Felicitas Kukuck

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Felicitas Kukuck (* 2. November 1914 in Hamburg; † 4. Juni 2001 in Hamburg) war eine deutsche Komponistin.

Leben[Bearbeiten]

Felicitas Kukuck wurde als Tochter des Arztes und Physiologen Otto Cohnheim, der 1916 seinen Namen in Otto Kestner (1873-1953)[1] ändern liess, in Hamburg geboren. Die Eltern förderten die künstlerische Entwicklung ihrer Tochter von Kindheit an und ermöglichten ihr den Besuch von Schulen, in denen Musik einen hohen Stellenwert besaß. Zu ihren Lehrern gehörten Eduard Zuckmayer (Musik), Edith Weiss-Mann (Klavier) und Robert Müller-Hartmann (Harmonielehre). Bis 1933 besuchte sie die reformpädagogisch orientierte Lichtwarkschule. Die nationalsozialistische Machtübernahme bedeutete einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Erst jetzt erfuhr sie von ihren jüdischen Vorfahren. Nach der Gleichschaltung der Lichtwarkschule durch die Nationalsozialisten wechselte sie zu Martin Luserkes "Schule am Meer" auf Juist. Ihr Abitur machte sie 1935 an der Odenwaldschule.

Nach ihrem Abitur studierte Felicitas Kukuck an der Berliner Musikhochschule zunächst Klavier und Querflöte. 1937 legte sie erfolgreich die Privatmusiklehrerprüfung ab. Nachdem sie wegen ihrer teiljüdischen Abstammung Berufsverbot erhielt, studierte sie Komposition bei Paul Hindemith bis zu dessen Emigration.

Dank der väterlichen, auch sie betreffenden Namensänderung wurde sie Mitglied der Reichsmusikkammer und schloss als solche 1939 ihr Musikstudium mit der künstlerischen Reifeprüfung für Klavier ab.

Im selben Jahr heiratet sie Dietrich Kukuck, der dem Standesbeamten dabei eine auf den Namen Kestner lautende Geburtsurkunde vorlegte.

Die Kriegszeit verbrachte Felicitas Kukuck in Berlin, erst danach veröffentlichte sie ihre Werke.

1945 siedelte Felicitas Kukuck mit einem Flüchtlingstreck nach Hamburg um. 1948 zog sie schließlich mit ihrer Familie nach Hamburg-Blankenese, wo sie bis zu ihrem Tod 2001 lebte und arbeitete.

Felicitas Kukuck hatte vier Kinder

Werk[Bearbeiten]

Paul Hindemith hat Felicitas Kukuck nachhaltig beeinflusst. Sein Bekenntnis zur ethischen Verpflichtung des Komponisten wurde für sie richtungweisend. Die übergeordnete Zweistimmigkeit und das harmonische Gefälle sowie Sekundbrücken bestimmten ihren Kompositionsprozess.

In sechs Jahrzehnten hat Felicitas Kukuck „mehr als 1000 Werke“ geschaffen,[2] neben Instrumentalwerken geistliche und weltliche Vokalmusik. Dabei hat sie ihren sehr eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Von besonderer Bedeutung war hier die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Gottfried Wolters, der den Norddeutschen Singkreis leitete und Lektor des Möseler Verlages war.

1969 gründete Felicitas Kukuck den Kammerchor Blankenese, dessen Kern zunächst ihre Familie und deren Freunde bildeten. Ihr Chor wirkte an vielen Uraufführungen ihrer Werke mit, z.B. der Kirchenopern "Der Mann Mose" (1986) und "Ecce Homo" (1991), der Kantaten "De Profundis" (1989), "Auf glühenden Kohlen gesungen" (1990), "Und es ward: Hiroshima", "Wer war Nikolaus von Myra?" und "Schwerter zu Pflugscharen" (1995), der Motetten "Todesfuge", "Psalm", "O der weinenden Kinder Nacht" und "O die Schornsteine" (1994), "Es ist dir gesagt, Mensch", "Die Seligpreisungen" und "Alles hat seine Zeit" (1995) sowie der "Zehn Lieder gegen den Krieg" (1996).

Die Kantate "Und es ward: Hiroshima. Eine Collage über Anfang und Ende der Schöpfung" wurde am 11. August 1995 im Rahmen einer Weltfriedenswoche in Hamburg uraufgeführt. In diesem Werk, aber auch in anderen jetzt folgenden Werken, setzt sich die Komponistin mit existenziellen Fragen unserer Zeit auseinander: mit Krieg und Frieden, mit Auschwitz oder mit Tschernobyl.

Die szenische Kantate "Wer war Nikolaus von Myra? Wie ein Bischof seine Stadt aus einer Hungersnot rettete und vor dem Krieg bewahrte" wurde ebenfalls im Jahr 1995, am 3. Dezember, anlässlich der 800-Jahr-Feier der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai uraufgeführt.

1996 entstanden "Sieben Lieder" für Frauenstimme und Klavier auf Gedichte eines Mädchens an ihren Freund von Selma Meerbaum-Eisinger, die als Achtzehnjährige in einem Konzentrationslager starb.

1989 wurde Felicitas Kukuck für ihre Verdienste um Kunst und Kultur in Hamburg mit der Biermann-Ratjen-Medaille geehrt. 1994 wurde sie für ihre Verdienste um das Hamburgische Musikleben und als Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Musik mit der Johannes-Brahms-Medaille ausgezeichnet.

Noch im hohen Alter komponierte Felicitas Kukuck fast täglich und war deshalb immer auf der Suche nach guten Texten. Denn es waren, wie sie selbst einmal sagte, "die Worte", die sie "entzünden".

Die beiden bekanntesten Stücke von Felicitas Kukuck sind die Melodie zum Kirchenlied Manchmal kennen wir Gottes Willen (EG 626, GL 299) und das Lied Es führt über den Main (Die ersten 7 Textstrophen sind aus dem Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus in den 1930er Jahren durch ihre Schwester überliefert. Kukuck fügte die 8. und letzte Strophe hinzu. Die ursprüngliche Melodie verarbeitete sie in der Kantate "Die Brücke über den Main" und bewahrte sie so vor dem Vergessen).

Sie war Mitglied der Künstlerinnenorganisation GEDOK, der Oekumenischen Textautoren- und Komponisten-Gruppe der Werkgemeinschaft Musik e.V. und der AG Musik in der Ev. Jugend e.V., heute Textautoren- und Komponistengruppe TAKT

Der 2006 gegründete "Singkreis Felicitas Kukuck" unter Leitung von Christoph Leis-Bendorff widmet sich den Vokalwerken von Felicitas Kukuck und tritt mit ihnen im Norddeutschen Raum auf.

Weitere bedeutende Werke[Bearbeiten]

  • "Zwölf Klaviervariationen über 'Die Fisch in Wasser wohnen'", 1937
  • "Sonate für Flöte und Klavier", UA 1941 in Berlin
  • "Klaviervariationen über 'Es ist ein Schnitter, heißt der Tod'", UA 1942 in Berlin
  • "Psalm 104", deutsch und englisch, 1947
  • "Mariae Verkündigung", UA 1951
  • "Das kommende Reich", UA 1953 in Hamburg
  • "Der Gottesknecht", UA 1959 in Hamburg und Berlin
  • "Missa Sancti Gabrielis Archangeli", UA 1968 in Hamburg
  • "Wo bleibst du Trost", UA 1974 in Hannover
  • "Die Konferenz der Tiere", UA 1982 in Hamburg
  • "Klagelieder Jeremias", UA 1984 in Hamburg
  • "Das Herodesspiel", UA 1988 in Stockholm und Kopenhagen
  • "Von der Barmherzigkeit", UA 1997 in Hamburg

Literatur[Bearbeiten]

  • Art. Kukuck, Felicitas, in: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. Walter de Gruyter & Co, Berlin 1954, Sp. 682-683.
  • Cordula Sprenger: Felicitas Kukuck als Komponistin von Solo- und Chorliedern, Tectum Verlag. Marburg 2008, ISBN 978-3-8288-9756-4.
  • Margret Johannsen: Lexikoneintrag Kukuck, Felicitas, in: Hamburgische Biografie. Personenlexikon, herausgegeben von Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke, Wallstein Verlag. Göttingen 2008, S. 203-205, ISBN 978-3-8353-0229-7.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Art. Kukuck, Felicitas, in: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. Walter de Gruyter & Co, Berlin 1954, Sp. 682.
  2. Artikel von Verena Fischer-Zernin: Die Phantasie entzündet sich an den Worten in NMZ (Neue Musikzeitung, ConBrio Verlagsgesellschaft Regensburg) November 2014, S. 6.