Franz Jesser

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Franz Jesser (* 1. Juli 1869 in Zwittau, Mähren; † 16. März 1954 in Frankfurt am Main) war ein sudetendeutscher Publizist und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn des Kaufmanns Franz Jesser und seiner Ehefrau Marie Koller besuchte er das Gymnasium. An der deutschen Universität von Prag studierte er Geschichte, deutsche Literatur, Geographie und Kunstgeschichte. Von 1892 bis 1893 leistete er das einjährige Freiwilligen-Jahr ab. Danach diente er als Reserve-Offizier.

Jesser war ab 1898 Wanderlehrer im Bund der Deutschen in Böhmen und stand seit dem Beginn seiner politischen Tätigkeit der alldeutschen Bewegung Georg Ritter von Schönerers nahe. Er pflegte enge Kontakte mit wichtigen Vertretern der ab 1904 entstehenden NS-Bewegung in den böhmischen Ländern, v.a. mit Hans Knirsch. 1905 wurde er Sekretär der Deutschen Agrarpartei in Böhmen, und 1907 bis 1911 Abgeordneter dieser Partei im Wiener Reichsrat. Jesser war von 1911 bis 1918 Abgeordneter der Deutschen Volkspartei, von 1920 bis 1933 Senator der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in der Prager Nationalversammlung. Von 1933 bis 1945 war er Bibliothekar in der Volksbibliothek von Zwittau.

Nach der Vertreibung der Sudetendeutschen war er Mitarbeiter der katholischen Ackermann-Gemeinde. In der Einleitung zu seinen 1983 vom Münchner Sudetendeutschen Archiv herausgegebenen Memoiren wurde er als „Volkstumspolitiker“ und „einer der wenigen politischen Theoretiker des Sudetendeutschtums“ bezeichnet. Jesser führte 1904 den zuvor nur selten gebrauchten Begriff „sudetendeutsch“ in die politische Diskussion ein, der sich nach 1918 rasch als Sammelbegriff für die Deutschen der böhmischen Länder durchsetzte. Nach Brügel verwendete Jesser erstmals diesen neuen Begriff im Jahre 1902 in einem Aufsatz.

Er betätigte sich auch als Herausgeber der Zeitschrift Der Weg. Seit 1913 gab er mit Hermann Ullmann die Zeitschrift Deutsche Arbeit. Monatszeitschrift für das geistige Leben der Deutschen in Böhmen heraus. Nach dem Kriege arbeitete er in der Ackermann-Gemeinde mit. Im Jahre 1928 verlieh ihm die Deutsche Universität in Prag die Ehrendoktorwürde zum Dr. Phil. h.c.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Organisation und Partikuralismus in Österreich, In: Österreichische Rundschau, 1917, S. 6
  • Größe, Volkszahl und nationale Verhältnisse des Schönhengstgaues, 1919
  • Katalog der Ottendorferschen Volksbücherei in Zwittau
  • Kulturgeographie des deutschen Volkes
  • Volkstumskampf und Ausgleich im Herzen Europas. Erinnerungen eines sudetendeutschen Politikers, aufgezeichnet von Dr. Arthur Herr, Nürnberg 1983

Literatur[Bearbeiten]

  • G. Kaben, Franz Jesser - ein beispielhafter 'sudetendeutscher Lebenslauf?' , Dissertation München (zitiert in: Berichte und Forschungen 9. 2001).
  • Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche, 1918-1938, 1967.
  • Herrmann A. L. Degener: Wer Ist's?, Leipzig 1928.
  • Heribert Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der Böhmischen Länder, Band II, München 1984.

Weblinks[Bearbeiten]