Gamander-Ehrenpreis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gamander-Ehrenpreis
Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Veroniceae
Gattung: Ehrenpreis (Veronica)
Art: Gamander-Ehrenpreis
Wissenschaftlicher Name
Veronica chamaedrys
L.
Farbliche Variante des Gamander-Ehrenpreises

Der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), auch Männertreu, Frauenbiss, Augentrost oder Wildes Vergissmeinnicht genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Gamander-Ehrenpreis wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von etwa 10 bis 30 Zentimetern. Er hat niederliegende oder aufsteigende, zweizeilig behaarte Stängel. Die Laubblätter sind sitzend, 2 bis 3 cm lang, 1 bis 3 cm breit und gekerbt. Die Blüten stehen in wenigblütigen, blattachselständigen traubigen Blütenständen. Die vier Kronblätter sind himmelblau und dunkler geädert. Da sie etwas ungleich sind, ist die Blüte monosymmetrisch. Die zweiklappige Kapselfrucht ist dreieckig-herzförmig. Die Samen sind schüsselförmig.

Die Blütezeit reicht von April bis Juli.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Gamander-Ehrenpreis ist ein krautiger Chamaephyt, der oft rasig wächst. Der nährstoffanspruchsvolle Lichtkeimer ist ein Flachwurzler.

Am Stängel findet man oft kugelige, filzig behaarte Anschwellungen (Gallen). Sie werden verursacht durch die Larven der Gallmücke Jaapiella veronicae, die sich in den Gallen ernähren.

Diese Pflanzenart bildet nur an sonnigen Standorten Blüten aus. Befindet sie sich im Halbschatten, bleibt sie steril. Die Blüten sind homogame „nektarführende Scheibenblumen“. Der Nektar wird von einem Haarkranz bedeckt. Der abstehende Griffel, die beiden Staubblätter und das untere Kronblatt dienen als Anflugplatz für die Insekten. Diese werden durch die Saftmale (dunkle Strichmale und weißes Ringmal) zum Nektar geleitet und bestäuben die Blüten, die sich zwischen 7 und 9 Uhr öffnen und gegen 18 Uhr wieder schließen. Als Bestäuber kommen in Frage: Fliegen, Bienen und kleine Tagfalter.

Die Kapselfrüchte öffnen sich bei Nässe und setzen die Samen frei. Die Samen sind Regentropfenwanderer (Regenballist und Regenschwemmling), dazu Windstreuer; auch Verbreitung durch den Zufall und durch Ameisen findet statt. Vegetative Vermehrung erfolgt durch unterirdische Ausläufer.

Vorkommen[Bearbeiten]

Diese Pflanzenart ist in ganz Europa mit Schwerpunkt in den westlichen Gebieten verbreitet. Als Standort werden Säume von Hecken und Gebüschen, Wiesen, Wegraine, Waldränder, lichte Trockenwälder bis in eine Höhenlage von 2200 Meter bevorzugt.

Volksglauben[Bearbeiten]

Im Volksmund heißt der häufig vorkommende blaue Gamander-Ehrenpreis auch Gewitterblümchen, da man glaubte, dass er entweder in gewitterreichen Jahren vermehrt blüht oder sein Abpflücken Regen oder Gewitter hervorruft.

Systematik[Bearbeiten]

In Österreich existieren zwei Unterarten dieser Art:

  • Eigentlicher Gamander-Ehrenpreis (V. chamaedrys subsp. chamaedrys) mit tiefgrünen, meist nicht glänzenden Laubblättern. Tetraploid (Chromosomenzahl 2n=32).
  • Glanz-Gamander-Ehrenpreis (V. chamaedrys subsp. micans) mit hellgrünen, oft etwas glänzenden Laubblättern. Diploid, (Chromosomenzahl 2n=16). Standort obermontan bis subalpin besonders in den nördlichen Kalkalpen.

Etymologie[Bearbeiten]

Theophrast wie auch Dioskurides nannten den Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) „χαμαί-δρυς“ (chamai-drys = Boden-Eiche), weil seine Blätter denen der Eiche ähneln[1]. Da die Blätter des Gamander-Ehrenpreises ebenfalls Eichenblättern ähneln, wurde bereits vor Linné der Name chamaedrys auch für diese Pflanze übernommen. Das deutsche Wort „Gamander“ entwickelte sich ebenfalls aus chamaedrys – chamandrys – mlat. chamandros – gamandre[2].

Sonstiges[Bearbeiten]

Versucht man die Pflanze zu pflücken, so fallen sehr schnell die Blüten ab. Dies hat ihm den Namen „Männertreu“ eingebracht. Die Kronen lösen sich an einer Trennungsstelle ab, der Kelch drückt seine unter Spannung stehenden Zipfel zusammen und presst so die Krone nach außen.

Die Pflanzenteile enthalten das entzündungshemmend wirkende Aucubin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Dritte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Enzyklopädie, Kosmosverlag, 2005
  • R. Düll, H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 6. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2005, ISBN 3-494-01397-7
  • Rudi Beiser: Unsere eßbaren Wildpflanzen, Kosmos-Verlag, 2014

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Nikol-Verlag, Hamburg 1996, S. 145/146. ISBN 978-3-937872-16-2
  2. Friedhelm Sauerhoff, Pflanzennamen im Vergleich. Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2001, S.206. ISBN 978-3-515-07857-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gamander-Ehrenpreis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien