Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe
| Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe | |||
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| Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe | |||
| Lage | |||
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| Koordinaten | 53° 22′ 12″ N, 11° 35′ 11″ O53.3711.586388888889Koordinaten: 53° 22′ 12″ N, 11° 35′ 11″ O | ||
| Land | Deutschland | ||
| Daten | |||
| Primärenergie | Geothermie | ||
| Leistung | 230 Kilowatt | ||
| Typ | Geothermiekraftwerk | ||
| Betreiber | Erdwärme-Kraft GbR | ||
| Turbine | ORC-Turbine | ||
| Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme |
2004 GWh | ||
| Website | www.erdwaermekraft.de | ||
Das Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe ist das erste Kraftwerk dieser Art in Deutschland. Betrieben durch die „Erdwärme-Kraft GbR“, ein Tochterunternehmen von Vattenfall Europe Berlin und der WEMAG AG (Schwerin), versorgt es die Haushalte Neustadt-Glewes.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Technische Angaben
Die installierte Leistung beträgt 230 kW. Bei einer zugeführten geothermischen Wärmeleistung von 3000 kW errechnet sich daraus ein elektrischer Bruttowirkungsgrad von 7,7%. Unter Berücksichtigung des Eigenbedarfs der Anlage von etwa 155 kW (Förderpumpe mit 140 kW und Wärmepumpe von 15 kW) ergibt sich eine Nettoleistung von 75 kW und ein elektrischer Nettowirkungsgrad von 2,5 %. Diese sehr geringen Werte sind die Konsequenz der geringen Thermalwassertemperaturen von etwa 100°C.
Aus ebendiesen Gründen wird die Anlage in Kombination mit dem 1994 in Betrieb genommenen Geothermie-Heizwerk Neustadt-Glewe als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage betrieben. Dabei hat die Fernwärmeerzeugung Vorrang vor der Stromerzeugung, so dass während der Sommermonate ein Volllastbetrieb möglich ist und in der Übergangszeit und im Winter nur diejenige Thermalwasserenergie zur Stromerzeugung genutzt wird, die nicht für die Fernwärmeversorgung notwendig ist. Mit diesem Prinzip kann die Thermalwasserenergie ganzjährig optimal ausgenutzt und der Gesamtwirkungsgrad deutlich verbessert werden.
Das Kraftwerk arbeitet mit der weltweit niedrigsten Thermalwassertemperatur von ca. 98 °C und besteht wie jedes konventionelle Kraftwerk aus den Komponenten
- Verdampfer,
- Turbine mit Generator,
- Kondensator,
- Speisepumpe.
Das Kühlwasser für den Kondensator wird über zwei Nass-Kühltürme rückgekühlt. Das Kühlturm-Zusatzwasser (Verdunstung, Abschlämmung) wird durch Grundwasser sichergestellt und in einer Wasseraufbereitungsanlage behandelt. Im Jahr 2004 erzeugte das Kraftwerk, das nach dem Organic-Rankine-Cycle-Prinzip (ORC) arbeitet, 500 MWh elektrische Energie. Seit Mitte 2009 ist die Anlage wegen eines technischen Schadens vorerst außer Betrieb (Stand: Mai 2011).[1]
[Bearbeiten] Geologie und Anlage der Bohrung
In Neustadt-Glewe sind die aufgesuchten Erdschichten, aus denen das Thermalwasser gefördert wird, der Keuper und der Rätkeuper in dort 2455 Meter Tiefe. Die Injektionsbohrung führt das abgekühlte Wasser in eine Tiefe von 2335 Meter. Der Salzgehalt der Sole beträgt 220 Gramm je Liter. Förder- und Rückspeisepunkt der senkrechten Bohrungen liegen 1500 Meter auseinander.[2]
[Bearbeiten] Stromerzeugung im ORC-Prozess
Die geringe Thermalwassertemperatur erfordert als Medium eine spezielle Flüssigkeit (ein synthetischer, organischer Stoff), die anders als Wasser nicht bei 100 °C, sondern bereits bei zirka 30 °C siedet. Mit dessen Dampf (anstelle von Wasserdampf) wird die Turbine betrieben, die wiederum den Stromgenerator antreibt. Der Dampf wird anschließend gekühlt, damit verflüssigt und wieder dem Wärmetauscher zugeführt, wo er durch frisches Thermalwasser wieder erhitzt wird. Dies wird als Organic Rankine Cycle-Verfahren bezeichnet.[3][4][5]
[Bearbeiten] Geringer Stromertrag
Der erwartete Erfolg trat allerdings nicht ein. Der Stromertrag ist nur gering. Aktuelle Informationen zum gegenwärtigen Ertrag sind im Internet nicht zu finden. Nur im Sommer, wenn die Wärmelast in der Fernwärmeversorgung gering ist, wird über das ORC-Kraftwerk Strom gewonnen.[6]
[Bearbeiten] Siehe auch
- Als erstes industrielles Geothermiekraftwerk in Deutschland wurde in Nachfolge von Neustadt-Glewe 2007 in Landau in der Pfalz das Geothermiekraftwerk Landau mit 3 Megawatt-Stromerzeugungskapazität errichtet. Dies war auch das erste im Fördergebiet Oberrheinische Tiefebene. Wie in Neustadt-Glewe wird dort das ORC-Verfahren genutzt.
- Im dritten großen deutschen Thermalgebiet im Voralpenland, dem Süddeutschen Molassebecken, konnte 2009 in Unterhaching die Stromerzeugung des Geothermiekraftwerks Unterhaching in Betrieb genommen werden. Dort wird erstmals in Deutschland der Kalina-Kreisprozess angewandt.
[Bearbeiten] Quellen und Einzelnachweise
Hauptquelle ist die Webseite des Betreibers siehe unten.
- ↑ Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erfahrungsbericht 2011 zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Erfahrungsbericht, Entwurf), online
- ↑ http://www.ie-leipzig.com/IE/Geothermie/Portal/Projekte/Neustadt-Glewe.pdf
- ↑ ORC-Technologie
- ↑ Informtion von bine zu Neustadt-Glewe
- ↑ Möglichkeiten geothermischer Stromerzeugung in Deutschland; Februar 2003; Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)
- ↑ Geothermie-Kraftwerke in Deutschland, g-o.de