horse domestication in the Eurasian steppe
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Tadeusz Jezierski, Zbigniew Jaworski: Das Polnische Konik. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 658, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2008.
  3. B. Wallner, G. Brem, M. Müller, R. Achmann: Fixed nucleotide differences on the Y chromosome indicate clear divergence between Equus przewalskii and Equus caballus. Animal Genetics 2003; 34 (6): 453–456
  4. a b Ludwig et al. 2009: Coat color variation at the beginning of horse domestication
  5. a b c d Pruvost et al. 2011: Genotypes of predomestic horses match phenotypes painted in paleolithic works of cave art
  6. a b c d Baker, Sue, 2008: Exmoor Ponies: Survival of the Fittest – A natural history.
  7. a b c d Smith, Charles Hamilton (1814/1866). The Natural history of Horses, with Memoir of Gesner.
  8. a b c d e Margret Bunzel-Drüke, Carsten Böhm, Peter Finck, Gerd Kämmer, Rainer Luick, Edgar Reisinger, Uwe Riecken, Johannes Riedl, Matthias Scharf, Olaf Zimball: „Wilde Weiden“. Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung. 2. Auflage. Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest, Bad Sassendorf-Lohne 2009, ISBN 978-3-00-024385-1.
  9. Outram, A.K., Stear, N.A., Bendrey, R., Olsen, S., Kasparov, A., Zaibert, V., Thorpe, N. and Evershed, R.P. 2009 The Earliest Horse Harnessing and Milking Science. 323(5919): 1332–1335
  10. Lindgren et al. 2004: Limited number of patrilines in horse domestication
  11. a b c Jansen et al. 2002: Mitochondrial DNA and the origins of the domestic horse
  12. Cieslak et al. 2010: Origin and History of Mitochondrial DNA lineages in domestic horses
  13. Jordana & Sanchez, 1995: Analysis of genetic relationships in horse breeds
  14. Henri Kerkdijk Otten: Where did the wild horse go? Foundation for Restoring European Ecosystems. FREE

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tarpan – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien