Gruppensex

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Gruppensex (historische Darstellung von Édouard-Henri Avril)

Gruppensex ist eine Sexualpraktik, an der mehr als zwei Personen beteiligt sind. Haben drei Personen Sex miteinander, nennt man dies eine Triole oder umgangssprachlich auch einen „flotten Dreier“.

Gruppensex wird oft als Partnertausch zwischen zwei oder mehreren Paaren praktiziert. Zu Gruppensex kommt es häufig auch auf Swingerpartys und in eigens dafür eingerichteten Swingerclubs.

Geschichte[Bearbeiten]

Szene eines öffentlichen Dreiers auf dem Nil. Ein Mann vereinigt sich mit der Frau a tergo, während sie den anderen durch Fellatio stimuliert.
Fresko aus Pompeii, Archäologisches Nationalmuseum Neapel
erotischer Fries auf einem altindischen Tempel in Khajuraho

Durch die Kulturgeschichte erwiesen, war bereits in der Antike der Gruppensex bekannt, der häufig im Rahmen kultischer Bacchanalien und Orgien, auf Symposien oder auch in Bordellen praktiziert wurde.

Die antiken Griechen waren möglicherweise das erste Volk, das dieses Thema in ihrer Kunst öffentlich machte, welche z. B. durch die in der Neuzeit entdeckten Vasen (Vasenmalerei) der Nachwelt erhalten blieb. Im Römisches Reich findet sich das Thema neben Vasendarstellungen vor allem auf Fresken aus Pompeji wieder, das durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. untergegangenen war. Die in Pompeji ausgegrabenen Wandmalereien entstammen meist aus Thermen.

Es ist anzunehmen, dass die Praxis gemeinschaftlicher sexueller Vereinigung seit Jahrtausenden vielen anderen Völkern der Erde bekannt war. Aus einigen alten Hochkulturen, wie Indien oder China finden sich dazu künstlerisch oder literarisch Belege. Als Beispiele sind auf dem üppig verzierten indischen Sonnentempel in Konark aus dem 13. Jahrhundert oder im Tempelbezirk von Khajuraho neben religiösen Motiven auch eine Vielzahl von Darstellungen erhalten, die heute als Gruppensex bezeichnet werden. Diese sehr detaillierten Motive sind im religiösen Kontext zu sehen.

Auch einige der Illustrationen des weltberühmten Werkes Kamasutra zeigen mehrere Partner beim Spiel. Hier geht es nicht um Religiosität, sondern nur um Spaß und Erfüllung.

Praxis[Bearbeiten]

Gruppensex wird heute häufig in Swingerclubs oder auch an einschlägig bekannten Treffpunkten wie Baggerseen, Autobahnparkplätzen und Porno-Kinos betrieben. Gegenüber dieser eher anonymen Variante nimmt in der jüngeren Vergangenheit Gruppensex in privatem Rahmen, also dem heimischen Wohnzimmer zu. Das Internet als anonymes Kontaktmedium erleichtert dies beträchtlich. Auch in diesem privaten Rahmen bleibt Gruppensex meist emotional distanziert. Freundschaftliche Beziehungen sind nicht immer erwünscht – viele bevorzugen so genannte One-Night-Stands – und die Beziehungen zwischen den Partnern bleiben häufig instabil.

Bei Paaren, die Gruppensex „probieren“ möchten, besteht u. U. die Gefahr ihrer Beziehung durch Eifersucht oder emotionale Umorientierung zu schaden. Ein wichtiger Punkt ist hierbei gegenseitiges Vertrauen. Dann kann der Sex mit einer weiteren oder mehreren Personen durch das gemeinsame Erleben eine Bereicherung sein.

Wie bei anderen Sexualpraktiken auch, bringt beim Gruppensex der Verzicht auf Safer Sex die Gefahr der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Erkrankungen wie z. B. AIDS mit sich.

Gangbang[Bearbeiten]

Gangbang ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Gangbang (Begriffsklärung) aufgeführt.
Gruppensex

Eine besondere Form des Gruppensex ist der Gangbang (engl.), für den eine extreme Überzahl dominanter bzw. aktiv-penetrierender Teilnehmer und die abwechselnde Penetration weniger submissiver bzw. passiv-rezeptiver Teilnehmer charakteristisch ist. Dagegen sind bei einem Reverse Gangbang die empfangenden Teilnehmer in der großen Überzahl. Der Begriff kommt aus dem Englischen von gang („Bande“, „Gruppe“, umgangssprachlich auch Rudel, daher Rudelbums genannt) und bang (vulgär für „koitieren“) und bezeichnete ursprünglich eine Gruppenvergewaltigung. Darüber hinaus findet der Begriff heute auch breitere Verwendung wie oben beschrieben.

Gesetzliche Regelungen[Bearbeiten]

Gruppensex gilt üblicherweise als Privatangelegenheit, deren Auslebung innerhalb der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht staatlich sanktioniert wird. Allerdings erfüllt beispielsweise die öffentliche Promotion und Verherrlichung von Gruppensex den Tatbestand der Jugendgefährdung.[1]

Der Jurist Horst Fischer trug zur Strafrechtsreform 1969 eine Materialsammlung zusammen, um zu belegen, dass auch in Deutschland sexuelles Gruppenverhalten existiert und dass für eine Kriminalisierung keine Grundlagen bestünden:

„Ein sexuelles Gruppenverhalten hat es schon immer gegeben. Es ist auch in Deutschland eine Realität, dass sich ein gewisser Prozentsatz von Ehepaaren zu intimem Verkehr mit anderen Ehepaaren trifft. Werden solche Fälle ‚aufgedeckt‘, so muss es in Deutschland, soweit ein Beweis erbracht werden kann, auf Grund der aus dem Jahre 1900 stammenden Strafbestimmung des § 181 zur Verurteilung des Ehemannes wegen ‚schwerer Kuppelei‘ kommen. […] Man mag sexuelle Gemeinschaftspraktiken vom moralischen Standpunkt aus verwerfen, rechtlich jedoch hat ein Staat, der sich demokratisch nennen will, im Schlafzimmer erwachsener Menschen, die ein Intimleben nach eigener Anschauung führen wollen, nicht das Geringste zu suchen.“[2]

Gruppensex in der Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pschyrembel: Wörterbuch Sexualität. Stephan Dressler, Christoph Zink, Walter de Gruyter Verlag, 2003, ISBN 3-11-016965-7. S. 191
  • Horst Fischer: Sexuelles Gruppenverhalten in Deutschland. Merlin-Verlag, Hamburg 1968
  • Chris Stadtlaender: Gruppensex im alten Rom – Literarische Ausgrabungen aus antiken Venustempeln. Kindler, München 1971, ISBN 3-463-00473-9.
  • Gilbert D. Bartell: Gruppensex-Report: Über Milieu, Motive und Rituale. S. Fischer, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-10-005801-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gruppensex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
  2. Horst Fischer: Gruppensex in Deutschland. Merlin, Hamburg 1969, S. 206–208.