Francesco Stancaro

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Francesco Stancaro (* um 1501 in Mantua; † 12. November 1574 in Stopnica, Polen) war ein italienischer Theologe und Reformator.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Stancaro wurde um 1501 in Mantua geboren und trat einem geistlichen Orden bei und studierte Theologie. Um 1540 wandte er sich in Padua der Reformation zu, heiratete und wurde von der venezianischen Obrigkeit inhaftiert. Freigelassen begab er sich 1542 nach Chiavenna in die evangelische Gemeinde von Francesco Negri, wo er sich wahrscheinlich scheiden ließ. 1544 ging er zunächst nach Wien, später nach Basel, wo er 1547 eine hebräische Grammatik herausgab und in enger Verbindung mit dem ebenfalls aus Italien stammenden Humanisten Celio Secondo Curione stand. Später kehrte er noch einmal nach Chiavenna zurück, wo er mit dem täuferisch-unitarisch gesinnten Camillo Renato in Kontakt stand. Noch im Jahr 1548 übersiedelte Stancaro über Siebenbürgen nach Polen, wo er an der Universität Krakau Hebräisch unterrichtete. Wegen seiner Kritik an der Heiligenverehrung, die er in einer Vorlesung über Psalmen geäußert hatte, wurde Stancaro 1550 denunziert und in Lipowitz in Haft gesetzt. Nach zwei Monaten wurde er befreit und fand 1550 zunächst Zuflucht in Pinczow, wo auf seine Initiative hin eine reformierte Gemeinde gegründet wurde, die mit zur Keimzelle der reformierten wie auch der unitarischen Kirche in Polen wurde. Im Jahr 1551 siedelte er ins herzogliche Preußen über, wo er an der Universität Königsberg erneut eine Hebräischprofessur bekleiden konnte. Dort wurde er in den OsiandrischenStreit verwickelt, disputierte mit Andreas Osiander und schrieb seine „Apologia contra Osiandrum“. Hier vertrat er die Ansicht, dass die Erlösung qua Versöhnung nur durch die menschliche Natur Christi bewirkt werden könnte. Der Sohn als zweite Person der Trinität müsste also dem Vater untergeordnet sein. Diese Thesen standen einem subordinatorischen Tritheismus nahe, wie er zu Beginn der unitarischen Bewegung in der Reformationszeit auch bei Matteo Gribaldi und Giovanni Valentino Gentile anzutreffen war. Im Jahr 1551 verließ Stancaro Königsberg wieder und lebte für einige Jahre in Siebenbürgen. Aufgrund seiner subordinatianischen Thesen wurde Stancaro 1560 von der Reformierten Kirche Polens exkommuniziert. Die Auseinandersetzung um seine Thesen spielten jedoch eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Bruch der polnischen Reformierten Kirche in eine calvinistisch geprägte, an der Trinität und Kindertaufe festhaltende Ecclesia reformata maior (Große Reformierte Kirche) und eine unitarisch geprägte, täuferisch-antitrinitarische Ecclesia reformata minor (≈Kleine Reformierte Kirche), die unter dem Namen Polnische Brüder bekannt wurde. In den letzten Jahren seines Lebens setzte er seine Reisen fort und besuchte Polen, Ungarn und Siebenbürgen. Stancaro starb 1574 im polnischen Stopnica.

Werke[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • De modo legendi Hebraice institutio brevissima, Venedig 1530
  • Suae ebraee grammaticae compendium, nunc primum excussum, Basel 1547
  • In epistolam canonicam D. Jacobi Heriolymitani expositio pia, Basel 1547
  • Miscellanea theologica. Nempe gradus beneficiorum dei, de templis Judaeorum, bibliorum scriptroes, deprophetis, Israeliticus ordo, de synagogis, modus legendas prophetas, linguae ebrae inclinatio, ebrei unde dicti, lectionis in synagoga. Noviter excussa, 1547
  • Opera nuova di F. S. Mantovano della Riformatione, si della dottrina Christiana, come della vera intelligentia dei sacramenti. con maturi consideratione et fondamento della scrittura santa, et consoglio de Santi Padri. non solamente utile, ma necessaria a ogni stato et conditione di Persone, Basel 1547
  • Canones Reformationis, Frankfurt/Oder 1552
  • Collatio doctrinae Arrii, et Philippi Melanchthonis, et sequacium Arrii et Philippi Melanchthonis et Francisci Davidis et reliquorum Saxonum doctrina de Filio Dei, Domino Jesu Christo, vna est et eadem, 1559
  • De officiis mediatoris domini Jesu Christi et secundum quam naturam haec officia exhibuerit et executusd fuerit, 1559
  • De Trinitate et Mediatore Domino nostro Iesu Christo adversus Henricum Bullingerum...Ad magnificos et generosos Dominos Nobiles ac eorum Ministeros a variis Pseudoevabelicis seductis, Krakau 1562
  • Summa confessionis fidei F: S. Matvani, et quorundam discipulorum suorum, triginta octo articulis comprehensa, 1570

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]