Georg Gsell

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Stillleben

Georg Gsell (* 28. Januar 1673 in St. Gallen; † 22. November 1740 in St. Petersburg) war ein Schweizer Barockmaler, Kunstberater und Kunsthändler.

Leben[Bearbeiten]

Er erhielt seine Ausbildung 1690 bis 1695 in Wien bei dem Maler Antoon Schoonjans (1655–1726). Nach seiner Ausbildung lebte und arbeitete er von 1697 bis 1704 in seiner Geburtsstadt Sankt Gallen. 1697 heiratete er Marie Gertrud von Loen aus Frankfurt am Main. Das Paar hatte fünf Töchter, darunter Katherina Gsell, die 1707, in Amsterdam, geboren wurde, die spätere erste Ehefrau des Mathematikers Leonhard Euler[1].

1704 siedelte Gsell nach Amsterdam um. Nach dem Tod seiner ersten Frau (13. Mai 1713) war er in 1714/1715 kurz verheiratet mit Anna Horstmans. Diese Ehe endete in einer Trennung. Im Jahre 1717 heiratete er zum dritten Mal, dieses Mal die Witwe Dorothea Maria Hendriks (Nürnberg 2. Februar 1678 bis 5. Mai 1743 St. Petersburg), Tochter der Naturforscherin und Malerin Maria Sibylla Merian und des Nürnberger Stilleben- und Architekturmaler Johann Andreas Graff (die Eltern wurden geschieden). Sie war auch eine Malerin, die zusammen mit ihrer Mutter einige Zeit nach Suriname gereist war, wo sie die Zeichnungen und Gemälde der lokalen Flora und Fauna gemalt hatte. Ihr Interesse galt wie das der Mutter vor allem Blumen und Insekten. Das Paar lebte in Amsterdam gemeinsam mit der Mutter in dem Gebäude der Roozetak, in der Kerkstraat, nicht weit von der Spiegelstraat. Die Tochter des Paares, Salome Abigail, geboren 1723, wurde später die zweite Ehefrau des Mathematiker Leonhard Euler[2].

Während eines Besuchs von Zar Peter I. in den Jahren 1716/1717 in Amsterdam fungierte Georg Gsell als sein Kunstberater. Als Kenner der niederländischen Kunst beriet er Peter den Grossen, welche Gemälde und andere Kunstwerke er für den Peterhof-Palast in St. Petersburg kaufen sollte. Als Peter der Grosse nach Russland zurückging, trat das Ehepaar Gsell-Merian in seinen Dienst.

In St. Petersburg arbeitete er mit seiner Frau zuerst in der Kunstkammer, bevor er im Jahr 1720 zum Kurator des kaiserlichen Galerien ernannt wurde. Nach dem Tod von Peter dem Grossen und seiner Frau unterrichtete Gsell von 1727 Malerei und Zeichnung auf der Russische Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg und illustrierte mehrere Publikationen der Akademie, zum Beispiel zeichnete er die Eingeweide von Löwen und Fischen.

Zusammen mit Andrei Matwejew (1701–1739) malte er von 1730 bis 1732 sieben der achtzehn Ikonen an die Oberseite der Mauern der neue Peter-und-Paul-Kathedrale. Er malte auch Porträts, Genre Stucke, Stilllebens von religiösen und mythologischen Themen, wie die Venus und Amor (1722, heute im Kunstmuseum Solothurn). Die meisten seiner Werke befinden sich in Russland, vier von ihnen in den Museen der Peterhof, wo er selbst als Kurator gearbeitet hat.

Seine Tochter, Katherina, aus seiner ersten Ehe, heiratete im Jahr 1734 den Mathematiker Leonhard Euler. Als Katherina im Jahre 1773 starb, heiratete Euler im Jahr 1776 Salome Abigail (1723-1794), eine Tochter aus der dritten Ehe von Georg Gsell, und Enkeltochter der Malerin Maria Sibylla Merian.

Nach Gsells Tod im Jahre 1740 blieb die ganze Familie in Russland [3].

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Gsell: Georg Gsell (1673–1749), Hofmaler Peters des Grossen, Schwiegersohn von Maria Sybilla Merian und Schwiegervater von Leonard Euler. In: St. Galler Kultur und Geschichte, Bd. 11 (1981), S. 317–358.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Gsell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die Nachkommen Leonhard Eulers
  2. Genealogie Baseler Patrizierfamilien, von Ulrich Stroux
  3. Erik-Amburger-Datenbank