Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bundesministerium der Justiz)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das deutsche Justizministerium. Für das österreichische Bundesjustizministerium siehe Bundesministerium für Justiz.
Logo
Staatliche Ebene Bund
Stellung Oberste Bundesbehörde
Gründung 1. Januar 1877 als Reichsjustizamt
Hauptsitz Berlin
Behördenleitung Heiko Maas (SPD), Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz
Bedienstete über 700 (27. Mai 2014)[1]
Website www.bmjv.de
Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) ist eine Oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Hervorgegangen ist es aus dem Reichsministerium der Justiz (bis 1945). Mit der Ernennung des Kabinetts Merkel III wurde das Bundesministerium der Justiz (BMJ) kraft Organisationserlass vom 17. Dezember 2013 um den Bereich Verbraucherschutz erweitert und in Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) umbenannt.

Historische Einordnung[Bearbeiten]

Das Amt des Justizministers bzw. der Justizministerin gehört neben denen des Innen-, Außen-, Finanz- und Verteidigungsministers (früher Kriegsminister) zu den so genannten klassischen Ressorts. Diese Bezeichnung rührt daher, dass es in der ersten deutschen Reichsregierung nur diese Geschäftsbereiche gab.

Zuständigkeit[Bearbeiten]

Hauptsitz des Bundesministeriums der Justiz in der Mohrenstraße in Berlin
Zweitsitz des BMJV in der Bundesstadt Bonn

Oberster Dienstherr im Ministerium ist der Bundesminister bzw. die Bundesministerin der Justiz. Dem jeweiligen Amtsinhaber stehen ein beamteter sowie ein parlamentarischer Staatssekretär zur Seite.

Im föderativen System Deutschlands ist die Verwaltung der Justiz, Rechtspflege und Strafverfolgung in erster Linie Sache der Bundesländer. Zentrale Aufgabe des Bundes auf dem Gebiet der Justiz ist die Sicherung und Fortentwicklung des Rechtsstaats; diesem Ziel entspricht die gesetzgeberische Tätigkeit. Sie umfasst die Vorbereitung neuer Gesetze und die Vorbereitung und Änderung oder die Aufhebung von Gesetzen in den klassischen Gebieten des Rechts, nämlich dem bürgerlichen Recht, dem Strafrecht, dem Handels- und Gesellschaftsrecht, dem Urheberrecht und dem gewerblichen Rechtsschutz, dem Gerichtsverfassungs- und Verfahrensrecht für die einzelnen Gerichtsbarkeiten (außer Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit) sowie dem Dienst- und Berufsrecht der Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare. Ferner ist das Ministerium für die mit der Herstellung der Einheit Deutschlands erwachsenen Aufgaben im Bereich der strafrechtlichen, verwaltungsrechtlichen und beruflichen Rehabilitierung und der „offenen Vermögensfragen“ zuständig. Das Ministerium prüft ferner bei allen von anderen Ministerien vorbereiteten Gesetzes- und Verordnungsentwürfen die sogenannte „Rechtsförmlichkeit“, um zu gewährleisten, dass die gesetzlichen Regelungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Das Ministerium ist Herausgeber der Veröffentlichungsorgane Bundesgesetzblatt und Bundesanzeiger und bereitet die Wahl der Richter des Bundesverfassungsgerichts und der Richter an den obersten Gerichtshöfen des Bundes vor.

Zum Geschäftsbereich des Ministeriums gehören der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit einem 5. Strafsenat in Leipzig, der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit der Dienststelle Leipzig, das Bundesamt für Justiz mit dem Bundeszentralregister in Bonn, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, der Bundesfinanzhof in München, das Bundespatentgericht in München und das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) in München mit den Dienststellen in Berlin und Jena.

Der gegenwärtige Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz in der schwarz-roten Bundesregierung ist der SPD-Politiker Heiko Maas.

Europäische Union und internationale Aspekte[Bearbeiten]

Die Bundesjustizministerin ist Teil der Gesetzgebung der Europäischen Union im Rahmen des Ministerrates für Justiz und Inneres.

Während in Deutschland eine strikte Trennung zwischen Gefahrenabwehr (präventiver Gewalt → Innenministerium) und Strafverfolgung (repressiver Gewalt → Justizministerium) stattfindet, bestehen in einigen Staaten keine derartigen Trennungen. In Großbritannien wird die Strafverfolgung und die Gefahrenabwehr unter den Secretary of State for the Home wahrgenommen. In den Vereinigten Staaten heißt der Justizminister Attorney General. Im US-amerikanischen System besteht eine Trennung zwischen Strafverfolgungsaufgaben und der Gefahrenabwehr (durch das neugeschaffene Department of Homeland Security).

Bundesminister seit 1949[Bearbeiten]

Hauptartikel: Amtsinhaber seit 1919

Nachdem Fritz Neumayer das Kabinett verlassen hatte, übernahm der damalige Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates Hans-Joachim von Merkatz auch das Justizministerium und führte so, kurzzeitig bis zur Bundestagswahl 1957, zwei Ressorts.

Ilse Aigner Horst Seehofer Renate Künast Heiko Maas Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Brigitte Zypries Herta Däubler-Gmelin Edzard Schmidt-Jortzig Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Klaus Kinkel Klaus Kinkel Hans A. Engelhard Jürgen Schmude Hans-Jochen Vogel Gerhard Jahn Horst Ehmke Gustav Heinemann Richard Jaeger Karl Weber (CDU) Ewald Bucher Wolfgang Stammberger Fritz Schäffer Hans-Joachim von Merkatz Fritz Neumayer Thomas Dehler

Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Dauer der Amtszeit
in Tagen
Bundesminister der Justiz
1 Thomas Dehler 1897–1967 FDP 20. September 1949 20. Oktober 1953 1.491
2 Fritz Neumayer 1884–1973 FDP 20. Oktober 1953 16. Oktober 1956 1.092
3 Hans-Joachim von Merkatz 1905–1982 DP 16. Oktober 1956 29. Oktober 1957 378
4 Fritz Schäffer 1888–1967 CSU 29. Oktober 1957 14. November 1961 1.477
5 Wolfgang Stammberger 1920–1982 FDP 14. November 1961 19. November 1962 370
6 Ewald Bucher 1914–1991 FDP 14. Dezember 1962 27. März 1965 834
7 Karl Weber 1898–1985 CDU 1. April 1965 26. Oktober 1965 208
8 Richard Jaeger 1913–1998 CSU 26. Oktober 1965 30. November 1966 400
9 Gustav Heinemann 1899–1976 SPD 1. Dezember 1966 26. März 1969 846
10 Horst Ehmke * 1927 SPD 26. März 1969 21. Oktober 1969 209
11 Gerhard Jahn 1927–1998 SPD 22. Oktober 1969 7. Mai 1974 1.658
12 Hans-Jochen Vogel * 1926 SPD 16. Mai 1974 22. Januar 1981 2.441
13 Jürgen Schmude * 1936 SPD 22. Januar 1981 1. Oktober 1982 617
14 Hans A. Engelhard 1934–2008 FDP 4. Oktober 1982 18. Januar 1991 3.028
15 Klaus Kinkel * 1936 FDP (ab 1991) 18. Januar 1991 18. Mai 1992 486
16 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger * 1951 FDP 18. Mai 1992 17. Januar 1996 1.339
17 Edzard Schmidt-Jortzig * 1941 FDP 17. Januar 1996 26. Oktober 1998 1.013
18 Herta Däubler-Gmelin * 1943 SPD 27. Oktober 1998 22. Oktober 2002 1.456
19 Brigitte Zypries * 1953 SPD 22. Oktober 2002 28. Oktober 2009 2.563
20 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger * 1951 FDP 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013 1.511
(insg. 2.850)
Bundesminister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
1 Renate Künast * 1955 Grüne 12. Januar 2001 4. Oktober 2005 1.726
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
2 Horst Seehofer * 1949 CSU 22. November 2005 27. Oktober 2008 1.070
3 Ilse Aigner * 1964 CSU 31. Oktober 2008 30. September 2013 1.795
Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz
21/4 Heiko Maas * 1966 SPD 17. Dezember 2013 im Amt 279

Parlamentarische Staatssekretäre[Bearbeiten]

Beamtete Staatssekretäre[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bmjv.de/DE/Ministerium/AufbauOrganisation/_node.html
  2. Artikel der "Welt" vom 4. Januar 2014
  3. http://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2014/20140108_Amtsuebergabe_an_neue_Staatssekretaere_Dr_Hubig_und_Billen.html?nn=1468940