Grado (Italien)

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Grado
Wappen
Grado (Italien)
Grado
Staat: Italien
Region: Friaul-Julisch Venetien
Provinz: Görz (GO)
Koordinaten: 45° 41′ N, 13° 24′ O45.67777777777813.3947222222222Koordinaten: 45° 40′ 40″ N, 13° 23′ 41″ O
Höhe: m s.l.m.
Fläche: 114 km²
Einwohner: 8.434 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 74 Einw./km²
Angrenzende Gemeinden Aquileia (UD), Fiumicello (UD), Marano Lagunare (UD), San Canzian d'Isonzo, San Giorgio di Nogaro (UD), Staranzano, Terzo d'Aquileia (UD), Torviscosa (UD)
Postleitzahl: 34073
Vorwahl: 0431
ISTAT-Nummer: 031009
Volksbezeichnung: Gradesi
Schutzpatron: Santi Ermacora e Fortunato (12. Juli)
Website: Grado

Die Stadt Grado (aus dem Lat. „ad gradus“, an der Stufe, einem Kanal, der nach Aquileia führte) (furlanisch Grau, gradesisch Gravo, slowenisch Gradež) mit 8434 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) liegt an der Nordküste der Adria auf einer Küstendüne am äußersten Ende des Golfs von Venedig. Die Insel von Grado wird auch Sonneninsel oder Goldinsel genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Basilika St. Eufemia

Grado wurde vermutlich im 2. Jahrhundert vor Christus als Seehafen der Stadt Aquileia gegründet und trug damals den Namen Ad Aquas Gradatas.[2] Der Militärhafen unterstand der römischen Flottenbasis Classis in Ravenna. Schon nach dem Markomannensturm (ca. 180 n. Chr.) wurde ein Castrum angelegt. Ab dem 4. Jahrhundert wurden die ersten christlichen Kirchen in Grado errichtet: Sant'Eufemia, Santa Maria delle Grazie und die Kirche an der Piazza Biagio Marin. Die Kathedrale Santa Eufemia wurde 456 unter der Herrschaft des Patriarchen Nicetas von Aquileia erbaut. Nach dem Hunnensturm 452 wurde Grado vorübergehend Sitz des Erzbischofs, ehe nach 568 der Erzbischof und spätere Patriarch Grado als endgültigen Sitz wählte (im 12. Jahrhundert nach San Silvestro in Venedig transferiert). Nach dem Zerfall des Römischen Reiches gehörte Grado zur Republik Venedig.

Zwischen 575 und 1131 residierten in Grado eigene Patriarchen, bis das Patriarchat von Venedig gegründet wurde (siehe Patriarchat von Grado). Über einige Jahrhunderte hindurch wurde Grado von Seeräubern und Nachbarn überfallen und geplündert, doch blieben die frühchristlichen Kirchen Sant'Eufemia, Santa Maria delle Grazie und das Baptisterium S. Giovanni Battista als wertvollster Schatz der Altstadt erhalten.

Die Herrschaft der Republik Venedig über Grado dauerte vom späten Mittelalter bis 1797. Mit dem Frieden von Campo Formio 1797 und erneut ab 1815 gehörte Grado zum habsburgischen Kaisertum und ab 1815 auch zum Deutschen Bund. 1854 wurden für Badegäste die ersten „camerini“, d.h. Umkleide- und Badekabinen aufgestellt und 1892 kam es unter Kaiser Franz Josef I. per Erlass zur Gründung der „Kur- und Badeanstalt Grado“ und der Fischerort wurde zum kaiserlich-königlichen (k.k.) Seebad Grado ausgebaut. Die Errichtung eines artesischen Brunnens für die Trinkwasserversorgung und der Anschluss an die Bahnlinie nach Wien waren Voraussetzungen für die Umsetzung dieses Vorhabens. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges war die Zeit der österreichischen Riviera vorbei.

Die Gemeinde war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil der Grafschaft Görz und Gradisca, wobei sie dem Gerichtsbezirk Cervignano unterstellt war, der wiederum Teil des Bezirks Monfalcone war.

Im Mai 1915 wurde Grado nach strategischem Rückzug der k.k.-Truppen hinter den Isonzo von Italien besetzt. Nach kurzer Rückeroberung im Jahre 1917 wurde es in den Friedensverhandlungen von St. Germain (1919) endgültig Italien zugesprochen. Seither gehört es zur Provinz Görz. In den 1920er Jahren setzte bereits wieder reger touristischer Zustrom aus Mitteleuropa ein, der durch den Zweiten Weltkrieg abermals ein jähes Ende fand. Heute leben die Einwohner vorwiegend von der Seefischerei und vom Tourismus, der seit den 1960er-Jahren floriert.

Lagune[Bearbeiten]

Grado hat neben der Insel, auf der die Stadt Grado liegt, auch eine Lagune. Die 12.000 Hektar große Laguna di Grado liegt östlich der Laguna di Marano. Die Temperatur der Lagune misst durchschnittlich 13,6 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit beträgt ca. 76,8 %. Die Lagune von Grado ist im Vergleich zu anderen Lagunen sehr salzhaltig. Die Tier- und Pflanzenwelt in der Lagune ist sehr üppig. Allein über 150 verschiedene Vogelarten sind in der Lagune beheimatet. Viele Zugvögel machen im Frühling und Herbst Rast in der Lagune. Auch die Vielfalt der verschiedenen Muschel- und Fischarten ist groß. So leben hier zum Beispiel die Capa Tonda und die Venusmuschel, sowie verschiedene Garnelenarten, Seezungen und Barsche.

Die Insel Barbana

Eine der größten der mehreren hundert Inseln der Lagune heißt Barbana (seit 582 n. Chr.). Auf Barbana steht die Wallfahrtskirche mit der Statue der Madonna mit dem Kinde, zu der die Fischer von Grado alljährlich am ersten Sonntag im Juli eine Wallfahrt veranstalten, die sogenannte Perdon de Barbana.

Auf mehreren Inseln in der Lagune befinden sich Restaurants, viele der kleineren Inseln befinden sich in Privatbesitz. Auf diesen stehen die sogenannten Casoni, kleine reetgedeckte Häuser, in denen hauptsächlich Fischer wohnen. Manche der Casoni dienen den Besitzern als Wochenendhäuser.

Infrastruktur und Tourismus[Bearbeiten]

Altstadt von Grado

Vor allem im Sommer wird Grado von vielen Urlaubern aus Italien, Österreich und Deutschland besucht. Die meisten sind Familien mit Kindern, da die Strände sehr flach sind und die Infrastruktur von Grado sehr familienfreundlich ist.

In Grado sind als einziger Stadt an der Adria alle Strände nach Süden ausgerichtet, die Strände genießen daher den ganzen Tag Sonne. Die drei Strände, der Hauptstrand (Spiaggia Principale), der Strand Costa Azzurra und der Strand von Pineta, sind durch eine Promenade miteinander verbunden. Der Besuch des drei Kilometer langen Hauptstrandes kostet in der Zeit von Mai bis September Eintritt. Der Strand ist gut gepflegt; es gibt mehrere Bars und Restaurants. Der Hauptstrand wird von der Gesellschaft Grado Impianti Turistichi (kurz: G.I.T.) betrieben, welche sich im Eigentum der Region Friaul-Julisch Venetien sowie der Stadt Grado befindet. Diese betreibt auch das Freibad sowie das Thermalbad. Die Strände Costa Azzurra und Pineta verfügen ebenfalls über sanitäre Einrichtungen, es können Strandliegen und Sonnenschirme gemietet werden. Lediglich der Sand ist gröber als am Hauptstrand. Parallel zum Hauptstrand befindet sich der Parco della Rose, ein Park mit großer Bepflanzung, einem großen Spielplatz und einem Trimm-dich-Pfad. Der Besuch des Parkes ist ganzjährig kostenlos, der Park ist allerdings an den Hauptstrand angeschlossen. Im Park befindet sich ein großes Zelt mit Bühne. Im Sommer finden dort verschiedene Konzerte sowie Literatur- und Tanzevents statt. Im Jahr 2009 fand dort die Wahl der Miss Friaul-Julisch-Venetien statt.

Strandpromenade von Grado

Grado ist seit 1987 ununterbrochen Träger der Blauen Flagge. Die Blaue Flagge steht für sehr hohen Standard der Sauberkeit des Meerwassers, des Strandes und der umliegenden Natur. Die Blaue Flagge wurde allen drei Stränden verliehen. Grado ist auch als Kurort beliebt, weil es eine mit Jod angereicherte Luft sowie ein Thermalbad besitzt. Des Weiteren befindet sich direkt neben dem Thermalbad im Stadtteil Città Giardino ein Kurzentrum, in dem nach Untersuchung des Kurarztes zum Beispiel Sandbäder gemacht werden können. Das Kurzentrum befindet sich zwischen dem Hauptstrand und dem Parco della Rose. Auch das Hotel Astoria bietet verschiedene Kuren an, da es als einziges Hotel in Grado ein eigenes Thermalbad besitzt und seit Mitte 2010 einen neuen Wellnessbereich hat.

Der Gradeser Hafen Porto Mandracchio wird hauptsächlich von Fischern genutzt. Entlang des Kanals liegen kleine und größere Fischerboote. Die östliche Seite des Hafens ist den Einheimischen vorbehalten, die dort ihre Segelboote haben. Die westliche Seite wird ausschließlich von Gastbooten benutzt. Der Porto Mandracchio ist der Heimathafen des Ausflugbootes Nuova Christina, das von April bis Oktober Rundfahrten durch die Lagune von Grado anbietet. Zwei Taxiboote bieten Fahrten zu verschiedenen Inseln in der Lagune an.

In Grado gibt es über 30 Hotels und circa 40–50 Restaurants und Kneipen. Als Spezialität gilt die Gradeser Boreto, eine Fischsuppe. Es gibt ungefähr 30 verschiedene Boretoarten, je nach Jahreszeit sind andere Fischarten darin enthalten.

In Grado gibt es eine kleine Rettungswache für Feuerwehr und Krankenwagen sowie ein Ambulatorio, eine kleine Notaufnahme für leichtverletzte Personen. Bei schwereren Verletzungen werden die Patienten ins Krankenhaus von Monfalcone gebracht.

Im Zuge der 3. Etappe des Giro d’Italia 2009, die in Grado startete, wurde vor allem die Verkehrsinfrastruktur von Grado erneuert. Viele Straßen wurden erneuert und teilweise neu gestaltet. Des Weiteren wurde aus Mitteln der italienischen Regierung die Innenstadt von Grado komplett in eine Fußgängerzone umgewandelt.

Sport[Bearbeiten]

Grado bietet eine Vielzahl verschiedener Sportarten. Es gibt einen 18-Loch-Golfplatz und einen Tennisclub. Da Grado am Meer liegt, ist es auch eine Stadt mit vielen Wassersportarten. Der Stadtteil Pineta ist besonders bei Kitesurfern beliebt. Der Gradeser Segelclub hat sich im Hafenviertel in der Nähe der Fischgroßmarkthalle niedergelassen.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Grado pflegt Partnerschaften mit den österreichischen Gemeinden Feistritz bei Knittelfeld und Sankt Lorenzen bei Knittelfeld. Obwohl die Partnerschaftsurkunde erst am 29. November 2003 offiziell unterzeichnet wurde, reichen der Kontakt und die Freundschaft der Gemeinden bis ins Jahr 1989 zurück. Jährlich bringen Feistritz und Sankt Lorenzen einen Christbaum nach Grado, welcher in der Weihnachtszeit die Basilika Sant'Eufemia schmückt. Außerdem finden gemeinsame Veranstaltungen, zum Beispiel Konzerte, mit Teilnehmern aus beiden Städten statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Evelyn Rupperti: Grado. Der nahe Süden zu jeder Jahreszeit. Carinthia Verlag, 2007, ISBN 978-3-85378-617-8.
  •  Maurizio Fürst, Maurizio Cacciavilani/Enzio Marocco (Hrsg.): Da Vienna a Grado - Von Wien nach Grado. Senaus, 2008, ISBN 889520105-1 (zweisprachig: Italienisch/Deutsch).
  •  Cesare A. Marocco/Michela Bosco/Michela Cafazzo (Hrsg.): GRADO. il Porto- der Hafen. Senaus, 2005, ISBN 889015718-6 (zweisprachig: Italienisch/Deutsch).
  •  Ezio Marocco: GRADO. Ein Kunstkistorischer Reiseführer. Bruno Fachin Editore, 2000, ISBN 88-85289-59-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grado – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. L. Bertacchi: Ad Aquas Gradatas. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3. Jakob Weiss: Gradus. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,2, Stuttgart 1912, Sp. 1690.