Gardnerella vaginalis

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Gardnerella vaginalis
vaginale Epithelzellen besiedelt von Gardnerella vaginalis (clue cells), 400fach vergr.

vaginale Epithelzellen besiedelt von Gardnerella vaginalis (clue cells), 400fach vergr.

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Actinobacteria
Ordnung: Bifidobacteriales
Familie: Bifidobacteriaceae
Gattung: Gardnerella
Art: Gardnerella vaginalis
Wissenschaftlicher Name
Gardnerella vaginalis
(Gardner & Dukes 1955)
Greenwood & Pickett 1980

Gardnerella vaginalis ist ein oft als gramnegativ angesehenes, aber grampositives,[1] fakultativ anaerobes, unbewegliches Bakterium, das morphologisch einem kurzen (kokkoiden) Stäbchen gleicht. Das zunächst irrtümlich als "Haemophilus vaginalis" bezeichnete Bakterium wurde in den 1950er Jahren von Gardner und Dukes, einem Gynäkologen und einem Mikrobiologen, entdeckt und charakterisiert. Aufgrund seines Anfärbungsverhaltens kann es auch gramnegativ imponieren.

G. vaginalis ist in geringer Keimzahl Teil der vaginalen Normalflora und in hohen Keimzahlen der hauptsächlich nachzuweisende Keim (Leitkeim) bei der bakteriellen Vaginose, einer bakteriellen Fehlbesiedlung der Scheide. Zunächst relativ harmlos - es kann bei etwa 40 % aller asymptomatischen Frauen nachgewiesen werden - kann es jedoch in der Folge zu einer Entzündung der Scheide, einer Kolpitis (Vaginitis) kommen, die umso leichter entsteht, als durch die vorhandene Fehlbesiedlung die schützende Döderleinflora nicht mehr voll intakt ist. Der Keim kann in den oberen Genitaltrakt aufsteigen (Aszension) und dort zu schweren Infektionen führen.

Meist ist G. vaginalis nicht alleine ursächlich für eine Kolpitis, vielmehr liegt eine Mischinfektion nach atypischer Besiedlung der Vagina mit weiteren (i. d. R. anaeroben) Bakterien, wie z. B. Bacteroides spp., Peptostreptokokken und Mykoplasmen, vor allem Mycoplasma hominis, vor. Liegen G. vaginalis und anaerobe Bakterien in hoher Keimzahl vor, bezeichnet man die resultierende Vaginitis präziser als Aminkolpitis. Mit einem Anteil von etwa 10 % handelt es sich bei dieser um die häufigste Vaginalinfektion.

G. vaginalis, aber auch andere pathogene Bakterien, sind Ursache für den typischen faulig-fischigen Geruch des Scheidenausflusses bei Frauen, die an einer bakteriellen Vaginitis leiden.

Im Falle einer Kolpitis sind im Scheidenabstrich Schlüsselzellen (engl.: Clue cells) sichtbar. Das sind vaginale Epithelzellen, die an ihrer Oberfläche einen dicht stehenden Bakterienrasen aufweisen. Zweites Kriterium sind vermehrte Leukozyten (>10/Gesichtsfeld). Der pH-Wert ist auf über 4,5 erhöht.

Eine länger anhaltende Vaginose/Kolpitis kann zu weiter aufsteigenden Infektionen und schließlich zu Unfruchtbarkeit führen. Besonders während der Schwangerschaft und bei der Geburt sind solche Infektionen gefährlich.

Eine Besiedelung/Infektion mit G. vaginalis kann mit Metronidazol (z. B. Clont®, Vagimid ®), bzw. in Abhängigkeit von der ggf. im Labor ausgetesteten Antibiotikaempfindlichkeit auch mit Penicillin G+V, Ampicillin, Amoxicillin(/Clavulansäure) oder Clindamycin erfolgreich behandelt werden.

Seitennachweise[Bearbeiten]

  1. BD Gardnerella

Literatur[Bearbeiten]

  • Gardner HL, Dukes CD. Haemophilus vaginalis vaginitis. A newly defined specific infection previously classified ‘Non specific vaginitis’. Am J Obstet Gynecol 1955; 69: 962–76
  • Mardh P-A, Elshibly S, Kallings I, Hellberg D. Vaginal flora changes associated with Mycoplasma hominis. Am J Obstet Gynecol 1997; 176: 173–8
  • A. Ahmed, J. Earl u. a.: Comparative Genomic Analyses of 17 Clinical Isolates of Gardnerella vaginalis Provide Evidence of Multiple Genetically Isolated Clades Consistent with Subspeciation into Genovars. In: Journal of bacteriology. Band 194, Nummer 15, August 2012, S. 3922–3937, ISSN 1098-5530. doi:10.1128/JB.00056-12. PMID 22609915.
  • W. G. Lewis, L. S. Robinson u. a.: Degradation, foraging, and depletion of mucus sialoglycans by the vagina-adapted Actinobacterium Gardnerella vaginalis. In: The Journal of biological chemistry. Band 288, Nummer 17, April 2013, S. 12067–12079, ISSN 1083-351X. doi:10.1074/jbc.M113.453654. PMID 23479734. PMC 3636892 (freier Volltext).