Fritz Saxl

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Friedrich „Fritz“ Saxl (* 8. Januar 1890 in Wien; † 22. März 1948 in Dulwich, England) war ein österreichischer Kunsthistoriker. Er bemühte sich erfolgreich darum, die Aby Warburgs Kulturwissenschaftliche Bibliothek nach England zu schaffen. Außerdem galt er als derjenige Mitarbeiter Warburgs, der dessen Theorien am reinsten verfolgte.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn des Staatsanwalts Ignaz Saxl geboren, wuchs Fritz Saxl in einer wohlhabenden Familie der jüdischstämmigen Wiener Oberschicht auf. Während die Großeltern noch jüdischen Glaubens waren, konvertierte der Vater, ohne jedoch seine Wurzeln zu verleugnen.

Saxl studierte Archäologie und Geschichte in Wien, Berlin und Rom. Dabei zählte er in Wien zu dem engen Schülerkreis von Franz Wickhoff, Julius von Schlosser und Max Dvořák In Berlin studierte er hauptsächlich bei Heinrich Wölfflin. Bereits im Alter von 22 Jahren legte er seine Dissertation zu Rembrandt unter seinem Doktorvater Dvořák vor. Kurz zuvor hatte er Warburg privat kennengelernt, zu dessen Schülern er fortan zählte. 1912/13 absolvierte er ein akademisches Jahr in Rom, wo er speziell mittelalterliche Texte zur Mythologie und zur Astrologie analysierte. Dieser Aufenthalt wurde Saxl durch ein großzügiges Stipendium des Instituts für österreichische Geschichtsforschung zu Rom ermöglicht.

Im Jahr 1913 heiratete er Elise Bienenfeld und zog nach Hamburg, wo er die Arbeit in der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Aby Warburgs aufnahm. In der Folge übernahm er Thesen Warburgs, der in der Kunstgeschichte ein Fortleben antiker mythologischer und künstlerischer Themen und Bildformeln erkannte und wandte sich von seinem ursprünglichen Interessengebiet, der Kunst des Barock, ab. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offizier in der Armee Österreich-Ungarns, wo er zunächst als Leutnant in Italien eingesetzt wurde, um in den beiden letzten Kriegsjahren als Ausbilder und Lehrer für die Armee zu arbeiten.

1919 kehrte Saxl zu Warburg zurück, der mittlerweile ernsthaft erkrankt war und bis 1924 in eine geschlossene Anstalt eingewiesen worden war, sodass Saxl mit seiner Kollegin Gertrud Bing die Leitung und Organisation der Bibliothek übernahm. In den 1920er Jahren arbeitete er zunächst als Privatdozent und bis 1933 als außerordentlicher Professor an der Universität Hamburg.

Saxl hatte die Weitsicht, die Machtergreifung der Nationalsozialisten als Bedrohung des akademischen Deutschlands zu begreifen, unterstützte bereits in Österreich verfolgte Akademiker, um schließlich Kontakte zum Mäzen Samuel Courtauld zu knüpfen, damit die Bibliothek Warburgs erhalten werden konnte. Auch ihm selbst gelang die Ausreise nach England. Seit 1940 besaß er die englische Staatsbürgerschaft. Mit dem Jahr 1944 ist die Bibliothek offizieller Teil der Universitätsbibliothek von London (Warburg Institute); sie wurde dem Courtauld Institute of Arts eingegliedert und dort heute noch benutzbar.

Bis zu seinem Tode galt Saxls Bemühungen in erster Linie der Warburg-Bibliothek und der Pflege von Warburgs Andenken, den er unkritisch überhöhte.

Schriften[Bearbeiten]

  • Verzeichnis astrologischer und mythologischer illustrierter Handschriften des lateinischen Mittelalters**. Bd. 1, Heidelberg: C. Winter, 1915, Bd. 2, Heidelberg: C. Winter, 1927, [Bde. 3 u. 4 hrsg. von Meier, Hans, and Bober, Harry, and McGurk, Patrick.]
  • A Heritage of Images: A Selection of Lectures by Fritz Saxl. Introduction by E. H. Gombrich. 2 vols. Harmondsworth, Middlesex: Penguin, 1970
  • The History of Warburg's Library. in: Gombrich, Aby Warburg. 2nd ed. Oxford : Phaidon Press, 1986, pp. 325-38
  • Gebärde, Form, Ausdruck, vorgestellt von Pablo Schneider, Zürich-Berlin: diaphanes, 2010, ISBN 978-3-03734-131-5

Postum[Bearbeiten]

  • English sculpture of the 12th century. 1954
  • Lectures. 1957.

Briefe[Bearbeiten]

  • Ausreiten der Ecken. Die Aby Warburg - Fritz Saxl Korrespondenz 1910 bis 1919. Hrsg. von Dorothea McEwan. München 1998. ISBN 3-93080279-1.
  • Wanderstrassen der Kultur. Die Aby Warburg - Fritz Saxl Korrespondenz 1920 bis 1929. Hrsg. von Dorothea McEwan. München 2004. ISBN 3-935549-85-7

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]