Hans Henning Atrott

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans Henning Atrott 2011

Hans Henning Atrott (* 12. Januar 1944 in Memel) ist Gründer und erster Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) und ehemaliger Geschäftsführer der „World Federation of Right-to-die-Societies“. Bekannt wurde er durch die von ihm angefachte Diskussion über Sterbehilfe sowie durch Vermittlungen und Verkäufe von Zyankali an Sterbewillige, die zu seiner Verurteilung führten.

Leben[Bearbeiten]

Atrott ist der Sohn eines Pfarrers der Jakobusgemeinde zu Memel und dessen Ehefrau Edith.[1] Seine Eltern starben in seinem ersten Lebensjahr. Er wuchs in der DDR auf und übersiedelte 1956 in die Bundesrepublik Deutschland. Ein Studium der Politologie an der Universität München schloss er mit dem akademischen Grad Dipl. sc. pol ab.

Atrott ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

Sterbehilfe und Suizidassistenz[Bearbeiten]

Von 1979 bis 1981 fungierte Atrott als Landesvorsitzender des Bunds für Geistesfreiheit Bayern, im Jahre 1980 wurde er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben und arbeitete 1982 bis 1984 als Geschäftsführer der World Federation of Right-to-die-Societies. 1985 nahm Atrott an einer Anhörung zur Sterbehilfe im Deutschen Bundestag teil.[2]

Im Juli 1987 erklärte ein Beschluss des OLG München[3] die Sterbehilfe mittels Zyankali im Fall Hermy Eckert als gesetzeskonform; Atrott hatte hierfür das Gift geliefert.[4] Im Mai 1992 wurde Atrott vorübergehend festgenommen und nach einem Tag gegen eine Kaution von 200.000 DM wieder entlassen. Atrott setzte sich, so die Darstellung der DGHS, daraufhin in die Schweiz ab.[5] Am 23. Januar 1993 wurde Atrott in Hamburg beim Verkauf von Zyankali erneut verhaftet[6] und verblieb knapp ein Jahr in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg erhob gegen ihn Anklage wegen Steuerhinterziehung und Verstoß gegen die Gefahrstoffverordnung; die im März 1994 stattfindende Gerichtsverhandlung am Landgericht Augsburg führte nach seinem Geständnis zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und zur Zahlung einer Geldbuße.[7][8]

Im November 1986 tötete eine Mutter ihr krebskrankes Kind aus Verzweiflung mit Zyankali. Nach ihrer Darstellung des Sachverhaltes hatte sie das Gift von Atrott bekommen. Atrott konnte allerdings nicht nachgewiesen werden, dass er das Zyankali tatsächlich besorgt hatte.[9] Atrott soll im Jahr 1992 eine (ehemalige) Mitarbeiterin telefonisch bedroht und beleidigt haben. [10]

Ausscheiden aus der DGHS[Bearbeiten]

Durch die Erklärung der zwischenzeitlich eingesetzten DGHS-Führung, dass der in U-Haft befindliche Atrott kein Interesse mehr an der Fortführung seines Amtes als DGHS-Präsident hätte, wurde Atrott als gesetzlicher Vertreter aus dem Register gelöscht. Atrott bestreitet dieses Einverständnis. Nach gegenseitigen Ausschlüssen und Entlassungen beendete 1997 ein schiedsrichterlicher Vergleich die Querelen: gegen eine Abfindung verzichtete Atrott auf Ämter und Mitgliedschaft in der DGHS.

Antichristliche Agitation[Bearbeiten]

Frühe Beschäftigung mit der Bibel und dem Neuen Testament festigten seine Abneigung gegen die christlichen Kirchen, die er als Betrüger ansieht. Seit 1998 hat Atrott seine Arbeiten über das Christentum wieder aufgenommen, insbesondere über Jesus Christus. Dabei entwickelte Atrott unter anderem die Thesen, dass die Geschichten, die sich um Jesu Geburt ranken, größtenteils aus dem Mithraskult übernommen worden seien, dass Jesus die Menschheit in Wirklichkeit hätte zerstören wollen und dafür eine Sekte, die Christen, gegründet hätte, sowie dass am Kreuz Judas Ischariot als Doppelgänger Jesus' gestorben wäre, so wie auch Paulus in Wirklichkeit Jesus gewesen und für den Brand von Rom 64 n. Chr. verantwortlich sei. Atrott veröffentlichte seine Theorien zunächst im Internet, später im Selbstverlag.[11]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Suchhinweis im "Memeler Dampfboot" Nr. 16 vom 20. August 1954, Seite 2, linke Spalte. In: Scan des "Memeler Dampfbootes" Nr. 16. Abgerufen am 30. Dezember 2012 (PDF; 4,7 MB): „Hans-Henning Atrott aus Memel, Kirchenstraße 3, ist der Sohn des Pfarrers der Jakobusgemeinde, der noch immer vermißt ist, während seine Frau Edith verstorben ist. Der Junge befindet sich gegenwärtig in Mecklenburg bei seinen Großeltern mütterlicherseits.“
  2. Ludger Fittkau/Peter Gehring: Zur Geschichte der Sterbehilfe in der Beilage zu Das Parlament, Ausgabe 4/2008
  3. Aktenzeichen 1 Ws 23/87 OLG München in: NJW 1987, 2940-2946
  4. Interview mit Atrott in der Zeit, Ausgabe 3/86 vom 10. Januar 1986
  5. Stellungnahme der DGHS zu den Vorgängen um ihren damaligen Präsidenten (PDF)
  6.  Höllische Schmerzen. In: Der Spiegel. Nr. 5, 93 (1. Februar 1993, online).
  7. Bericht der Berliner Zeitung vom 15. März 1994
  8.  120 Zyankali-Kapseln. In: Der Spiegel. Nr. 12, 94 (21. März 1994, online).
  9.  Ich will so nicht mehr leben. In: Der Spiegel. Nr. 12, 94 (21. März 1994, online).
  10.  Schweinologie, jeijeijei. In: Der Spiegel. Nr. 8, 93 (22. Februar 1993, online).
  11. Jesus' Bluff - The universal Scandal of the World (M. Magnes) PublishAmerica, Baltimore 2009, ISBN 978-1-61582-816-6

Weblinks[Bearbeiten]