Grünling (Pilz)

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Grünling
Tricholoma auratum.jpg

Grünling (Tricholoma equestre)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Ritterlingsverwandte (Tricholomataceae)
Gattung: Ritterlinge (Tricholoma)
Art: Grünling
Wissenschaftlicher Name
Tricholoma equestre
(L. : Fr.) P. Kumm.

Der Grünling (Tricholoma equestre) ist eine Pilzart aus der Familie der Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae), der früher oft als Speisepilz gesammelt und auf den Märkten angeboten wurde. Nachdem der Pilz bei einigen Personen eine Muskelschwäche (Rhabdomyolyse) teils mit tödlichem Ausgang verursacht hatte, wird vom Verzehr abgeraten.

Der Grünling fällt in Deutschland unter die Bundesartenschutzverordnung.

Merkmale[Bearbeiten]

Grünling (Tricholoma equestre) von oben gesehen
Lamellen des Grünlings (Tricholoma equestre)

Der Hut wird zwischen 5 und 15 Zentimeter breit und ist gelbgrünlich bis bräunlichgrün gefärbt. In der Mitte ist er oft dunkler gefärbt und besitzt einen Buckel. Die Huthaut ist schmierig und mit anliegenden Schuppen besetzt. Die eng stehenden Lamellen sind zitronengelb bis schwefelgelb getönt. Der Stiel kann bis zu 10 Zentimeter lang werden und ist weißlich bis grünlich gefärbt. Das Fleisch ist weiß, in der Stielrinde aber oft gelbgrünlich. Geruch und Geschmack sind mehlartig. Das Sporenpulver ist weiß.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Der Gelbgrüne Ritterling (Tricholoma flavovirens) und der Kiefernwald-Grünling (Tricholoma auratum) werden von einigen Autoren nicht als eigenständige Arten anerkannt, sondern als Abweichungen von der Typus-Art T. equestre gesehen. Ähnlich ist auch der ebenfalls giftige Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum), der entfernt stehende Lamellen und einen Geruch nach Leuchtgas besitzt. Der Grüngelbe Ritterling (Tricholoma sejunctum) hat weißliche Lamellen. Der Violette Ritterling (Tricholoma nudum) ist violett bis rötlichbraun.[1]

Unkundige Pilzsammler können Grünlinge mit Grünen Knollenblätterpilzen verwechseln. In der Vergangenheit, als der Grünling noch als Speisepilz galt, hatte dies mitunter fatale Folgen.

Ökologie und Verbreitung[Bearbeiten]

Der Grünling ist vorwiegend im Nadelwald zu finden. Bevorzugt ist er auf Sandböden und unter Kiefern anzutreffen. Der Pilz ist selten, kann aber an einigen Orten, wie beispielsweise in Brandenburg, häufiger vorkommen.

Toxikologie[Bearbeiten]

Die im Grünling enthaltene Cycloprop-2-en-carboxyl-Säure als Strukturformel

Der Grünling galt bis zur Veröffentlichung einer französischen Studie im Jahr 2001 als essbar. Die darin enthaltenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigten, dass der Grünling von der Liste der Speisepilze gestrichen werden sollte.[2] Denn der Pilz hatte bei mehreren Personen eine als Tricholoma-equestre-Syndrom beschriebene Muskelschwäche (Rhabdomyolyse) ausgelöst, die in einigen Fällen tödlich endete. In Frankreich erkrankten zwischen 1992 und 2000 zwölf Menschen nach dem Verzehr des Grünlings, von denen drei an den Folgen der Vergiftung verstarben.[2] Aus angegebener Quelle:

Forschungsergebnisse französischer Wissenschaftler deuten darauf hin, dass der Pilz bei bestimmten empfindlichen Menschen eine Rhabdomyolyse auslösen kann. Es besteht der Verdacht eines direkten Muskeltoxins in Tricholoma equestre, das möglicherweise bei einer genetischen Empfindlichkeit wirksam wird, wenn eine bestimmte Aufnahmemenge überschritten wird wie beispielsweise nach wiederholten Pilzmahlzeiten.

Verantwortlich für das Auftreten der lebensgefährlichen Muskelschwäche scheint ein kleines Kohlenwasserstoffmolekül aus einem Cyclopropenring mit Carboxygruppe (Cycloprop-2-en-carboxyl-Säure) zu sein.[3] Allerdings soll der im Grünling enthaltene Giftstoff nicht bei jedem Menschen wirken.

Im Jahr 2010 empfahl eine deutsche Krankenkasse den Lesern ihrer Mitgliederzeitschrift irrtümlich den Grünling als „essbar“. Der Irrtum wurde später richtiggestellt und die Kasse warnte ausdrücklich vor dem Verzehr des Pilzes.[4] Die etwa 1,6 Millionen Mitglieder der Krankenkasse erhielten per Post einen entsprechenden Warnhinweis.[5]

Quellen[Bearbeiten]

  •  Ewald Gerhardt: Pilze. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. 3. Auflage. BLV, München 2004, ISBN 3-405-16128-2, S. 100.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zu Violetter Ritterling/Tricholoma nudum in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (Österreichische Flora) abgerufen am 4. Januar 2011
  2. a b  Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen nach §16e Chemikaliengesetz 2001. In: Bericht der "Zentralen Erfassungsstelle für Vergiftungen, gefährliche Stoffe und Zubereitungen, Umweltmedizin im Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin für das Jahr 2001,. S. 65 (PDF; 369 kB).
  3.  M. Matsuura, Y. Saikawa u. a.: Identification of the toxic trigger in mushroom poisoning. In: Nature chemical biology. 5, Nr. 7, Juli 2009, ISSN 1552-4469, S. 465–467, doi:10.1038/nchembio.179, PMID 19465932.
  4. Krankenkasse empfiehlt Giftpilz als essbar. In: Ärzte Zeitung online. 25. September 2010, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  5. mik/dapd: Krankenkasse empfiehlt Giftpilz zum Verzehr. In: Spiegel Online. 25. September 2010, abgerufen am 25. Oktober 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tricholoma equestre – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Grünling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen