Guilhermina Suggia

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Guilhermina Augusta Xavier de Medin Suggia

Guilhermina Suggia, vollständig Guilhermina Augusta Xavier de Medim Suggia Carteado Mena (* 27. Juni 1885 in Porto; † 30. Juli 1950 ebenda) war eine portugiesische Cellistin und eine der ersten Frauen, die mit diesem Instrument eine professionelle Karriere machte.

Jugend[Bearbeiten]

Guilherminas musikalisches Talent wurde frühzeitig durch ihren Vater, Augusto Jorge de Menim Suggia, gefördert, der ehemaliger Cellist des Konservatoriums von Lissabon war. Mit fünf Jahren begann sie auf einem 3/4 Cello, das ihr Vater in Paris fertigen ließ, zu spielen. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie, zusammen mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Virginia am Klavier, im Alter von 7 Jahren 1892 im Matosinhos Club in Porto. Zwischen 1892 und 1895 hatten die Schwestern zahlreiche gemeinsame Auftritte und wurden in den Salons von Porto bekannt. Im Mai 1896 gab sie ihr Debüt am Gil Vicente Theater mit Haydns Andante mit Variationen in einem Streichquartett, das ihre Schwester begleitete.

1898 lernte Guilhermina den bereits bekannten Cellisten Pau Casals kennen, bei dem ihr Vater sie vorspielen ließ und der ihr mehrere Monate lang wöchentlichen Unterricht erteilte.

Studium in Leipzig[Bearbeiten]

Ab 1901 waren Guilhermina und Virginia Mitglied im Quartett Moreira de Sá und spielten am Konservatorium Lissabon. Ihr Erfolg war so groß, dass sie zu einer Aufführung für das portugiesische Königspaar in den Palácio das Necessidades geladen wurden. Königin Amélie versprach Guilhermina, sie bei ihrem Wunsch nach einem Studium im Ausland zu unterstützen. Dank dieser Unterstützung konnte die junge Künstlerin mit einem staatlichen Stipendium für 16 Monate am Leipziger Konservatorium bei Julius Klengel studieren und spielte dort als 18-jährige mit dem Gewandhausorchester.

Beziehung zu Pau Casals[Bearbeiten]

Von 1907 bis 1913 lebte Guilhermina mit Pau Casals in der Villa Molitor in Paris. Obwohl keine Aufzeichnungen über eine Eheschließung existieren, wird sie auf Konzertlisten der Zeit als Guilhermina Suggia-Casals oder auch Guilhermina Casals geführt. Ihr Stil wurde in dieser Zeit maßgeblich von Casals’ Einfluss geprägt, durch die Beziehung kam sie jedoch auch in Austausch mit einigen anderen der berühmtesten Musikern der damaligen Zeit, Fritz Kreisler, George Enescu und Eugène Ysaÿe waren regelmäßige Besucher in der Villa Molitor. Das Verhältnis von Suggia und Casals unterlag jedoch zunehmenden Spannungen, da Guilhermina nicht bereit war, dauerhaft im Schatten des berühmten Casals zu stehen.

Musikalische Entwicklung[Bearbeiten]

Nach dem Ende der Beziehung zu Casals zog Guilhermina 1914 nach London, wo sie zunächst vor allem als „Frau Casals“ bekannt war, in den nächsten Jahren aber zu einer Berühmtheit der klassischen Musik wurde. 1919 verlobte sie sich mit dem Zeitungsbesitzer Edward Hudson, der ihr als Geschenk ein Stradivari-Cello aus dem Jahr 1717 überreichte, das heute ihren Namen trägt. Auch nach der Auflösung der Verlobung behielt Guilhermina dieses Instrument. Das berühmte Porträt „Madame Suggia“ von Sir August John[1] zeigt Guilhermina mit ihrem Cello. Das Porträt wurde im Auftrag Hudsons begonnen. Als der Auftrag hinfällig wurde, malte John trotzdem weiter. Er begann zweimal neu, jedes Mal mit einem Kleid in einer anderen Farbe, einer größeren Leinwand und einer Pose, die ihr Profil zeigt. Es wird als eines seiner besten angesehen. Im März 1923 wurde es im Alpine Club ausgestellt. William P. Clyde Jr., Besitzer der Clyde Steamship Company, war aus Monte Carlo eingeflogen und kaufte das Gemälde für $50,000. England war aufgebracht, dass es nun in Amerika ausgestellt wurde. 1925 gelang es jedoch dem Kunsthändler Joseph Duveen, der eine Niederlassung in New York betrieb, [2] Clyde zu überreden, ihm das Bild verkaufen. Duveen übergab es der Tate Gallery. Auch die Fotografen Alvin Langdon Colburn[3] und Bertram Park [4] fertigten zahlreiche bekannte Aufnahmen von Guilharmina und ihrem Instrument an.

In den 1920er Jahren wurde Suggia vor allem mit Aufführungen von Konzerten von Joseph Haydn, Antonín Dvořák, Saint-Saëns und Schumann bekannt, sowie für ihre Interpretation der Bach-Suiten. In den 1930er Jahren erweiterte sie ihr Repertoire um Stücke von Edward Elgar, Rachmaninow, Mendelssohn und César Franck. Noch 1947 trat sie mit persönlichen Erstaufführungen (Debussys Celosonate) in Erscheinung.

Über Jahrzehnte lehnte es Guilhermina ab, in den USA aufzutreten, da sie ihre Celli nicht der Gefahr des langen Transports aussetzen wollte. Eine schließlich dort für 1950 geplante Tournee Guilherminas musste dann wegen des schlechten Gesundheitszustands der Künstlerin abgesagt werden. Als eine inoperable Krebserkrankung festgestellt wurde, war die englische Öffentlichkeit stark bewegt, und die junge Königin Elisabeth II. sandte Genesungswünsche und einen Blumenstrauß.

Ihren letzten Auftritt hatte Guilhermina Suggia in ihrem Heimatland Portugal, in Aveiro am 31. Mai 1950. Sie verstarb in der Nacht des 30. Juli 1950 in ihrem Haus in Porto an den Folgen ihres Krebsleidens.

Auszeichnungen und Nachleben[Bearbeiten]

1923 ernannte die portugiesische Regierung sie für ihre außerordentlichen Verdienste zu einer Dame des Ordem Militar de Sant'Iago da Espada (DamSE), eine Auszeichnung, die nur sehr selten an Frauen verliehen wurde. 1937 wurde sie sogar zum Komtur des Ordens ernannt. 1938 wurde ihr die Goldene Medaille der Stadt Porto verliehen. Das Konservatorium von Porto vergibt jährlich den Guilhermina-Suggia-Preis an herausragende junge Cellisten. In England führt das British Arts Council die Suggia-Stiftung, die Stipendien an begabte Cellisten vergibt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anita Mercier: Guilhermina Suggia: Cellist. Ashgate, 2008, ISBN 0-7546-6169-5.
  • Fátima Pombo: Guilhermina Suggia: A Sonata de Sempre. Edições Afrontamento/Câmara Municipal de Matosinhos, 1996, ISBN 978-972-36-0418-4.
  • Fátima Pombo: Guilhermina Suggia, ou, O violoncelo luxuriante. Fundação Eng. António de Almeida, 1993.
  • Hubert Whelbourn: Standard Book of Celebrated Musicians Past and Present. Read Books, 2007, ISBN 1-4067-7135-X, S. 269 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Madame Suggia von Augustus John in der Tate Gallery
  2. Joseph Duveen, Baron Duveen of Millbank
  3. George Eastman House Fotoarchiv
  4. National Portrait Gallery

Weblinks[Bearbeiten]