Fibrate

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Fibrate (Fibrinsäuren und deren Abkömmlinge) sind eine Gruppe von Carbonsäuren, die in der Medizin als Arzneistoff zur Behandlung hoher Blutfettwerte angewendet werden. Die Einnahme von Fibraten ist bei Hypercholesterinämie und Hypertriglyceridämie indiziert.

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten]

Fibrate bewirken eine Aktivitätssteigerung des Fettsäureabbaus in Peroxisomen durch Bindung an den intrazellulären PPARα. Dabei führt, ähnlich dem Mechanismus von Glukokortikoidrezeptoren, die Bindung der Fibrate an PPARα zur Dimerisierung des Rezeptors und anschließender Bindung an die DNA. Dies führt unter anderem zu einem erhöhten Abbau des LDL-Cholesterins. Zudem wird die VLDL-Synthese vermindert. Die Folge ist eine Abnahme des LDL-Cholesterins um 10–20 % und eine Zunahme des „guten“ HDL-Cholesterins um 5–10 %. Die Triglyceride sinken um 20–40 %.

Fibrate führen über eine PPARα-vermittelte Downregulation der Cholesterol-7α-Hydroxylase und Sterol-27-Hydroxylase zur vermehrten Sekretion von Cholesterol in die Galle und damit zu einem erhöhten Risiko für cholesterolhaltige Gallensteine.[1]

Die Anwendung der Fibrate ist umstritten, weil sie – im Gegensatz zu den Statinen – den Nachweis einer Lebensverlängerung nicht erbracht haben. Bei der Behandlung der KHK gelten sie als Lipid-Senker der zweiten Wahl, insbesondere wenn Statine nicht vertragen werden oder die Hypertriglyceridämie dominiert.[2][3]

Interaktionen[Bearbeiten]

Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, kann es zu Wechselwirkungen kommen. So kann es zu verstärkter Antikoagulation bei gleichzeitiger Einnahme oraler Antikoagulantien sowie zu einer verstärkten Blutzuckersenkung bei gleichzeitiger Einnahme oraler Antidiabetika und Insulin kommen. Auch besteht ein erhöhtes Risiko von Myopathien bei gleichzeitiger Einnahme von Statinen und Nikotinsäurederivaten.

Als Nebenwirkung besteht häufig eine Neigung der Bildung von Gallensteinen. Beschwerden des Gastrointestinaltraktes werden gleichsam beobachtet.

Abbau[Bearbeiten]

Die Fibrate werden im Körper zu Clofibrinsäure metabolisiert. Diese reichert sich wegen ihrer hohen mikrobiellen Persistenz und geringen Sorptionsfähigkeit im Grundwasser an.[4]

Vertreter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pharmakologie und Toxikologie 2006, Karow/Lang-Roth
  • Medizinische Chemie 2005, Steinhilber/Schubert-Zsilavecz/Roth

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Post SM, Duez H, Gervois PP et al. Fibrates suppress bile acid synthesis via peroxisome proliferator-activated receptor-alpha-mediated downregulation of cholesterol 7alpha-hydroxylase and sterol 27-hydroxylase expression. Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2001;21(11):1840-5.
  2. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Handlungsleitlinie Fettstoffwechselstörungen, Mai 2012, abgerufen am 31. Januar 2014.
  3. Fenofibrate for dyslipidaemia, Rational Assessment of Drugs and Research, National Medicines Policy, Australia Februar 2006, abgerufen am 31. Januar 2014.
  4.  Traugott Scheytt, Susanne Grams, Holger Fell: Vorkommen und Verhalten eines Arzneimittels (Clofibrinsäure) im Grundwasser. In: Grundwasser. 3, Nr. 2, 1. Juni 1998, S. 67–77, doi:10.1007/s767-1998-8568-1 (PDF).
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