Fawzi al-Qawuqdschi

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Fawzi al-Qawuqdschi (1936)

Fawzi al-Qawuqdschi (* 1890 in Tripoli; † 4. Juli 1977; arabisch ‏فوزي القاوقجي‎, DMG Fauzī al-Qāwuqǧī, auch al-Qawuqji und Al-Kaduoji oder Fauzi el Kaukji) war der Feldkommandeur der Arabischen Befreiungsarmee während des Palästinakriegs und politischer Rivale des Großmufti Amin al-Husseini.

Leben[Bearbeiten]

Qawuqdschi wurde in Tripoli im heutigen Libanon geboren und war damit Untertan des Sultan des Osmanischen Reiches. Qawuqdschi kam aus bescheidenen Verhältnissen und entschied sich für eine Karriere als Offizier. Nach seiner Ausbildung an der Militärakademie in Istanbul kämpfte er 1912 im Italienisch-türkischer Krieg in Libyen. Während des Ersten Weltkriegs diente er vier Jahre als Offizier in der Armee des Osmanischen Reiches.[1] Nach dessen Niederlage teilten Briten und Franzosen die Levante im Sykes-Picot-Abkommen unter sich auf. Er trat in die französische Armee der Levante ein und besuchte die französische Militärschule Saint-Cyr.

1925 brach im neu errichteten Staat Syrien ein Aufstand gegen die französische Mandatsherrschaft aus und Qawuqdschi schloss sich Sultan Pascha al-Atrasch an, der gegen die Franzosen kämpfte. Dabei lief er mit seiner Einheit zu den Rebellen über und organisierte einen Aufstand am Standort seiner Einheit der Stadt Hama. Dabei bediente sich Qawuqdschi laut eigener Aussage islamischer Symbole um die Bevölkerung für die Ziele des arabischen Nationalismus zu gewinnen. So nannte er seine Widerstandsgruppe in Hama Hizb Allah ( Partei Gottes). Nach einem Bombardement der Stadt durch die Franzosen verließ Qawuqdschi die Stadt auf Bitten der örtlichen Notablen.[2]

Er kämpfte später gegen die französische Kolonialmacht in Syrien während des Aufstands von 1925 bis 1927 und gegen die britische Mandatsmacht im Arabischen Aufstand von 1936 bis 1939. Nachdem er in den Irak exiliert wurde, nahm er 1941 am Militärputsch gegen den dort herrschenden pro-britischen Monarchen teil. Nachdem die Putschisten von britischen Streitkräften vertrieben worden waren, fand er Asyl in Nazi-Deutschland. Er heiratete eine Deutsche in dritter Ehe und arbeitete im Folgenden als Agent der Wehrmacht für Palästina im Offiziersrang.

Nach Kriegsende 1945 blieb Qawaqdschi in Berlin und wurde 1946 von sowjetischen Stellen verhaftet. Er kam 1947 wieder frei, mit der Auflage, die Sowjetische Besatzungszone nicht zu verlassen. Mit französischer Hilfe kam er in den Besitz gefälschter Papiere, die ihm die Ausreise nach Paris ermöglichten. Von dort reiste er im Februar 1947 nach Beirut aus.[3]

Zu Beginn der Feindseligkeiten zwischen dem Jischuw und den Palästinensern 1947 wurde er von der Arabischen Liga zum Befehlshaber der Arabischen Befreiungsarmee ernannt, die paramilitärische Operationen in Palästina durchführen sollte. Dabei wurde er vor allem als politisches Gegengewicht zum Großmufti Al-Husseini ausgewählt, nicht aufgrund militärischer Fähigkeiten.[4] Nominell war er dabei dem irakischen General Ismail Safwat unterstellt. Seine Taktiken während des Krieges waren aggressiv, aber vollkommen ineffektiv. Er schaffte es nicht, eine einziges wichtiges Gefecht weder gegen jüdische Paramilitärs noch gegen die Israelische Armee zu gewinnen. Er traf auch persönlich Absprachen mit einem Offizier der Hagana und sicherte diesen zu, dass seine 4.000 Mann starke Truppe die Truppen des Großmufti nicht unterstützen würden.[5] Die von ihm kommandierten Kräfte wurden am 30. Oktober 1948 von der israelischen Armee im Zuge der Operation Hiram aus Palästina vertrieben.

Gerhard Höpp hielt ihn für eine relativ wichtige Figur bei den NS-Bemühungen um die Araber. In seinem Nachlass beim „Zentrum moderner Orient“ (ZMO) in Berlin finden sich etliche Materialien zur Person und sein Artikel Ruhmloses Zwischenspiel: Fawzi al-Qawuqji in Deutschland 1941-1947. von 1995.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Philipp Schröder: Deutschland und der Mittlere Osten im Zweiten Weltkrieg. Reihe: Studien und Dokumente zur Geschichte des 2. WK. #16. Hg. Arbeitskreis für Wehrforschung. Musterschmidt, Göttingen 1975 ISBN 3-7881-1416-9[6]
  • Gerhard Höpp: Ruhmloses Zwischenspiel. Fawzi al-Qawuqji in Deutschland 1941 - 1947. in Peter Heine, Hg.: Al Rafidayn. Jahrbuch zu Geschichte und Kultur des modernen Iraq. Band 3. Ergon, Würzburg 1995 S. 19-46

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fawzi al-Qawuqji – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Provence : The Great Syrian Revolt and the Rise of Arab Nationalism, Austin, 2005 S. 95f
  2. Michael Provence : The Great Syrian Revolt and the Rise of Arab Nationalism, Austin, 2005 S. 95-99
  3. Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers : Halbmond und Hakenkreuz - Das Dritte Reich, die Araber und Palästina, Darmstadt, 2006, S. 250
  4. Avi Shlaim : Israel and the Arab Coalition in Eugene L. Rodan, Avi Shlaim (Hrsg.) : The War for Palestine, 2. Auflage, Cambridge, 2007 S. 82
  5. Avi Shlaim : Israel and the Arab Coalition in Eugene L. Rodan, Avi Shlaim (Hrsg.): The War for Palestine, 2. Auflage, Cambridge, 2007 S. 85f
  6. Register unter al-Kaukji: 16 Nennungen, auch mehrseitig; im Dokumentarteil Bericht eines Majors Meyer-Ricks, † 24. Februar 1943 in Afrika, vom Sonderstab P, vermutlich verlesen aus "Sonderstab F" vom 4. Juli 1941, aus Bundesarchiv - Militärarchiv, über NS-"Erfahrungen" mit ihm im Juni/Juli 1941