Ghulam Mohammad Farhad

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Ghulam Mohammad Farhad

Ghulam Mohammad Farhad (* 1901 im Distrikt Maidanshar der Provinz Wardak; † 6. Oktober 1984) war Politiker und Fachmann im Bereich der Elektrifizierung von Kabul.

Im Rahmen der durch Mahmud Tarzi initiierten Reformbemühungen, z. B. Abschaffung von Sklaverei (Sklaven stammten überwiegend aus der Ethnie der Hazara), hat sein Schwiegersohn König Amanullah ab 1919 meist junge Paschtunen oder Paschtunen mit Dari als Muttersprache ins Ausland zum Studium geschickt, um den Aufbau eines modernen Staates mit konstitutioneller Monarchie in Afghanistan zu unterstützen.

Ghulam Mohammad Farhad gehörte zur ersten Generation staatlicher Stipendiaten, die in den Zwanziger Jahren nach Deutschland kam. Dieser Generation gehörte auch der Paschtune Abdul Ghafur Breshna an, der in Berlin studierte und danach einen großen Beitrag zum Bildungswesen und zum kulturellen Aufbau in Afghanistan im Bereich der Kunst, Literatur und Musik leistete.

Lebenslauf[Bearbeiten]

1915 siedelte die Familie von Ghulam Mohammad Farhad von Wardak nach Kabul um. Dort besuchte er die von König Habibullah im Jahre 1904 gegründete Schule Habiba Lycèe (Habibia High School). Ab 1921 bekam er ein Stipendium für ein Studium in Deutschland. In München studierte er an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität München) Elektrotechnik.

1928 kehrte er nach Kabul zurück und lehrte in der von Deutschland im Jahre 1924 gegründeten bilingualen Amani-Oberrealschule als Lehrer.[1]

Hauptberuflich war Farhad technischer Leiter eines staatlichen Betriebes. Der aus Wardak stammende Elektrotechniker, der Papa Ghulam gerufen wurde, [2] besorgte auf seiner Geschäftsreise nach Deutschland im Jahre 1934 die Generatoren für das Elektrizitätswerk in seiner Heimatprovinz Chaki Wardak, einem der ersten Staudämme des Landes, der sich ca. 80 km von Kabul entfernt befindet.

Als Gründer und Präsident des Kabuler Stadtwerks nannte er seine Firma „Afghan Electric Company“. 1939 rüstete er den Staudamm von Sorobi am Kabul (Fluss)[3] mit Turbinen von der gleichen deutschen Firma aus. Kabuls Kabelverlegung und Stromzähler stammten ebenfalls aus diesem Konzern.

Höhepunkt seiner Karriere war das Bürgermeisteramt von Kabul, das er von 1948 bis 1954 innehatte. Sein Biograph bezeichnet ihn „als erster gewählter Bürgermeister“.[4] Zu seinen Verdiensten werden die Modernisierung der Altstadt Kabuls und der Bau neuer Straßen gezählt,[5] ebenso die Abschaffung des britischen Verkehrssystems, des sog. Linksverkehrs.[6]

Im Jahre 1954 trat er als Bürgermeister von Kabul zurück und widmete sich der Arbeit in seinem Steckenpferd Afghan Electric Company.

Politik[Bearbeiten]

Farhad wurde von seinen Anhängern als „Architekt der deutsch-afghanischen Zusammenarbeit“ bezeichnet, obwohl König Amanullah Khan und die Tochter von Mahmud Tarzi, Königin Soraya, mit ihrem Besuch von 1928 die bereits seit 1922 bestehenden Beziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland intensivierten.[7]

Nach dem Sturz von König Amanullah im Jahre 1929/1930 und dem Scheitern der Weimarer Republik soll Ghulam Mohammd Farhad von der Politik der NSDAP in Deutschland sehr beeinflusst und beeindruckt gewesen sein, da seine Politik und seine Handlungen deutliche Ähnlichkeit zu denen der NSDAP aufwiesen. Wegen des übersteigerten paschtunischen Nationalismus z. B. des Zentralorgans seiner Partei, wurde er als radikaler „Nationalist“ betitelt und bezichtigt, mit Nazis gemeinsame Sache gemacht zu haben. Seine politische Partei nannte sich „national“ und „sozialistisch“.[8]

Auf Grund seiner übersteigerten antikommunistischen und antidemokratischen Ausschweifungen, wegen seiner Bevorzugung eines paschtunischen Stammes wegen und seiner radikalen Forderungen und Gebietsansprüche blieb ihm nichts anderes übrig, als sein Mandant im Parlament Afghanistans niederzulegen.[9]

Ferner war Farhad mit seinem übersteigerten Paschtunismus mitverantwortlich für die Fortsetzung der Diskriminierung ethnischer Gruppierungen, insbesondere der Hazaras nach dem Sturz König Ahmanullah und während der Ministerpräsidentschaft von Daud Khan.

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Nach der Teilung der paschtunischen Gebiete, d. h. nach der Entstehung von Pakistan hat die Kabuler Regierung Dank der demokratischen Bemühungen von Ghulam Muhammad Ghubar und seinen Mitstreitern 1955 zur Erarbeitung einer Verfassung ein sog. Loya Jirga einberufen. Farhad war Mitglied dieser Versammlung. Der erste Versuch einer sog. Demokratisierung scheiterte bald. Daud Khan, Vetter des Königs Zahir Schah wurde 1953 zum Ministerpräsidenten ernannt.[10]

1963 musste Daud Khan als Ministerpräsident abdanken. Damit lag die Voraussetzung eines Demokratieprozesses vor. Erst in der Loya Jirga im Jahre 1964, mit 452 Teilnehmern, konnte eine neue Verfassung verabschiedet werden, nach der Dr. Mohammad Jossuf, der nicht Mitglied der paschtunischen Dynastie war, zum Ministerpräsidenten ernannt wurde.

Während und nach der sog. Wahlkampfperiode vor den Parlamentswahlen 1965 gaben die sog. Scheinorganisationen von (Links, Mitte Rechts und ihre Ultras)[11] verschiedene Zeitschriften und Zentralorganen ihrer Organisationen heraus. Von 1966 bis 1971, also bis zur Ernennung des Moslemsbruders Musa Schaffiq als Ministerpräsident durch Zahir Schah, erschienen ca. 30 Wochen- und Monatszeitschriften verschiedener Organisationen. Die wichtigsten Wochen- und Monatszeitschriften sind:

  • Khalk (Volk), Paschtunenfraktion der prosowjetischen Demokratischen Volkspartei Afghanistan ab 1966 nach der Spaltung
  • Partscham (Banner bzw. Fahne) überwiegend FarsiSprecher der prosowjetischen Demokratischen Volkspartei Afghanistan 1968
  • Settame Melli (wörtlich Nationale Diskriminierung) beklagte die Diskriminierung der ethnischen Gruppierungen
  • Shola e Jawid (Ewige Flamme (Ewige Lampe)) der prochinesischen Organisation, überwiegend aus nichtpaschtunischen Einwohnern Afghanistans

Am 5. April 1966 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Afghan Mellat Afghan-Nation. Die letzte Ausgabe erschien am 12. Mai 1966.

1966 soll er laut der Website der Afghan-Mellat-Partei, die sich jetzt Afghanische Sozialdemokratische Partei (ASDP) nennt,[12] zum Abgeordneten des Nationalrates gewählt worden sein.[13]

1970 legte er aus Protest gegen die „nicht effektive Arbeit des Parlamentes“ sein Mandat nieder. Analysten führten aber seinen Rücktritt als Parlamentsabgeordneter auf seine Aufschweifungen, seine antikommunistischen und antidemokratischen Äußerungen, sowie auf seine Paschtunisierung und vor allem auf seine unrealistischen Forderungen bezüglich der Gebietsansprüche an Pakistan, Iran und Sowjetunion zurück.

Am 14. Oktober 1979 wurde er in Kabul von der Regierung Hafizullah Amin verhaftet. Zwölftausend junge Menschen wurden hingerichtet. 1980 wurde er wegen einer Generalamnestie von Babrak Karmal aus der Haft entlassen. Einer der umstrittensten Politiker Afghanistans starb am 6. Oktober 1984 in Kabul.

Nationalismus bzw. Paschtunisierung als Waffe[Bearbeiten]

Die alten Namen der Straßen, Stadtteile, Behörden, Bildungsstätten usw. wurden mit Begriffen aus der Sprache Paschtu ersetzt oder neu eingeführt. Schüler mussten statt ihrer Muttersprache auf Pasthu unterrichtet werden. Das bisher als Verkehrssprache, als ethnienübergreifende Kommunikationsmittel genutzte Farsi wurde verboten. Paschtu (in Afghanistan Afghani bezeichnet) wurde als alleinige Nationalsprache erkoren. Einwohner mussten die Anträge auf Paschtu stellen. Schüler mussten ihre Abwesenheit auf Paschtu begründen.

Folge dieser Politik war, dass diese schöne und reichhaltige Sprache statt Entwicklung und Erweiterung als ein wertvolles Kulturgut des Landes, selbst bei Paschtunen verhasst wurde. Beamte mussten an Paschtukursen teilnehmen, ansonsten wäre ihr Verdienst um 100 Afghani gekürzt worden. Außerdem waren die Offiziere der afghanischen Nationalarmee ausschließlich Paschtunen oder persischsprechende Paschtunen. Paschtunen waren vom Militärdienst befreit, während die Wehrdienstleistenden aus den übrigen Einwohnern des Landes rekrutiert wurden. Die als nicht-tauglich Eingestuften leisteten ihren Zivildienst in Familien der Offiziere als eine Art Diener rund um die Uhr.

Die Arbeit in Regierung, Verwaltung, Bildungswesen, Militär und beim Rundfunk brach zusammen. Farsi wurde dann offiziell durch den Begriff Dari ersetzt.

Was die Förderung der Sprache Paschtu und überhaupt die Förderung der Sprachen und Zweisprachigkeit in Afghanistan anbelangen, haben Flucht und Immigration mehr leisten können als die Bestrebungen der paschtunischen Nationalisten. So haben Millionen von nicht-paschtunischen Einwohnern, insbesondere die afghanischen Kinder, im pakistanischen Exil Paschtu gelernt, und umgekehrt haben Paschtunen im Iran zum Zwecke der Kommunikation Farsi gelernt.

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Es war eine Tradition geworden, dass die in Deutschland ausgebildeten Hochschulabsolventen, insbesondere die Ehemaligen, nach ihrer Rückkehr aus Deutschland an dieser Oberrealschule überwiegend ehrenamtlich unterrichteten.
  2. seine Söhne nannten ihn so. Er bekam Papa als Kosename
  3. Surobi Bezirk drei Staudämme befinden sich am Kabul (Fluss): Band e Naghlo, Band e Mahipar and Band e Barq e Sorobi
  4. Eine Bürgermeisterwahl ist in Kabul unbekannt, evtl. „als erster ernannter Bürgermeister von Kabul“
  5. Dabei müssten einige Kulturstätte der Altstadt u. A. das berühmte Char Catta (Vier-Dächer-Bazar) von Kabul zerstört werden z. B. der Bau von Jade Maiwand Maiwand-Straße in Kabul
  6. Er soll damals die einzigen Ampeln von Kabul installiert haben
  7. Wilhelm Riecks Reise nach Afghanistan zum Bau des Darulaman-Palast
  8. Die Begriffe „National“ und „Sozialistisch“ standen zumindest auf Titelseite seiner Parteizeitschrift während seines Vorsitzes.
  9. Farhad bezog sich auf die Gebiete, die Ahmad Schah Durrani als Großreich unter Chorasan und Gebiete oberhalb von Oxus nannte. Siehe auch Biographie der Webseite seiner Partei
  10. vgl. ebenda
  11. Parteien konnten nicht unter Parteien an den Wahlen teilnehmen
  12. Afghan-Mellat-Partei
  13. Das afghanische Parlament bestand auch damals wie heute aus zwei Kammern nämlich Meschrano Jirga wie Senat oder Oberhaus und Wolossi Jirga wie Unterhaus oder Volksvertretung

Weblinks[Bearbeiten]