Hans Saebens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Saebens (* 25. März 1895 in Bremen; † 16. Oktober 1969 in Bremen) war ein deutscher Maler, Grafiker und Fotograf, der sich vor allem auf norddeutsche Landschaften spezialisiert hatte. Er lebte in dem Künstlerdorf Worpswede bei Bremen.

Biografie[Bearbeiten]

Saebens studiert an der Kunsthochschule Bremen bei Willi Menz.[1] „Nach dreijährigem Besuch der Akademie für Grafik und Buchgewerbe in Leipzig von 1914 bis 1916 und Soldatenzeit, schon 1919 als Maler, Landschaftsmaler muß es heißen, nach Worpswede“.[2]

Ab 1930 wendet er sich als Autodidakt der Fotokamera zu, beginnt bereits 1932 erstmals mit der Leica zu fotografieren[3]. Seine Ehefrau, Eugenie von Garvens (18. März 1881 bis 24. November 1964), die er 1919 kennen lernt und in den 1920er Jahren heiratet, ist Schriftstellerin und benötigt „Illustrationen zu ihren kulturellen und auf Reisen entstandenen Arbeiten“[4]. So greift Saebens zur Kamera und tappt zu Beginn ahnungslos im Entwickler herum, wie er selbst sagt[5]. Erst die Begegnung mit Paul Wolff um 1932 und die „14-tägige Lehre“ bei Wolff in Bremen und Frankfurt am Main, bringt den Erfolg und ist für Saebens wohl von großer Bedeutung[6].

Wenn Uwe Bölts im Katalog Hans Saebens, Bilder der Lichts zur Ausstellung der Kunstsammlung Böttcherstraße in Bremen schreibt, dass Saebens half, die Leica bekannt zu machen, und dass die Leica ihn bekannt machte, so spiegelt dies Saebens Verbundenheit zum Hause Leitz wieder. Und doch ist Saebens ein eher untypischer Leica – Fotograf.

Die Leica

Seit Oskar Barnacks Erfindung der Leica, jener Kleinbildkamera, die durch die reduzierte Größe den Fotografen mitten ins Geschehen rückt und diesem ermöglicht, direkt unter seinen Motiven zu arbeiten, ist die moderne Bildreportage geboren. Der Fotograf ist nun flexibel, kann aus dem Geschehen heraus seine Bilder schießen, ohne zu auffällig zu sein, den entscheidenden Moment, den Decisive Moment, ausnutzen. Henri Cartier-Bresson, den Saebens 1953 in Hamburg traf, stellt 1952 die Theorie des Decisive Moment auf. „Für mich besteht das Wesen der Fotografie in der Fähigkeit, in Bruchteilen einer Sekunde Bedeutung und Gewicht eines Ereignisses zu erfassen und gleichzeitig in eine Form zu bannen, die das Wesen dieses Geschehens gültig ausdrückt“, schreibt Cartier- Bresson[7]. Und damit nutzt er – im Gegensatz zu Saebens – die Möglichkeiten aus, die die Leica dem Fotografen bietet.

Der entscheidende Moment

Natürlich nutzt Saebens die Leica als eine Reportagekamera, wenngleich er auch in der Fachpresse für eine Verwendung mit Stativ wirbt[8]. In seiner Arbeit lässt sich vielfach sehen, dass Saebens neben den Aufnahmen im „entscheidenden Moment“ auch als Regisseur gearbeitet hat, sich seine Szene erschaffen haben mag, wie es etwa vom Auftraggeber gewünscht war. „Das Bildermachen [für Verkehrswerbung] fordert eine umfassende fotografische Fertigkeit. Über den Sogenannten »Schnappschuß« hinaus – dieses sehr fragwürdige Schlagwort – wird portraitiert, und zwar in anderer Umgebung und anderen Lichtverhältnisses als etwa im häuslichen Atelier“[9]. Er hat es dabei jedoch verstanden, die Szene so natürlich wirken zu lassen und abzubilden, dass ein Betrachter dies nicht wahrnehmen kann.

Soweit Robert d´Hooghe über Saebens feststellt, „hat er Personen im Bild, so wendet er keine »Regie« an, sondern bemüht sich, sie in ihrer natürlichen Haltung und Beschäftigung einzufangen, wofür er gerne auch einmal ein paar Aufnahmen mehr opfert“[10], mag das nicht immer stimmen.

„Ich betreibe nicht die Fotografie als Selbstzweck. Also nicht als abstraktes grafisches Helldunkel- Element. So Reizvoll das Finden neuer Formen und Wirkungen sein kann, will ich mit der Kamera vielmehr einen Zweck verfolgen, also Inhalt geben. Materie zeigen, Städte, Häfen, Landschaft, Menschen. Dafür warte ich die fotografische Eignung ab. Wenns sein muss, monatelang“[11]. Aber dies wohl nur dann, wenn die Regie die Natürlichkeit der Aufnahme zu beeinflussen droht. Henri Cartier-Bresson, sagt Saebens, ist hingegen „ein Mann, der es ablehnt, das Geschehnis für seine fotografischen Zwecke zu beeinflussen oder gar mittels kühler Regie nach fotografischen Gesichtspunkten abrollen zu lassen“[12]. Gleichwohl – oder gerade wegen seiner Arbeitsweise – ist Saebens mit seinem Werk für das 20. Jahrhundert ein wichtiger Chronist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Bölts: Hans Saebens – Bilder des Lichts. Worpswede 1995.
  • Aiko Schmidt: Kleines Negativ – großes Bild. Die Leica-Fotografen Dr. Paul Wolff, Alfred Tritschler und Hans Saebens. In: Bernd Küster (Hrsg.): Ich sehe eben anders. Fotografie in Nordwestdeutschland im 20. Jahrhundert. Donat, Bremen 2012, ISBN 978-3-938275-22-1, S. 100–119.
  • Hans Saebens. Photographien 1930–1969. Ausstellung in der Landesbildstelle Bremen. Hrsg.: Landesbildstelle Bremen. Texte und Bildauswahl Helmut Brandt. Worpsweder Verlag, Lilienthal 1989, ISBN 3-89299-148-0.

Bildpublikationen[Bearbeiten]

  • Mit Johannes Schenk: Licht im Moor. Erinnerung. Hrsg.: Horst Wöbbeking. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 1990, ISBN 3-88132-165-9.
  • mit Otto Gothe: Backtorf. Bilder und Geschichten aus dem alten Teufelsmoor. Mit einem Essay von Fritz Kempe. Worpsweder Verlag, Lilienthal 1982, ISBN 3-922516-29-7.
  • Worpswede. Geschichte und Geschichten. Schünemann, Bremen 1968, OCLC 54496955.
  • Ostfriesland. Land im Wandel. Text: Gisela Arnd. Hrsg.: Hermann Bakker. Burkhard-Verlag Heyer, Essen 1968.
  • Worpsweder Bilderbuch. Text: Gisela Arnd. Burkhard-Verlag Heyer, Essen 1966.
  • Schönes Bremen. Text: Hanns Meyer. Schünemann, Bremen 1956/ 1960 / 1963 / 1966.
  • Siegfried Fliedner, Werner Kloos: Bremer Kirchen. Aufnahmen auch von H. Stickelmann. Hrsg.: Christel Matthias Schröder. Heye, Bremen 1961
  • Bremerhaven, tätige Stadt im Nordseewind. Werden, Schicksal und Wesen einer Hafenstadt. Text: August Dierks, Eugenie v. Garvens; Hrsg.: Industrie- und Handelskammer Bremerhaven unter Mitwirkung des Magistrats der Stadt Bremerhaven. Industrie- u. Handelskammer, Bremerhaven 1959.
  • Schiffe und Häfen in Bremen. Text: Hanns Meyer. Schünemann, Bremen 1955.
  • Bremen. Gesicht einer Hansestadt. Text: Manfred Hausmann. Schünemann, Bremen 1955.
  • Wetzlar. Bild einer Stadt. Leica-Aufnahmen von Hans Saebens. Text von Eugenie von Garvens. Umschau-Verlag, Frankfurt a. M. 1949/1953. (Nachdruck: Classic Cameras Verlag. Wetzlar 2012, ISBN 978-3-00-038023-5)
  • Eugenie von Garvens: Segen im Moor. Ein deutsches Schicksalsbuch. Mit Bildern von Hans Saebens. Klinkhardt & Biermann, Berlin 1934.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Bölts: Hans Saebens, Bilder des Lichts. Katalog zur Ausstellung der Kunstsammlung Böttcherstrasse Bremen, S. 7
  2. Saebens 1962 in einem Brief an seinen Freund Fritz Kempe, aus Fritz Kempes: Begegnungen, Hans Saebens – Kavalier mit der Kamera. Fotomagazin 6/1978, S. 46–49 (47)
  3. Robert d´Hooghe: Meister der Leica, Hans Saebens. GDL, Leica-Fotografie 1953, Heft 6, S. 202–210 (210)
  4. Saebens 1962 in einem Brief an seinen Freund Fritz Kempe, aus Fritz Kempes: Begegnungen, Hans Saebens – Kavalier mit der Kamera. Fotomagazin 6/1978, S. 46–49 (47)
  5. Saebens 1962 in einem Brief an seinen Freund Fritz Kempe, aus Fritz Kempes: Begegnungen, Hans Saebens – Kavalier mit der Kamera. Fotomagazin 6/1978, S. 46–49 (47)
  6. Aus einer biografischen Notiz Saebens vom 17. Februar 1969, zitiert von Uwe Bölts: Hans Saebens, Bilder des Lichts. Katalog zur Ausstellung der Kunstsammlung Böttcherstrasse Bremen, S. 13f.
  7. Meister der Leica, Henri Cartier-Bresson, Leica- Fotografie 1953, Heft 1, S. 4–10 (4)
  8. Hans Saebens: Blick durch den Sucher. Leica-Fotografie 1950, Heft 5, S. 196–200 und Heft 6, S. 260–265 (200)
  9. Hans Saebens, Bildarbeit für Verkehrswerbung, Leica- Fotografie 1950, Heft 2, S. 65–72 (70)
  10. Robert d´Hooghe, Meister der Leica, Hans Saebens GDL, Leica-Fotografie 1953, Heft 6, S. 202–210 (210)
  11. Hans Saebens, Blick durch den Sucher, Leica-Fotografie 1950, Heft 5, S. 196–200 und Heft 6, S. 260–265 (260)
  12. Hans Saebens, Sammetpfote-Adlerauge Henri Cartier-Bresson, Leica-Fotografie 1953, Heft 1, S. 11–12 (11)