Svitavy

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Svitavy
Wappen von Svitavy
Svitavy (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Svitavy
Fläche: 3133 ha
Geographische Lage: 49° 45′ N, 16° 28′ O49.75694444444416.471111111111435Koordinaten: 49° 45′ 25″ N, 16° 28′ 16″ O
Höhe: 435 m n.m.
Einwohner: 17.040 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 568 02 - 570 01
Verkehr
Bahnanschluss: Brno–Česká Třebová
Svitavy–Žďárec u Skutče
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: David Šimek (Stand: 2010)
Adresse: T. G. Masaryka 25/35
568 02 Svitavy
Gemeindenummer: 577731
Website: www.svitavy.cz
Náměstí Míru (Svitavy).jpg

Svitavy (deutsch: Zwittau) ist eine Stadt am Fluss Svitava im Pardubický kraj, mit 17.322 Einwohnern. Die mährische Industriestadt Svitavy liegt etwa 15 km südöstlich von Litomyšl.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Zwittau wurde erstmals im Jahr 1256 erwähnt, als Bruno von Schaumburg, der Bischof von Olmütz, hier eine Pfarrei einrichtete. Ab 1330 wird Zwittau als Stadt bezeichnet. Nach vorübergehender Besetzung durch die Hussiten gehörte die Stadt wieder den Bischöfen von Olmütz, trotzdem setzte sich hier in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation durch. Im 16. Jahrhundert blühte die Stadt wirtschaftlich auf und trat den Bischöfen selbstbewusst entgegen, im Dreißigjährigen Krieg litt die Stadt sehr unter den Kriegshandlungen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Zwittau ein Zentrum der Textilindustrie, 1847–1848 kam es hier zu großen sozialen Unruhen.

Zwittau gehörte zur deutschen Sprachinsel Schönhengstgau und war bis 1945 weitgehend deutsch besiedelt (1930: 88,4 % der Bevölkerung), von hier stammte auch der Unternehmer Oskar Schindler, der in Zwittau selbst ein aktiver Nationalsozialist war, sich aber später in Polen durch die Rettung von mehr als 1200 Juden große Verdienste erwarb.

Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde die deutsche Bevölkerung 1945 enteignet und vertrieben. Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt Zwittau 10.446 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 10.413 Bewohner und am 22. Mai 1947 8963 Einwohner.

Durch eine Verwaltungsreform wurde die Grenze der tschechischen Regionen über die historische Grenze der alten Kronländer Böhmen und Mähren nach Osten verschoben, so dass Svitavy heute im Kraj Pardubice liegt.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Svitavy gehören neben der Vorstadt (Předměstí) noch die Ortschaften Lačnov (Mährisch Lotschnau) und Lány (Vierzighuben).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Svitavy hat einen bemerkenswerten historischen Stadtkern. Herausragend ist der langgestreckte "Friedensplatz" mit seinen Bogengängen. Ebenfalls sehenswert sind eine Reihe von Bürgerhäusern und Kirchen, sowie einige Barockstatuen und die Reste der historischen Stadtbefestigung.

Unter den Gebäuden treten das Alte Rathaus und das benachbarte "Zum Mohren" hervor. Daneben verdienen das Stadtmuseum und das Ottendorfer-Haus besondere Beachtung. Die älteste Kirche in Svitavy ist die Friedhofskirche St. Ägidius (12. Jahrhundert). Unter den Skulpturen im öffentlichen Raum dürfte die für Oskar Schindler die bekannteste sein.

Bürgerhäuser[Bearbeiten]

  • Náměstí Míru (Friedensplatz): Der langgezogene Marktplatz im alten Stadtkern ist beiderseits von barocken und klassizistischen Bürgerhäusern mit Arkaden gesäumt – die zweitlängste Arkadenreihe in ganz Tschechien. Anfang des 21. Jahrhunderts erfuhr das Ensemble eine umfangreiche, liebevolle Sanierung.
  • Stará radnice (Altes Rathaus): Das Renaissance-Gebäude mit dem auffälligen Turm wurde nach schweren Brandschäden 1781 im gleichen Stil wiedererbaut. Eine weitere Sanierung fand 1849 statt. Als Rathaus diente es bis 1933, daneben erfüllte es auch die Funktionen von Stadtsparkasse, Gericht, Polizeiposten mit Gefängniszellen. Heute beherbergt es verschiedene Geschäfte. Die Fassade zeigt das Stadtwappen, einen Stierkopf zwischen zwei Türmen. Die Spitze des Rathausturms wird von einem türkischen Halbmond geschmückt.
  • Dům U Mouřenína (Haus zum Mohren): Das Nachbarhaus ist mit dem Alten Rathaus durch einen Korridor im ersten Stock verbunden. Es gehörte zu den vornehmsten Häusern der Stadt, als Kaiser Joseph II. Svitavy 1776 besuchte, fand er hier sein Domizil. Heute ist das Fremdenverkehrsbüro hier untergebracht.
  • Ottendorferův dům (Ottendorfer-Haus): Der rote Backsteinbau im Stil des Historismus gehört zu den Wahrzeichen von Svitavy. V. O. Ottendorfer, der nach den Unruhen von 1848 ins US-amerikanische Exil fliehen musste, ließ das Haus an der Stelle seines Geburtshauses errichten als erste öffentliche Bibliothek der Stadt. Das Haus beherbergte diese umfangreichste und modernste Bibliothek Mährens bis zum Zweiten Weltkrieg, an der sich alle später eingerichteten orientierten. – Mit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aufgrund der Beneš-Dekrete verlor die Bibliothek ihre Nutzer. Der Rest ihres Bestandes befindet sich jetzt im Stadtmuseum. – Danach fungierte das Haus als Kulturhaus. Seit 2008 beherbergt es im Erdgeschoss ein Esperanto-Museum, das als Filiale des Städtischen Museums von der Stadt Svitavy und vom tschechischen Esperanto-Verband getragen wird.
  • Langerová vila (Villa Langer): Das historistische und stark stuckverzierte Gebäude direkt am Städtischen Jan-Palach-Park wurde 1892 vom Architekten Hugo Wanderley erbaut, der auch die Pläne für das Ottendorfer-Haus gezeichnet und realisiert hat. Das Haus gehörte einer der reichsten Familien Svitavys, der Unternehmer und Stadträte entstammen. Nach finanziellen Krisen war die Familie 1933 genötigt, das Haus zu vermieten, und es 1942 endgültig an die Stadt zu verkaufen. Seither wird der representative Bau als Rathaus genutzt. 1989 umfangreich restauriert.[2]
  • Villa Budig: Heute als Städtisches Museum und Galerie genutzt.

Kirchen[Bearbeiten]

  • Mariä Heimsuchung am Friedensplatz – etwa um 1250 errichtet, wahrscheinlich als romanische Konstruktion, spätere Gotisierungen und Barockisierungen, Zugang zur Aussichtsplattform im Turm.
  • Friedhofskirche St. Ägidius romanische Basilika, zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts, dreischiffiger Bau mit Emporen über den Seitenschiffen. Rekonstruktion im Stil des Frühbarock. Wertvolle barocke Innenausschmückung.
  • St. Joseph – 1894/96 erbaut als dreischiffige neuromanische Basilika mit zwei Türmen, der Backsteinbauweise wegen auch "Rote Kirche".
  • Kloster der barmherzigen Schwestern vom Orden des Heiligen Vinzenz von Paul. Erbaut 1871 als Krankenhaus, insbesondere für Kinder, und als Altenheim. Heute genutzt als „Haus am Scheideweg“ mit Betreuung geistig behinderter Fraün.

Museen und Kulturinstitutionen[Bearbeiten]

  • Stadtmuseum und Galerie in der Villa Budig
  • Esperanto-Museum als Filiale des Stadtmuseums im Erdgeschoss des Ottendorfer-Hauses untergebracht. Gegründet 2008, unterhalten vom Tschechischen Esperanto-Verband. Dort findet sich eine Dauerausstellung über die Plansprache Esperanto, sowie eine jährlich wechselnde Themenausstellung. Regelmäßige Bildungs- und Kulturveranstaltungen.
  • Kulturzentrum Fabrika
  • Stadtbibliothek

Natur[Bearbeiten]

  • Jan-Palach-Park
  • Fischteich Rosnička
  • Lehrpfad „Böhmisch-mährisches Grenzland – die Mikroregion Svitavy“, mit 9 Stationen, Beginn im Stadtzentrum

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Gedenkstein für Oskar Schindler
  • Hans-Christian Beck (* 1944), deutscher Generalmajor der Bundeswehr, zuletzt Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr
  • Johann Baptist Crystellius Zwittauer von Bochau (?–1637), er war von 1601 bis 1637 Prior des Kloster St. Thomas in Prag.
  • Martin Zwittauer von Bochau (* unbekannt–1602), von 1568–1601 Prior des Kloster St. Thomas und St. Katharine in Prag
  • Joseph Kristelli von Bochau (1658–1740), von 1702–1739 Prior in der Kartause Gaming
  • Paul Wenzelius von Bochau (* unbekannt–1663), Appellationsrates in Prag, von 1623–1663 Grundherr auf Třebušín
  • Johann Budig (1832−1915), Unternehmer, Bürgermeister von Zwittau und Abgeordneter des Österreichischen Parlaments
  • Maximilian Felzmann (1894–1962), deutscher und Österreich-ungarischer Offizier, zuletzt General der Artillerie im Zweiten Weltkrieg
  • Wilhelm Gerlich (1915–2001), Philosoph
  • Maurus Haberhauer (1746−1799), Subprior der Abtei Raigern, Theologe, Musikpädagoge und Komponist
  • Hermann Franz Haupt (* 1926), Astronom, Präsident des Österreichischen Astronomischen Gesellschaft
  • Maximilian Haupt (1887–1959), Richter in Sterzing und Meran, Hofrat am Oberlandesgericht in Innsbruck, Großvater von Herbert Ernst Haupt
  • Georg Anton Heintz (1698–1759), Bildhauer des Barock
  • Julius Hönig (1902–1945), Politiker (NSDAP)
  • Erich Klimek (* 1936), deutscher Kunstmaler, Zeichner und Illustrator
  • Carl Lick (1859–1935), Sparkassendirektor, Bürgermeister (1919-1935), Historiker
  • Alexander Makowsky (1833–1908), Geologe
  • Valentin Oswald Ottendorfer, (1826–1900), Revolutionär von 1848, nach der Flucht in die USA wurde er New Yorker Verleger, Förderer seiner Heimatstadt
  • Oskar Schindler (1908–1974), Unternehmer und Philanthrop
  • Karl Schmied (1933–2006), Religionslehrer
  • Harald Schwarz (1921–1995), Puppenspieler und Bühnenleiter der Hohnsteiner, starb während einer Gastspielreise in Svitavy
  • Hans Tyderle (* 1926), Maler und Zeichner
  • Hermann von Zeissl (1817–1884), österreichischer Dermatologe

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Lick. Zur Geschichte der Stadt Zwittau und ihrer Umgebung, Im Selbstverlage, Zwittau 1910.
  • Josef Čermák, Miloš Vaněk, Jiří Tesař, Blanka Čuhelová, Radoslav Fikejz: Svitavy včera a dnes - Zwittau gestern und heute, Městské muzeum a galerie / DTP centrum, Svitavy 2002, ISBN 80-254-9347-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Langer Villa

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Svitavy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien