Gesundheitswissenschaften

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Gesundheitswissenschaften (englisch: Health Sciences) ist eine Sammelbezeichnung für die wissenschaftlichen Fächer, welche sich mit Gesundheit im weiteren Sinn befassen, also mit den geistigen, körperlichen, psychischen und sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit allgemein.

Hurrelmann (1995, S. 5) und Hurrelmann und Razum (2012) sprechen sich im Handbuch der Gesundheitswissenschaften dafür aus, die deutsche Bezeichnung zu verwenden. Sie drückt durch den Plural die interdisziplinäre Ausrichtung und durch den zweiten Wortbestandteil den wissenschaftlichen Charakter dieses Gebietes aus. „Wir definieren Gesundheitswissenschaften als ein Ensemble von wissenschaftlichen Einzeldisziplinen, die auf einen gemeinsamen Gegenstandsbereich gerichtet sind, nämlich die Analyse von Determinanten und Verläufen von Gesundheits- und Krankheitsprozessen und die Ableitung von bedarfsgerechten Versorgungsstrukturen und deren systematische Evaluation unter Effizienzgesichtspunkten. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses der Gesundheitswissenschaften liegt ganz im Sinne von Public Health die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung durch Krankheitsverhütung und Gesundheitsförderung.“

Geschichte[Bearbeiten]

An der Universität Bielefeld entstand 1993 die erste deutsche "Fakultät für Gesundheitswissenschaften / School of Public Health". Gründungsdekan war Klaus Hurrelmann.

Gegenstand und Disziplinen[Bearbeiten]

Die Gesundheitswissenschaften sind theoretisch, empirisch und anwendungsbezogen angelegt. In Anlehnung an die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation beschäftigen sich die Gesundheitswissenschaften mit den geistigen, körperlichen, psychischen und sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit wie ihrer systemischen Verknüpfung. Insofern wird die These vertreten, dass die konzeptionellen Ansätze von Public Health die Mikro-, Meso- und Makroebene der Gesellschaft betreffen (vgl. Hurrelmann 2010, Mann, 1996). Bei dieser Mehrebenenbetrachtung steht nicht nur die Person im Vordergrund, sondern der Gesundheitsstatus von Personen- und Bevölkerungsgruppen beziehungsweise der Gesellschaft und entsprechende Rückwirkungen auf die Person. Soziale Determinanten von Gesundheit und Krankheit werden mit populationsbezogenen Versorgungsangeboten in Verbindung gesetzt.

Disziplinen sind: Medizin, Qualitätssicherung und -management im Gesundheitswesen, Gerontologie, Pflegewissenschaft, Rehabilitation, Psychotherapie, Psychosomatik, Gesundheitsmanagement, Prävention, Kuration, Krankenpflege.

Auch international haben die Gesundheitswissenschaften an Bedeutung gewonnen, wie der Weltbericht Gewalt und Gesundheit belegt.

Studium der Gesundheitswissenschaften[Bearbeiten]

Die Gesundheitswissenschaften sind eine eigenständige Disziplin, trotzdem werden sie im Zuge der neuen Approbationsordnung auch an medizinischen Fakultäten gelehrt.

Seit 1994 wurden an der in Deutschland bisher einzigen eigenständigen Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld drei Studiengänge (auf Bachelor-, Master- und Doctor-Ebene) entwickelt, die nach internationalem Vorbild konsekutiv aufgebaut sind. Weitere drei Studiengänge sind im Bereich der Fort- und Weiterbildung angesiedelt und fokussieren auf die Bereiche "Epidemiology" (MSE), "Health Administration" (MHA) und "Workplace Health Management" (MWHM). Anderen Universitäten in Deutschland ist es bislang trotz vielfältiger Bemühungen nicht gelungen, die institutionellen Strukturen aufzubauen, um einen Fachbereich nach dem international verbreiteten Muster einer „School of Public Health“ wie in Bielefeld zu etablieren.

Die folgenden international anerkannten akademische Grade können erworben werden:

  • Bachelor of Health Communication
  • Zertifikat Angewandte Gesundheitswissenschaften (FAG)
  • Dr.PH, Dr.sc.hum.
  • Habilitation

Seit 25 Jahren besteht an der Universität Maastricht in den Niederlanden eine Fakultät für Gesundheitswissenschaften, die zusammen mit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld im Rahmen des internationalen Studierendenaustauschs kooperiert. Neben einem Bachelorstudiengang mit sieben Spezialisierungsrichtungen (Bewegungswissenschaften, Politik und Management in Gesundheitswesen, Gesundheitsprävention und Aufklärung oder Arbeit und Gesundheit), bietet die Universität neun Master Programme im Schwerpunkt Public Health an. Besonders attraktiv für internationale Studenten ist der Bachelorstudiengang European Public Health. Hier werden die Beziehungen zwischen den Europäischen Mitgliedstaaten im Bereich der Gesundheit ins Zentrum gerückt. Die Themenschwerpunkte reichen von Border- crossing care, grenzüberschreitende Infektionskrankheiten über das Notfallmanagement bis zur Umsetzung der europäischen Gesetze in den Mitgliedsstaaten. Seit 2007 bietet die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik Tirol Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme in Public Health an.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelia Bormann: Gesundheitswissenschaften. 1. Auflage. UTB, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8252-3788-2.
  • Klaus Hurrelmann (Hrsg.): Gesundheitswissenschaften. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-64989-2.
  • Klaus Hurrelmann, Oliver Razum (Hrsg.): Handbuch Gesundheitswissenschaften. 5. völlig überarbeitete Auflage. Beltz Juventa, Weinheim 2012, ISBN 978-3-7799-0790-9.
  • Heiko Waller: Gesundheitswissenschaft. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-017014-7.
  • Isabell Möcke: Förderung Sozialer Kompetenzen in Jugendzentren: Die Förderung von Jugendzentren als Option gegen den Fachkräftemangel AV Akademikerverlag Mai 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Health Sciences – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Public Health