Geiselnahme von Stockholm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Geiselnahme von 1975. Die für das „Stockholm-Syndrom“ namensgebende Geiselnahme von 1973 wird im Artikel Geiselnahme am Norrmalmstorg behandelt.
Die Deutsche Botschaft Stockholm im August 2008

Die Geiselnahme von Stockholm ereignete sich am 24. April 1975, als Mitglieder der Rote Armee Fraktion die bundesdeutsche Botschaft in der schwedischen Hauptstadt Stockholm erstürmten, dort mehrere Geiseln nahmen und zwei Menschen ermordeten.[1]

Verlauf[Bearbeiten]

Am 24. April 1975 stürmte das Kommando Holger Meins, bestehend aus Hanna Krabbe, Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer, Bernhard Rössner, Ulrich Wessel sowie Siegfried Hausner die Botschaft der Bundesrepublik in Stockholm und verbarrikadierte sich im oberen Stockwerk des Gebäudes. Mit zwölf Geiseln in ihrer Gewalt forderten die sechs RAF-Mitglieder die Freilassung von insgesamt 26 Gesinnungsgenossen, darunter Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Unterstützt wurden sie dabei wohl von Stefan Wisniewski, der außerhalb der Botschaft versteckt war und mit der Gruppe in der Botschaft über ein Funkgerät Kontakt hielt, um die Geiselnehmer über die Lage außerhalb der Botschaft im Bilde zu halten.

Die schwedische Polizei besetzte das Untergeschoss der Botschaft. Nachdem der Forderung, abzuziehen, nicht nachgegeben wurde, verletzte das Kommando den Militärattaché Oberstleutnant Andreas von Mirbach mit Schüssen schwer, worauf sich die Polizisten in ein Nebengebäude der Botschaft zurückzogen. Von Mirbach erlag noch am selben Tag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Um 20:00 Uhr wurde der Beschluss des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt verkündet, auf die Forderungen der Terroristen nicht einzugehen. Dies beantwortete das Kommando mit dem Mord an Wirtschaftsattaché Heinz Hillegaart.

Kurz bevor die schwedischen Sicherheitskräfte das Gebäude mit Betäubungsgas angreifen wollten, explodierte um 23:46 Uhr aus ungeklärten Gründen eine von den Terroristen angebrachte Sprengladung. Alle Kommandomitglieder und Geiseln erlitten Verbrennungen. Ulrich Wessel starb noch in der Nacht an den erlittenen Verletzungen, Siegfried Hausner zehn Tage später in der JVA Stuttgart.

Urteile[Bearbeiten]

Die vier überlebenden Terroristen, Hanna-Elise Krabbe, Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und Bernhard Rössner, wurden am 20. Juli 1977 zu jeweils zweimal lebenslangen Freiheitsstrafen wegen "gemeinschaftlichen Mordes in zwei Fällen" sowie "Geiselnahme und versuchter Nötigung eines Verfassungsorgans" verurteilt.

Rössner wurde am 17. November 1992 Strafausstand gewährt und 1994 begnadigt. Taufer und Dellwo wurden im Frühjahr 1995, Krabbe am 10. Mai 1996 aus der Haft entlassen.

Zitate[Bearbeiten]

  • „Meine Herren, mein ganzer Instinkt sagt mir, dass wir hier nicht nachgeben dürfen.“ - Bundeskanzler Helmut Schmidt über die Besetzung der Botschaft.

Mediale Rezeption[Bearbeiten]

Film
  • 2003 – Stockholm 75 (Schweden) Dokumentarfilm, Regie: David Aronowitsch.
Literatur
  • 2005 – Hansén, Dan/Nordqvist, Jens: Kommando Holger Meins. Dramat på västtyska ambassaden och Operation Leo. Ordfront, Stockholm, ISBN 91-7037-092-3.
  • 2007 – März, Michael: Die Machtprobe 1975. Wie RAF und Bewegung 2. Juni den Staat erpressten. Forum Verlag, Leipzig, ISBN 978-3-931801-22-9.
  • 2007 – Dellwo, Karl-Heinz: Das Projektil sind wir. Der Aufbruch einer Generation, die RAF und die Kritik der Waffen. Gespräche mit Tina Petersen und Christoph Twickel. Edition Nautilus, Hamburg, ISBN 978-3-89401-556-5.
  • 2007 - Siemens, Anne: „Für die RAF war er das System, für mich der Vater. Die andere Geschichte des deutschen Terrorismus.“ Piper, München, Zürich, ISBN 978-3-492-05024-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/print-welt/article667026/Der-Terror-von-Stockholm.html