Göttinger Sieben

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Die Göttinger Sieben
Oben: Wilhelm und Jacob Grimm
Mitte: Wilhelm Eduard Albrecht,
Friedrich Christoph Dahlmann,
Georg Gottfried Gervinus
Unten: Wilhelm Eduard Weber,
Heinrich Georg August Ewald

Die Göttinger Sieben waren eine Gruppe von Göttinger Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten. Die sieben Professoren wurden deshalb entlassen; drei von ihnen wurden darüber hinaus des Landes verwiesen.

Beteiligte[Bearbeiten]

Die Namen dieser sieben Professoren der Georg-August-Universität waren:

Geschichte[Bearbeiten]

Denkmal der Göttinger Sieben vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover

Nachdem die 123-jährige Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover endete, bestieg Ernst August I. 1837 den Thron im Königreich Hannover. Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt hob er die relativ freiheitliche Verfassung, das Staatsgrundgesetz, zum 1. November 1837 wieder auf. Am 18. November des Jahres reichten die Göttinger Sieben schriftlich Protest ein.

Ende November 1837 übergaben der Prorektor und die vier Dekane, ohne ein Mandat von der Universität zu haben, dem König im Jagdschloss Rothenkirchen eine Adresse, mit der sich die Universität „von aller Gemeinschaft mit den Sieben lossagt“ und deren Gesinnung schmäht.[1]

Am 12. Dezember 1837 entließ Ernst August I. die Professoren und verwies drei von ihnen – Friedrich Dahlmann, Jacob Grimm und Georg Gottfried Gervinus – sogar des Landes (vgl. Verbannung). Diese wurden dann 1840 vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. empfangen, der politisch Verfolgte teilweise rehabilitierte. Gleichzeitig zeigte sich der große Solidarisierungseffekt in der Bevölkerung, die den drei Ausgewiesenen ihr Gehalt aus Spendengeldern zahlte. Spätestens hier wurde erkennbar, dass der Liberalismus als Massenbewegung nun nicht mehr länger durch Beschlüsse und Verordnungen unterdrückt werden konnte.

Die Protestaktion, der Protestbrief, fand in ganz Deutschland Verbreitung und förderte eine liberale Gesinnung. Jacob Grimm begründete später seine Entscheidung zu dem Protest in einer Rechtfertigungsschrift:

„Die Geschichte zeigt uns edle und freie Männer, welche es wagten, vor dem Angesicht der Könige die volle Wahrheit zu sagen; das Befugtsein gehört denen, die den Mut dazu haben. Oft hat ihr Bekenntnis gefruchtet, zuweilen hat es sie verderbt, nicht ihren Namen. Auch die Poesie, der Geschichte Widerschein, unterläßt es nicht, Handlungen der Fürsten nach der Gerechtigkeit zu wägen. Solche Beispiele lösen dem Untertanen seine Zunge, da wo die Not drängt, und trösten über jeden Ausgang.“

Jacob Grimm: Über meine Entlassung (1838)

In der Frankfurter Nationalversammlung 1848 hatte Jacob Grimm einen Ehrenplatz inne, Albrecht, Dahlmann und Gervinus waren Mitverfasser der gesetzgebenden Initiativen. Der Ruf der Göttinger Universität litt noch lange Zeit an der Entlassung dieser als hervorragend geltenden Lehrer.

Gedenken[Bearbeiten]

1987 wurde in der Aula der Georg-August-Universität Göttingen eine Gedenktafel für die „Göttinger Sieben“ angebracht.

1988 enthüllte der Niedersächsische Landtag in Hannover in der Wandelhalle des Leineschlosses eine Gedenktafel für die sieben Professoren.[2] 1998 wurde auf einem Vorplatz zum Niedersächsischen Landtag (52.3696889.734084) am Platz der Göttinger Sieben das bronzene Denkmal der Göttinger Sieben aufgestellt, das von dem italienischen Künstler Floriano Bodini (1933–2005) geschaffen wurde.[2]

In Göttingen trägt der zentrale Campus der Georg-August-Universität Göttingen ebenfalls den Namen Platz der Göttinger Sieben. Seit 2011 befindet sich hier eine von Günter Grass gestaltete und von ihm und seinem Verleger Gerhard Steidl gestiftete Skulptur zum Gedenken an die Göttinger Sieben.[3]

Am 2. November 2012 erschien eine deutsche 55-Cent-Sonderbriefmarke zum 175. Jahrestag der Entlassung der sieben Männer.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ulrich Hunger: Die Georgia Augusta als hannoversche Landesuniversität. Von ihrer Gründung bis zum Ende des Königreichs. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluß an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 197 ff. (Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2).
  •  Jörg H. Lampe: Politische Entwicklungen in Göttingen vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Vormärz. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluß an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 45–137, speziell 91 ff. (Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2).
  • Miriam Saage-Maaß: Die Göttinger Sieben – demokratische Vorkämpfer oder nationale Helden? V&R unipress, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89971-368-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. B. Jacob Grimm: Weisheit aus der Sprache. Steinkopf Verlag, Stuttgart 1966. Darin: Meine Entlassung. S. 62–66.
  2. a b N.N.: Das Landesdenkmal „Die Göttinger Sieben“ vor dem Landtagsgebäude, hrsg. vom Präsident des Niedersächsischen Landtages, Referat für Öffentlichkeitsarbeit, Protokoll, Dezember 2005, Neuauflage 20. Januar 2009; herunterladbar als PDF-Dokument
  3. Skulptur der Göttinger Sieben von Günter Grass auf der Website der Stadt Göttingen
  4. Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums vom 30. Oktober 2012, abgerufen am 24. Dezember 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Göttinger Sieben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Göttinger Sieben – Quellen und Volltexte