Arabische Liga

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Arabische Liga
جامعة الدول العربية
Dschāmiʿat ad-Duwal al-ʿArabiyya
Flagge der Arabischen Liga Wappen der Arabischen Liga
Mitglieder der Arabischen Liga
Mitglieder Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Komoren, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate
Amtssprachen Arabisch
Sitz Kairo, Ägypten (seit 1990)
Größte Stadt Kairo, Ägypten
Gründung 22. März 1945
Zeitzonen UTC 0 bis +4

Die Arabische Liga (arabisch ‏جامعة الدول العربية‎ dschāmiʿat ad-duwal al-ʿarabiyya, DMG ǧāmiʿat ad-duwal al-ʿarabīya ‚Liga der arabischen Staaten‘) ist eine Internationale Organisation arabischer Staaten und wurde am 22. März 1945 in Kairo gegründet, wo sie auch ihren Sitz hat. Sie besteht aus 22 Mitgliedern: 21 Nationalstaaten in Afrika und Asien sowie den Palästinensischen Autonomiegebieten, welche international nicht anerkannt sind und inoffiziell durch die PLO vertreten werden.

Inhaltsverzeichnis

Ziele [Bearbeiten]

Als Hauptziel des Verbunds gilt die Förderung der Beziehungen der Mitglieder auf politischem, kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet (Finanzwesen, Transport, Kultur, Gesundheitswesen, Medien). Ebenso soll die Unabhängigkeit und Souveränität der Mitgliedstaaten und der arabischen Außeninteressen gewahrt werden. Streitfälle der Mitglieder untereinander sollen verhütet und geschlichtet werden. Außerdem soll die Anerkennung der Palästinensischen Autonomiegebiete als unabhängiger Staat erreicht werden.[1]

Geschichte [Bearbeiten]

Gründung und Entstehungskontext [Bearbeiten]

Die Gründung der Arabischen Liga kann als direkte Reaktion auf die politische Situation im Nahen Osten und die weltpolitische Entwicklung während des Zweiten Weltkriegs angesehen werden.

Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Gründung dieser Organisation war das Entstehen eines „arabischen Nationalismus“ in der Region gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die größtenteils unter der Herrschaft des osmanischen Sultans stand.

Nachdem die Araber an der Seite der Alliierten im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) gegen das Osmanische Reich kämpften, erhofften sie sich einen eigenen, unabhängigen Staat als Dank für die Unterstützung. Nach Ende des Krieges wurden die betroffenen Gebiete jedoch unter Franzosen (Syrien, Libanon) und Briten (Palästina, Irak, Transjordanien) aufgeteilt, die jedoch in der Innenpolitik weitgehend autonom waren. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebiete - bis auf Palästina - jedoch in die Unabhängigkeit entlassen. Das Hauptaugenmerk dieser neu gegründeten Staaten lag auf der Sicherung ihrer Unabhängigkeit und die Schaffung einer arabischen Einheit. Letztere wurde zunehmend infrage gestellt durch die verstärkte jüdische Zuwanderung in Palästina (v.a. seit der „Balfour-Deklaration“ 1917). Daraus resultierte die Furcht der Araber vor einer Neueinteilung der Gebiete nach der Konferenz von Teheran 1943; dieser Gefahr könne man nur durch gemeinsame und koordinierte Bemühungen begegnen.

Ein weiterer Faktor für die Gründung der Arabischen Liga war die geänderte Haltung der britischen Regierung im Verlauf des Zweiten Weltkriegs, v.a. infolge des Vormarschs deutscher und italienischer Truppen in Nordafrika 1941. Der britische Außenminister Anthony Eden ermunterte die Araber zur Bildung einer politischen Einheit, wobei er sich für Großbritannien versprach, seine Interessen dort langfristig zu sichern. Jedoch hatten die verschiedenen arabischen Regierungen eigene Vorstellungen von einer arabischen Einheit, die von den anderen kategorisch abgelehnt wurden. Ägypten stellte sich bald als treibende Kraft („major motivating force behind the League’s foundation“) heraus, das eine Vermittlerposition zwischen den verschiedenen Interessen einnahm. Es befürwortete die Gründung einer multifunktionalen Föderation der arabischen Staaten.

Nach einem ersten Vorbereitungstreffen in Alexandria im September 1944, wurde am 7. Oktober desselben Jahres ein „memorandum of understanding“ (sog. „Protokoll von Alexandria“) unterzeichnet, das eine lockere Konföderation in Form einer Liga von unabhängigen Staaten vorsah. Ein sog. „politisches Subkomitee“ traf sich daraufhin im Februar und März 1945 in Kairo, um den Entwurf eines Paktes für die Arabische Liga auszuarbeiten. Dieser wurde dem Vorbereitungskomitee vorgelegt, der es am 22. März 1945 unterzeichnete. Das Inkrafttreten des „Pakt[es] der Liga der Arabischen Staaten“ fand am 11. Mai 1945 statt. Zu den Gründungsstaaten gehörten: Königreich Ägypten, Königreich Irak, Libanesische Republik, Königreich Saudi-Arabien, Arabische Republik Syrien, Emirat Transjordanien, Königreich Jemen.[2]

Entwicklung seit der Gründung [Bearbeiten]

Der erste große Härtetest für die junge Liga war der verlorene Palästinakrieg von 1948/49. Nachdem die britische Regierung am Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich werden ließ, auch das Mandatsgebiet Palästina zu räumen, musste eine Lösung für diesen Raum gefunden werden. Die stetig anwachsende jüdische Einreisewelle, v.a. infolge des Holocausts in Europa, verärgerte die mehrheitlich palästinensische Stammbevölkerung, die einen unabhängigen Staat für sich beanspruchte. Die Vereinten Nationen beschlossen daraufhin einen Teilungsplan für Palästina, der das Gebiet in einen jüdischen und arabischen Staat unterteilte und Jerusalem als neutrales „corpus separatum“ deklarierte. Als die Briten sich am 14. Mai 1948 zurückzogen, kam es zu einer Invasion der Araber, nachdem noch am selben Tag Israel seine Unabhängigkeit erklärte.

Die Staaten der Arabischen Liga erwiesen sich bald als die schwächeren, Israel konnte sein Staatsgebiet erheblich erweitern, lediglich der Gazastreifen (Ägypten) und die West Bank (Jordanien) blieben in arabischer Hand, Jerusalem wurde geteilt. Der verlorene Palästinakrieg hatte für die arabischen Herrscher auch innenpolitische Konsequenzen: Die Staatsoberhäupter Syriens, Ägyptens und des Irak wurden in den folgenden Jahren gestürzt. Der neue starke Mann Ägyptens, Gamal Abdel Nasser, unterlag zwar auch 1956 während der Suezkrise der israelischen Armee, konnte sich dennoch als Anführer einer nationalistischen Bewegung im arabischen Raum durchsetzen. Unter seiner Ägide wurden Ägypten und Syrien 1958 zur „Vereinigten Arabischen Republik“ vereinigt, das Bündnis zerbrach drei Jahre später jedoch.

Die Arabische Liga wirkte am Aufbau der PLO (Palestine Liberation Organization) 1964 mit, die gewaltsam zur Befreiung Palästinas aufrief und für viele gezielt anti-israelische Anschläge in den folgenden Jahren verantwortlich war. Ein zweiter Versuch arabischer Staaten (Ägypten, Jordanien, Syrien), Israel zu vernichten, scheiterte im Juli 1967 im Sechstagekrieg. Israel kontrollierte nun den gesamten Sinai, den Gazastreifen, die West Bank und die Golanhöhen, sowie die gesamte Stadt Jerusalem. Im September desselben Jahres bekräftigten die Mitglieder der Liga bei einer Resolution ihre Haltung gegenüber Israel (Three No’s: Kein Frieden mit Israel, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit Israel). Nach einem Überraschungsangriff Syriens und Ägyptens im Oktober 1973, ausgerechnet am höchsten Feiertag des jüdischen Kalenders, Jom Kippur, konnte die israelische Armee ebenfalls die drohende Vernichtung abwehren.

Ein Machtkampf zwischen der PLO und dem jordanischen Königshaus (Schwarzer September) Anfang der 1970er Jahre führte zur Ausweisung der Kämpfer aus Jordanien, neue Basis wurde der Libanon. Dort bekämpfte sie in einem Bürgerkrieg lokale christliche (Phalange) und schiitische (Amal) Milizen. Auf dem Treffen der Arabischen Liga 1974 wurde sie dennoch als einzige rechtmäßige Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt und nimmt seitdem die Mitgliedschaft für den „Staat Palästina“ wahr.

1979 wurde Ägypten aus der Liga ausgeschlossen, da dessen Präsident Anwar as-Sadat einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hatte. Das Hauptquartier wurde daraufhin nach Tunis verlegt, ehe zehn Jahre später Ägypten wieder aufgenommen wurde und der Sitz nach Kairo zurückkehrte.

Zu Beginn der 1980er Jahre verlegte sich der Fokus der Araber auf einen weiteren Konflikt. Im Zuge der Islamischen Revolution 1979 kam es ein Jahr später zu einem Krieg zwischen dem Iran und dem Irak. Die Arabische Liga befürchtete die Expansion der Revolution und unterstützte den irakischen Präsidenten, Saddam Hussein. Der Erste Golfkrieg endete nach acht Jahren durch einen Waffenstillstand ohne Sieger nach hohen Verlusten auf beiden Seiten.[3]

Während der Irak sich in diesem Krieg der Unterstützung durch den Westen und der Sowjetunion sicher sein konnte, stieß seine zwei Jahre später durchgeführte Invasion in Kuwait auf erheblichen Widerstand in der Weltgemeinschaft. 1991 befreite eine internationale Koalition unter US-amerikanischer Führung und massiver Beteiligung von Staaten der Arabischen Liga das besetzte Emirat. Die Arabische Liga trat hier aber keinesfalls mit einer gemeinsamen Linie auf, v.a. Libyen und die PLO opponierten gegen die Befreiung, einige Länder enthielten sich.

Die Liga lehnte 2003 allerdings eine Beteiligung am Irakkrieg ab, das bekräftigte sie bei einem Gipfel in Scharm El-Scheich Anfang März 2003. Dennoch nutzten die USA und ihre Verbündeten Luftwaffenstützpunkte in den Golfstaaten, das United States Central Command (USCENTCOM) mit Sitz in Doha, Katar, koordinierte den Waffengang der Alliierten. Die Bodenoffensive wurde von kuwaitischem, saudi-arabischem und (später) jordanischem Territorium aus gestartet. Die neue Regierung des Irak wird nun von der Arabischen Liga massiv unterstützt, im März 2012 fand erstmals ein Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Bagdad statt.

Nachdem Israelis und Palästinenser Anfang der 1990er Jahre erstmals Kompromisse über den Status Palästinas fanden (Oslo I), schlossen Israel und Jordanien 1994 einen Friedensvertrag ab. Auch die Beziehungen zu den Golfstaaten verbesserten sich und es wurden Handelsbeziehungen aufgenommen.

2002 einigte sich die Arabische Liga auf eine gemeinsame Friedensinitiative gegenüber Israel, in der man die Aufnahme normaler Beziehungen bei gleichzeitiger Rückgabe der besetzten Gebiete an die Palästinenser versprach. Die Reaktion der israelischen Regierung war allerdings zurückhaltend, auch im Kontext der Zweiten Intifada, die zu Terroranschlägen von palästinensischen Organisationen im Kernland Israels führten und viele zivile Opfer forderte. 2007 erneuerten die Führer der Arabischen Liga bei einem Gipfel in Riad ihr Angebot, das von israelischer Seite aber nicht aufgegriffen wurde.

Geographie und Mitgliedstaaten [Bearbeiten]

Die Arabische Liga gehört zu den wenigen regionalen Organisationen, die auf zwei Kontinente (Asien und Afrika) verteilt sind. Ihre Fläche ist mit 13 Mio km² etwa dreimal so groß wie die der EU. Sie besteht zum größten Teil aus Wüstengebieten, dazu gehören u.a. die Sahara (größte Trockenwüste der Welt) und die Rub al-Khali (größte Sandwüste der Welt). Fruchtbare Gebiete findet man u.a. im Niltal, im marokkanischen Atlasgebirge und im sog. „fruchtbaren Halbmond“ (Levante, Nordsyrien, Zweistromland). Es finden sich Zeugnisse viele antiker Zivilisationen in diesem Raum, dazu zählen u.a. das Alte Ägypten, Israel und Judäa, Babylonien, Phönizien und Karthago.

Mitgliedstaaten der Arabischen Liga sind gegenwärtig (Stand: August 2012):

Staat Hauptstadt Mitglied seit Bevölkerung [Mio.] Staatsform Staatsoberhaupt Regierungschef
Ägypten Kairo 1945-1979, 1989- 80,0 Präsidialrepublik Mohammed Mursi Hescham Kandil
Algerien Algier 1962 37,1 Präsidialrepublik Abdelaziz Bouteflika Ahmed Ouyahia
Bahrain Manama 1971 1,2 Konstitutionelle Monarchie König Hamad bin Isa al-Chalifa Prinz Chalifa bin Salman al-Chalifa
Dschibuti Dschibuti-Stadt 1977 0,9 Präsidialrepublik Ismail Omar Guelleh Dileita Mohamed Dileita
Irak Bagdad 1945 30,4 Parlamentarische Republik Jalal Talabani Nuri al-Maliki
Jemen Sanaa 1990 25,1 Präsidialrepublik Abd Rabbuh Mansour al-Hadi Mohammed Basindawa
Jordanien Amman 1945 6,5 Konstitutionelle Monarchie König Abdullah II. bin Al Hussein Abdullah Ensour
Katar Doha 1971 1,8 Absolute Monarchie Emir Hamad bin Chalifa al-Thani Hamad bin Jassim al-Thani
Komoren Moroni 1993 0,8 Präsidialrepublik Ikililou Dhoinine
Kuwait Kuwait-Stadt 1961 3,6 Konstitutionelle Monarchie Emir Sabah al Ahmad al Jaber al-Sabah Dschabir Mubarak al-Hamad as-Sabah
Libanon Beirut 1945 4,3 Parlamentarische Republik Michel Suleiman Najib Miqati
Libyen Tripolis 1953-2011, 2011- 6,5 (Übergangsregierung) Mohamed Yusuf Al Magariaf Abdulrahim el-Kib
Marokko Rabat 1958 32,6 Konstitutionelle Monarchie König Mohammed VI. Abdelillah Benkirane
Mauretanien Nouakchott 1973 3,2 Präsidialrepublik Mohamed Ould Abdel Aziz Moulaye Ould Laghdaf
Oman Muscat 1971 2,7 Absolute Monarchie Sultan Qaboos bin Said al-Said
Palästina Ramallah 1976 4,0 Semipräsidentielle Republik Mahmoud Abbas Salam Fayyad
Saudi-Arabien Riad 1945 27,1 Absolute Monarchie König Abdullah bin Abdul Aziz al-Saud
Somalia Mogadischu 1974 10,1 Präsidialrepublik Hassan Sheikh Mohamud Abdi Farah Shirdon Said
Sudan Khartum 1956 30,9 Präsidialrepublik Omar al-Baschir
Syrien[4] Damaskus 1945-2011, 2013- 22,5 Präsidialrepublik Moas al-Chatib[5][6][7]

Baschar al-Assad (von der Liga nicht mehr anerkannt)

Ghassan Hitto

Wael al-Halqi (von der Liga nicht mehr anerkannt)

Tunesien Tunis 1958 10,7 Präsidialrepublik Moncef Marzouki Hamadi Jebali
Vereinigte Arabische Emirate Abu Dhabi 1971 8,3 Föderation autonomer Emirate, Wahlmonarchie Sheikh Chalifa bin Zayed al-Nahyan (Emir Abu Dhabi) Sheikh Mohammed bin Rashid al-Maktoum (Emir Dubai)

Einen Beobachterstatus haben folgende Länder: Eritrea (da Arabisch die Landessprache ist), Brasilien und Venezuela (beide haben einflussreiche arabische Minderheiten), Indien.

Organisation und Aufbau [Bearbeiten]

Gemäß dem „Pakt der Arabischen Liga“ (PLAS) sind zwei Hauptorgane vorgesehen: Der Rat der Arabischen Liga und das Generalsekretariat. Ferner sind sog. permanente Komitees für bestimmte Aufgabenbereiche etabliert worden. Der Aufbau eines Arabischen Gerichtshofes war ebenfalls vorgesehen, dies wurde allerdings bislang nicht umgesetzt.[8]

Rat der Arabischen Liga (Ligarat) [Bearbeiten]

Hauptartikel: Rat der Arabischen Liga

Gemäß dem PLAS ist der Ligarat das oberste Beschlussorgan und die höchste Autorität innerhalb des Systems der Arabischen Liga.

Technische Komitees [Bearbeiten]

Die sog. „technischen Komitees“ waren in den Anfangsjahren der Liga von größerer Bedeutung. Im Zuge einer Umstrukturierung 1988 wurden viele Komitees aufgelöst, heute sind das Komitee für finanzielle und administrative Angelegenheiten, das Informations- und Rechtskomitee von größerer Wichtigkeit. Ihre Aufgaben sind die Festlegung der Prinzipien und der Reichweite der Zusammenarbeit der Mitglieder untereinander und die Entwicklung von Resolutionsentwürfen, Vorschlägen und Empfehlungen, die dem Ligarat zur Entscheidung vorgelegt werden. Des Weiteren bearbeiten die Komitees Anfragen, die von Seiten des Ligarats oder des Generalsekretariats an sie gerichtet werden. Sie fungieren deshalb als Vorbereitungs- und Beratungsorgan des Ligarats. Jedes Mitgliedsland entsendet mindestens einen Delegierten in jedes der technischen Komitees.

Generalsekretariat [Bearbeiten]

Neben dem Rat der Arabischen Liga ist das Generalsekretariat eines der Hauptorgane gemäß dem PLAS. Er fungiert als Verwaltungsorgan und ist verantwortlich für alle technischen und administrativen Vorgänge innerhalb der Arabischen Liga. Außerdem ist er zuständig für die Koordination und Unterstützung der Arbeit von Sonderorganisationen und anderen Institutionen im Rahmen der Liga.

Arabische Gipfelkonferenz [Bearbeiten]

Die Arabische Gipfelkonferenz setzt sich aus den obersten Repräsentanten der Mitgliedstaaten der Arabischen Liga zusammen. Diese findet auf Ebene der Staatsoberhäupter (nicht auf der Ebene der Regierungschefs) statt. Die erste Gipfelkonferenz fand erst knapp 20 Jahre nach der Gründung der Liga 1964 in Kairo statt, eine wirkliche Institutionalisierung dieses Gipfels fand bis 2000 nicht statt.

Arabisches Parlament [Bearbeiten]

Hauptartikel: Arabisches Parlament

Auf dem Gipfeltreffen der Liga in Amman 2001 einigten sich die Arabischen Staaten auf die Einrichtung eines Arabischen Parlamentes, unter Federführung des Generalsekretärs. Momentan (Stand: August 2012) befindet sich das Parlament noch im Aufbau, ein provisorisches Parlament wurde im Kairoer Liga-Hauptquartier eingerichtet.

Sonderorganisationen der Liga [Bearbeiten]

  • Der „Arab Fund for Economy and Social Development“ (kurz: AFESD) ist ein Fonds, welcher wirtschaftliche und soziale Entwicklungsprojekte in den Mitgliedstaaten der Arabischen Liga durch Darlehen und Investitionen an Regierungen unterstützt und finanziert. Mit Ausnahme der Komoren sind alle Liga-Mitglieder Mitglieder des Fonds. Das gezeichnete Kapital erreichte Ende 1993 2,223 Milliarden $, 2003 7,3 Milliarden $.
  • Die Arab Air Carriers Organization (kurz: AACO) ist eine 1965 gegründete Vereinigung der arabischen Fluggesellschaften. Alle Airlines der Mitgliedstaaten sind an der Teilnahme berechtigt aber nicht zwangsläufig daran gebunden.
  • Der „Arab Monetary Fund“ (kurz: AMF) wurde am 27. April 1976 gegründet und nahm ein Jahr später die Arbeit auf. Mit Ausnahme von Dschibuti und Saudi-Arabien sind alle Liga-Mitglieder Mitglieder des Fonds. Wie der AFESD soll auch der AMF Entwicklungsprojekte unterstützen sowie zur Stabilisierung der Wechselkurse der arabischen Währungen beitragen. Des Weiteren gilt als langfristiges Ziel die Einführung einer einheitlichen Währung.
  • Die „Arabische Wirtschaftsentwicklungsbank“ (kurz: BADEA), welche 1975 mit Sitz in Khartum gegründet wurde. Primäre Aufgabe der Bank ist die Förderung der wirtschaftlichen, finanziellen und technischen Zusammenarbeit der Arabischen Liga mit den nichtarabischen Ländern der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAE). Hierzu vergibt die Bank Projektdarlehen und technische Hilfe an Regierungen und Unternehmen in den Empfängerländern.[9]

Weitere Programme sind:

  • Arabische Organisation für Verwaltungswissenschaften
  • Arabische Postunion
  • Arabische Union für Telekommunikation
  • Arabisches Institut für Erdölförderung
  • Arabisches Institut für Satellitenkommunikation
  • Rat für Arabische Wirtschaftseinheit
  • Vereinigung der arabischen Rundfunkstationen
  • Arabische Akademie für Meerestransport
  • Arabische Bank für Wirtschaftliche Entwicklung in Afrika
  • Arabische Gesundheitsorganisation
  • Arabische Organisation für Arbeit
  • Arabische Organisation für Erziehung, Kultur und Wissenschaft.[9]

Wirtschaft [Bearbeiten]

Allgemeines [Bearbeiten]

Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation innerhalb der Arabischen Liga ist geprägt von großem Ressourcenreichtum. Vor allem die enormen Erdöl- und Erdgasvorkommnisse sind hierbei auffallend. Ca. 45% des weltweit geförderten Öls stammt aus den Mitgliedsländern der Arabischen Liga, insbesondere der Golfregion. Führend hierbei sind Saudi Arabien (22,7 %), Irak (9,8 %) oder Kuwait (8,9 %).

Ein weiterer bedeutender Faktor ist die Tourismusbranche. Urlaubsländer wie Tunesien oder Ägypten zeigen dauerhaft steigende Zahlen im Tourismus auf. Ein weiterer unscheinbarer, aber nicht weniger bedeutsamer Industriezweig innerhalb der Arabischen Liga ist die Telekommunikationsindustrie. Internationale Global Player sind zum Beispiel Firmen wie Orascom und Etisalat.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Arabischen Liga ist überschaubar. Dennoch zeigen Projekte wie die „Arab Gas Pipeline“ oder die „GAFTA“ (Greater Arab Free Trade Area), dass Interdependenzen zwischen Staaten auch in der Arabischen Liga existieren.

Arbeitslosigkeit und Analphabetenrate sind in der Arabischen Liga in den letzten Jahren gesunken und die wirtschaftlichen Kennzahlen, wie z. B. BIP und BSP, sind gestiegen. Der Wohlstand ist jedoch nach wie vor sowohl in der Bevölkerung als auch unter den Mitgliedstaaten sehr ungleich verteilt.

Im Vergleich: Das Bruttosozialprodukt aller 22 Länder der Arabischen Liga (rund 300 Millionen Einwohner) lag 1999 bei 531 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2005 stieg das Bruttosozialprodukt der 22 Länder auf 747 Milliarden US-Dollar, im Jahr 2006 auf über 1564 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2007 wird ein starkes Wirtschaftswachstum erwartet, die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum hat Saudi-Arabien. Seit 2005 gilt unter den Staaten der Arabischen Liga das Handelsabkommen Greater Arab Free Trade Area (GAFTA).

Das Bruttoinlandsprodukt aller 22 Länder (im Jahr 2005):

Rang Land Einwohner BIP in Millionen US-Dollar
- Insgesamt ca. 330.000.000-350.000.000 2.219.320
01 Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien 27.019.731 (Juli 2006) 572.200
02 Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 4.765.000 196.800
03 KuwaitKuwait Kuwait 2.750.000 (F 2005) 138.600
04 AgyptenÄgypten Ägypten offiziell: 83.082.869 (2009) 122.045
05 AlgerienAlgerien Algerien 32.000.000 (2008) 102.721[10]
06 MarokkoMarokko Marokko 31.627.428 (Quelle: CIA Januar 2011) 88.296
07 IrakIrak Irak 28.946.000 (2009) 75.239
08 LibyenLibyen Libyen 6.461.454 (Quelle: CIA Januar 2011) 77.239
09 KatarKatar Katar 1.699.435 (2010) 72.219
10 SudanSudan Sudan ca. 40.000.000 37.442
11 OmanOman Oman 2.534.000 (2004) 36.326
12 TunesienTunesien Tunesien 10.276.158 (2007) 35.185
13 Syrien 1961Syrien Syrien 20.102.361 (Juli 2006) 26.442
14 LibanonLibanon Libanon 3.971.000 (2008, geschätzt) 22.052
15 JemenJemen Jemen ca. 22.400.000 (2008) 18.193
16 BahrainBahrain Bahrain 529.446 Bahrainer und 517.368 Ausländer (2008) 12.921
17 JordanienJordanien Jordanien 6.343.000 (2010) 12.861
18 SomaliaSomalia Somalia 7,5 bis 12,9 Mio. (Stand 2009) 4.388
19 MauretanienMauretanien Mauretanien 3.205.060 (2010) 1.938
20 KomorenKomoren Komoren 614.000 (2006) 370

Die Einwohnerzahlen sind keine verlässlichen Angaben, da sie aus uneinheitlichen Quellen stammen (sie wurden aus den einzelnen Länderartikeln Wikipedias zusammengetragen). Sie dienen lediglich einer Einordnung. Bei einer Umrechnung dieser Zahlen in ein BIP pro Kopf sind vor allem in den Erdöl exportierenden Staaten die großen sozialen Unterschiede zu beachten. Bei genauerer Datenlage könnten hier für Vergleiche Median- bzw. Quantilwerte nützlich sein.

Die wirtschaftlich stärksten Länder, nach dem BIP pro Kopf geordnet:

Rang Land BIP pro Kopf in US-Dollar
1 KatarKatar Katar 62.914 (Weltrangliste: 3)
2 Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 38.613 (Weltrangliste: 15)
3 KuwaitKuwait Kuwait 30.984 (Weltrangliste: 22)
4 BahrainBahrain Bahrain 24.067 (Weltrangliste: 28)
5 Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien 20.700 (Weltrangliste: 30)

Die Arabische Liga im Vergleich [Bearbeiten]

Weiterhin charakteristisch für das Wirtschaftsbild der Arabischen Liga sind vor allem die extremen ökonomischen Unterschiede zwischen den jeweiligen Mitgliedsländern. Vergleicht man beispielsweise das BIP des Staates Saudi Arabien (618.744 Mio.) mit dem BIP des föderalen Staates Komoren (772 Mio.), wird dies sehr deutlich. Auch eine Umrechnung auf das Pro-Kopf-Einkommen macht den fundamentalen Unterschied innerhalb der Bevölkerung deutlich. Das Pro-Kopf-Einkommen in Katar mit 90.149US$ pro Jahr weicht massiv vom Pro-Kopf-Einkommen in Somalia mit 600US$ pro Jahr ab. Zum Vergleich: In Europa liegt das Pro-Kopf-Einkommen bei ca. 30.521US$ im Jahr.[11]

Im Vergleich mit anderen Internationalen Organisation im Stile der Arabische Liga wirkt die wirtschaftliche Situation dort, in Anbetracht ihrer Größe und ihrer Bevölkerungsdichte, ausbaufähig. Zum Vergleich: Das europäische BIP liegt mit 14.712.369 Mio. US$ über dem BIP der Arabischen Liga (2.765.867 Mio. US$). Außerdem liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen innerhalb der Arabischen Liga bei ca. 7.682 US$ pro Jahr. In der EU ist dieser Betrag ca. 4 mal höher.[11]

Gipfeltreffen [Bearbeiten]

  1. Vereinigte Arabische RepublikVereinigte Arabische Republik Kairo: 13.–17. Januar 1964
  2. Vereinigte Arabische RepublikVereinigte Arabische Republik Alexandria: 5.–11. September 1964
  3. MarokkoMarokko Casablanca: 13.–17. September 1965
  4. Sudan 1956Sudan Khartum: 29. August - 1. September 1967
  5. MarokkoMarokko Rabat: 21.–23. Dezember 1969
  6. Vereinigte Arabische RepublikVereinigte Arabische Republik Kairo (1. Nottreffen): 21.–27. September 1970
  7. AlgerienAlgerien Algier: 26.–28. November 1973
  8. MarokkoMarokko Rabat: 29. Oktober 1974
  9. Saudi-ArabienSaudi-Arabien Riad (2. Nottreffen): 17.–28. Oktober 1976
  10. Agypten 1972Föderation Arabischer Republiken Kairo: 25.–26. Oktober 1976
  11. Irak 1963Irak Bagdad: 2.–5. November 1978
  12. TunesienTunesien Tunis: 20.–22. November 1979
  13. JordanienJordanien Amman: 21.–22. November 1980
  14. MarokkoMarokko Fès: 6.–9. September 1982
  15. MarokkoMarokko Casablanca (3. Nottreffen): 7.–9. September 1985
  16. JordanienJordanien Amman (4. Nottreffen): 8.–12. November 1987
  17. AlgerienAlgerien Algier (5. Nottreffen): 7.–9. Juni 1988
  18. MarokkoMarokko Casablanca (6. Nottreffen): 23.–26. Juni 1989
  19. Irak 1963Irak Bagdad (7. Nottreffen): 28.–30. März 1990
  20. AgyptenÄgypten Kairo (8. Nottreffen): 9.–10. August 1990
  21. AgyptenÄgypten Kairo (9. Nottreffen): 22.–23. Juni 1996
  22. AgyptenÄgypten Kairo (10. Nottreffen): 21.–22. Oktober 2000
  23. JordanienJordanien Amman: 27.–28. März 2001
  24. LibanonLibanon Beirut: 27.–28. März 2002
  25. AgyptenÄgypten Scharm El-Scheich: 1. März 2003
  26. TunesienTunesien Tunis: 22.–23. Mai 2004
  27. AlgerienAlgerien Algier: 22.–23. März 2005
  28. SudanSudan Khartum: 28.–30. März 2006
  29. Saudi-ArabienSaudi-Arabien Riad: 27.–28. März 2007
  30. SyrienSyrien Damaskus: 29.–30. März 2008
  31. KatarKatar Doha: 28.–30. März 2009
  32. LibyenLibyen Sirte: 30. März–1. April 2010
  33. IrakIrak Bagdad: 27.–29. März 2012 (ursprünglich geplant für März bzw. für Mitte Mai 2011; aufgrund des Arabischen Frühlings verschoben auf März 2012)
  34. KatarKatar Doha: 21.–27. März 2013
  • Gipfel Nr. 14 in Fes, Marokko fand in zwei Teilen statt:
    • Am 25. November 1981: Das Treffen endete ohne Einigung über das Abschlussprotokoll und ohne Teilnahme Ägyptens. Es wurde das kürzeste Treffen und dauerte nur 5 Stunden.
    • Am 6.–9. September 1982
  • Es gibt noch zwei zugehörige Treffen, die allerdings nicht offiziell gezählt werden:

Referenzen [Bearbeiten]

  1. Vgl. das Gründungsdokument: Pact of the League of Arab States, 22. März 1945, The Avalon Project an der Yale Law School (veröffentlicht 1998).
  2. Politische Geschichte der Staaten der Arabischen Liga bis 1952: Eberlein, Klaus: Politische Geschichte der Staaten der Arabischen Liga bis 1952. Frankfurt a.M 1995. Verlag: Fischer.
  3. Politische Geschichte der Staaten der Arabischen Liga ab 1956: Eberlein, Klaus: Politische Geschichte der Staaten der Arabischen Liga bis 1952. Frankfurt a.M 1993. Verlag: Fischer.
  4. Der Sitz Syriens bei der Arabischen Liga wird seit dem 26. März 2013 von der Syrischen Nationalkoalition wahrgenommen. Die Regierung von Baschar al-Assad wird von der Mehrheit der Mitgliedstaaten der Arabischen Liga nicht mehr als legitime Vertretung des Syrischen Volkes angesehen.
  5. Arabische Liga erklärt Moas al-Chatib zum Repräsentanten Syriens (arabisch), abgerufen am 26. März 2013.
  6. Aljazeera: Opposition takes Syria seat at Arab League, abgerufen am 26. März 2013.
  7. BBC: Opposition takes Syria seat at Arab League summit, abgerufen am 26. März 2013.
  8. Die Verfassungen der Mitgliedsländer der Liga der Arabischen Staaten. Baumann, Herbert: Die Verfassungen der Mitgliedsländer der Liga der Arabischen Staaten. Berlin 1995. Verlag: Spitz.
  9. a b Arab Organizations&Unions, 2012: Arab Organizations and Unions. Online unter www.arableagueonline.org [Stand 18. Juni 2012; letzter Zugriff: 18. Juni 2012].
  10. imf.org
  11. a b World Economic Forum, 2012: Arab World Competitiveness Report 2011-2012. Online unter http://www.weforum.org/s?s=arab+competitiveness+report [Stand 15. Juni 2012; letzter Zugriff: 15. Juni 2012].

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Wiktionary Wiktionary: Arabische Liga – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen