Johann Philipp Kirnberger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Philipp Kirnberger

Johann Philipp Kirnberger (* 24. April 1721 in Saalfeld/Saale; † 27. Juli 1783 in Berlin) war ein deutscher Musiktheoretiker und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Bereits in früher Kindheit erhielt er Violin- und Klavierunterricht. Nach dem Besuch der Lateinschule in Coburg ging er zu Johann Peter Kellner nach Gräfenroda, um seine Musikkenntnisse zu vervollkommnen. Ein späterer Lehrer und Förderer war der Hoforganist Gerber in Sondershausen.

Für das Jahr 1741 ist ein kurzer Aufenthalt Kirnbergers in Leipzig dokumentiert. Eine mögliche Lehre bei Johann Sebastian Bach ist nicht unumstritten und auch nicht belegbar. Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden begab er sich für einen längeren Zeitraum (1741 bis 1751) nach Polen, wo er in verschiedenen Positionen unter anderem als Cembalist und Kapellmeister tätig war.

Mitte der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts kehrte Kirnberger nach Deutschland zurück, um Unterricht im Violinspiel zu nehmen. Nach einer Anstellung als Geiger in der königlichen Kapelle in Potsdam, schloss er sich später der Kapelle des Markgrafen Heinrich in Rheinsberg an. Bis zu seinem Tod nahm er daraufhin 1758 die Position als Lehrer für Komposition bei Anna Amalie von Preußen wahr und fungierte darüber hinaus als Kapellmeister und musikalischer Berater am Preußischen Hof. Während dieser Zeit entstand der Großteil seiner Kompositionen.

Das musikalische Werk von Kirnberger erlebt derzeit eine Renaissance. Seine Kammermusik, die in erster Linie aus Flötensonaten und Triosonaten besteht, hält einige Überraschungen bereit, wie etwa eine Flötensonate in es–Moll, die wohl als Kirnbergers bedeutendstes Werk zu bezeichnen ist. Eine Gesamtausgabe der Flötensonaten und anderer Werke von Kirnberger erschien im Amadeus Verlag (Winterthur, Schweiz).

Kirnberger hat insgesamt drei temperierte Stimmungen konstruiert. Die ausgeglichenste, dritte Stimmung wird häufig als Kirnberger-Stimmung bezeichnet.

Durch Kirnbergers Sammeltätigkeit ist eine ganze Reihe von Werken Johann Sebastian Bachs überliefert - am bekanntesten ist die sogenannte Kirnberger-Sammlung mit den Choralbearbeitungen BWV 690–713.

Werke[Bearbeiten]

Kompositionen[Bearbeiten]

  • Sinfonia für 2 Hörner, Streicher und Basso continuo D–dur
  • Sinfonia B-Dur
  • Sonate Nr. 1 für Flöte und Bass continuo C-Dur (Berlin 1767, Wever)
  • Sonate Nr. 2 für Flöte und Bass continuo C-Dur (Berlin 1769, Winter)
  • Sonate Nr. 3 für Flöte und Bass continuo es-Moll
  • Sonate Nr. 4 für Flöte und Bass continuo e-Moll
  • Sonate Nr. 5 für Flöte und Bass continuo F-Dur (Berlin 1763, Birnstiel)
  • Sonate Nr. 6 für Flöte und Bass continuo G-Dur (Berlin 1761, Birnstiel)
  • Sonate Nr. 7 für Flöte und Bass continuo G-Dur (Berlin 1767, Wever)
  • Sonate Nr. 8 für Flöte und Bass continuo G-Dur (Berlin 1769, Winter)
  • Sonate Nr. 9 für Flöte und Bass continuo g-Moll (Berlin 1761, Birnstiel)
  • Sonate Nr. 10 für Flöte und Bass continuo B-Dur (Berlin 1763, Birnstiel)
  • Sonate Nr. 1 für Violine und Basso continuo C-Dur
  • Sonate Nr. 2 für Violine und Basso continuo c-Moll
  • Sonate für Violoncello und Basso continuo C-Dur (Berlin 1769, Winter)
  • Sonate für Oboe und Basso continuo B-Dur (Berlin 1769, Winter)
  • 10 Triosonaten für Flöte/Violine, Violine und Basso continuo
  • Klaviersonate in D-Dur
  • Klaviersonate in G-Dur
  • Musicalischer Circul a-Moll
  • Acht Fugen für Klavier (Cembalo) und Orgel
  • 10 Variationen über „Ich schlief, da träumte mir“
  • „Gelobet seist du, Jesu Christ“, Orgelchoral
  • „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, Orgelchoral
  • „Erbarm dich unser Gott“, Motette nach den Psalmen 50 und 51

Schriften[Bearbeiten]

  • Der allezeit fertige Polonoisen- und Menuettencomponist (1757)
  • Construction der gleichschwebenden Temperatur (c. 1760),
  • Anmerkungen über das Allabreve des Herrn Kirnberger in der 3. Sammlung von Marpurgs Clavierstücken (1763)
  • die 112 musikalischen Artikel im 1. Teil (Buchstabe A-I) von J.G. Sulzer, Allgemeine Theorie der schönen Künste (1771)
  • Die Kunst des reinen Satzes in der Musik in 2 Teilen (1771/76-79)
  • Die wahren Grundsätze zum Gebrauche der Harmonie (1773), nach Kirnbergers Unterricht verfasst von J.A.P. Schulz
  • Grundsätze des Generalbasses als erste Linien zur Komposition (1781)
  • Gedanken über die verschiedenen Lehrarten in der Komposition als Vorbereitung zur Fugenkenntnis (1782)
  • Anleitung zur Singecomposition mit Oden in verschiedenen Sylbenmaaßen begleitet (1782)
  • Methode, Sonaten aus’m Ermel zu schüddeln (1783)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Philipp Kirnberger – Quellen und Volltexte