Friedhof Heslach

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Friedhofsplan.

Der Stuttgarter Friedhof Heslach wurde 1798 angelegt und liegt im Stadtteil Heslach im Stadtbezirk Stuttgart-Süd.

Die Friedhofsfläche umfasst ca. 1,5 ha und ist in die Abteilungen 1-15[1] mit ca. 2500 Grabstellen aufgeteilt.[2] Auf dem Friedhofsgelände befinden sich ein Leichenhaus, eine Aussegnungshalle mit Dienstgebäude, eine Aufbewahrungshalle mit Wärterzimmer, die Kreuzkirche und das Benckendorff-Mausoleum, das durch seine Größe unter allen Grabanlagen herausragt. Der Friedhof stößt im Südosten an die belebte Böblinger Straße mit den Stadtbahnlinien U1 und U14, die an der Haltestelle "Bihlplatz" (vormals: "Benkendorffstraße") hält. Im Nordosten führt die Benckendorffstraße am Friedhof vorbei, benannt nach Graf Benckendorff, dessen Mausoleum auf dem Friedhof steht.

Geschichte[Bearbeiten]

Kreuzkirche.
Benckendorff-Mausoleum.

Mit dem Bau der Alten Kirche am Bihlplatz, unweit der heutigen Kreuzkirche, erhielt Heslach im Jahr 1554 auch einen Kirchhof. Im Jahr 1798 wurde in der Baumreute[3] westlich des damaligen Heslach ein neuer Friedhof angelegt, da der Kirchhof nicht mehr erweitert werden konnte. Im Jahr 1823 wurde das Benckendorff-Mausoleum errichtet und 1893 die Aufbewahrungshalle mit einem Wärterzimmer. Der Haupteingang von 1897 ist heute nicht mehr vorhanden, ebenso eine Wartehalle und ein Aufseherhäuschen. Die Kreuzkirche an der Nordostecke des Friedhofs wurde 1931 eingeweiht. Im Jahr 1962 wurde eine Aussegnungshalle mit Dienstgebäude beim jetzigen Haupteingang erbaut.[4]

Benckendorff-Mausoleum[Bearbeiten]

Graf Constantin von Benckendorff (1785–1828) ließ das Mausoleum (auch Grabkapelle genannt) für seine 1823 verstorbene Frau Natalia geb. von Alopeus (1796–1823) errichten. Als Architekt wählte er Giovanni Salucci, der 1820–1824 die Grabkapelle auf dem Rotenberg für die 1819 verstorbene Königin Katharina, die zweite Frau von König Wilhelm I., erbaute. Über dem Portal ließ er zum Gedenken an seine Frau die Inschrift „NUR SIE“ anbringen. Nach seinem Tod im Jahr 1828 wurde auch Graf von Benckendorf in der Grabkapelle beigesetzt.

Das Grabmal, das bis im Zweiten Weltkrieg im Mausoleum aufgestellt war, birgt die Büsten des verstorbenen Ehepaars in einer klassizistischen Nische. Sie reichen einander die rechte Hand zum Zeichen ehelicher Verbundenheit, ähnlich wie auf einem altrömischen Grabsteinrelief, das häufig als Cato und Porcia bezeichnet wird. Die Büsten hatte Johann Heinrich Dannecker 1812 bzw. 1821 modelliert. Er fasste sie 1825 zu dem Modell eines Ehepaars zusammen, das sein Schüler Theodor Wagner 1828 in Marmor ausführte. Das Grabmal überstand den Krieg an einem geschützten Ort und wurde 1950 im Städtischen Lapidarium Stuttgart aufgestellt, wo es bis 1959 verblieb und dann wieder an den ursprünglichen Ort verbracht wurde.

Gräber[Bearbeiten]

  • Nr. = laufende Nummer innerhalb der Tabelle, # = Nummer der Abteilung, in der sich das Grab befindet. Die Lage der Abteilungen geht aus dem Friedhofsplan (siehe oben) hervor.
  • P = Grab eines Prominenten, K = Grab mit Kunstwerk oder ein Grab, das aus anderen Gründen bemerkenswert ist, * = Geburtsjahr, † = Todesjahr.
  • Anfangssortierung: nach dem Familiennamen in der Spalte Grab.
  • Spalte sortieren: Sort both small.svg anklicken. Spalte Grab/Künstler: Sortierung nach dem Familiennamen.
  • Weitere Spalte sortieren: Umschalttaste gedrückt halten und Sort both small.svg anklicken.
Nr. Abbildung # P K Grab * Künstler
1 Grab Adolf Baumeister 08 K Adolf Baumeister. 1894 1962 NN, Relief mit Vase.
2 Grab Georg Friedrich Bihl 02c P K Georg Friedrich Bihl, Architekt, nach ihm ist der Bihlplatz benannt. 1847 1935 NN, klassizistisches Grabdenkmal mit Gebälk auf dorischen Säulen und Einfriedung durch Geländer.
3  ? P Hans-Jürgen Bock, Jazzpianist. 1939 2006
4 Grab Carl Eberspächer 10 K Carl Eberspächer. 1864 1922 NN, Bronzeurne und Relief mit einer stehenden Trauernden.
5 Grab Hugo Gauger 05 K Hugo Gauger, Apotheker. 1870 1943 NN, Skulptur einer stehenden Trauernden.
6 Grab Adolf Haaga 02c P K Adolf Haaga, Fabrikant von Rundwirkmaschinen, erster Autobesitzer in Heslach. 1880 1849 NN, klassizistisches, halbrundes Wanddenkmal mit Urnennischen, Gebälk auf dorischen Säulen und Einfriedung durch Geländer.
7 Grab Adolf Haaga 02c P Adolf Haaga als erster Autobesitzer in Heslach. 1880 1849
8  ? P Maria Heitele, Hochseilartistin.
9 Grab Conrad Haußmann 11 P K Conrad Haußmann, Politiker. 1857 1922 NN, halbrundes Wanddenkmal mit bronzenem Reliefmedaillon.
10 Grab Conrad Haußmann 11 P K Conrad Haußmann, Politiker. 1857 1922 NN, halbrundes Wanddenkmal mit bronzenem Porträtrelief.
11 Grab Paul Heckel 15 K Paul Heckel. 1888 1922 NN, Relief mit Baum und Putte, die ein Bäumchen begießt.
12 Grab Max Holz 08 K Max Holz. 1853 1932 NN, Relief mit zwei Trauernden, die sich trösten.
13 Grab Karl Kloß 15 P K Karl Kloß, Gewerkschafter und Politiker. 1847 1908 NN, bronzenes Porträtrelief.
14 Grab Karl Kloß 15 P K Karl Kloß, Gewerkschafter und Politiker. 1847 1908 NN, bronzenes Porträtrelief.
15 Friedhof Heslach, Gottlieb Kussmaul.jpg 08 K Gottlieb Kussmaul. 1842 1907 NN, Wanddenkmal mit zwei Fenstern.
16 Grab Adolf Nanz 05 K Adolf Nanz. 1869 1908 NN, Bronzereliefs mit pflanzlichen Ornamenten.
17 Grab Maria Adelheid Reinhardt 02b P K Maria Adelheid Reinhardt, im KZ Auschwitz ermordet.[5] 1923 1943 NN, Relief einer stehenden Trauernden.
18 Grab Bernhard Rettenmeyer 05 P K Bernhard Rettenmeyer, Besitzer einer Brauerei, aus der die Stuttgarter Hofbräu AG hervorging. 1839 1896 NN, gotisches Pfeilerdenkmal mit Bogenfenstern, Wimpergen, Fialen und Türmchen.
19  ? P Friedrich Ritter, letzter Heslacher Schultheiß.
20 Grab Julius Roth 04 K Julius Roth. 1876 1942 NN, Skulptur einer stehenden Trauernden.
21 Grab Erwin Steinle 12 K Erwin Steinle. 1914 1983 NN, Wappenrelief.
22 Grab Familie Ziegler-Heinkel  ? K Familie Ziegler-Heinkel. NN, Relief einer stehenden Trauernden.

Baumruine[Bearbeiten]

Baumruine (nah)
Baumruine (fern)

Nahe an der südwestlichen Einfriedung des Friedhofs trifft man auf den hohlen Stumpf eines einstmals mächtigen Baums, der hier als Denkmal seiner selbst steht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Friedel: Rücktritt von einer geplanten Stolperstein-Aktion. Angehöriger einer Sinti-Familie spricht sich gegen Verlegung in Feuerbach aus – Er will nicht, dass Leute auf Gedenksteine treten. In: Nord-Rundschau vom 18. März 2008, (online).
  • Werner Koch; Christopher Koch: Stuttgarter Friedhofsführer. Ein Wegweiser zu Gräbern bekannter Persönlichkeiten. Tübingen 2012, Seite 136-138.
  • Mammut-Verlag (Herausgeber und Redaktion): Stuttgart, Der Friedhofwegweiser, DIESSEITS und JENSEITS, Stuttgart 2011, Seite 76-77 (kostenlos erhältlich, u. a. bei der Infothek im Rathaus).
  • Jens Noll: Heslacher Friedhof. Über viele Gräber gibt es Geschichten zu erzählen. In: Stuttgarter Nachrichten“, (online).
  • Andrea Rothfuß: „Mit ihr ist mein Himmel entschwunden“. Mit Siegfried Bassler den Heslacher Friedhof entdecken. In: Stuttgarter Wochenblatt vom 25. März 2010, (online).

Benckendorff-Mausoleum[Bearbeiten]

  • Carla Fandrey: Giovanni Salucci 1769–1845, Hofbaumeister König Wilhelms I. von Württemberg 1817–1839. Ausstellung zum 150. Todestag des Architekten Giovanni Salucci vom 16. Mai bis 1. Juli 1995, Stuttgart 1995, Seite 40-41, 133-134.
  • Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker, Teil 1: Der Bildhauer', Stuttgart 1987, Seite 401-402.
  • Ludwig Schorn: Grabmal der Frau v. Benckendorff, geb. Alopeus in Häslach bey Stuttgart. (Mit Plan, Aufriß und Durchschnitt des Monuments). In: Morgenblatt für gebildete Stände, Kunst-Blatt 6.1825, Seite 281-282, 2 Beilagen, [1].
  • Wilhelm Speidel: Giovanni Salucci. Der erste Hofbaumeister König Wilhelms I. von Württemberg. Sein Leben und Schaffen bis zu seinem Ausscheiden aus dem Hofdienst im Jahre 1828. Ein Beitrag zur Geschichte des Klassizismus in Schwaben. Stuttgart 1936, Seite 69-72, Abbildung 46.
  • Walter Weber: Das Schicksal eines Bildwerkes im Lapidarium [Benckendorffsche Grabkapelle]. In: Amtsblatt der Stadt Stuttgart 1953, Nr. 7, Seite 5-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Abteilung 2 ist in 2a-c und die Abteilung 9 in 9a-b unterteilt.
  2. #Mammut 2011.
  3. Rodungsgebiet im Bereich der heutigen Straße Baumreute.
  4. #Mammut 2011.
  5. Friedel 2008.

48.7603659.150065Koordinaten: 48° 45′ 37″ N, 9° 9′ 0″ O