Giovanni Falcone

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Zeichnung von Giovanni Falcone

Giovanni Falcone (* 18. Mai 1939 in Palermo; † 23. Mai 1992 in Capaci bei Palermo) war ein italienischer Jurist und aktiv im Kampf gegen die Cosa Nostra. Er gilt als Symbolfigur des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität auf Sizilien.

Mafiaprozess[Bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre baute Falcone als Untersuchungsrichter gemeinsam mit dem damaligen leitenden Richter am Obersten Richterrat Rocco Chinnici und Liliana Ferraro vom Justizministerium in Palermo eine Sonderkommission zur Bekämpfung der Mafia auf. Die auf Sizilien verbreitete Organisation machte durch zahlreiche Anschläge auf die Ermittler immer wieder klar, dass sie derartige Störungen ihrer Macht und Geschäfte nicht zulassen würde; Chinnici fiel 1983 einem Bombenattentat zum Opfer.

1984 konnte Falcone die Mafiagröße Tommaso Buscetta bewegen, das Gebot der Omertà zu brechen und sich als Kronzeuge zur Verfügung zu stellen. Buscettas Aussagen waren von großem Wert für die Ermittler und führten zur Inhaftierung vieler Mafiosi. Unbeirrt leitete der unter ständigem Polizeischutz stehende Falcone ab Februar 1986 als Untersuchungsrichter einen 22-monatigen Massenprozess gegen rund 400 Mitglieder der Mafia, von denen zahlreiche auf Grund der von ihm vorbereiteten Verfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

Verhandlungsort war ein eigens im Innern des Gefängnisses von Palermo errichtetes Bunkergebäude, das selbst einem Raketenbeschuss hätte standhalten können. Während des Prozesses wurde die Anlage von etwa 500 Sicherheitskräften und einem Panzer gesichert, der Luftraum wurde überwacht. Durch seine Untersuchungen drang Falcone bis zum Kern der Mafia vor. Weitere Massenprozesse folgten in den nächsten Jahren, nachdem Falcone die Aussagen weiterer geständiger Mafiosi verwerten konnte. 1991 wechselte Falcone ins Justizministerium.

Attentat[Bearbeiten]

Denkmal in Capaci

Am 23. Mai 1992 wurde Falcone zusammen mit seiner Ehefrau Francesca Morvillo, Richterin am Jugendgericht, und drei Leibwächtern durch eine Bombe getötet, als er auf dem Weg zu seinem Wochenendhaus bei Palermo war; der Fahrer Giuseppe Costanza überlebte nur durch Zufall, wurde aber schwer verletzt.[1] Die Attentäter hatten unter der Autobahn A29 bei Capaci in einem Drainagerohr 500 kg TNT-Sprengstoff deponiert und ferngesteuert gezündet. Eine rote Granitsäule an der Autobahn erinnert heute an das Attentat. Falcone wurde auf dem Friedhof Sant'Orsola in Palermo in der Grabkapelle seiner Familie beigesetzt.

Für den Anschlag musste sich ein Anführer der Cosa Nostra, Giovanni Brusca, vor Gericht verantworten, der 1996 verhaftet werden konnte. Laut Aussage mehrerer Pentiti wurde das Attentat vom damaligen „Boss der Bosse“ Salvatore „Totò“ Riina in Auftrag gegeben.

Zwanzig Jahre nach dem Attentat, im November 2012, nahm die Polizei den mutmaßlichen Lieferanten des Sprengstoffes, den Fischer Cosimo D’Amato, fest. Das Geständnis eines früheren Mafioso hatte die Ermittler auf seine Spur gebracht. Angaben aus Polizeikreisen zufolge soll D’Amato geholfen haben, das bei dem Anschlag verwendete TNT aus Weltkriegsbomben zu extrahieren, die er aus dem Meer gefischt hatte.[2]

Folgen[Bearbeiten]

Erinnerung an Falcone und Borsellino auf Demonstrationsbannern

Das Attentat auf Falcone stürzte Italien in eine schwere Krise, nicht zuletzt wegen des berechtigten Verdachts, dass seine streng geheim gehaltene Ankunft auf dem Flughafen Palermo von Mitarbeitern im innersten Kreis der Staatsmacht verraten worden war.

Am 19. Juli 1992 fiel auch Paolo Borsellino, ein Kollege und engster Vertrauter Falcones, zusammen mit vier Begleitern und einer Begleiterin in Palermo einem Sprengstoffanschlag zum Opfer.

Falcone erlangte wegen seines Kampfes gegen das organisierte Verbrechen vor allem auf Sizilien große Popularität. Der Flughafen Palermo-Punta Raisi wurde umbenannt in Flughafen Palermo-Punta Raisi Falcone e Borsellino.

1992 wurde von der Familie Falcones in Palermo die Stiftung Giovanni e Francesca Falcone begründet. Das primäre Ziel der Stiftung besteht in der Förderung von kulturellen Aktivitäten, von Studium und Forschung zur Förderung einer von der Mafia unabhängigen Kultur in der Gesellschaft. Im Jahr 1996 erhielt die Stiftung Beraterstatus als Nichtregierungsorganisation bei ECOSOC (Wirtschafts-und Sozialrat der Vereinten Nationen).

Am 30. März 2010 wurde ein 1999 entdeckter Asteroid nach Giovanni Falcone benannt: (60183) Falcone.

Literatur und Filme[Bearbeiten]

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giovanni Falcone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. einestages – Zeitgeschichten bei : SPIEGEL Online, Bericht vom 22. Mai 2012 Ermordung von Mafiajäger Falcone: Tod per Fernzünder
  2. Erneute Festnahme 20 Jahre nach Mord an Mafia-Jäger tagesschau.de, 12. November 2012