Fernwärme

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Fernwärmeleitung aus Kunststoffmantel-Verbundrohr

Fernwärme ist die Bezeichnung für eine Wärmelieferung zur Versorgung von Gebäuden mit Heizung und Warmwasser. Der Transport der thermischen Energie erfolgt in einem wärmegedämmten Rohrsystem, das überwiegend erdverlegt ist, teilweise werden jedoch auch Freileitungen verwendet.

Fernwärme versorgt vor allem Wohngebäude neben Heizung auch mit Warmwasser, indem die Wärme vom Erzeuger oder der Sammelstelle zu den Verbrauchern geleitet wird. Unter Fernheizung wird die Erschließung ganzer Städte oder Stadtteile verstanden. Bei der örtlichen Erschließung einzelner Gebäude, Gebäudeteile oder kleiner Wohnsiedlungen mit eigener Wärmeerzeugung spricht man auch von Nahwärme. Technisch und juristisch ist in allen Fällen Fernwärme die korrekte Bezeichnung.

Geschichte[Bearbeiten]

Aus archäologischen Stätten aus der Römerzeit weiß man, dass heißes Thermalwasser nicht nur für Badezwecke vor Ort verwendet wurde, sondern auch mittels Leitungen in Becken und Gebäude für Bodenheizungen transportiert wurde. Fernwärmeheizungen existieren also bereits seit mehr als 2000 Jahren.

In Chaudes-Aigues, einem Dorf im Süden des französischen Zentralmassivs, wurde 1332 das weltweit erste städtische Wärmenetz installiert. Das 82 °C heiße Thermalwasser leitete man mit hölzernen Wasserleitungsrohren in die Häuser.[1]

Technischer Ablauf[Bearbeiten]

Oberirdische Leitung über B36 in Mannheim.
Fernwärmeleitung in einem Tunnel unter dem Rhein in Köln
Wärmeübergabestation in einer Großanlage
Gelenkskompensator in einer Fernwärmeleitung

Die Idee, Fernwärme in größerem Umfang und kommerziell zu nutzen, entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Durch die Verringerung der Anzahl der Feuerstätten in den Innenstädten wurde die Gefahr von Bränden gemindert und der Verschmutzung durch Kohle und Asche Einhalt geboten. Wesentlicher Gesichtspunkt ist die Möglichkeit, den Wirkungsgrad thermischer Kraftwerke zu erhöhen, indem man mittels sogenannter Kraft-Wärme-Kopplung Wärmeleistung zwischen oder nach den Turbinenstufen auskoppelt. Wasser ist mit seiner großen spezifischen Wärmekapazität besonders geeignet als Medium für den Wärmetransport. Im Bereich der Fernwärme wird es flüssig oder in Form von Dampf verwendet. In jüngerer Zeit werden jedoch Dampfnetze vermehrt durch Heißwassernetze ersetzt, da deren Betrieb unter anderem risikoärmer ist. Das Medium wird in wärmegedämmten Rohrleitungen in einem kontinuierlichen Kreislauf gefördert. Zur Vermeidung von Korrosionen und Härteausscheidungen auf den inneren Oberflächen der Rohre ist das verwendete Wasser im Kreislauf zumindest enthärtet.

Die Rohrleitungen von der Wärmequelle zu den Wärmesenken werden als Vorlauf, diejenigen von den Wärmesenken zurück zur Wärmequelle als Rücklauf bezeichnet. Die in direktem Kontakt zum Medium stehenden Rohre werden als Mediumrohre bezeichnet. Je nach Mediumtemperatur, erforderlichem Durchfluss und statischen Erfordernissen kommen als Rohrleitungssysteme Kunststoffmantelverbundrohre, Stahlmantelrohre, Wickelfalzrohre und verschiedene flexible Rohrsysteme (Verbundrohrsysteme, Rohrsysteme ohne Verbund) zum Einsatz. Übliche Betriebstemperaturen für den Vorlauf in einem mit Heißwasser betriebenen Fernwärmenetz sind 80-130 °C bei einem Betriebsdruck von 1,6-2,5 MPa (16-25 Bar).[2] In kleineren Fernwärmenetzen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen von 80–90 °C wird auch mit geringeren Betriebsdrücken von 0,4–1,0 MPa (4–10 Bar) gearbeitet. Beim Verbraucher erfolgt die Wärmeübergabe mit Hilfe einer Übergabestation, auch Kompaktstation genannt, die aus verschiedenen Komponenten bestehen kann. In den meisten Fällen ist der Fernwärmekreislauf durch einen Wärmeübertrager hydraulisch vom Verbraucherkreislauf getrennt, in wenigen Fällen (Großverbraucher) wird der Fernwärmekreislauf direkt angekoppelt. Insbesondere bei Wohngebäuden orientiert sich die Auslegung der Übergabestation nicht primär am Heizwärmebedarf, sondern am Wärmebedarf für die Warmwasserbereitung. Bei der Warmwasserbereitung muss zur Vermeidung einer Kontamination der Warmwasseranlage mit Legionellen eine Warmwassertemperatur von mehr als 60 °C aufrechterhalten werden. Für die Warmwasserbereitung stehen je nach Bedarf drei Varianten zur Verfügung:

  • Beim Durchflusssystem wird das benötigte Warmwasser direkt im Wärmeüberträger der Übergabestation erwärmt. Dies erfordert einen entsprechend großen Wärmeüberträger mit entsprechend groß dimensioniertem Fernwärmeanschluss. Dafür ist das Risiko einer Kontaminierung mit Legionellen sehr gering und der Rücklauf des Fernwärmewassers wird auf ein niedriges Temperaturniveau abgesenkt. Das Durchflusssystem eignet sich für Abnehmer mit relativ gleichmäßigem Warmwasserbedarf und für Abnehmer mit ohnehin sehr geringer Fernwärmeanschlussleistung, da die Übergabestation im technisch sinnvollen Rahmen nicht beliebig klein ausgelegt werden kann.
  • Beim Speichersystem wird Wasser in einem Speicher erwärmt („der Speicher wird geladen“) und bei Bedarf aus diesem entnommen. Der Fernwärmeanschluss kann wesentlich kleiner ausgelegt werden. Dafür steigt das Risiko einer Kontaminierung mit Legionellen, was spezielle Schutzmaßnahmen (regelmäßige thermische Desinfektion) erfordert. Die Temperatur im Warmwasserspeicher kann im ungünstigsten Fall fast bis auf die Rücklauftemperatur des Fernwärmewassers steigen, was einen ungünstigen Betriebszustand darstellt, da in diesem Bereich nur eine geringe Wärmemenge in den Speicher übergeben wird, was das Heizen auf die maximal gewünschte Temperatur verlangsamt. Außerdem ist die verfügbare Warmwassermenge durch das Volumen des Speichers begrenzt. Nach Entnahme der verfügbaren Menge muss gewartet werden, bis der Speicher wieder geladen wurde. Nachteilig sind auch der zusätzliche Platzbedarf des Speichers und die Wärmeverluste des Speichers. Speichersysteme eignen sich für Abnehmer mit stark schwankendem Warmwasserbedarf wie etwa einzelne Wohnhäuser.
  • Das Speicher-Lade-System kombiniert das Durchflusssystem mit dem Speichersystem. Das enthaltene Durchflusssystem wird nur auf einen durchschnittlichen Warmwasserbedarf ausgelegt, der Fernwärmeanschluss kann somit kleiner als beim reinen Durchflusssystem ausgelegt werden. Spitzenlasten werden über einen Warmwasserspeicher abgedeckt, der in Schwachlastzeiten geladen wird.[3]

Die Erzeugung von Fernwärme erfolgt üblicherweise in großen Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), kleineren Blockheizkraftwerken, in Müllverbrennungsanlagen oder Fernheizwerken. Als Brennstoff werden die verschiedenen Formen der Kohle, Erdgas, Biogas, Öl, Holz und Holzprodukte, Solarthermie sowie Müll in verschiedenen Zusammensetzungen und Aufbereitungsformen verwendet. In wenigen Ländern, z. B. in der Schweiz, wird Fernwärme auch aus Kernkraftwerken ausgekoppelt. In Island, aber auch in Mitteleuropa, wird Fernwärme in Geothermiekraftwerken erzeugt. In Skandinavien, aber auch in Teilen Deutschlands und Österreichs, wird Fernwärme auch mit solarthermischen Kraftwerken unterstützt[4] und ist unter dem Begriff Solare Fernwärme bekannt. Fernwärme kann in Zeiten günstiger Strompreise auch mit Strom in einem Elektrodenheizkessel erzeugt werden. Diese in Dänemark verbreitete Technik wurde erstmals im Frühjahr 2013 in Deutschland von den Stadtwerken Flensburg realisiert.[5] Soweit möglich wird auch die Abwärme von Industriebetrieben, zum Beispiel von Raffinerien oder Stahlwerken, als Wärmequelle genutzt.

Wegen des auch bei sehr guter Wärmedämmung nicht zu vermeidenden Wärmeverlustes über längere Strecken und des hohen Investitionsaufwandes für das Leitungssystem eignet sich Fernwärme nur bei dichter Bebauung. Fernwärmenetze weisen üblicherweise sternförmige Verteilstrukturen mit maximalen Leitungslängen im Bereich einiger 10 km auf. Die längste Fernwärmeleitung in Österreich mit 31 km befindet sich zwischen dem Kraftwerk Dürnrohr und der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten. In Deutschland wird bei normaler Vorortbebauung das Wort „fernwärmeversorgungsunwürdig“ benutzt, wenn eine Fernwärmeversorgung unrentabel erscheint. In Skandinavien werden Fernwärmenetze auch in den Villenvorstädten betrieben.

Die größten deutschen Fernwärmenetze sind in Berlin, Hamburg und München zu finden. Flensburg gehört zu den Städten mit dem höchsten Marktanteil bei Fernwärme (>90 %). Vorbild für Flensburg waren diejenigen dänischen Städte an der Ostsee, die eine etwa gleiche Fernwärmedichte aufweisen.

Bei der Auslegung von Fernwärmenetzen und der Wahl der Betriebsweise sind zahlreiche Faktoren zu beachten:

  • Summation der zeitabhängigen Abnehmerforderungen bezüglich Wärme- und Masseströmen unter Beachten der Gleichzeitigkeit;
  • Ermittlung der Temperaturverläufe im Rohrnetz unter Berücksichtigung der Transportzeiten in den Rohrstrecken;
  • Möglichkeiten der Wärmespeicherung im Netz mit dem eventuellen Ziel die Spitzenlast an der Einspeisung zu senken bzw. bei Heizkraftwerken einen begrenzten Vorrang der Stromerzeugung zu ermöglichen;
  • Druckverluste in den Netzabschnitten;
  • Gestaltung der Druckhalteanlagen (z. B. dynamische Mitteldruckhaltung oder statische Saug- oder Enddruckhaltung) in Abhängigkeit von der Netzgeometrie, den geodätischen Unterschieden längs der Trassen und der erforderlichen Volumenausgleichsströme sowie Fixierung des Ruhedruckes und Einordnung des maximalen Betriebsdruckverlaufs in sogenannten Druckschaubildern;
  • Optimale Bemessung der Rohrdurchmesser und der Rohrdämmung mit dem Ziel minimaler Jahresgesamtkosten;
  • Optimale Fahrkurven.

Algorithmen zur optimalen Bemessung unter Beachten der vorgenannten Randbedingungen sind kostenlos erhältlich.[6]

Besonderheiten beim Rohrbau[Bearbeiten]

U-Dehnungsbogen (auch: Lyra-Bogen) zum Längenausgleich durch Dehnung des Rohrmaterials bei unterschiedlichen Temperaturen, hier bei erdverlegten Fernwärmeleitungen
Hinweisschilder auf zwei Schieber, je einer in der Vorlauf- und einer in der Rücklaufleitung, Schieber befinden sich 1,5 Meter links vom Schilderpaar, Vorlauf- und Rücklaufleitung mit Mediumrohrnennweite DN 80 und Nennbetriebsdruck PN 16

Der Ausdehnungskoeffizient der als Fernwärmeleitungen verlegten Stahlrohre führt bei den großen zu überbrückenden Entfernungen und Temperaturschwankungen zu nicht zu vernachlässigenden Längenänderungen der Rohrleitungen. Bereits bei der Trassenplanung sind daher Maßnahmen wie die charakteristischen U-förmigen Kompensationsschenkel (auch U-Bogen genannt) oder Kompensatoren einzuplanen.[7] Die Kompensatoren haben sich mittlerweile als Schwachstellen in Fernwärmenetzen erwiesen, weshalb sie nach Möglichkeit, also vor allem bei Neubauten, durch U-Bögen oder Z-Bögen ersetzt werden. Da Kompensatoren meist aus anderen Werkstoffen als die Mediumrohre bestehen, tritt durch die Materialübergänge verstärkt elektrochemische Korrosion auf, die durch die mechanische Dauerbelastung verstärkt wird. Dies führt häufig zum Ausfall der Kompensatoren vor der angestrebten Mindestlebensdauer des Fernwärmenetzes. Vor allem im Bereich von Hausanschlüssen oder bei ohnehin notwendigen Versatzen in der Fernwärmetrasse kommen zur Kompensation auch Z-Bögen zum Einsatz.

Lecküberwachungssysteme[Bearbeiten]

Fernwärmerohre vor der Verlegung mit den noch aufgerollten Kupferdrähten in der gelben Wärmedämmung, nordisches System

In Rohrnetze, die mit Kunststoffmantelverbundrohren oder Stahlmantelrohren aufgebaut sind, wird häufig eine Lecküberwachung integriert. Kunststoffmantelverbundrohre müssen dafür bei der Herstellung mit einem Lecküberwachungssystem ausgerüstet werden, was mittlerweile der Regelfall ist. Bei Stahlmantelrohren ist ein Betrieb mit Permanentvakuum im Ringraum der Rohrleitungen erforderlich, der allgemein üblich ist. In Rohrnetzen, die mit flexiblen Verbundrohren aufgebaut sind, ist eine Lecküberwachung wie bei Kunststoffmantelverbundrohren möglich. Diese wird jedoch nicht überall eingesetzt. Flexible Verbundrohre müssen dafür bei der Herstellung mit einem Lecküberwachungssystem ausgerüstet werden, was je nach Rohrhersteller nur auf Kundenwunsch bei entsprechend großen Abnahmemengen erfolgt.

Qualitätsanforderungen an das Fernheizwasser[Bearbeiten]

Zur Vermeidung von Härteausscheidungen auf den inneren Oberflächen der Rohre ist das Wasser im Kreislauf zumindest enthärtet. Da entsalztes Wasser deutlich weniger Korrosion verursacht als nur enthärtetes Wasser, wird ein möglichst niedriger Restsalzgehalt im Umlaufwasser moderner Fernwärmenetze angestrebt. Dies wird durch Verwendung von Deionat als Zusatzwasser und, falls erforderlich, einer zusätzlichen Teilstrom-Entsalzung der Umlaufwassermenge im System erreicht. Insbesondere wird eine maximale Chloridionenkonzentration von 50 ppm[8] angestrebt, da Chloridionen die Korrosion metallischer Komponenten beschleunigen. Neben dem Salzgehalt spielt auch der Sauerstoffgehalt für die Korrosionsneigung eines Wassers eine wesentliche Rolle. Daher ist die Sauerstoffkonzentration im Fernwärmekreislaufwasser ebenfalls begrenzt. Ein weiterer Parameter mit Auswirkungen auf die Korrosionsgeschwindigkeit ist der pH-Wert. Der pH-Wert des Kreislaufwassers sollte daher mit Alkalisierungsmitteln auf über 9 angehoben werden, um die Sauerstoffkorrosion zu senken. Als Alkalisierungsmittel kommt neben Natronlauge auch Trinatriumphosphat zum Einsatz.[8][9][10]

Rechtliche Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Definition durch den Bundesgerichtshof[Bearbeiten]

Der Bundesgerichtshof definiert den Rechtsbegriff Fernwärme wie folgt:

„Wird aus einer nicht im Eigentum des Gebäudeeigentümers stehenden Heizungsanlage von einem Dritten nach unternehmenswirtschaftlichen Gesichtspunkten eigenständig Wärme produziert und an andere geliefert, so handelt es sich um Fernwärme. Auf die Nähe der Anlage zu dem versorgenden Gebäude oder das Vorhandensein eines größeren Leitungsnetzes kommt es nicht an.“[11]

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten]

Grundlage für die Versorgung mit Fernwärme ist ein Wärmeliefervertrag. Grundlagen hierfür sind unter anderem das BGB und die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) des Bundesministers für Wirtschaft vom 20. Juni 1980,[12] die zuletzt durch Artikel 5 des Gesetzes vom 4. November 2010 (BGBl. I S. 1483) geändert worden ist.[13]

Fernwärme und Wohnungseigentum[Bearbeiten]

Vertragspartner ist in der Regel der Wohnungs- oder Gebäudeeigentümer, jedenfalls derjenige, der die Verfügungsbefugnis über den Hausanschluss hat (§ 2 Abs. 2 AVBFernwämeV).[14]

Fernwärmekartelle[Bearbeiten]

Die Anzahl der Leitungshersteller ist relativ gering. So kam es in den 1990er Jahren dazu, dass Preise, Marktanteile und abzugebende Angebote für Großprojekte im Vorfeld durch dieses Kartell bestimmt wurde. Als Beispiel dazu ist der Wärmeverbund Leipzig-Lippendorf zu erwähnen. In der abschließenden Bietrunde forderte VEAG, die es klar als Nachteil empfand, dass die sechs Hersteller nicht gegeneinander bieten wollten (Preise waren zwischen 33 und 34 Mio. ECU), Powerpipe zur Abgabe eines Angebots auf. Nach Erhalt des Powerpipe-Angebots über rund 26 Mio. DEM entschied die VEAG am 21. März 1995, Powerpipe den Zuschlag zu erteilen. Jährliche Preiserhöhungen von 15 % wurden üblich. Mitbewerber außerhalb des Kartells wurden durch Tiefpreise im Eigenmarkt, sowie Unterdrückung und Androhung der Vorlieferanten benachteiligt. So wurde verhindert, dass Powerpipe als Nichtmitglied ihren Verpflichtungen für das Fernwärmenetz Leipzig-Lippendorf nachkam und fristgerecht liefern konnte. Die Untersuchungskommission hat diese teils schriftlichen Absprachen festgestellt. Mitglieder dieses Kartells waren europäische Hersteller die teils auch heute existieren wie z. B. Logstor, isoplus, Starpipe, Brugg, Ke-kelit. Das Kartell war nebst Deutschland auch in Österreich und der Schweiz tätig und agierte später auch international. Die Geschäftsführer trafen sich als „Elefantengruppe“ und bestimmten die Quoten und zukünftige Marktanteile jeweiliger Mitglieder. Die Entscheidung des Gerichtshofs bestätigte die Tätigkeiten der Kartellmitglieder. Die geschädigte Firma Power-pipe überstand den Prozess nicht. Rohrhersteller, die sich auf reine Kunststoffleitungen fokussierten, blieben stets außerhalb des Kartells. Das Kartell wurde selbst nach den Nachprüfungen der Staatsanwaltschaft fortgesetzt, was auch im Urteil festgehalten wurde.[15]

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Heizhaus in Pasewalk
Oberirdische Fernwärmeleitungen in Hameln
Fernwärmespeicher in Chemnitz
Die Adern von Jena, künstlerisch gestaltete Fernwärmeleitungen

Der Anteil der Fernwärme am Energiemarkt ist in den östlichen Bundesländern, wo 32 % der Haushalte mit Fernwärme versorgt werden, wesentlich höher als in den westlichen Bundesländern, wo nur 9 % der Haushalte an ein Fernwärmenetz angeschlossen sind.[16]

Der Anteil der Wohnungen, die mit Fernwärme beheizt werden, wird auf etwa 14 % beziffert.[16] Der Marktanteil des Stroms aus der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) soll bei 7 % der Bruttostromerzeugung liegen.[16]

1992[17] 2005[16]
Unternehmen 216 240
Netzlänge [km] 14.136 19.284
Hausübergabestationen 218.841 324.531
Wärmeanschlusswert [MW] 55.336 52.729
Wärmenetzeinspeisung [TJ/a] 349.413 313.902
Wärmenetzeinspeisung [GWh/a] 97.060 87.857
Anteil KWK [%] 66 83
Anteil Heizwerke [%] 37 16
Anteil Abwärmenutzung [%] 2 1
Stromerzeugung aus KWK gesamt [GWh] k.A. 35.604
davon aus eig. Anlagen [GWh] 22.700 31.103

Die Kraft-Wärme-Kopplung reduziert den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Die Arbeitsgemeinschaft für Wärme und Heizkraftwirtschaft (AGFW) beziffert die CO2-Ersparnis durch die Fernwärmenutzung für 2002 auf 7,5 Mio. Tonnen. Eine besonders günstige CO2-Bilanz haben Biomasseheizkraftwerke.

In einem Ausbau der Fernwärme, die in Heizkraftwerken erzeugt wird, liegen noch deutliche Potenziale zur Senkung der Emissionen, insbesondere der von CO2. Die Fernwärmenetze sind in den letzten zehn Jahren zwar ausgebaut worden, was Netzlänge und die Anzahl der Übergabestationen betrifft. Trotzdem sind die Anschlusswerte und die Liefermengen rückläufig, weil die verbesserte Wärmedämmung der Gebäude die Nachfrage sinken lässt. In Deutschland werden nach wie vor Großkraftwerke ohne Fernwärmeauskopplung betrieben, obwohl dies bei den Anlagen technisch möglich wäre. Hier sind insbesondere die drei Kernkraftwerke des Konvoi-Typs (Isar 2, Emsland, Neckarwestheim 2) zu nennen. Vor allem in älteren Fernwärmenetzen ist zudem häufig die Situation anzutreffen, dass vornehmlich Großabnehmer angeschlossen sind, nicht jedoch die entlang der Fernwärmeleitungen liegenden Wohngebäude. Vor allem privatrechtliche Hemmnisse, aber auch die damit verbundenen Investitionskosten erschweren den nachträglichen Anschluss dieser Wohngebäude, wohingegen die vorhandenen Leitungskapazitäten wegen des allgemein sinkenden Wärmebedarfs meist kein Hindernis darstellen. In mit Fernwärme erschlossenen Neubaugebieten können Kommunen aus Gründen des Klimaschutzes für alle Grundstücke einen Anschluss- und Benutzungszwang für die Nutzung der Fernwärme vorschreiben. Dieser Anschluss- und Benutzungszwang ist mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes rechtmäßig.[18]

Das Bundeskartellamt hat nach Hinweisen auf missbräuchlich überhöhte Preise den Fernwärmemarkt einer so genannten "Sektoruntersuchung" unterzogen. Ein insgesamt überhöhtes Preisniveau im Fernwärmesektor stellt die Behörde nicht fest.[19] Sie hat aber die Versorger hinter mindestens elf Fernwärmenetzen ab einem Kilometer Leitungslänge im Verdacht, missbräuchlich überhöhte Preise zu kassieren und prüft jetzt, ob förmliche Verfahren einzuleiten sind. Welche Versorger und Netze betroffen sind, ist noch unklar. Stiftung Warentest hat gezielt nachgefragt und sieht die Behörde in der Pflicht, die betroffenen Unternehmen zu nennen.[20]

Berlin[Bearbeiten]

Das Berliner Fernwärmenetz ist 1700 km lang und versorgt 1 Mio. Haushalte. Durch den ausgewogenen Brennstoffmix mit rund 57% Kohle, 4% erneuerbaren und 39% Erdgas ist es sehr versorgungssicher.[21]

Hinterkranau[Bearbeiten]

1955 begann ein Modellprojekt in Hinterkranau, bei dem auch die Verwendung von Öl für den Fernwärmetransport zum Endverbraucher getestet wurde.

Greifswald[Bearbeiten]

Das von Greifswald im 20 km entfernten Lubmin erbaute Kernkraftwerk Lubmin (auch: Kernkraftwerk Nord) deckte ca. 10 % des Strombedarfs der DDR und diente bis 1990 auch dazu, vorrangig die südlichen Neubaugebiete von Greifswald mit Fernwärme zu versorgen. Ziel war, als erste Stadt der DDR schornsteinfrei zu werden. Nach Stilllegung der Kraftwerksblöcke wurde die fehlende Fernwärme behelfsmäßig durch Ölheizkessel und ab 1995 größtenteils durch erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke und eine Gasturbinenanlage, alle direkt in Greifswald, erzeugt.[22]

Flensburg[Bearbeiten]

1969 begannen die Stadtwerke Flensburg mit dem Aufbau des Fernwärmenetzes. Das vorhandene Kraftwerk wurde bis 1971 zu einem Heizkraftwerk mit 170 MW elektrischer und ca. 800 MW thermischer Leistung umgerüstet. Als Primärenergie wird Steinkohle eingesetzt, 2004 ca. 300.000 t. Seit 2008 werden zusätzlich Ersatzbrennstoffe sowie Holzhackschnitzel verfeuert, ihr Anteil kann bis zu 25 % des Brennstoffes ausmachen.[23] In das Netz sind vier Reserveheizwerke integriert. Das Versorgungsgebiet umfasst die Stadt Flensburg, die Stadt Glücksburg, die Gemeinde Harrislee und den dänischen Grenzort Padborg. Ab 2010 wird die Gemeinde Wees (1 km östlich von Flensburg) an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Das Leitungsnetz umfasst 577 km. Dieses Netz beliefert über 15.000 Anschlüsse im Versorgungsgebiet mit ca. 1 Mrd. kWh, das sind ca. 1.000 GWh, pro Jahr (Stand 2004).

Der Anteil der Fernwärme am Wärmemarkt (Raumwärme und Warmwasserbereitung) im Versorgungsgebiet beträgt ca. 98 %. Dieser Erfolg des Fernwärmeangebots ist durch wirtschaftlich attraktive Preise für die Wärmeversorgung erreicht worden. Im Vergleich zu den sonst in Deutschland üblichen Einzelheizungen und durch die Kraft-Wärme-Kopplung im Heizkraftwerk ergibt sich eine beachtliche Schadstoffersparnis. Durch den Ersatz der vor 1969 noch vorherrschenden Einzelheizungen ist der Ausstoß von Stäuben stark reduziert worden.

Kiel[Bearbeiten]

In Kiel werden 60 Prozent der Stadtwerkekunden durch den 1368 Meter langen Fernwärmetunnel Kiel versorgt,[24] der unterhalb der Kieler Förde verläuft. Die Wärmeversorgung wird größtenteils durch das Gemeinschaftskraftwerk Kiel bereitgestellt, das aufgrund seines Alters mittelfristig durch ein neues Gasmotorenkraftwerk ersetzt werden soll.

Situation in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz liegt der Anteil der Fernwärme an der gesamten Wärmeversorgung bei 3,5 %.[25]

Basel[Bearbeiten]

Das Fernwärmenetz in Basel ist 198,2 km (Stand 2004) lang. Jährlich kommen nach Angaben der Netzbetreiberin IWB (Industrielle Werke Basel) einige Kilometer dazu. Angeschlossen sind neben Krankenhäusern, öffentlichen Gebäuden, Industrie- und Gewerbebetrieben rund 40.000 Wohnungen. Das Fernwärmeversorgungsgebiet wurde 1979 festgelegt. In diesem Gebiet besteht für alle Häuser eine Anschlusspflicht. 2004 wurden in Basel 1.003 Mio. KWh Fernwärme produziert, davon 55 % aus Erdgas, Schlamm und Öl sowie 45 % aus Kehricht (Müll).

Das Fernwärmenetz in Basel ist seit 1942 in Betrieb. Es ist eine Heißwasseranlage. Heute hat das Fernwärmesystem drei Zentralen (Fernheizkraftwerk Voltastraße, Kehrichtverwertungsanlage und Heizkraftwerk Bahnhof SBB). Im Fernheizkraftwerk Voltastraße wird Erdgas in Wärme und Strom umgesetzt. Die gewonnene Wärme wird durch ein ringförmig angelegtes, gut wärmegedämmtes Leitungsnetz unterirdisch im ganzen Fernwärmegebiet verteilt und der produzierte Strom ins Netz eingespeist.

Unteres Aaretal[Bearbeiten]

Im unteren Aaretal existiert ein räumlich relativ ausgedehntes Fernwärmenetz (Regionale Fernwärme unteres Aaretal-REFUNA), das hauptsächlich durch Wärmeauskopplung aus dem Kernkraftwerk Beznau versorgt wird. Die Gesamtlänge des Fernwärmenetzes beträgt 134 km, wobei 36 km auf das Hauptnetz entfallen. 11 Gemeinden sind an das Fernwärmenetz angeschlossen, insgesamt werden etwa 15.000 Bewohner mit einer Anschlussleistung von etwa 81 MW versorgt.

Der Aufbau des Fernwärmenetzes wurde Anfang der 1980er Jahre als Reaktion auf die Ölkrise begonnen, im Winter 1983/84 wurde das Paul Scherer Institut in der Nähe des Kernkraftwerks als erster Abnehmer an das Netz angeschlossen.

Für die Fernwärmeausspeisung im KKW wird Dampf nach den Hochdruckturbinen mit 127 °C in einen Wärmetauscher geleitet, wo er das unter Druck stehende Wasser im Fernwärmenetz auf 120 °C erhitzt. Beide Blöcke des KKW können Fernwärme ausspeisen, sodass diese auch zur Verfügung steht, wenn ein Block in Revision ist. Zur weiteren Erhöhung der Verfügbarkeit existieren vier Ölbefeuerte Heizwerke. Bei maximaler Wärmeauskopplung wird die elektrische Leistung des KKW um bis zu 7,5 MW reduziert.

Situation in Österreich[Bearbeiten]

Bereits in den 50er Jahren wurde in Österreich mit der Fernwärmeversorgung in den Städten Baden, Klagenfurt[26] und Wels[27]; begonnen. 1980 waren 83.000 Wohnungen mit Fernwärme beheizt, zehn Jahre später 226.000 und 2010 bereits 758.000 Wohnungen. Somit sind im Jahre 2012 22 % (2010 21%) der österreichischen Wohnungen mit Fernwärme beheizt.[28] In Österreich wurden im Jahr 2003 etwa 14,9 TWh an Fernwärme, vor allem in den großen Ballungszentren verbraucht. Im Jahre 2013 kamen mit überwiegenden Anteil von über 40% die Brennstoffe Biomasse und Hausmüll, weiters 4% Kohle und 7 % Mineralöle und im stark fallendem Masse Erdgas und Heizöl zum Einsatz. Betrug der Erdgaseinsatz für die Fernwärmeproduktion im Jahre 2007 noch über 50% ist dieser im Jahre 2013 bereits auf 39% gefallen[29] und für das Jahr 2020 gar nur mehr mit einen 25%igen Anteil prognostiziert. Demgegenüber steigt bis 2030 der Anteil der biogenen Brennstoffe auf weit über 33% für die Fernwärmeproduktion an, und stellt dann gemeinsam mit dem Hausmüll fast 2/3 des Energieträgers für die Fernwärmeerzeugung dar. Außerhalb von Wien haben sich die erneuerbaren Energieträger in der Fernwärmeerzeugung bereits durchgesetzt.[30][31][32]

Niederösterreich[Bearbeiten]

Biomasseheizkraftwerk Mödling mit rund 28 MW Leistung

In Niederösterreich existieren neben den großen Biomasseheizkraftwerken in den Ballungszentren auch kleinere, vorwiegend mit Biomasse betriebene Fernheizwerke. Betrieben werden diese von großen Energieversorgern, Kommunen und Gewerbetreibenden, aber auch von Genossenschaften. Im Jahr 2005 wurden 271 Biomasseheizwerke mit Holz und Holzabfällen betrieben, weitere neun mit Stroh. Diese 280 Anlagen erreichten eine Gesamtleistung von insgesamt 322 MW. Die Errichtung derartiger Anlagen wird mit bis zu 40 % der Nettoinvestitionskosten gefördert. Im Jahr 2006 stieg die Leistung der Biomasseheizwerke und der Heizkraftwerke auf 589 MW bei 345 installierten Anlagen, 2007 waren es schon 684 MW bei 371 Anlagen.[33] Zu den größten mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben Fernwärmenetzen zählen das Fernwärmenetz Baden und das Fernwärmenetz des Großraumes Mödling.

Oberösterreich[Bearbeiten]

Biomasseheizkraftwerk Steyr (Abbildung aus dem Bauzustand)

In Linz werden 90 % aller öffentlichen Gebäude und rund 55.000 Wohnungen mit Fernwärme von der Linz AG versorgt,[34] der Marktanteil der Fernwärme ist 65 %.[35] Dabei setzt Linz seit 2005 in der Erzeugung der Wärme auf ein Biomasseheizkraftwerk mit einer Wärmeleistung von 21 MW;[36] ab 2012 speist auch die Abfallverbrennung in das Netz ein, sodass in Linz rund die Hälfte der Wärme erneuerbar ist.[37] Auch das (Heiz)Kraftwerk der voestalpine Stahl GmbH in Linz wird mit Kokereigas, Gichtgas, Tiegelgas (entsteht beim Einblasen von Sauerstoff in Tiegel bei der Stahlherstellung) und Erdgas betrieben und Strom und Heißdampf erzeugt, es liefert Abwärme als Fernwärme auch an private Haushalte im Stadtgebiet von Linz[38].[39] In Mauthausen, Gunskirchen und Schärding wurden ab 2010 neue Biomassefernheiznetze aufgebaut.[40] Die Energie AG betreibt Fernwärmenetze in Kirchdorf an der Krems, Riedersbach, Vöcklabruck, Aschach an der Donau[41] und Steyr[42],[43] welches ab 2012 mit einem zweiten Biomasseheizkraftwerk gespeist wird.

Salzburg[Bearbeiten]

In der Stadt Salzburg werden rund 25.000 Kunden aus einem ca. 250 km langen Fernwärmenetz versorgt, welches großteils von fossil betrieben Kraft-Wärme-Kopplungen gespeist wird.[44] Im gesamten Bundesland sind bis 2006 bereits 67 Biomasseheizwerke mit einer installierten Leistung von rund 150 MW in Betrieb, und die dadurch erzielten CO2-Einsparungen betragen über 125.000 t pro Jahr.[45][46] Im Raum Lofer und St. Martin bei Lofer ist ein über 50 %-iger Versorgungsanteil an Biomassefernwärme an der gesamten Wärmeerzeugung gegeben.

Steiermark[Bearbeiten]

Von 1985 bis 2012 sind in der Steiermark über 150 Nah- und Fernwärmenetze entstanden, die mit Biomasse nachhaltig ökologisch betrieben werden.[47] In der Landeshauptstadt Graz wurde im Jahre 2012 die Fernwärmeversorgung auf das neue fossil beheizte Gas-Kombikraftwerk Mellach umgestellt, welches nun 26 % der Grazer Haushalte[28] mit Fernwärme versorgt.[48] Im Jahre 2014 wurde die Wärmeversorgung für Graz wieder auf den alten Steinkohleblock von Mellach umgestellt.[49][50] In Bad Aussee wurde 2002 ein Biomasse-Fernwärmenetz von der Wien Energie mit einer jährlichen Arbeit von 23 GWh und 13 MW Anschlussleistung aufgebaut, welches im Jahre 2009 vom örtlichen Landesenergieversorger erworben wurde.[51]

Tirol[Bearbeiten]

Seit dem Jahre 1978 besteht in Kufstein ein Fernwärmenetz welches auf 29 km Trassenlänge rund 4000 Haushalte versorgt;[52] im Jahre 2003 wurde die Wärmeerzeugung von Blockheizmotoren und Erdgaskesseln auf ein Biomasseheizkraftwerk umgestellt.[53] Ein großes Fernwärmenetz wurde ab 2011 im Bereich Wattens, Innsbruck Neu-Rum und Olympische Dorf aufgebaut, welches mit Abwärme aus der Industrie gespeist wird.[54][55]

Wien[Bearbeiten]

Heizöl- und erdgasbefeuertes Fernheizwerk Inzersdorf mit einer thermischen Leistung von 358 MW

In Wien existiert Österreichs größte Fernwärmenetz, welches von Wien Energie betrieben wird. Im Geschäftsjahr 2004/2005 wurden 5.163 GWh verkauft, davon 1.602 GWh an insgesamt 251.224 Privatwohnungen und 3.561 GWh an insgesamt 5.211 Großkunden. Die Erzeugung erfolgt zu einem geringen Teil von 22 % in den drei großen Müllverbrennungsanlagen, Spittelau, Simmeringer Haide und Flötzersteig, die neben rund 116 GWh elektrischer Energie rund 1.220 GWh an Fernwärme produzieren. 50 % der erzeugten Fernwärme stammt aus fossilen kalorischen Kraftwerken wie dem Kraftwerk Simmering und wird dort aus dem Primärenergieträger Erdgas gewonnen. Die restlichen 20 % der Fernwärme werden von großen Spitzenlastheizwerken aus Erdgas erzeugt. Weiters gibt es in Wien ein Biomasseheizkraftwerk welches 12.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt.[56][57] Ferner existiert parallel dazu in Wien ein kleineres Netz für Fernkälte. 2014 errichtet die Stadt ein weiteres erdgasbefeuertes Fernheizwerk im Arsenal mit einer Leistung von 340 MW und kann damit bereits mit allen Anlagen über 1300 MW Fernwärme aus Gas in Heizkesseln erzeugen.[58]

Kärnten[Bearbeiten]

Am 12. August 1947 fand die Grundsteinlegung für das erste Fernheizwerk Österreichs in Klagenfurt statt, welches im März 1949 in Betrieb ging. Die erste Ausbaustufe hatte eine Leistung von 10 MW und eine Netz-Vorlauftemperatur von 180 °C. 1953 betrug die Wärmespitzenleistung des Netzes bereits 33 MW. Heute werden jährlich rund 300 GWh an Fernwärme in das Netz eingespeist.[59] In den letzten Jahren wurden in Kärnten viele Biomasseheizwerke (so z. B. Rennweg am Katschberg, Klagenfurt-Emmersdorf) aufgebaut um die CO2-Bilanz zu verbessern.[60][61]

Situation in Dänemark[Bearbeiten]

In Dänemark wurde 2012 etwa die Hälfte der Gebäude mit Fernwärme beheizt. Mit Gas heizen 17 Prozent der dänischen Bevölkerung, mit Öl 10 Prozent. Bei Neubauten dürfen in Dänemark seit Anfang 2013 keine Gas- oder Ölheizung mehr einbauen. Bei Bestandsimmobilien gilt das Verbot ab 2016. Zur Finanzierung der dänischen Energiewende zahlen die Verbraucher seit Jahresbeginn 2013 eine „Versorgungssicherheitsgebühr“. Sie wird auf fast alle Brennstoffe fällig und steigt schrittweise bis 2020Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren. Am Ende soll jeder Haushalt 174 Euro mehr fürs Heizen zahlen, für Unternehmen soll es pro Beschäftigtem 27 Euro mehr sein.[62]

Situation im ehemaligen Ostblock[Bearbeiten]

Das Kernheizwerk Gorki in Russland

Auf dem Gebiet der ehemaligen Ostblockstaaten existieren in vielen Städten umfangreiche Fernwärmenetze. Dies liegt unter anderem daran, dass in den ehemaligen Ostblockstaaten keine privatrechtlichen Hemmnisse gegen den Ausbau der Fernwärme bestanden. Die Rohrleitungen waren meist von sehr schlechter Qualität auf Grund der Verwendung minderwertiger Rohstoffe. Insbesondere die verwendete Wärmedämmung aus Glas- oder Mineralfaserwolle zeichnete sich oft durch eine unverhältnismäßig hohe Wärmeleitfähigkeit und eine geringe Lebensdauer aus. Dies führte in strengen Wintern nicht selten zum Einfrieren der Leitungen, wodurch auch alle angeschlossenen Heizungen ausfielen. Begünstigt wurde das Einfrieren der Rohrleitungen dadurch, dass häufiger Freileitungen verlegt wurden, die anders als erdverlegte Rohrleitungen der Witterung ausgesetzt sind. Aktuell werden in den osteuropäischen Staaten viele Fernwärmenetze saniert und auf den heutigen Standard gebracht, weshalb mittlerweile auch dort marktnah Kunststoffmantelverbundrohre nach aktuellem europäischen Standard (EN 253) gefertigt werden.

In Russland wurde noch 1983 in den Städten Woronesch und Gorki (heute Nischni Nowgorod) angefangen, die Kernheizwerke Kernheizwerk Woronesch und Kernheizwerk Gorki zu bauen, um mit der im Reaktor entstehenden Wärme die Städte mit Fernwärme zu versorgen. Beide Projekte wurden aufgegeben. In Betrieb befindliche Anlagen, die Fernwärme aus Kernenergie in Osteuropa gewinnen, sind unter anderem in Russland das Kernkraftwerk Bilibino und in der Slowakei das Kernkraftwerk Bohunice mit dessen Anlage V2.

Nachteile[Bearbeiten]

Hauptnachteil sind die hohen Energieverluste, die entlang der langen Rohrleitungen trotz Wärmedämmung auftreten. Gelegentlich versorgt Fernwärme nur die Heizung innerhalb eines Hauses; in diesem Falle muss das Warmwasser zusätzlich über einen hydraulischen oder elektrischen Durchlauferhitzer produziert werden, der seinerseits erhebliche Stromkosten verursacht. Es gibt aber auch Fernwärmeunternehmen, die diesen Nachteil beseitigt haben und neben Raumwärme auch ganzjährig Warmwasser für ihre Kunden bereiten.[63] Ein weiterer Nachteil ist vor dem Hintergrund der Energiewende die in Deutschland geltende maximale Vertragslaufzeit von 10 Jahren.

Fernkälte[Bearbeiten]

Ein großer Teil der verfügbaren Wärme wird nur in den kalten Wintermonaten benötigt. Deshalb wird nach Möglichkeiten gesucht, die Energie auch im Sommer zu nutzen. Ein sinnvolles Einsatzgebiet ist die Fernkälte. Dabei wird dem Kunden wie im Winter heißes Wasser geliefert, welches vor Ort mit Hilfe von Absorptionskältemaschinen Kälte erzeugt. Dieses Verfahren wird zur Zeit für Einrichtungen mit großem Kältebedarf, zum Beispiel Krankenhäuser oder Einkaufszentren, eingesetzt. In Chemnitz gibt es einen zentralen Kältespeicher, der Einrichtungen in der Stadt versorgt.[64]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fernwärme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thermalwasser und Geothermie — Thermalwasser wurde schon in der Antike genutzt
  2. Broschüre Wärme aus der Ferne der Sankt Galler Stadtwerke (PDF; 3,86 MB)
  3. http://www.nahwaerme-forum.de/leitfaden/leitfaden_hausstationen1.html [Seite nicht mehr erreichbar]
  4. solar-district-heating.eu
  5. energynet.de: Thermische Speicherung von günstigem Strom für Flensburger Fernwärmenetz, 6. Mai 2013
  6. Bernd Glück: Heizwassernetze für Wohn- und Industriegebiete. Verlags- und Wirtschaftsgesellschaft der Elektrizitätswerke mbH, Frankfurt am Main.
  7. Planungshandbuch der Fa. isoplus, Kapitel Projektierung
  8. a b AGFW-Richtlinie, FW 510 Anforderungen an das Kreislaufwasser von Industrie- und Fernwärmeheizanlagen, sowie Hinweise für deren Betrieb; 11/03
  9. Qualitätsanforderungen an Fernheizwasser VGB-M 410 N 1994-02
  10. Anforderungen an das Kreislaufwasser in Industrie- und Fernwärmeheizanlagen sowie Hinweise für deren Betrieb, VdTÜV-Merkblatt 1466, 1989-02
  11. BGH-Urteil vom 25. Oktober 1989, NJW 1990, 1181.
  12. BGBl. I S. 742.
  13. BGBl. I S. 112.
  14. so auch Landgericht Frankfurt am Main RdE 1989, S. 165 f.
  15. Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) 28. Juni 2005
  16. a b c d AGFW-Branchenreport 2006.
  17. Arbeitsbericht 2003 der Arbeitsgemeinschaft für Wärme und Heizkraftwirtschaft AGFW.
  18. BVerwG Urteil vom 25. Januar 2006, Az. 8 C 13.05
  19. Bundeskartellamt: Abschlussbericht Sektoruntersuchung Fernwärme Rz. 6 (PDF-Datei; 1,09 MB; Seite nicht vorhanden!)
  20. Stiftung Warentest: Fernwärmeanbieter unter Verdacht
  21. Vattenfall: Wärme wie für Sie gemacht
  22. Erzeugerstätten der Fernwärme von Greifswald Stand 17. Oktober 2010.
  23. greenco2ncept. Internetseite der Stadtwerke Flensburg. Abgerufen am 28. Januar 2012.
  24. Jahrhundertbau hielt 17 Jahre. In: Kieler Nachrichten, 13. März 2009.
  25. Fernwärme auf neuen Wegen. Einladung zu einer Fachtagung des Verband Fernwärme Schweiz (VFS) im Jahr 2008, abgerufen am 28. Juni 2008 (PDF).
  26. Chronik, Stadtwerke Klagenfurt Gruppe, abgerufen 19. Mai 2012.
  27. Chronik der Elektrizitäts-Werk Wels AG>abgerufen Oktober 2012.
  28. a b Mag. Michael Mock; Fachverband Gas Wärme abgerufen am 19. Mai 2012.
  29. Fachverband Gas Wärme: Zahlen für 2012
  30. Bioenergie in Salzburg
  31. Nahwärme aus Biomasse in Niederösterreich
  32. Basisdaten 2011 Bioenergie (PDF-Datei; 7,18 MB)
  33. NÖ Energiebericht 2007.
  34. LINZ AG-Fernwärmenetz
  35. Linz AG: Pressekonferenz 40 Jahre Fernwärme, 2010.
  36. Linz AG, Biomasseheizkraftwerk
  37. linzag.at
  38. voestalpine Umwelterklärung 2007 (PDF-Datei; 2,59 MB)
  39. Linz - das größte Fernwärmenetz der KWG
  40. Marktgemeinde Gunskirchen: Eröffnung B3 Energie Biomasse Heizwerk Gunskirchen
  41. Energie AG Oberösterreich Wärme: Standorte
  42. Energie-Contracting Steyr GmbH
  43. Fernwärme Steyr-Ihr Partner für umweltfreundliche und nachhaltige Fernwärme
  44. Salzburg AG: Fernwärme
  45. Bioenergie in Salzburg
  46. Karte: Biomassenahwärme in Salzburg
  47. Land Steiermark: Ausbau der Biomasse-Fernwärme
  48. Fernwärme für Graz aus dem Gas-Kombikraftwerk Mellach; abgerufen am 19. Mai 2012.
  49. ORF: Verbund mottet Kraftwerk Mellach ein
  50. ORF: Kraftwerk Mellach: Eröffnet 2011, eingemottet 2014
  51. Wirtschaftsblatt
  52. Bau– und Umweltamt der Stadt Kufstein: Kufstein Umwelt 2009 (PDF-Datei; 2,73 MB)
  53. http://www.bioenergie-kufstein.at/ Bioenergie Kufstein
  54. IBK AG: Tirols größtes Fernwärmenetz geplant
  55. Mein Bezirk.at: Fernwärme baut das Netz weiter aus, 25. Okt. 2011
  56. https://www.wienenergie.at/eportal/ep/programView.do/programId/17929 Jahrbuch Wien Energie 2013.
  57. Wien Energie: Wald-Biomassekraftwerk
  58. FERNHEIZWERK ARSENAL, WIEN
  59. Energie Klagenfurt GmbH: Wärme (PDF-Datei; 135 kB)
  60. Rennweg am Katschberg: Führungen Biomasse Fernwärme-versorgungsanale Katschberg
  61. Kleine Zeitung: Klagenfurt-Emmersdorf: Biomasse-Heizwerk "brennt"!, 15. Nov. 2007.
  62. Dänemark schafft Gas- und Ölheizungen ab
  63. EVN Wärme, Kundeninformation über Warmwasserbereitung durch Fernwärme Stand 26. Juli 2010.
  64. Konzept Fernkälte: Kühlung aus dem Heizkraftwerk. In: Spiegel Online. abgerufen am 3. November 2008.