Georg Wilhelm Glünder

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Georg Wilhelm Glünder (* 24. Oktober 1799 in Hannover; † 20. August 1848 in Lippspringe) war ein deutscher Offizier, Autor, Redakteur[1] und Herausgeber[2] sowie Mathematiklehrer. Neben Karl Karmarsch war er zweiter Direktor der Höheren Gewerbeschule,[1] der Vorläuferin der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.[3]

Leben[Bearbeiten]

Georg Wilhelm war der jüngere Bruder des mit dem frühen Eisenbahnbau im Königreich Hannover befassten Ingenieurhauptmanns Johann Georg Ferdinand Glünder.[4] Georg Wilhelm Glünder besuchte bis zum 1. Mai 1814 das hannoversche Lyzeum und trat anschließend zunächst als Kanonier und Kadett der Artillerie der englisch-deutsche Legion bei. Daraufhin besuchte er die Artillerieschule in Hannover und wirkte währenddessen im Sommer 1817 mit am Nivellement zwecks Anlegung eines (nicht zur Ausführung gekommenen) Kanals zwischen der Weser und der Leine.[1]

Nach dem Durchlaufen der verschiedenen Unteroffiziers-Ränge wurde Glünder im Mai 1818 - im Alter von 19 Jahren - zum Offizier ernannt und in die Garnison nach Stade versetzt. „Von dort aus“ besuchte er in den Folgejahren 1819 und 1820 die Universität Göttingen zum Studium von Mathematik, Naturwissenschaften und Astronomie.[1]

Nach dem Studium wurde Glünder im Sommer 1821 zum Premierleutnant ernannt und zugleich Adjutant in dem Garnisons-Teil des königlichen Artillerie-Regiments, das in Hannover stationiert war. In den Wintermonaten wurde Glünder der Vortrag der Artilleriewissenschaft übertragen, hinzu kamen 1823 Vorlesungen über Physik. 1825 unternahm Glünder eine größere Reise quer durch Deutschland, und hielt seit demselben Jahr bis 1830 besondere Vorträge über den Gebrauch des kleinen Gewehres. 1830 wurde Glünder schließlich mit dem Ritterkreuz des Guelfenordens ausgezeichnet.[1]

Anfang 1831 wurde Georg Wilhelm Glünder an die neu errichtete Höhere Gewerbeschule in Hannover berufen und lehrte dort Elementar- und höhere Mathematik. In seiner Stellung als zweiter Direktor (der späteren Universität Hannover) neben Karl Karmarsch war er zugleich Mitglied der königlichen Verwaltungskommission der Gewerbeschulen. 1835 reiste Glünder im Auftrag des königlichen Ministeriums „in Eisenbahn-Angelegenheiten“ nach Belgien und England, fünf Jahre später im Jahr 1840 aus gleicher Veranlassung nach Berlin und Sachsen.[1]

Mit Flechten bewachsenes Standmal Glünders auf dem Neustädter Friedhof in Hannover

Glünder wurde zum Mitglied ernannt durch die Königliche Schwedische Akademie der Kriegswissenschaften in Stockholm sowie durch die Sozietät für nordische Altertümer in Kopenhagen.[1]

In mittlerem Alter war es mit Glünders Gesundheit nicht mehr zum Besten gestellt; als er sich 1848 zur Genesung in Lippspringe aufhielt, starb er dort am 20. August „im Bade“.[1] Georg Wilhelm Glünder wurde in Hannover auf dem Neustädter Friedhof bestattet; sein Standmal ist verziert mit Efeuranke, Zahnrad, Winkelmaß und Zirkel sowie mit einer geometrischen Darstellung des Satzes des Pythagoras.[5]

Schriften[Bearbeiten]

Georg Wilhelm Glünder publizierte kritische Artikel hauptsächlich in verschiedenen militärischen Zeitschriften, insbesondere jedoch[1]

  • 1831 – 1837: Hannoversches militärisches Journal; Redaktion und einige größere Artikel[1]
    • abweichend auch: Hannöverisches Militär-Journal, hrsg. von hannöverischen Offizieren Capitän W. Glünder, Major C. Jacobi, Capitän Hanbury, Hannover: Hahn, 1.1831 - 2.1832, online
  • 1830: Einrichtung und Gebrauch des kleinen Gewehres, Hannover 1830 (eigenständiges Werk), zeitgenössische Rezension in der Jenaische Allgemeine Literatur Zeitung, 25. Jahrgang, Band 4, Oktober, Nummer 200, online
  • Fuhrwerk, in: Karl Karmarsch, Friedrich Heeren: Technisches Wörterbuch oder Handbuch der Gewerbkunde / in alphabetischer Ordnung, Bde. 1 - 3, Hannover 1854 - 1857[1]

Gedenken[Bearbeiten]

  • Die 1897 angelegte Glünderstraße in hannoverschen Stadtteil Nordstadt ehrt mit ihrer Namensgebung den zweiten Direktor der Polytechnischen Schule in Hannover.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Karmarsch: Georg Wilhelm Glünder, in: Die polytechnische Schule zu Hannover, zweite, sehr erweiterte Auflage, „Mit drei Blättern Abbildungen des Gebäudes der Anstalt“, Hannover: Hahnsche Hofbuchhandlung, 1856, S. 154 u.ö., online über Google-Bücher

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Wilhelm Glünder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Karl Karmarsch: Georg Wilhelm Glünder (siehe Literatur)
  2. siehe Abschnitt Schriften
  3. Hugo Thielen: Leibniz Universität Hannover, in: Stadtlexikon Hannover, S. 394f.
  4. Lars Ulrich Scholl: Ingenieure in der Frühindustrialisierung / Staatliche und private Techniker im Königreich Hannover und an der Ruhr (1815 - 1873), zugleich Dissertation 1977 an der Technischen Universität Hannover, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, in der Reihe Studien zu Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft im neunzehnten Jahrhundert, Bd. 10, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1978, ISBN 3-525-42209-1, S. 152 u.ö., online über Google-Bücher
  5. Georg Wilhelm Glünder, in: Henrike Schwarz u.A.: Der St. Nikolai-Friedhof und der Neustädter Friedhof,
      • Broschüre, hrsg. von der Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, Hannover 2003, kostenlos beim FB, Langensalzastr. 17, 30169 Hannover, oder
      • oder online als PDF-Dokument
  6. Helmut Zimmermann: Glünderstraße, in: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 93