Fritz Kreisler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fritz Kreisler

Fritz Kreisler (* 2. Februar 1875 in Wien; † 29. Januar 1962 in New York) war ein österreichstämmiger Violinist und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Kreisler war der Sohn des jüdischen Arztes Samuel Kreisler, der auch Sigmund Freud behandelte. Von seinem Vater erhielt er im Alter von vier Jahren den ersten Violinunterricht. Seine Mutter, Anna Reches (im Geburtsregister von Fritz noch Chaje Ribe), war römisch-katholisch, im Alter von 12 Jahren wurde er getauft.[1] 1882 wurde er in das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufgenommen und von Josef Hellmesberger junior (Violine) und Anton Bruckner (Musiktheorie) unterrichtet. Er war erst 7 Jahre alt und damit das jüngste „Wunderkind“, das jemals aufgenommen wurde. Von 1885 bis 1887 studierte er am Pariser Konservatorium, von seinen dortigen Lehrern sind insbesondere Lambert Joseph Massart (Geigenunterricht) und Léo Delibes (Komposition) sowie Jules Massenet zu nennen. 1887 gewann er die höchste Auszeichnung des Pariser Konservatoriums, den Premier Prix, im Alter von nur 12 Jahren.

Mit dem Pianisten Moriz Rosenthal trat er 1888/89 seine erste Konzerttour durch die USA an. Nach seiner Rückkehr bewarb er sich bei den Wiener Philharmonikern, wurde jedoch abgelehnt, weil er nicht richtig vom Blatt lesen konnte. Er hörte auf zu musizieren und begann erst Medizin und dann Malerei zu studieren und verbrachte eine kurze Zeit in der Armee. 1896 fing er wieder mit dem Violinspiel an und debütierte 1898 in Wien, bevor er 1899 bei den Berliner Philharmonikern unter dem Dirigenten Arthur Nikisch ein Konzert gab. Dieses Konzert und eine Reihe von Tourneen in Amerika, in den Jahren 1901 bis 1903, brachten ihm wahre Beifallsstürme ein. 1904 erhielt er die Gold Medal (Goldmedaille) der Royal Philharmonic Society in London.

Bei der Überfahrt an Bord der Fürst Bismarck im Mai 1901 lernte er die Brooklyner Tabakhändlerstochter Harriet Lies (geschiedene Woerz) kennen, die er 1902 vor dem Friedensrichter in New York City sowie in der Österreichischen Botschaft in London heiratete. 1947 folgte eine kirchliche Trauung in der katholischen Pfarrei von New Rochelle. Sie zähmte den Weiberhelden und Spieler. Seine Frau wurde auch seine Managerin und hatte damit alle Hände voll zu tun, da er in manchen Jahren 250 Konzerte und mehr absolvierte. Herlitz vermerkt kurz: „K. ist aus dem Judentum ausgeschieden“. Allein ein fünfjähriger Schallplattenvertrag mit der Victor Company soll ihm die seinerzeit unvorstellbare Summe von 750.000 Dollar eingebracht haben. [2]

In diese Zeit fällt auch die Komposition seiner bekannten Charakterstücke. Er machte seine ersten Einspielungen und unternahm viele Konzertreisen. 1910 gab Kreisler die Premiere von Edward Elgars Violinkonzert, das ihm gewidmet war.

Berliner Gedenktafel am Haus Bismarckallee 32a, in Berlin-Grunewald
Fritz Kreisler, 1930

Er diente kurzzeitig in der österreichischen Armee im Ersten Weltkrieg, bevor er nach einer Verwundung in Russland ehrenvoll entlassen wurde. Die letzten Kriegsjahre verbrachte er in Amerika. Danach folgten Konzerttouren durch die ganze Welt. 1923 war seine erste Tournee nach Fernost, wo er allerdings schon lange durch das Grammophon bekannt war.

Von 1915 bis 1925 lebte er in den USA, ab 1924 in Berlin, Kurfürstendamm. Im Berliner Grunewald kaufte Kreisler 1924 ein bewaldetes Grundstück und ließ sich eine mehrgeschossige Villa mit einem Nebengebäude für Bedienstete errichten: am Ende der Bismarckallee, Nr. 32a.

Im Sommer 1933 bat ihn der Dirigent Wilhelm Furtwängler als Solist in der kommenden Saison mit den Berliner Philharmoniker aufzutreten. Kreisler lehnte mit der Begründung ab, daß bereits die berühmten Dirigenten Bruno Walter, Otto Klemperer und Fritz Busch Deutschland zwangsweise verlassen mussten: „Ich bin daher fest entschlossen, mein Auftreten in Deutschland so lang aufzuschieben, bis das Recht aller Künstler, ihre Tätigkeit in Deutschland, ungeachtet der Abstammung, der Religion oder Nationalität auszuüben, unumstößliche Tatsache geworden ist. Ich vertraue darauf, daß es mir bald vergönnt sein wird, mit Ihnen zu musizieren.“

Als der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, ein Freund Kreislers, während des Juli-Putsches 1934 im Amt ermordet wurde, weilte Kreisler in Paris und äußerte die Bedenken, dass auch er bald Untertan eines nationalsozialistischen Reiches sein könnte. Daraufhin bot der Senator aus Savoyen ihm an, dass er auf Grund eines alten Gesetzes ohne Wartezeit in Frankreich eingebürgert werden könne: „Ich werde zu George Bonnet, (den französischen Außenminister) gehen und die Angelegenheit regeln. Sie können über Nacht Franzose werden!“

Die Nationalsozialisten verboten den Verkauf seiner Werke, seine Aufnahmen durften nicht mehr gespielt werden. Zu seinem 60. Geburtstag 1935 brachten die Rundfunkstationen weltweit Gedenksendungen: in Deutschland dagegen schwieg man ihn tot [3]

Im Jahre 1935 erhielt er den Ehrenring der Stadt Wien.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen im März 1938 wurden alle Bewohner des Landes aufgefordert, ihre österreichischen Pässe gegen deutsche umzutauschen. Daraufhin verließ Kreisler Deutschland und nahm die angebotene französische Staatsbürgerschaft an. Der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop weigerte sich zunächst, die Gültigkeit der neuen Staatsbürgerschaft anzuerkennen. Um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden, nahm Kreisler seinen Aufenthalt in der Nähe von Monte Carlo. Im Mai 1938 wurde er in Anerkennung seiner Kunst zum Kommandeur der Französischen Ehrenlegion ernannt.

Seit 1939 lebte er in New York, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte; er kehrte nie wieder nach Europa zurück. 1943 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Wegen eines Autounfalls 1941, der seinem Gedächtnis Schaden zufügte, wurden seine Auftritte seltener. Sein letztes öffentliches Konzert gab er 1947. Seine 1944 begonnene Bell Telephone Hour Radiosendung setze er noch bis in die 1950er Jahre fort.

Im Januar 1949 ließ Kreisler bei den Parke-Bernet Galleries seine Sammlung seltener Bücher, Manuskripte und einige Kunstgegenstände versteigern. Die mehr als $120,000 schenkte er der Golden Rule Foundation und dem Lenox Hill Hospital.

Bei seinem 80. Geburtstag war Fritz Kreisler beinahe blind und konnte kaum noch etwas hören. Am 29. Januar 1962 starb er nach kurzem Krankenhausaufenthalt in New York City als der letzte geigende Romantiker im Alter von 86 Jahren, vier Tage vor seinem Geburtstag. Seine Frau Harriet überlebte ihn um ein Jahr.

Kreislers Bruder Hugo, Cellist, floh 1938 mit seiner Familie aus Europa in die USA. Der Komponist, Sänger und Dichter Georg Kreisler war ein weitläufiger Verwandter von Fritz Kreisler.

Werk[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

An Kreisler scheiden sich die Geister. Von vielen – z. B. von dem Geigenpädagogen Suzuki Shin’ichi – wird er verehrt, von anderen dagegen abgelehnt. Wie schon sein ältestes Tondokument von 1904 zeigt, hatte Kreisler bereits in jungen Jahren eine spezielle warme Tongebung entwickelt, mit der er seine Zuhörerschaft in den Bann schlug, und durch die er zusammen mit seinen Kompositionen dem Geigenspiel des 20. Jahrhunderts entscheidende Impulse gab. Dieser warme schmelzende Ton entsprach dem legendären Alt-Wiener Geigenklang (z. B. eines Franz Clement oder Ignaz Schuppanzigh), der von Josef Mayseder über Hellmesberger an Kreisler weitergegeben worden war. Die These, dass Kreisler der Erfinder des modernen durchgehenden Vibratos sei, wird zwar häufig zitiert, ist allerdings historisch nicht belegbar.

Bis heute sehr bekannt sind Kreislers Charakterstücke für Violine und Klavier, die sich an alten Formen und Stilen orientieren. Zu nennen sind hier insbesondere die drei Alt-Wiener Tanzweisen Liebesfreud und Liebesleid und Schön Rosmarin. Sie sind tonal und einerseits von Barock und Klassik, andererseits vom Wiener Stil geprägt. Einige dieser Stücke entstanden im Stile anderer Komponisten. Viele dieser Werke (zusammengestellt in Klassische Manuskripte) schrieb Kreisler anfangs früheren Komponisten wie Gaetano Pugnani und Giuseppe Tartini zu, bis er 1935 bekannte, dass sie in Wirklichkeit von ihm stammten, und damit für einen kleinen Skandal sorgte, der eher peinlich für die Musikkritik war, die den Schwindel nicht erkannt hatte.

Kreisler schrieb neben einem Violinkonzert G-Dur und einem Concerto für Violine, Streichorchester und Orgel C-Dur (Im Stile von Antonio Vivaldi) auch die Operetten Apfelblüten (1919, zusammen mit Viktor Jacobi) und Sissy, sowie ein Streichquartett a-Moll und einige Lieder. Von Bedeutung sind heute noch seine Kadenzen, einschließlich einer für das Violinkonzert Johannes Brahms'. Seine Kadenz für das Violinkonzert Ludwig van Beethovens gehört heutzutage neben der von Joseph Joachim zu den meistgespielten Kadenzen dieses Werkes.

Kreisler war der letzte komponierende Virtuose im Stile Niccolò Paganinis, der seine Kompositionen in großen Konzerttouren unters Volk brachte. Seine Werke sind von Geigern mit unterschiedlichstem Können spielbar. Eugène Ysaÿe widmete Kreisler die 4. seiner 6 Solo-Sonaten.

Kreislers Geigen[Bearbeiten]

Kreisler besaß eine eindrucksvolle Geigensammlung mit ausgezeichneten Violinen beispielsweise - einige spielte er lediglich - von Giuseppe Guarneri del Gesu und Carlo Bergonzi. Letztere wurde als die Kreisler-Bergonzi bekannt.[4]

  • Guarneri del Gesù (1733). Geschenk von Kreisler 1952 an die Library of Congress de Washington, D.C.
  • Guarneri del Gesù (1735). Gehörte Mary Portman
  • Guarneri del Gesù (1740) “Tiger”, die später Benno Rabinoff gehörte.
  • J. B Vuillaume (1845), bis 1960 in Besitz von Kreisler, ausgeliehen an Joseph Hassid und gehört heute Yong-Uck Kim.
  • Stradivari (1726) “Greville”. Kreisler besaß sie nur 1 Jahr. Verkauft an Lyan & Healy.
  • Stradivari (1733) “Kreisler”, die auch Bronisław Huberman und Johanna Martzy gehörte. Heute Daniel Tschudi.
  • Stradivari (1711) “Earl of Plymouth” gehört heute dem Los Angeles Philharmonic Orchestra.
  • Stradivari (1727) “Hart”, kam in Besitz von Zino Francescatti und danach Salvatore Accardo.
  • Stradivari (1732) “Baillot” hatte vormals Pierre Baillot und Eugène Sauzay gehört.
  • Stradivari (1734) “Lord Amherst of Hackney”, auch gespielt von May Harrison und Benno Rabinoff. Kreisler verkaufte sie 1945 an die Firma Wurlitzer.
  • Pietro Guarneri de Mantoue (1707), gekauft 1967 von Earl Carlyss (zweiter Geiger des Juilliard String Quartet).
  • „Carlo Bergonzi“ gehörte später Itzhak Perlman.
  • Alessandro Gagliano.
  • Giovanni Grancino.
  • Gand and Bernadel.
  • Daniel Parker (1720) in London gebaut

Literatur[Bearbeiten]

  • Kreisler, Fritz: "Four Weeks in the Trenches" - Kreislers Erinnerungen über die Teilnahme am Ersten Weltkrieg in der österreichischen Armee (auf Englisch). - im Internet Archive - online.
  • Kreisler, Fritz: Herr Kreisler Talks, in: Strand Magazine Vol. 67, 1927, 178-183.
  • Kreisler, Fritz: The Great Kreisler Hoax, in: Etude 69, 1951.
  • Kreisler Sonderausgabe von The Strad, Vol. 98, Nr. 1161, 1987: Roth, Henry: The King of Violinists. An Appraisal of Fritz Kreisler's extraordinary Life and Achievements, p. 23-29.
  • Thomas-M. Langner: Kreisler, Fritz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12, Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-00193-1, S. 738 f. (Digitalisat).
  • Bell, A.: Fritz Kreisler Remembered: A Tribute, Braunton 1992.
  • Biancolli, Amy: Fritz Kreisler. Love's Sorrow, Love's Joy, Portland, Or. 1998. (mit Diskographie)
  • Hartnack, Joachim W.: Große Geiger unserer Zeit, Zürich ³1983.
  • Roger Hauert (Fotos), Marc Pincherle (Text): Fritz Kreisler. Genf 1956 (Bildband)
  • Louis Paul Lochner: Fritz Kreisler. New York, London 1950. (mit Werksverzeichnis, Bibliographie). Dt. Ausgabe: Wien, Bergland-Verl. 1957
  • Martens, Fr. H.: Violin Mastery, New York 1919, S. 99-109.
  • Schueneman, Bruce R.: The Search for the minor Composer: The Case of Fritz Kreisler, in: Music Reference Services Quarterly, 1996, Vol. 5, Nr. 2, S. 25-49.

Diskographie[Bearbeiten]

Kreisler spielte in den Jahren 1904 bis 1946 mehrere hundert Schallplatten ein. Gesammelt sind sie etwa bei:

  • Kreisler, Fritz/ Lamson, Carl/ MacCormack, John/ O'Brien, Vincent: Fritz Kreisler - The complete RCA recordings, Hamburg, München 1995.
  • Werke sortiert nach Musikgattung

Eine vollständige Liste seiner Soloaufnahmen findet sich, zusammengestellt von Eric Wen, in der Kreisler-Sonderausgabe von The Strad aus dem Jahre 1987 (siehe oben).

Siehe auch: Einträge zu Fritz Kreisler im Katalog des Deutschen Musikarchivs (s.u. "Weblinks")

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fritz Kreisler – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jewish Violinists (englisch)
  2. Plattenaufnahmen bei Victor Records
  3. Louis P. Lochner, Fritz Kreisler, Wien 1957
  4. Kreisler Geigen aufgelistet