Suriname

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Land Suriname. Für den gleichnamigen Fluss siehe Suriname (Fluss).
Republiek Suriname
Republik Suriname
Flagge Surinames
Wappen Surinames
Flagge Wappen
Wahlspruch: Justitia – Pietas – Fides (lat.)
Gerechtigkeit – Frömmigkeit – Treue
Amtssprache Niederländisch
Hauptstadt Paramaribo
Staatsform Republik
Regierungssystem Repräsentative Demokratie mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsident Desi Bouterse
Fläche 163.820 km²
Einwohnerzahl 541.638 (Volkszählung 2012)
Bevölkerungsdichte 3,3 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt 4,738 Milliarden US-Dollar (147. 2012)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 8.686 US-Dollar (71. 2012)
Human Development Index 0,705 (100.)[1]
Währung Suriname-Dollar (SRD)
Unabhängigkeit 25. November 1975
(von den Niederlanden)
Nationalhymne God zij met ons Suriname
Zeitzone UTC−3
Kfz-Kennzeichen SME
ISO 3166 SR, SUR, 740
Internet-TLD .sr
Telefonvorwahl +597
Antarktika Vereinigtes Königreich (Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln) Chile Uruguay Argentinien Paraguay Peru Bolivien Brasilien Ecuador Panama Venezuela Guyana Suriname Kolumbien Trinidad und Tobago Costa Rica El Salvador Guatemala Belize Mexiko Jamaika Kuba Haiti Dominikanische Republik Bahamas Nicaragua Vereinigte Staaten Kanada Inseln über dem Winde (multinational) Puerto Rico (zu Vereinigte Staaten) Vereinigtes Königreich (Kaimaninseln) Vereinigtes Königreich (Turks- and Caicosinseln) Vereinigtes Königreich (Bermuda) Frankreich (St.-Pierre und Miquelon) Dänemark (Grönland) Island Irland Frankreich Spanien Portugal Spanien (Kanarische Inseln) Marokko Libyen Kap Verde Mauretanien Mali Burkina Faso Elfenbeinküste Ghana Liberia Sierra Leone Guinea Guinea-Bissau Gambia Senegal Niger Algerien Togo Benin Nigeria Kamerun Äquatorialguinea Gabun Republik Kongo Angola Namibia Südafrika Lesotho Botswana Sambia Honduras Frankreich (Französisch-Guayana) Vereinigtes Königreich (Falklandinseln)Suriname on the globe (South America centered).svg
Über dieses Bild

Suriname (auch Surinam; surinamisch: Sranan [sra:ˈnaŋ]) ist ein Staat in Südamerika.

Er grenzt im Norden an den Atlantischen Ozean, im Osten an Französisch-Guayana, im Süden an Brasilien und im Westen an Guyana. Das Land verdankt seinen Namen wahrscheinlich dem Stamm der Surinen, der durch die Arawak aus diesem Gebiet vertrieben wurde. Nationalfeiertag ist der 25. November, der Tag der Unabhängigkeit von den Niederlanden im Jahr 1975.

Geographie[Bearbeiten]

Suriname ist mit einer Fläche von 163.820 km² das kleinste unabhängige Land Südamerikas.

Topographie[Bearbeiten]

Hinter einer maximal 80 km breiten sumpfigen Küstenebene steigt das Land stufenförmig empor und bildet die Suriname-Hochebene, die Nordabdachung des Berglandes von Guayana, aus der in der südlichen Hälfte des Landes drei umfangreiche Gebirgsketten, das Wilhelminagebirge, das Eilerts-de-Haan-Gebirge und das Tumuk-Humak-Gebirge, herausragen. Die höchste Erhebung ist der Julianatop mit 1.280 Metern.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Paramaribo

Das Klima ist tropisch. Von Anfang Dezember bis Anfang Februar dauert die kleine, von Ende April bis Mitte August die große Regenzeit. Dazwischen liegen von Anfang Februar bis Ende April die kleine und von Mitte August bis Anfang Dezember die große Trockenzeit. Die durchschnittliche Temperatur schwankt zwischen 24 und 36 Grad Celsius.

Die Niederschlagsmenge steigt von der Küste (ca. 1500 mm) ins Landesinnere (bis fast 3000 mm im Südosten) an. Die Jahreszeiten folgen der Bewegung der innertropischen Konvergenzzone (ITC), wobei die Grenzen zwischen den Jahreszeiten vor allem im Küstenbereich durch den Einfluss des Atlantischen Ozeans und der dazugehörigen Seewindzirkulation nicht scharf zu trennen sind.

Binnengewässer[Bearbeiten]

Große Flüsse sind der Suriname, der Saramacca, der Coppename und die Grenzflüsse Corantijn und Marowijne. Alle Flüsse verlaufen von Süden nach Norden.

Von 1960 bis 1965 wurde ein Stausee angelegt, der zur Stromerzeugung aufgestaute Brokopondo-Stausee. Er liegt im Nordosten von Suriname und bedeckt eine Fläche von maximal 1560 km².

Morast[Bearbeiten]

Entlang der surinamischen Küste liegen acht große Schlammbänke, die im Durchschnitt 20 km breit sind und sich rund 15 km weit in den Atlantik ausstrecken. Der Schlick stammt zu 90 bis 95 % vom Amazonas.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Seite XXIII aus Metamorphosis insectorum Surinamensium, Boccaves-Frucht mit Eidechse

Suriname kennt eine große Vielfalt an Flora und Fauna. Erste Berühmtheit erlangte die Natur Surinames durch Maria Sibylla Merian, die von 1699 bis 1701 naturwissenschaftliche Studien betrieb und ihre Ergebnisse in ihrem Werk Metamorphosis insectorum Surinamensium veröffentlichte. Anlässlich der Unabhängigkeit erhielt Suriname 1975 eine der kostbaren Ausgaben von den Niederlanden als Geschenk.

Noch immer besteht circa 80 % des Grundgebietes aus Regenwald mit u. a. mehr als 1000 Baumarten. Dieser Urwald ist Teil des größten tropischen Regenwaldes auf der Welt, des Amazonas-Regenwalds, dessen größter Teil auf brasilianischem Hoheitsgebiet liegt. Das surinamische Buschland ist daher ein beliebter Studienplatz für Biologen aus der ganzen Welt. Einige Bewohner (Fauna) des Regenwaldes sind u. a. der Kaiman, der Jaguar, das Faultier, der Tapir, das Capybara, das Gürteltier, der Brüllaffe und der Papagei etc. Anzumerken ist noch, dass auf den Stränden bei Galibi besondere Populationen von Meeresschildkröten (von den Kariben Aikanti genannt) zur Eiablage verweilen.

Wie in den meisten tropischen Ländern ist die Natur auch in Suriname gefährdet durch Raubbau, wie u. a. Entwaldung durch Rodungen, Bauxitminen und Verschmutzung als Folge von circa 2000 bis 3000 legalen und illegalen Goldminen.

Allerdings hat Suriname eine lange Historie auf dem Gebiet des Naturschutzes. Hier sind verschiedene Organisationen, wie z. B. die staatlichen Behörden, Dienst van’s Lands Bosbeheer (LBB), Stichting Natuurbehoud Suriname (STINASU) und der WWF bemüht, die vorhandenen natürlichen Ökosysteme zu schützen.

Suriname besitzt elf Naturschutzgebiete, einen Naturpark und vier besondere Umweltgebiete (Multiple-use management areas), im Küstenbereich liegende Mehrzweckareale.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Neun Zehntel der Bevölkerung sind in den Städten und Dörfern der Küstenebene angesiedelt, davon 241.000 in der Hauptstadt Paramaribo. Die ethnische Herkunft der Bevölkerung ist sehr heterogen, was sich auch in Religionszugehörigkeit und den Muttersprachen zeigt.

Ethnien[Bearbeiten]

Die Bevölkerung besteht nach dem Ergebnis der 8. Volkszählung im Jahre 2012 aus:[2]

  • 37,4 % (202.500 Personen) afrikanischer Herkunft – die sich in zwei Gruppen aufteilen:
    • 21,7 % (117.567 Personen) rechnen sich zur Gruppe der Maroons, niederländisch Marrons. Sie sind Nachkommen von vor 1863 geflüchteten Sklaven. Der surinamische Regenwald bot ihnen ein perfektes Versteck, und es entstanden Stammesverbände, in denen sich noch heute viele Elemente der westafrikanischen Kultur, Sprache und Religion wiederfinden. Die beiden größten Gruppen sind die Ndyuka und Saramaccaner,
    • 15,7 % (84.933 Personen) bezeichnen sich als Kreolen (ehemalige schwarzafrikanische Sklaven), die nie flüchteten. Viele haben sich nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1863 und dem Ablauf der zehnjährigen Arbeitspflicht auf den Plantagen in der Hauptstadt Paramaribo niedergelassen und sich dort teilweise mit anderen Bevölkerungsgruppen vermischt,
  • 27,4 % (148.443 Personen) indischer Herkunft – die sog. Hindustanen,
  • 13,7 % (73.975 Personen) sind Javaner,
  • 13,4 % (72.340 Personen) zählen sich zur gemischten Gruppe,
  • 7,6 % (40.985 Personen) zählen sich anderen Gruppen zugehörig, wie z. B.: Chinesen, Arabern (syrische Christen, Palästinenser und Libanesen), Europäern und indigenen Völkern,
  • 0,6 % (3.395 Personen) unbekannt.

Sprachen[Bearbeiten]

Die Amtssprache ist Niederländisch. Seit 2005 ist Suriname auch Mitglied der Niederländischen Sprachunion (Nederlandse Taalunie). Mehr als 500 Wörter aus dem surinamisch-niederländischen Sprachgebrauch wurden in die neueste Version (2005) des Wörterbuches, des „Grünen Büchleins(Groene Boekje), aufgenommen. Nach einer Sprachuntersuchung, die in Verbindung mit dem Eintritt von der Sprachunion in Auftrag gegeben wurde, ist Niederländisch für 60 % der Surinamer die Muttersprache. Es wird gebraucht in der Verwaltung, im Parlament, im Unterricht, im Handel, in den Medien und im täglichen Leben auch als Schriftsprache. Bei der Volkszählung vom August 2004 stellte sich heraus, dass das Niederländische Umgangssprache in 46,6 % der Haushalte in Suriname ist; in der Hauptstadt Paramaribo liegt der Wert mit 66,4 % noch um einiges höher.

Neben dem Niederländischen sind vor allem die Kreolsprache Sranan-Tongo (ehemals abwertend Taki-Taki genannt), die von fast der gesamten Bevölkerung als Erst- oder Zweitsprache gesprochen wird, die Muttersprachen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen sowie Englisch weit verbreitet. Sranan-Tongo, oder kurz Sranan, war ursprünglich die Sprache der Kreolen, ist heute aber auch die Lingua franca auf der Straße. Weitere Umgangssprachen sind ein dem Hindi ähnlicher Ausgleichsdialekt, das Sarnami Hindi, Javanisch, die Kreolsprachen Saramaccaans und Aukaans, diverse indigene Sprachen, südliche Dialekte des Chinesischen, der syrische Dialekt des Arabischen sowie Portugiesisch der sephardischen Juden. Dazu kommt in den letzten Jahren brasilianisches Portugiesisch durch die zahlreich meist illegal eingewanderten brasilianischen Goldsucher.

Mittlerweile weitgehend außer Gebrauch ist die Pidginsprache Ndyuka-Trio Pidgin (nicht zu verwechseln mit Ndyuka, das eine Form des Aukaans ist und oft synonym dazu gebraucht wird). In Suriname werden insgesamt 17 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Religion[Bearbeiten]

Angaben nach Religionszugehörigkeit (Ergebnis der 8. Volkszählung 2012):

  • 48,4 % der Bevölkerung sind Christen
  • 22,3 % Hindus
  • 13,9 % Muslime
  • 12,3 % andere oder keine Religionszugehörigkeit
  • 3,2 % unbekannt

Unter den christlichen Religionsgemeinschaften gibt es eine Vielzahl von Konfessionen. Hierunter sind die Römisch-katholische Kirche, die Evangelische Brüdergemeine, die Reformierte Kirche, die Lutheraner, die Pfingstbewegung, die Zeugen Jehovas, die Methodisten etc. vertreten. Daneben gibt es noch eine kleine jüdische Glaubensgemeinschaft – siehe hierzu auch Jodensavanne und Fotogalerie Paramaribo.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Surinames

Das Gebiet des heutigen Suriname wurde ca. 3000 v. Chr. erstmals von Indianern besiedelt. Die größten Stämme waren Arawak und Kariben; die Arawak waren die ersten, die im Gebiet Surinames siedelten, später wurden sie von Kariben unterworfen. Sowohl Arawak als auch Kariben siedelten an der Küste und in der Savanne; kleinere Indianerstämme, wie die Akurio, Tiriyó, Wayarekule, Warao und Wayana, lebten in den Regenwäldern.

Als erster Europäer entdeckte Christoph Columbus 1498 die Küste, 1499 erforschte eine Expedition unter dem Kommando von Amerigo Vespucci und Alonso de Ojeda die Küste genauer. Vicente Yáñez Pinzón erforschte 1500 das Landesinnere.

Eine erste dauerhafte europäische Siedlung wurde 1651 von Engländern im Auftrag von Francis Willoughby eingerichtet. 1667 nahmen die Niederlande die Kolonie ein. Durch den im selben Jahr geschlossenen Frieden von Breda blieb es beim Status quo. Die Engländer behielten die eingenommene niederländische Kolonie Nieuw Amsterdam (das spätere New York) und die Niederländer ihrerseits das eroberte Suriname. Daher spricht man auch von einem Tauschhandel. Nach dem Dritten Englisch-Niederländischen Krieg wurde dieser Zustand 1674 mit dem Frieden von Westminster offiziell. 1683 wurde die Sociëteit van Suriname als neue Eigentümerin gegründet. Bis zu ihrer Aufhebung 1795 sollte diese Gesellschaft, mit ihren Entscheidungsträgern, den wechselnden Direktoren in Amsterdam und den von ihnen entsandten Gouverneuren, die wechselvolle Geschichte Surinames entscheidend mitbestimmen. Auch die benachbarten Gebiete Berbice und Essequibo, die ungefähr das heutige Guyana ausmachen, wurden durch die Niederlande im 17. Jahrhundert kolonisiert. Zusammen mit Suriname bildeten sie das so genannte Niederländisch-Guayana. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts blühte die Landwirtschaft in Niederländisch-Guayana, mit Hilfe von afrikanischen Sklaven wurden Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle und Kakao angebaut. Während die Niederlande an Frankreich angeschlossen waren, besetzten die Briten 1799–1802 und 1804–1815 Niederländisch-Guayana. Das heutige Gebiet Surinames wurde nach der Niederlage Napoleons zurückgegeben, das heutige Guyana blieb im Besitz Großbritanniens. Die Rückgabe wurde im Britisch-Niederländischen Vertrag vom 13. August 1814 geregelt. Er enthielt eine Erklärung darüber, dass kein niederländischer Bürger mehr am Sklavenhandel beteiligt sein durfte. Tatsächlich endete der Sklavenhandel und die Einfuhr von Sklaven in Suriname erst ab 1826.

Abschaffung der Sklaverei[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1863 wurde die Sklaverei abgeschafft, allerdings mussten die ehemaligen Sklaven noch für zehn Jahre (Periode der sog. Staatstoezicht) als bezahlte Arbeiter auf den Plantagen arbeiten. Mit Abschaffung der Sklaverei wurde den Eigentümern vom niederländischen Staat eine Entschädigung (staat van tegemoetkoming) von 300 Gulden pro Sklave für den „Verlust“ gezahlt. Insgesamt kamen am 1. Juli 1863 ca. 35.000 Sklaven frei. Außerdem mussten von der Kolonialverwaltung erstmals Nachnamen an die Sklavenhaushalte vergeben werden. Bei der Vielzahl der Namen kam es hierbei zu den skurrilsten Wortschöpfungen.

Kontraktarbeiter[Bearbeiten]

Um den entstehenden Mangel an Arbeitskräften in der Plantagenwirtschaft auszugleichen, wurden ab 1873 Kontraktarbeiter aus Britisch-Indien, dem Kaiserreich China und Niederländisch-Indien (heute Indonesien) nach Suriname gebracht.

Weg zur Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Im Jahre 1954 erhielt Suriname gemeinsam mit den Niederländischen Antillen den Status eines gleichberechtigten und sich selbst verwaltenden Teils der Niederlande. 1973 begann die örtliche Verwaltung mit der Regierung der Niederlande Verhandlungen über die Unabhängigkeit, und am 25. November 1975 wurde Suriname unabhängig.[3]

Zeit der Militärdiktatur[Bearbeiten]

Nach einer Phase der politischen Instabilität und durch eine gestiegene Unzufriedenheit vor allem unter den in den Niederlanden ausgebildeten und 1975 nach Suriname zurückgekehrten Militärs kam es am 25. Februar 1980 zu einem Putsch, auch Sergeantencoup genannt, getragen von 16 jungen Unteroffizieren unter Führung von Oberfeldwebel Desi Bouterse. Die Militärs setzten die Regierung unter Premierminister Henck A. E. Arron ab. Dieser Staatsstreich wurde von einem Großteil der Bevölkerung begrüßt, da sie sich einen Rückgang der Korruption und eine Steigerung des Lebensstandards davon versprach. Auch die niederländische Regierung akzeptierte anfangs die neuen Machthaber, die einen achtköpfigen Nationalen Militärrat (NMR) unter Vorsitz des Feldwebels Badrissein Sital bildeten. Weitere Mitglieder des NMR waren: Bouterse (auf dem Weg zum Befehlshaber), Oberfeldwebel Roy Horb, Feldwebel Laurens Neede, Leutnant Michel van Rey (als einziger mit Offizierausbildung) und drei weitere Unteroffiziere. Die für den 27. März 1980 vorgesehenen Wahlen wurden ausgesetzt, und zum Regierungschef wurde überraschend der parteipolitisch nicht aktive Arzt Hendrick Chin A Sen ernannt. Nachdem auf Betreiben von Bouterse drei Mitglieder des Rates, Vorsitzender Sital, Chas Mijnals und Stanley Joeman, unter der Anklage, einen Gegencoup zu planen, entwaffnet und verhaftet worden waren, wurde am 13. August 1980 der Notstand ausgerufen, die Verfassung außer Kraft gesetzt und das Parlament aufgelöst. Der seit 1975 im Amt befindliche Präsident Johan Henri Eliza Ferrier trat auf Druck der Militärs zurück. Das Amt des Präsidenten übernahm nun auch der bisherige Regierungschef Hendrick R. Chin A Sen, und das neu gegründete Militair Gezag (Militärkommando, Führung) bestehend aus Bouterse und Horb, rückte nun auch offiziell in das politische Machtzentrum auf.

Am 4. Februar 1982 trat Hendrick R. Chin A Sen wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Nationalen Militärrat über den politischen und wirtschaftlichen Kurs des Landes zurück, und der Jurist und Politiker Ramdat Misier übernahm das Amt des Präsidenten.

Die Politik der Niederlande änderte sich gegenüber Suriname, als Militärs am 8. Dezember 1982 fünfzehn Oppositionelle im Fort Zeelandia liquidierten. Die Zeit zwischen 1986 und 1992 war geprägt durch einen Guerillakrieg im Dschungel, bei dem die Stadt Albina fast vollständig zerstört wurde. Die offiziellen Regierungstruppen wurden von Desi Bouterse geführt und die Opposition durch seinen ehemaligen Leibwächter Ronnie Brunswijk. Die Gruppe um Brunswijk wurde auch als „Jungle Commando“ bekannt. Der Krieg wurde teilweise mit äußerster Grausamkeit geführt. Am 29. November 1986 griff eine militärische Einheit das Dorf Moiwana an, brannte das Haus von Ronnie Brunswijk nieder und tötete mindestens 35 Personen, die meisten davon Frauen und Kinder.

Nach den im Mai 2007 veröffentlichten Tagebüchern von Ronald Reagan (The Reagan Diaries) hatte die niederländische Regierung 1986, nach dem Massaker in Moiwana, ein militärisches Eingreifen in Suriname geprüft. Den Haag wollte so das Militärregime von Desi Bouterse stürzen. Hierzu richtete Den Haag ein Hilfeersuchen an die Vereinigten Staaten für den Transport von 700 niederländischen Soldaten vom Korps Mariniers. Die USA nahmen das Hilfeersuchen in Erwägung, bevor jedoch eine Entscheidung getroffen wurde, zog die niederländische Regierung ihr Ersuchen wieder zurück[4].

Am 30. November 2007 begann der Prozess vor dem Krijgsraad, dem Kriegs- oder Militärgericht in Boxel, südlich von Paramaribo, gegen die wegen Beteiligung an der Ermordung von 15 Oppositionellen der Militärdiktatur am 8. Dezember 1982 Beschuldigten. An insgesamt 25 Personen wurden formell Vorladungen zugestellt. Kurz vor Abschluss des Strafprozesses wurde am 4. April 2012 im Parlament mit 28 Stimmen der Regierungskoalition, bei 12 Gegenstimmen der Opposition, eine Amnestie-Gesetzeserweiterung verabschiedet. Hierdurch wurde den Angeklagten, einschließlich des Hauptangeklagten, Präsident Desi Bouterse, wegen der Dezember-Morde von 1982 Amnestie gewährt.

Wiederherstellung der Demokratie[Bearbeiten]

Unter internationalem Druck – unter anderem durch die sinkende finanzielle Unterstützung der Niederlande – wurde 1987 die demokratische Ordnung mit Hilfe der sogenannten „alten Parteien“ (aus der Zeit vor 1980) wiederhergestellt. Seit 1987 wird die Staatsführung somit wieder demokratisch gewählt, jedoch haben einige der alten Militärs immer noch Einfluss auf die Politik und den Alltag des Landes.[5] Deutlich wurde dies im Jahre 2010, als Desi Bouterse am 19. Juli vom Parlament zum neuen Präsidenten von Suriname gewählt wurde.[6][7]

Politik[Bearbeiten]

Nationalversammlung

Staatsform[Bearbeiten]

Suriname ist eine repräsentative Demokratie mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt, basierend auf dem 1987 geänderten Grundgesetz. Die Parlamentswahlen finden turnusmäßig alle fünf Jahre statt. Suriname hat ein Einkammersystem, die Nationalversammlung (De Nationale Assemblée, DNA). Die DNA wählt mit Zwei-Drittel-Mehrheit den Präsidenten und Vizepräsidenten. Der Präsident wiederum ernennt und entlässt die Minister. Falls in der DNA nach zwei Wahlgängen keine Zwei-Drittel-Mehrheit auf einen Kandidaten entfällt, tritt die Vereinigte Volksversammlung (Verenigde Volksvergadering, VVV) zur Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten zusammen; die Vereinigte Volksversammlung besteht aus einem Wahlkollegium von Mitgliedern der DNA (51 Parlamentarier) und Abgeordneten der regionalen Räte.

Auf dem Demokratie-Index der Zeitschrift The Economist belegt Suriname von 167 untersuchten Ländern den 54. Platz (2010).[8]

Rechtssystem[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rechtswesen (Suriname)

Die Rechtsprechung erfolgt im Namen der Republik aufgrund geltenden Rechts, durch unabhängige Richter und Gerichte.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Grenzkonflikte[Bearbeiten]

Nachdem im Juni 2000 Suriname seine maritimen Gebietsansprüche gegenüber Guyana militärisch durch den Einsatz von zwei Kanonenbooten gegen das kanadische Unternehmen CGX Energy durchgesetzt und damit den Bau einer Ölbohrplattform verhindert hatte, rief der Staat Guyana im Februar 2004 den Ständigen Schiedshof, Permanent Court of Arbitration (PCA), mit Sitz in Den Haag zur Klärung des Grenzstreites an.

In Absprache mit dem PCA gaben die Präsidenten Ronald Venetiaan und Bharrat Jagdeo am 20. September 2007 das unanfechtbare Urteil des fünfköpfigen Schiedsgerichtes vom 17. September 2007 öffentlich bekannt. Das Schiedsgericht sprach von dem rohstoffreichen Meeresgebiet an Guyana 33.152 km2 und an Suriname 17.871 km2 zu. Beide Staatsoberhäupter begrüßten die Entscheidung und die Beilegung des Streites. Der Urteilsspruch macht es möglich, dass Ölkonzerne mit der Erkundung und Erschließung des Küstenbeckens beginnen können. Dort werden auf dem Meeresgrund Ölreserven von 15 Milliarden Barrel und Gasvorkommen von 1,2 Billionen Kubikmeter vermutet.

Nach bisherigen Untersuchungen liegen vermutlich die meisten dieser Vorkommen auf guyanischer Seite. Auch der Bereich, der im Juni 2000 zum militärischen Eingreifen durch Suriname geführt hat und das Unternehmen CGX Energy zum Rückzug zwang, liegt innerhalb des an Guyana zugewiesenen Gebietes. Die von Guyana für diese Aktion geforderte Entschädigung von 34 Millionen US-Dollar wurde vom Tribunal abgewiesen.

Das Schiedsgericht hat weiter bestätigt, dass der gesamte Corantijnfluss zum surinamischen Hoheitsgebiet gehört. Hiermit hat Suriname die Kontrolle über den gesamten Schiffsverkehr ab der Mündung auf dem Corantijn.

Diaspora[Bearbeiten]

Ein großer Teil der Bevölkerung lebt als Arbeitsmigranten im Ausland, allein in den Niederlanden leben rund 345.000 Menschen surinamischer Herkunft (Stand: 1. Januar 2011).[9] Viele von ihnen emigrierten zur Zeit der Unabhängigkeit, nach dem Staatsstreich 1980 oder nach den „Dezembermorden“ von 1982. Für die surinamische Gemeinschaft bedeutete diese Abwanderung einen erheblichen Aderlass, da auch ein großer Teil des geschulten Kaders das Land verließ oder nach Abschluss des Studiums nicht zurückkehrte. Dies hatte erhebliche negative Auswirkungen auf vielerlei Gebieten (Braindrain).

Auf der anderen Seite hat eine Untersuchung der Universität Utrecht (hier: Utrecht School of Economics) ergeben, dass im Jahre 2006 von 70 % der in den Niederlanden lebenden Surinamern oder Niederländern surinamischer Abstammung 125 Millionen Euro nach Suriname transferiert wurden. Hiervon profitierten 47 % der surinamischen Haushalte.

Bildung/Gesundheit[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Bis zum Alter von 12 Jahren besteht Schulpflicht.[10] Sie wird weitgehend befolgt.[11] Eine Minderheit der Bevölkerung sind Analphabeten.[11] Davon sind die meisten weiblich.[11] Die Universität des Landes ist die Anton de Kom Universiteit van Suriname.

Gesundheit[Bearbeiten]

Die Fruchtbarkeitsrate liegt bei zweieinhalb Kindern.[11] Öffentliche Gesundheitsausgaben lagen 2004 bei 3,6 % des BIP und private bei 4,2 %.[11] Die Ärztedichte war in den frühen 2000er Jahren bei 45 pro 100.000.[11] Die Säuglingssterblichkeit betrug 30 pro 1000 Lebendgeburten.[11] Die Lebenserwartung der Männer lag bei 66,4 und die der Frauen bei 73 Jahren.[11]

Militär[Bearbeiten]

Bei den Verhandlungen zur Vorbereitung der Unabhängigkeit von Suriname zwischen den niederländischen und surinamischem Delegationen wurde auf Wunsch von Suriname die Gründung einer Armee unter dem Namen Surinamische Kriegsmacht (SKM) vereinbart.

Bis zur Autonomie wurden Surinamer wie auch die sogenannten autochthonen Niederländer zum militärischen Dienst eingezogen. Einige blieben danach als Berufsmilitärs in der Kolonialarmee, die in Suriname den Namen Troepenmacht in Suriname (TRIS) hatte. Mit der anstehenden Unabhängigkeit entschieden sich die meisten niederländischen Surinamer, in der niederländischen Armee zu bleiben. Es bestand also die Gefahr, dass die zum 25. November 1975 neu zu gründende SKM ohne Kader und sogar ohne Befehlshaber dastehen würde. Um dieser Situation zuvorzukommen, wurde beschlossen, die surinamischen Berufsmilitärs, die aus den Niederländischen Streitkräften in die SKM wechseln würden, neben ihrem surinamischen Sold noch mit einer von den Niederlanden zu bezahlenden Zulage zu entlohnen. Erst nach dieser Regelung konnte das zur Bildung der SKM erforderliche Militärkader verpflichtet werden. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass zur Betreuung dieser Gruppe eine niederländische Militär-Mission (NMM) als Bestandteil der niederländischen Botschaft in Paramaribo gegründet werden sollte. Als erster Leiter und Militär-Attaché wurde Oberst (Kolonel) Hans Valk berufen. Durch die vereinbarte finanzielle Regelung kam es allerdings zur Bildung von zwei Gruppen Militärs innerhalb der SKM. Eine, die in Suriname der SKM beigetreten war und bei gleichem Rang keine Zulage erhielt, und eine, die bei gleicher Position durch die Zulage ein erheblich höheres Einkommen hatte.

Mit der Souveränitätsübernahme wurde die TRIS aufgehoben und das Material, Vorräte und Gebäude durch die neu gegründete SKM, die später in surinamische nationale Armee (SNL) umbenannt wurde, übernommen.

Die Streitkräfte Surinames umfassen ca. 2000 Soldaten. Zudem verfügt das Land über eine kleine Lufteinheit, die u. a. seit 1998/99 mit zwei in Spanien hergestellten Transportflugzeugen vom Typ CASA C 212-200 ausgerüstet ist. Sie ist auf der Luftmachtbasis Zorg en Hoop in Paramaribo stationiert.

Für 2007 wurden drei Helikopter für die Luftwaffe sowie mehrere kleine, schnelle Boote für die Marine bestellt. Hiermit soll die Küstenwache zum besseren Schutz der territorialen Gewässer und der Grenzflüsse Corantijn und Marowijne verstärkt werden. Zurzeit verfügt Suriname über eine reine Berufsarmee. Die im Grundgesetz vorgesehene militärische Dienstpflicht wurde ausgesetzt.

Administrative Gliederung[Bearbeiten]

Politische Karte von Suriname, 1991. Im Süden sind die zwischen Suriname, Guyana und Franz.-Guyana umstrittenen Gebiete hellgrün dargestellt.

Suriname ist in zehn Distrikte unterteilt. Die Distrikthauptstädte sind in Klammern angefügt.

(insgesamt: 541.638 Einwohner in Suriname; Census 2012)

Die zehn Distrikte sind wiederum in 62 Ressorts (Verwaltungseinheiten) dezentralisiert.

Städte[Bearbeiten]

Neben der Hauptstadt Paramaribo sind nur die Grenzstädte Albina und Nieuw Nickerie sowie Lelydorp von einiger Bedeutung.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Zur Zeit der Kolonialisierung war Suriname die wohl profitabelste Plantagenkolonie der Niederlande, vor allem Zucker wurde exportiert. Von den früher betriebenen Zuckermühlen (Zuckerrohr-Plantagen) war Marienburg bei Paramaribo die letzte. Hiervon sind nur noch Ruinen vorhanden. Neben Bauxit und Mineralöl werden noch Gold, Holz, Reis, Bananen und Fisch exportiert. Seit 1995 ist Suriname Mitglied der Caricom.

Suriname erwirtschaftete zwischen 2004 und 2008 einen Handelsüberschuss von ca. 1,2 Milliarden US-Dollar. Die Rohstoffe Gold, Öl und Bauxit sorgten für durchschnittlich 81 % aller Exporteinkommen in diesen Jahren.

Nach der Welt-Konkurrenz-Rangliste des Weltwirtschaftsforums, The Global Competitiveness Report 2009–2010, belegt Suriname den 102. Platz von 133 untersuchten Ländern. Der im September 2009 veröffentlichte Index bewertet die globale Wettbewerbsfähigkeit der untersuchten Volkswirtschaften. Nach diesem Bericht ist in Suriname der ineffizient funktionierende öffentliche Dienst das größte Hindernis für Investoren.[12]

In dem am 18. August 2011 durch den Internationalen Währungsfonds (IMF) veröffentlichten Article IV Consultation-Staff Report bekam Suriname als eines von wenigen Ländern in der Welt eine positive Beurteilung. Die Aussichten für die surinamische Wirtschaft werden in dem Rapport als günstig beschrieben. Ein solides ökonomisches Fundament, geringe Schulden und günstige Einkommen aus Grundstoffen haben das Land gegen die weltweit anhaltende ökonomische Krise beschützt. Nach dem Rapport des IMF wuchs die Wirtschaft 2010 mit 4,5 %. Dieser Zuwachs war vor allem dem gestiegenen Export von Grundstoffen und lokalen Bauaktivitäten zu danken.[13]

Am 10. Juli 2012 stufte Fitch Ratings die Kreditwürdigkeit von Suriname vom B+ Status nach BB ein. Begründet wird die Erhöhung u. a. mit dem kontinuierlichen wirtschaftlichen Wachstum und der flexiblen Reaktion im Umgang mit inländischen und ausländischen Erschütterungen mit einem durchschnittlichen wirtschaftlichen Wachstum von 4,4 % im Jahr 2011 und einem 2012 geschätzten Wachstum von 4,9 % im Jahr 2013. Diese Zahlen bringen das Land auf einen Fünf-Jahres-Durchschnitt der weit über der 3,5-%-Grenzlinie der BB-Kategorie liegt.[14]

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland[Bearbeiten]

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hatte der deutsche Außenhandel mit Suriname im Jahre 2011 ein Volumen von 26,5 Millionen EUR. Hiervon entfielen 5,1 Millionen EUR auf die Einfuhr und 21,4 Millionen EUR auf die Ausfuhr. Bei der Ausfuhr belegte Suriname den 165. Platz von 234 Ländern.[15]

Im Jahre 2012 steigerte sich der Außenhandelssaldo mit dem Handelspartner Suriname auf 35,1 Millionen EUR. Hiervon entfielen 12,4 Millionen EUR auf die Einfuhr und 22,7 Millionen EUR auf die Ausfuhr. Die Länderrangfolge blieb bei der Ausfuhr gegenüber 2011 unverändert.[16]

Bodenschätze[Bearbeiten]

Bauxit[Bearbeiten]

Die amerikanische Alcoa (Aluminum Company of America) sicherte sich die Rechte am Großteil der Bauxitvorkommen, und auch andere Ressourcen wie Gold und Gummi gewannen an Bedeutung. Aus dem Bauxit wird Aluminium und Gallium gewonnen. Heute ist Suriname weltweit die Nation mit der achtgrößten Bauxit-Förderung. Der Abbau wird von der Firma Suriname Aluminum Company (Suralco), einer Tochter der Alcoa, und von BHP Billiton betrieben.

Öl[Bearbeiten]

Im Dezember 1980 wurde die Staatliche Surinamische Ölgesellschaft (Surinaamse Staatsolie Maatschappij) gegründet. In Kooperation mit Gulf Oil begann im Februar 1982 die Ölförderung auf der Plantage Catharina Sophia im Tambaredjogebiet. Bis Ende 2004 wurden ungefähr 55 Millionen Barrel Rohöl gefördert. Seit 1997 verfügt Staatsolie auch über eine Erdölraffinerie. Um die vor der surinamischen Küste vermuteten Ölvorkommen zu erschließen und zu fördern, wurden 2004 u. a. mit der Repsol YPF Investitions- und Beteiligungsverträge geschlossen. Auch RWE Dea ist im Juni 2013 über ein „Farm-in-Abkommen“ in die Lizenz Block 52 vor der Küste von Suriname eingestiegen.[17]

Die Einnahmen für den Staat aus dem Öl sind inzwischen (2005) höher als die aus den Bauxitvorkommen. Im September 2011 übernahm Staatsolie die Texaco-Tankstellen in Suriname von Chevron. Ab 2014 will Staatsolie mit der Inbetriebnahme einer weiteren Raffinerie zur Herstellung von Motorenbenzin und Dieselkraftstoff über diese Tankstellen ihre Produkte vermarkten.

Gold[Bearbeiten]

Durch den gestiegenen Goldpreis wird dieser Rohstoff zu einer immer wichtigeren Einnahmequelle. Größter Goldproduzent in Suriname ist die kanadische Iamgold Corporation. Iamgold produziert seit 2004 im Distrikt Brokopondo in der „Rosebel Gold Mine“, die in offener Bauweise angelegt ist. Nach der bis 2011 laufenden Konzession flossen allerdings nur 5 % des Umsatzes in die surinamische Staatskasse. In dem neu abzuschließenden Rahmenvertrag mit Iamgold sollte der Staatsanteil deutlich erhöht werden. Iamgold gab im Jahresbericht für 2010 bekannt, dass insgesamt 12.300 Kilogramm Gold in Brokopondo abgebaut wurden. Außerdem teilte das Unternehmen mit, dass es im Jahr 2010 484 US-Dollar gekostet habe, um eine Feinunze (troy ounce) Gold zu produzieren.[18] Der durchschnittliche Goldpreis lag 2010 bei rund 1225 US-Dollar per Feinunze.

Im Juni 2013 schloss die surinamische Regierung einen neuen Konzessionsvertrag mit Iamgold. Die Umsatzbeteiligung beträgt anstelle der bisherigen 95/5 jetzt 70 % Iamgold und Suriname 30 %. Die Laufzeit des Vertrages beträgt 15 Jahre.[19] Im Jahre 2012 produzierte die Rosebel-Mine 382.000 Feinunzen Gold bei Produktionskosten von 671 US-Dollar pro Unze, und die Abbauwürdigkeit wurde auf weitere 19+ Jahre geschätzt.

Tourismus[Bearbeiten]

Nach einem Rapport der United Nations World Tourism Organization (UNWTO) ist die Zahl der Touristen, die in den letzten Jahren Suriname besuchten, ständig gestiegen. Im Jahre 2010 kamen 204.000, 2011 220.000 (Steigerung von 7,9 %) und im Jahre 2012 240.000 (Steigerung von 8,9 %) Touristen nach Suriname. Die Einnahmen für Suriname aus dem Tourismussektor betrugen diesem Bericht zufolge in den Jahren 2010 und 2011 jeweils 61 Millionen US-Dollar.[20]

Im Jahr 2013 kamen nach Angaben der Stichting Toerisme Suriname (STS) 249.102 Touristen nach Suriname. Das ist eine leichte Steigerung von 3,8 % gegenüber dem Vorjahr.[21]

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2004 Ausgaben von umgerechnet 425,9 Millionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 392,6 Millionen US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,2 % des BIP.[22]
Die Staatsverschuldung betrug 2005 660 Millionen US-Dollar oder 37,0 % des BIP.[23]

Der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche betrug:

Infrastruktur[Bearbeiten]

Luftfahrt[Bearbeiten]

In Suriname gibt es eine staatliche Luftfahrtgesellschaft, die Surinam Airways, und zwei Flughäfen, den internationalen Flughafen Paramaribo/Zanderij beim Dorf Zanderij mit rund 210.000 angekommenen Passagieren (2011) [26] und den kleinen Flughafen Zorg en Hoop in Paramaribo. Von hier aus werden die unwegsamen Dörfer im Buschland – vor allem in der Trockenzeit, wenn die Flüsse nicht befahrbar sind − und die legalen und illegalen Goldfelder versorgt. Außerdem nutzt das Militär den Flugplatz.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Suriname besitzt keine funktionierende Eisenbahnverbindung mehr.

Straßennetz[Bearbeiten]

Das Straßennetz von Paramaribo ist überwiegend asphaltiert. Gleiches gilt für die ca. 380 km lange Ost-West-Verbindung zwischen den Grenzorten Albina und Nieuw-Nickerie, nach Süden zum ca. 50 km von Paramaribo entfernt liegenden Flughafen (Zanderij), nach Paranam (Aluminiumschmelzerei) und die Hauptstraßen der größeren Ortschaften (siehe administrative Gliederung). Die restlichen Wegeverbindungen sind Sandpisten. In Suriname herrscht Linksverkehr.

Wasserverkehr[Bearbeiten]

In Suriname gibt es ca. 1200 km befahrbare Wasserwege. Es ist der wichtigste Transportweg in die Dörfer im Buschland. Über die Grenzflüsse Marowijne von Albina nach Französisch-Guyana und dem Corantijn von Nieuw-Nickerie nach Guyana gibt es Fährverbindungen.

Häfen: Paramaribo, Paranam (Umschlagplatz für Bauxit), Moengo, der ehemalige Bauxitort im Distrikt Marowijne, Wageningen (agrarische Produkte, Reis und Bananen) und Nieuw-Nickerie im Distrikt Nickerie.

Die erste und einzige Brücke in der Hauptstadt Paramaribo über den Suriname wurde erst im Jahre 2000 gebaut.

Medien, Kommunikation[Bearbeiten]

In Suriname sind an 32 Radio- und 19 Fernsehstationen Lizenzen vergeben worden. Hiervon haben die mit Abstand meisten Sender ihren Sitz in Paramaribo (21 Radio- und 16 Fernsehstationen). Die Sendungen von Radio Apintie können nicht nur auf Kurzwelle bei guten Empfangsbedingungen nach Mitternacht im 60-Meter-Tropenband in Europa empfangen werden, sondern stehen auch als Audio-/Video-Live-Stream im Internet zur Verfügung.[27]

Es erscheinen sechs Tages- und vier Wochenzeitungen, hierunter zwei kleine konfessionelle Blätter. Die Auflagen pro Zeitung schwanken zwischen rund 8000 und 60 Stück.

Nach dem Press Freedom Index, einer Bewertung der Pressefreiheit in 179 Staaten der Welt, belegte Suriname 2013 den 31. Rang.

Pro 100 Einwohner verfügen statistisch gesehen 16,38 Haushalte über einen Festnetz- und 8,62 Personen über einen Internetanschluss (Stand jeweils 2008).[28]

Sport[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Die beliebteste Sportart in Suriname wird durch den Surinaamse Voetbal Bond (SVB) organisiert. Bekannte ehemalige niederländische Nationalspieler wie Edgar Davids, Ruud Gullit, Patrick Kluivert, Frank Rijkaard, Clarence Seedorf und – aktuell – Ryan Babel, Edson Braafheid, Romeo Castelen, Lorenzo Davids, Royston Drenthe, Eljero Elia, Urby Emanuelson, Nigel de Jong, Mario Melchiot und Andwelé Slory haben ihre Wurzeln in Suriname.

Olympische Spiele[Bearbeiten]

Das Surinaams Olympisch Comité wurde 1959 ins Internationale Olympische Komitee aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eveline Bakker: Geschiedenis van Suriname. Walburg Pers, Zutphen 1993, ISBN 90-6011-837-5.
  • C. F. A. Bruijning und J. Voorhoeve (red.): Encyclopedie van Suriname, Elsevier, Amsterdam u. Brussel 1977, ISBN 90-10-01842-3.
  • Hans Buddingh': Geschiedenis van Suriname, Utrecht 2000 (3. Auflage), Het Spectrum, ISBN 90-274-6762-5.
  • Edward M. Dew: The difficult flowering of Suriname: Ethnicity and politics in a plural society. Vaco Uitgeversmaatschappij; [2. ed.] 1996, ISBN 99914-0-052-4.
  • Hein Eersel: Taal en mensen in de Surinaamse samenleving. Verzamelde artikelen over taal, geschiedenis en identiteit 1985–2001. Paramaribo 2002, Stichting Wetenschappelijke Informatie, ISBN 99914-62-02-3.
  • Michiel van Kempen: Een geschiedenis van de Surinaamse literatuur. Breda 2003, De Geus, (2 Bände), ISBN 90-445-0277-8.
  • Rudolf van Lier: Samenleving in een grensgebied. Een sociaal-historische studie van Suriname. Deventer 1971 (2. Auflage), Van Loghum Slaterus, ISBN 90-6001-154-6. [die ursprüngliche Ausgabe erschien bereits 1949 in ’s-Gravenhage bei Martinus Nijhoff]
  • Michel Szulc-Krzyzanowski (photography), Michiel van Kempen (text), Deep rooted words; ten storytellers and writers from Surinam (South America). English translation by Sam Garrett. Amsterdam 1992, Voetnoot, ISBN 90-71877-12-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Suriname – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Suriname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikimedia-Atlas: Suriname – geographische und historische Karten
 Wikisource: Suriname – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Human Development Report Office: Suriname – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 25. Oktober 2014
  2. Amt für Statistik in Suriname, Ergebnisse Census 2012, siehe link Presentatie pdf-datei
  3. Unabhängigkeitsakte Akte van Erkenning van de Republiek Suriname, Nationalarchiv Den Haag, niederländisch, abgerufen am 26. November 2014
  4. /Artikel in Caribbean News
  5. http://www.super-suriname.com/sites/default/files/wikileaks/growing_divide_within_president_venetiaans_coalition.pdf
  6. Bouterse spreekt na jaren met Venetiaan, In: NRC Handelsblad, 29. Juli 2010, (ndl.)
  7. Suriname ex-strongman Bouterse back in power, In: BBC News, 19. Juli 2010, (engl.)
  8. http://graphics.eiu.com/PDF/Democracy_Index_2010_web.pdf
  9. [1]Centraal Bureau voor Statistiek (niederländisch), Omvang en spreiding van Surinaamse bevolkingsgroepen in Nederland, pdf Dokument
  10. http://www.unhcr.org/refworld/country,,,,SUR,4562d94e2,48caa491c,0.html
  11. a b c d e f g h Human Development Report 2009: Suriname
  12. The Global Competitiveness Report 2009–2010, siehe
  13. [2], Article IV Consultation-Staff Report
  14. Fitch Rating Suriname.
  15. Statistisches Bundesamt 2011.
  16. Statistisches Bundesamt 2012.
  17. RWE DEA
  18. [3] Iamgold Rosebel Goldmine
  19. [4] StarNieuws abgerufen am 3. Mai 2014
  20. UNWTO Rapport 2013, hier als PDF download
  21. De Ware Tijd (DWT) niederländisch, abgerufen am 6. Mai 2014
  22. a b The World Factbook
  23. IWFConsultation Concluding Statement of the IMF Mission
  24. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  25. Education statistics Suriname (PDF; 46 kB)
  26. Amt für Statistik in Suriname niederländisch, abgerufen am 12. November 2014
  27. http://www.apintie.sr/ Radio Apintie Live Stream
  28. http://www.statistics-suriname.org/

4.3-56Koordinaten: 4° N, 56° W