Gabriel Loire

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin

Gabriel Loire (* 21. April 1904 in Pouancé, Anjou; † 27. Dezember 1996 bei Chartres) war ein französischer Glasmaler, Maler und Zeichner.

Nach einem Studium in Angers erhielt er 1926 in der Werkstatt des Glasmalers Charles Lorin in Chartres seine künstlerische und handwerkliche Ausbildung. Als er, mittlerweile Teilhaber, seine Lehrwerkstatt 1936 verließ, war er vertraglich verpflichtet, sich zehn Jahre lang nicht als selbständiger Glasmaler niederzulassen. Während dieser Zeit ernährte er sich und seine Familie mit wechselnden Arbeiten als Bildhauer, Keramiker, Maler und Illustrator. 1946 gründete er eine eigene Glasmalerwerkstatt in Lèves, einem Vorort von Chartres. Seit Anfang der 1960er Jahre arbeitete er mit seinem Sohn Jacques, dem er 1971 die Leitung der Werkstatt übergab, während er sich vorwiegend der Öl- und Gouachemalerei widmete. Daneben arbeitete er immer wieder als Zeichner.

Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren schuf er in aller Welt, insbesondere in Frankreich und den USA, für weit über 800 Kirchen, vereinzelt auch für Profanbauten Glasfenster. Gabriel Loire gilt als Wegbereiter und herausragender Vertreter der Dickglasmalerei. Nahezu ausschließlich verwendete er nicht, wie seit karolingischer Zeit üblich, in Blei gefasstes dünnes Glas, sondern etwa zweieinhalb Zentimeter starkes Dickglas (dalle de verre), das, passgerecht zerlegt, in Beton eingegossen wird. Die Lichtbrechungen der behauenen Glasstücke und die dunklen Lineaturen der Betonstege verleihen den Glasfenstern eine eigene Wirkung von intensiver Strahlkraft.

Hauptwerke[Bearbeiten]

  • Die Glasfenster der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin (1960−63; Architekt: Egon Eiermann)
  • die Chorfenster der Kathedrale von Salisbury (1980)
  • das Spiralfenster der Thanksgiving Chapel in Dallas, Texas (1975/76; Architekt: Philip Johnson)
  • der Glasfensterturm im Open Air Museum von Hakone, Japan (1973/74)
  • die Glasfenster in der Kirche Notre-Dame de Consolation in Hyères, Südfrankreich (1952/53)
  • die Glasfenster in der Pfarrkirche St. Barbara in Dudweiler
  • die Glasfenster in der Kirche Notre-Dame au Cierge in Épinal, Lothringen (1958/59)
  • die Glasfenster in der Christ Episcopal Church in Los Altos, Kalifornien (1984)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Joachim Schröder: Der Glasmaler Gabriel Loire. In: das münster, 40. Jg. 1987, H. 2, S. 89−100.
  • Gabriel Loire: La Création. Musée de Chartres, Collégiale Saint-André, 23 Mars - 27 Mai 1990 [Ausstellungskatalog].
  • Hans Joachim Schröder: Metamorphosen. Die Schöpfungszyklen des Malers und Glasmalers Gabriel Loire. In: das münster, 44. Jg. 1991, H. 1, S. 1−12.
  • Charles W. Pratt/Joan C. Pratt: Gabriel Loire. Les Vitraux/Stained Glass, Centre International de Vitrail, Chartres 1996, ISBN 2-90807704-3.
  • Hans Joachim Schröder: Bäume. Zum Spätwerk des Malers und Glasmalers Gabriel Loire. In: das münster, 49. Jg. 1996, H. 1, S. 29−37.
  • Hans Joachim Schröder: Ein Mosaik von Gabriel und Bruno Loire für Abbé Franz Stock. In: das münster, 51. Jg. 1998, H. 4, S. 369−371.
  • Hans Joachim Schröder: Gabriel Loire - Windmühlen. In: das münster, 52. Jg. 1999, H. 4, S. 353−359.
  • Gabriel Loire. L'œuvre d'une vie (1904-1996). Textes de Véronique et Xavier Debendère. Paris 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gabriel Loire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien