Giustiniano Particiaco

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Giustiniano Partecipazio oder auch Participazio, († 829) war nach der Tradition der 11. Doge von Venedig. Er regierte von 827 bis 829. Mit Beginn der Dogate der Partizipazio dehnten sich Venedigs Handelsbeziehungen in das östliche Mittelmeer bis nach Griechenland, Sizilien und Ägypten aus. Die Gebeine des heiligen Markus wurden nach Venedig überführt und der Doge beschloss den Bau einer Palastkapelle zur Aufnahme der Reliquien.[1][2]

Familie

Die Partecipazio gehörten zu den tribunizischen Familien Venedigs. Diese Familien waren reiche Grundbesitzer, Inhaber hoher politischer oder militärischer Ämter in Venetien, das bis zu Beginn des 9. Jahrhunderts Teil des oströmischen Reichs war und denen es gelungen war, das byzantinische Amt eines Tribunen erblich zu machen.

Zusammen mit den Candiano und den Orseolo war es die Familie Partecipazio, die von 810 bis zur Verfassungsreform von 1172 die meisten Dogen Venedigs stellte. Der erste Doge eines von Byzanz unabhängigen Venedig war Angelo Participazio (810–827), ihm folgten seine Söhne Giustiniano und Giovanni (829–836), der 836 verhaftet und abgesetzt wurde und sein Leben in einem Kloster beendete. Nach der fast dreißigjährigen Regierung von Pietro Tradonico kehrten die Partecipazio auf den Dogenthron zurück: von 864 bis 881 Orso I. und schließlich dessen Sohn Giovanni von 881 bis 887. Weitere Dogen waren Orso II. (911–932) und dessen Sohn Pietro (939–942) aus einem Seitenzweig der Familie, den Badoer.

Leben

Giustiniano war einerseits ein sehr wohlhabender Kaufmann, der eine Flotte von Handelsgaleeren unterhielt (vgl. Wirtschaftsgeschichte der Republik Venedig). Andererseits besaß er, wie die Feudalherren des Festlands, umfangreiche Güter, auf denen Vieh gezüchtet, Getreide angebaut und Gartenwirtschaft betrieben wurde. Dabei standen ihm, laut seinem Testament, zahlreiche Knechte und Mägde zur Verfügung, wohl Hörige.

Giustiniano war bereits in vorgerücktem Alter, als er seinem Vater Angelo im Dogenamt folgte, nachdem er bereits als Co-Regent amtiert hatte. Unter der Regierung Angelos waren durch den Friedensvertrag von Aachen zwischen Byzanz und dem Frankenreich die Grenzen Venedigs festgelegt und benachbarte Gebiete als privilegierte Absatzgebiete für seinen Handel bestimmt worden. Pro forma blieb Venedig weiter von Byzanz abhängig, gehörte aber nicht mehr zum Exarchat von Ravenna, das die Langobarden bereits 751 erobert hatten, und das nun zum Frankenreich gehörte. Trotzdem wurde de facto mit dem Vertrag der Prozess einer Loslösung von der byzantinischen Herrschaft verstärkt. Unter Angelo war der Dogensitz 811 von Malamocco nach Rivo Alto (der Insel Rialto), Keimzelle der späteren Stadt Venedig, verlegt und von Giustiniano nach dessen Amtsantritt bestätigt worden. Von dem aus dieser Zeit stammenden Dogenkastell an der Stelle des heutigen Dogenpalastes sind allerdings keine Spuren erhalten. Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde Venedig um militärische Hilfe bei einem Feldzug gebeten, und zwar von Byzanz in einem Unternehmen gegen die Sarazenen in Sizilien, Zeichen für die wachsende militärische Stärke der Stadt. Der Erfolg des Unternehmens stärkte Venedigs Prestige als lokale Macht.

Die Gebeine des Apostels Markus werden von zwei Venezianern aus Alexandria geschmuggelt; Mosaik an San Marco

Am 31. Januar 828 ereignete sich die außerordentlich folgenreiche Ankunft der Gebeine des Heiligen Markus in Venedig. Nach der Überlieferung hatten zwei venezianische Kaufleute oder Tribunen, Buono di Malamocco und Rustico di Torcello, möglicherweise auf Initiative des Dogen, die Gebeine im ägyptischen Alexandria gestohlen, unter gepökeltem Schweinefleisch versteckt und mit dem Schiff nach Venedig entführt. Der Doge beschloss den Bau einer angemessenen Ruhestätte für den Evangelisten, damit die Reliquien dort verehrt werden konnten. Die angebliche Vision des Evangelisten, der bei einer Reise nach Venedig von einem Engel mit dem Spruch Pax tibi, Marce, Evangelista meus begrüßt worden war, der ihm prophezeit hatte, dass er einmal hier begraben und besonders verehrt werden würde, hatte sich mit der Ankunft der Gebeine an deren endgültiger Ruhestätte erfüllt.

Ab dieser Zeit nannte sich Venedig Republik des Heiligen Markus. Markus löste den Heiligen Theodor als Schutzheiligen ab, und Wappentier der Republik wurde das Symbol des Evangelisten, der Löwe mit einem aufgeschlagenen Buch und dem Spruch der Markusvision. Gleichzeitig hatte sich Giustiniano im Kampf mit dem Patriarchen von Grado um die weltliche und geistliche Vorherrschaft mit dem Apostelgrab in seiner Dogenkapelle – der Basilica di San Marco – durchgesetzt, symbolisch für die Einstellung der Republik zu geistlichen, insbesondere päpstlichen Vorherrschaftsbestrebungen und kirchlichen Einmischungen in seine Angelegenheiten. Das Gleiche galt für den Patriarchen von Aquileia, denn zu dieser Zeit war die Vorherrschaft des Bischofs von Rom noch keineswegs durchgesetzt.

Literatur

  • Andrea da Mosto: I Dogi di Venezia. Milano 2003, ISBN 88-09-02881-3.
  • Reinhard Lebe: Als Markus nach Venedig kam. Stuttgart 1987.
  • Şerban Marin: Giustiniano Partecipazio and the Representation of the First Venetian Embassy to Constantinople in the Chronicles of the Serenissima. In: Historical Yearbook. Bd. 2, 2005, S. 75–92.

Einzelnachweise

  1. Volker Herzner: Die Baugeschichte von San Marco und der Aufstieg Venedigs zur Großmacht. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte Bd. 38/1985 Böhlau Wien, ISBN 3205081277, S. 1–58, hier: S. 1–2 (online) abgerufen am 22. Dezember 2012
  2. Netzpräsenz des Markusdoms, The Doges and the Basilica (basilicasanmarco.it, englisch) abgerufen am 22. Dezember 2012
VorgängerAmtNachfolger
Angelo PartecipazioDoge von Venedig
827–829
Giovanni I. Partecipazio