Friedrich Benda

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Dieser Artikel behandelt den Violinisten, Pianisten und Komponisten Friedrich Wilhelm Heinrich Benda, den ältesten Sohn Franz Bendas.

Er ist nicht zu verwechseln mit

Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (* 15. Juli 1745 in Potsdam; † 19. Juni 1814 in Berlin) war ein deutscher Kammermusiker und Komponist. Er stammt aus der Musikerfamilie Benda.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Bendas Paten anlässlich seiner Taufe waren – vertreten durch Hofbeamte und Hofdamen – der König und zwei seiner Söhne sowie Königin und Königinmutter, was den damaligen Stellenwert seines Vaters als Premier Violon de Chambre de la Majesté de Roi de Prusse aufzeigt[1]. Friedrich Benda war der ältere der beiden erwachsenen Söhne[2] des Komponisten Franz Benda, von dem er, ebenso wie seine Geschwister Wilhelmine, Maria Carolina, Carl sowie Juliane, den ersten musikalischen Unterricht erhielt. Später wurde er Schüler des Berliner Musiktheoretikers Johann Philipp Kirnberger. Mit 20 Jahren wurde Friedrich Benda als Geiger in die Hofkapelle aufgenommen, in welcher er bis 1810 in leitender Position wirkte. Aber er war nicht nur ein anerkannter Violinvirtuose, sondern wurde auch als Pianist, Organist und Komponist bewundert[3]. Zusammen mit dem Geiger und Konzertmeister Ernst (Johann Christoph) Schick (1756–1815)[4], dem Cellisten Jean-Balthasar Tricklir[5] und dem Musiker Ho(f)fmann beteiligte sich Friedrich Benda 1783 in Berlin an den sogenannten Quartett-Soiréen.[6] Das Streichquartett um Schick trat auch in Hamburg auf[7], diese Form der Musikveranstaltung war von ihm ca. 1782 initiiert worden und war insofern eine Neuerung als die Konzerte erstmals öffentlich im Konzertsaal stattfanden.

Wie sein Bruder Carl Benda beteiligte sich auch Friedrich Benda an den sogenannten Liebhaberkonzerten im Corsicaischen Saale, wo er das Singspiel Orpheus (von ihm "deutsche Oper" genannt) 1788 in konzertanter Form aufführte[8], ebenso Alceste. Friedrich Benda wollte mit seinen Werken ein Gegengewicht zu dem vorherrschenden italienischen Musikstil schaffen und beeinträchtigte dadurch erheblich das Wohlwollen seitens König Friedrich Wilhelm II. (Preußen)[9]. Als dann auf Grund des Krieges von 1806/7 auch noch die Staatskasse erschöpft war, erhielt Friedrich Benda 1810 schließlich nur die Hälfte der ihm ursprünglich zustehenden Pension. Wegen zunehmender Schwerhörigkeit war ihm ein Zuverdienst durch Musikunterricht nicht möglich, so dass Carl Benda ihn und seine Familie [10] regelmäßig finanziell unterstützte, auch setzte sich dieser dank seines guten Verhältnisses zum Königshaus erfolgreich dafür ein, dass im Falle seines vorzeitiges Todes diese Hilfeleistungen fortgesetzt würden. Friedrich Benda starb jedoch bereits 1814, 22 Jahre vor seinem fürsorglichen Bruder Carl Benda.

Notendeckblatt Konzerte von 1780

Siehe auch[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1785: Alceste, Singspiel
  • 1806: Das Blumenmädchen, Singspiel
  • 1787: Orpheus, Singspiel
  • 1784: Pygmalion, Kantate
  • Die Grazien, Kantate
  • Die Jünger am Grabe des Auferstandenen, Oratorium
  • Sinfonien, Konzerte, Sonaten[11]

Wegen mehrerer Bendas mit dem Vornamen Friedrich konnte es zu unklaren Urheberschaften[12] kommen, zusätzlich erschwert durch Abkürzungen wie F. Benda und Fr. Benda, was auch auf Franz Benda hindeuten könnte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Lorenz: Die Musikerfamilie Benda. Band 1: Franz Benda. Wilhelm de Gruyter, Berlin 1967, Seiten 86-94.
  • Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Zweite, neubearbeitete Ausgabe, herausgegeben von Ludwig Finscher, Personenteil 2, Bag-Bi, Bärenreiter Kassel, 1999, Spalte 1070.
  • C. F. Von Ledebur: Tonkünstler-Lexicon Berlin's von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Verlag Рипол Классик, ISBN 5873156689, 9785873156689, S. 43f, bei Google Books

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Schriftzug unter Franz Bendas Porträt von Joachim Martin Falbe in Lorenz' Biografie
  2. laut Lorenz' Biografie war der 1743 erstgeborene Sohn Johann Christian Gottlieb bereits im Kleinkindalter gestorben
  3. Joh. Friedrich Reichardt in Berlinische Musikalische Zeitung bei Lorenz S. 86
  4. Studien zur Geschichte des Streichquartetts: Die Entstehung des klassischen Streichquartetts. Von den Vorformen zur Grundlegung durch Joseph Haydn S. 268 Ernst Schick
  5. Tricklir in Deutsche Biographische Enzyklopädie 10: Thies - Zykan, Band 10
  6. laut Lorenz' Biographie S. 86, jedoch ohne Quellenangabe. Die Beteiligung von Friedrich W. H. Benda wird in Die Entwicklung der deutschen Konzertkritik: im Spiegel der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung, 1798-1848, Seite 56, [1], für 1782 in Hamburg erwähnt, andere Quellen nennen für die Besetzung in Hamburg Georg Anton Bendas Sohn Friedrich Ludwig Benda: z. B. Zeitschrift für Musikwissenschaft, S. 307 und Studien zur Geschichte des Streichquartetts: Die Entstehung des klassischen Streichquartetts. Von den Vorformen zur Grundlegung durch Joseph Haydn S. 268. Ungeklärt ist, ob es sich um eine Verwechslung der beiden Benda-Cousins mit dem ersten Vornamen Friedrich handelt oder ob sie tatsächlich beide zeitweilig Mitglied des Quartetts waren.
  7. Geschichte des Musik- und Concertwesens in Hamburg vom l4. Jahrhundert bis auf die Gegenwart von Josef Sittard, S. 129f
  8. Louis Schneider: Geschichte der Oper und des königlichen Opernhauses in Berlin S. 220 sowie Gerhard Wahnrau: Berlin, Stadt der Theater: Der Chronik, Band 1 , S. 230
  9. siehe Lorenz' Biografie Seite 87f
  10. ebenda, Seite 86
  11. Hörprobe: 3. Sonate in G-Dur (Allegro, cantabile, scherzando), Helene Schulthess (Querflöte), Dauer 09:40
  12. siehe MGG Spalten 1071 und 1073