Worpswede

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Worpswede führt kein Wappen
Worpswede
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Worpswede hervorgehoben
53.2222222222228.927777777777820Koordinaten: 53° 13′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Osterholz
Höhe: 20 m ü. NHN
Fläche: 76,13 km²
Einwohner: 9157 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Postleitzahl: 27726
Vorwahlen: 04792, 04794
Kfz-Kennzeichen: OHZ
Gemeindeschlüssel: 03 3 56 011
Gemeindegliederung: 8 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bauernreihe 1
27726 Worpswede
Webpräsenz: www.worpswede.de
Bürgermeister: Stefan Schwenke (parteilos)
Lage der Gemeinde Worpswede im Landkreis Osterholz
Bremen Bremen Landkreis Cuxhaven Landkreis Oldenburg Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Verden Landkreis Wesermarsch Axstedt Grasberg Hambergen Holste Lilienthal Lübberstedt Osterholz-Scharmbeck Ritterhude Schwanewede Worpswede VollersodeKarte
Über dieses Bild

Worpswede (Plattdeutsch Worpsweed) ist eine Gemeinde im Landkreis Osterholz in Niedersachsen, an der Hamme nordöstlich von Bremen mitten im Teufelsmoor gelegen und ein staatlich anerkannter Erholungsort. Der Ort profitiert landschaftlich von einer 51 Meter hohen Erhebung, dem Weyerberg, der die ansonsten flache Umgebung überragt. Erste Spuren der Besiedlung reichen bis in die Bronzezeit zurück.

Worpswede ist bekannt für die 1889 gegründete Künstlerkolonie Worpswede, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Künstlern. Die Stipendiatenstätte Künstlerhäuser Worpswede gehörte bis 2009 zu den größten der Bundesrepublik Deutschland. Worpswede ist durch die zahlreichen Kultureinrichtungen und Galerien sowie als Erholungsort gleichermaßen attraktiv für Künstler wie Touristen.

Gliederung[Bearbeiten]

Die heutige Einheitsgemeinde Worpswede setzt sich aus den vorher eigenständigen Gemeinden Worpswede, Waakhausen, Überhamm, Schlußdorf, Mevenstedt, Neu Sankt Jürgen, Hüttenbusch und Ostersode zusammen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 11. Jahrhundert erfolgte die Gründung einer Fischersiedlung auf dem Besitz des Klosters Osterholz. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes war 1218.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Worpswede ab 1627 von den katholischen kaiserlichen Truppen des Erzstifts Bremen regiert. 1630 übernahmen die Schweden die militärische Macht in dem Gebiet um Worpswede. Im Jahre 1648 schließlich wurde Worpswede an Friedrich von Hessen-Eschwege abgetreten.

Um 1750 erfolgte eine Kolonisierung durch Jürgen Christian Findorff. Dies war der Beginn der Trockenlegung und der Abbau des umliegenden Moores. 1889 gründete sich die Künstlerkolonie Worpswede.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Hüttenbusch, Mevenstedt, Neu Sankt Jürgen, Ostersode, Schlußdorf, Überhamm und Waakhausen eingegliedert.[2]

Religionen[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Einwohner Worpswedes gehört der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers an. Die Bürger römisch-katholischen Glaubens sind in der Pfarrei Heilige Familie in Osterholz-Scharmbeck organisiert, dazu gehört in Worpswede die Kapelle Maria Frieden. Daneben gibt es andere christliche Gruppen und Freikirchen, so zum Beispiel eine Baptisten-, eine Brüder- und eine neuapostolische Gemeinde, Angehörige des Islams und eine wachsende Gruppe Konfessionsloser.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Niedersachsenstein[Bearbeiten]

Niedersachsenstein

Der am Weyerberg gelegene Niedersachsenstein, ein 18 Meter hohes Monument aus Ziegelsteinen, sieht von weitem aus wie ein Adler und erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus der Region. Er wurde 1922 nach einem Entwurf des Architekten Bernhard Hoetger, der auch die Böttcherstraße in Bremen gestaltete, fertiggestellt und ist als einzige expressionistische Großplastik Deutschlands von besonderer kunsthistorischer Bedeutung. Da die Errichtung des Niedersachsensteins in einer Zeit großer Armut und Lebensmittelknappheit erfolgte, war sie seinerzeit umstritten, ebenso wie heute wegen der ursprünglich zugedachten Funktion als Kriegsdenkmal.

Barkenhoff[Bearbeiten]

Barkenhoff

Der Barkenhoff (Plattdeutsch für ‚Birkenhof‘) – ursprünglich ein Worpsweder Bauernhof – wurde im Jahre 1895 vom Künstler Heinrich Vogeler gekauft und innerhalb weniger Jahre zu einem beeindruckenden Gebäude des Jugendstils umgebaut.

Blick in den Garten

Bald wurde er zum Mittelpunkt der Worpsweder Künstlerbewegung und somit der gesamten „Künstlerkolonie Worpswede“. Nach dem Ersten Weltkrieg diente der Barkenhoff als Kommune und Arbeitsschule, danach als ein Kinderheim der Roten Hilfe.

Unter den zahlreichen Besuchern war Sonja Marchlewska, seit 1926 zweite Ehefrau von Heinrich Vogeler, Tochter des polnischen Marxisten Julian Marchlewski, der Freund und Mitarbeiter Rosa Luxemburgs und ein Vertrauter Lenins war. Marchlewski war auch Rektor der Kommunistischen Universität der Nationalen Minderheiten in Moskau und Gründer der Internationalen Roten Hilfe. Er überredete Vogeler, den Barkenhoff der Roten Hilfe zu übereignen. Die Rote Hilfe wurde ab 1923 nur passives, aber förderndes Mitglied der Arbeitsschule Barkenhoff e. V.; sie wurde am 10. November 1921 vom Amtsgericht Lilienthal anerkannt. Im Juli 1925 wurde der Verein Arbeitsschule endgültig aufgelöst. Der Barkenhoff blieb bis 1932 ein Kinderheim.

1932 wurde der Barkenhoff an den Gartenarchitekten und Antroprosophen Max Karl Schwarz (1895–1963) verkauft, der durch den Lebensreformer Leberecht Migge nach Worpswede kam. Dort gründete er in den Jahren 1932–1936 zusammen mit dem Ingenieur Martin Schmidt (1892–1964) die Gartenbau- und Siedlungsschule Worpswede, an der mit anthroposophisch orientierten Lehrern die biologisch-dynamische Arbeit gelehrt und erforscht wurde. Schwarz gilt als bedeutender Pionier des biologisch-dynamischen Land- und Gartenbaus, der Kompostierung sowie als Entwickler und Förderer der Gärtnerhof-Idee. 1954 gestaltete Schwarz den Landschaftspark am Goetheanum in Dornach.

In den Folgejahren verfiel der Hof und wurde 1981 der öffentlichen Hand übergeben. In den Jahren 2003/2004 wurde der Hof grundlegend renoviert. Seither dient er als Museum sowie als Raum für Ausstellungen. Bis Ende 2009 dienten die angrenzenden Remisen als Ateliers der Stipendiaten der Barkenhoff-Stiftung.[3]

Haus im Schluh[Bearbeiten]

Das Haus im Schluh, hinten das Wohnhaus, rechts die Handweberei

Das Haus im Schluh, ursprünglich eine Moorkate aus dem Moordorf Lüningsee, wurde im Jahr 1920 von Martha Vogeler, der ersten Ehefrau Heinrich Vogelers, in den Schluh versetzt und mit seiner finanziellen Hilfe umgebaut. Sie verließ zu dieser Zeit den Barkenhoff und zog mit ihren drei Töchtern Marieluise, Bettina, Martha und ihrem Freund Ludwig Bäumer in das Haus im Schluh (Plattdeutsch für ‚Sumpf‘). Es besteht heute aus drei reetgedeckten Häusern: dem Wohnhaus Martha Vogelers, der Handweberei (das Haus wurde 1937 aus Grasdorf in den Schluh versetzt und war der Arbeitsbereich der Tochter Bettina), und das kleinste Haus ist heute eine Gästepension. Im Wohnhaus und der Weberei bilden Möbel, Gemälde, Radierungen, Porzellan und Hausrat aus dem Barkenhoff den Hauptbestandteil der Heinrich-Vogeler-Sammlung. Wechselnde Ausstellungen zum Werk Heinrich Vogelers und kunsthandwerkliche Gegenstände aus der Region ergänzen die Sammlung.

Worpsweder Kunsthalle[Bearbeiten]

Der ortsansässige Buchbindermeister Friedrich Netzel stellte den ersten Worpsweder Künstlern sein Ladengeschäft und angrenzende Räume zu Ausstellungs- und Verkaufszwecken zur Verfügung. Sein Sohn, Friedrich Netzel (II), richtete 1919 ein eigenes Haus in der Bergstraße als Galerie ein, um die zeitgenössische Kunst auszustellen. Neben dem Kunsthandel entstand eine Kunstsammlung. Nach dem Tod des Galeristen 1945 führte dessen Ehefrau den Betrieb in den schwierigen Nachkriegsjahren weiter und übergab ihn schließlich dem Sohn Friedrich Netzel (III). Dieser zeigte neben der eigenen Familiensammlung aus drei Generationen auch Sonderausstellungen, die Worpswede überregionale Bedeutung gaben. Beispielsweise zeigte er in den Ausstellungen 1972, 1973 und 1989 Heinrich Vogelers Gesamtwerk mit den damals erstmals gezeigten Werken aus dessen sowjetischen Zeit, die erste große Ausstellung in Worpswede zu Paula Modersohn-Becker anlässlich ihres 100. Geburtstages 1976 sowie eine Ausstellung zur 100-Jahr-Feier des Künstlerdorfes 1989.

Nach dem Tod des Galeristen und Sammlers Friedrich Netzel wurde auf dessen Wunsch eine Stiftung gegründet, um die Kunstsammlung zukünftig zu erhalten. Seit 1999 wird die „Worpsweder Kunststiftung Friedrich Netzel“ von einem Team aus Mitarbeitern und Freiwilligen auf privater Basis weitergeführt. In der Sammlung der Worpsweder Kunsthalle befinden sich beispielsweise Werke von Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler sowie eine umfangreiche Dauerleihgabe des Werkes ihrer Zeitgenossin Ottilie Reylaender. Die zweite Künstlergeneration ist beispielsweise durch Georg Tappert, Albert Schiestl-Arding, Udo Peters, Alfred Kollmar, Tetjus Tügel, Bram van Velde, Lisel Oppel und Richard Oelze vertreten. Auch die nachfolgenden Worpsweder Künstler wie etwa Friedrich Meckseper und Uwe Hässler sind ausgestellt.[4]

Große Kunstschau und Kaffee Worpswede[Bearbeiten]

Das Backsteinensemble mit dem Kaffee Worpswede

Das Kaffee Worpswede[5] ist ein expressionistischer Bau, am Fuße des Weyerbergs gelegen. Es ist Teil eines Backstein-Ensembles, zu dem auch die Große Kunstschau gehört und dient seit 1925 als Café und Restaurant. Bis in die 1970er Jahre war dem Café auch noch ein Hotel angeschlossen. Es wird im Volksmund auch „Café Verrückt“ genannt, weil der Architekt, Baumeister und Künstler Bernhard Hoetger anfing, ein Haus ohne vernünftige Bauzeichnungen und ohne rechte Winkel zu bauen – als die Worpsweder dieses sahen, meinten sie „dei is verrückt, de Kerl“ – und seitdem besteht der Spitzname für dieses schöne Objekt. Ursprünglich bot Hoetger, der für dieses Projekt geschätzte 100.000 Reichsmark aufbrachte, hier seine eigenen kreativen Schöpfungen an. 2002 konnte das Café von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz saniert werden; dabei wurden wichtige Details rekonstruiert.[6] Im Jahr 2008 fand nach Sanierungsmaßnahmen die Wiedereröffnung der Großen Kunstschau Worpswede statt; das sanierte und erweiterte ehemalige Roselius-Museum im Gebäude fungiert seit 2011 als Haus für zeitgenössische und moderne Kunst.[7]

Kaufhaus Stolte[Bearbeiten]

Das Kaufhaus Stolte an der Findorffstraße ist mit einer fast 200-jährigen Tradition das älteste Geschäft im Dorf. Entstanden ist es 1824. Ein Enkel des ersten Worpsweder Pastors hatte es erbauen lassen, nachdem er seinen Krämerladen in der Pastorenscheune unterhalb der Kirche aufgegeben hatte. Viele Kirchgänger nutzten das Haus als Ausspann und zum sonntäglichen Einkauf. Der Kaufmannsfamilie Stolte, insbesondere der Haustochter Emilie (Mimi) Stolte, ist es zu verdanken, dass Worpswede vom unbedeutenden Moordorf zur weltbekannten Künstlerkolonie aufstieg. Mimi Stolte hatte nämlich 1884 den Kunststudenten Fritz Mackensen, den sie in Düsseldorf kennengelernt hatte, in ihr Elternhaus eingeladen. Aus einem ersten Besuch wurden mehrere, und schließlich ab 1889 ein Aufenthalt auf Dauer, nachdem sich Mackensen noch einige Malerfreunde hinzugesellt hatten, die den Kern der Künstlerkolonie bildeten. Eine Texttafel und ein Porträt Mackensens neben dem Hauseingang verweisen auf diese Geschichte.

Käseglocke[Bearbeiten]

Die Worpsweder Käseglocke ist ein kuppelförmiger Bau auf dem Weyerberg und wurde 1926 vom Schriftsteller Edwin Koenemann erbaut. In der Zeitschrift Frühlicht veröffentlichte der Architekt Bruno Taut 1921 Entwürfe für die Mitteldeutsche Ausstellung für Siedlung und Arbeit in Magdeburg. Darin wurde auch ein Atelierhaus vorgestellt, das hier von Koenemann adaptiert wurde.

Bahnhof Worpswede[Bearbeiten]

Bahnhofsgebäude (H. Vogeler)

Das Bahnhofsgebäude an der Eisenbahnstrecke Bremervörde–Osterholz-Scharmbeck (Moorexpress) wurde 1910 von Heinrich Vogeler im Jugendstil entworfen und gebaut. Vogeler entwarf nicht nur den Bau, sondern auch die gesamte Inneneinrichtung (Möbel, Kunstwerke und Malereien). Im Jahre 1978 wurde der Bahnhof Worpswede grundlegend renoviert und in seinen Ursprungszustand zurückversetzt. Er beherbergt heute ein Restaurant.

Zionskirche und Friedhof[Bearbeiten]

Die Zionskirche auf dem Weyerberg wurde mitten im Siebenjährigen Krieg in den Jahren 1757 bis 1759 erbaut. Auf der Grundlage von Plänen des hannoverschen Hofbaumeisters Johann Paul Heumann leitete der Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff die Baumaßnahmen.[8] Finanzielle Unterstützung kam vom Kurfürsten von Hannover und König von England, Georg II.. Aus der schlichten Ausstattung der Saalkirche hebt sich der Kanzelaltar mit einigen Rokoko-Ornamenten heraus. Beachtenswert sind Engelsputten unter der Emporendecke und Blumenornamente in den Zwickeln der Säulen auf den Emporen. Sie sind „Strafarbeiten“ der damaligen Kunstschülerinnen Clara Rilke-Westhoff und Paula Modersohn-Becker. Beide hatten verbotenerweise im Jahre 1900 die Kirchenglocken geläutet, was als Feueralarm missdeutet worden war. Im Jahr 1763 schuf Dietrich Christoph Gloger eine Orgel, die nicht erhalten ist, aber 2011/12 durch Hendrik Ahrend rekonstruiert wird.[9][10] Der Kirchturm mit seinem weithin sichtbaren weißen Kragen unterhalb des barocken Turmhelms wurde erst 1798 an der Ostseite angefügt. Er diente wie die gesamte Kirche den Malern der Worpsweder Künstlerkolonie als begehrtes Motiv.

Der Friedhof, von Findorff geplant und eingerichtet, ist noch ein wirklicher Kirchhof. Mit seiner schönen Lage und Gestaltung ist er das Ziel vieler Besucher. Etwa 80 bedeutende Maler, Schriftsteller, Musiker und Kunsthandwerker haben auf ihm ihre letzte Ruhestätte gefunden. Darunter sind der Entdecker Worpswedes als Künstlerdorf, Fritz Mackensen, und Paula Modersohn-Becker.

Paula Modersohn-Beckers Grabmal[Bearbeiten]

Paula Modersohn-Beckers Grabstein von Hoetger

Das von dem bedeutenden Bildhauer, Designer, Maler und Architekten Bernhard Hoetger zwischen 1916 und 1919 geschaffene Grabmal für die im Jahr 1907 früh verstorbene Malerin Paula Modersohn-Becker übt für viele Menschen, die den Worpsweder Friedhof besuchen, eine besondere Anziehungskraft aus. Beherrscht wird das Monument von einer aus Gussstein gefertigten halbentblößten, zurückgesunkenen, lebensgroßen Frauengestalt. Auf ihrem Schoß sitzt ein kleines nacktes Kind, das einen Apfel in den Händen hält. Die Darstellung soll dem Schicksal der Malerin, die wenige Tage nach der Geburt ihrer einzigen Tochter gestorben war, Ausdruck verleihen und den Kreislauf von Werden und Vergehen symbolisieren.

Windmühle[Bearbeiten]

Am Rande Worpswedes auf dem Wege zur Hamme stand seit 1701 eine Bockwindmühle, die nur einen Roggenmahlgang besaß. 1838 wurde sie durch den bis heute noch voll funktionsfähigen Erd- und Wallholländer ersetzt. Diese neue und größere Mühle wurde mit drei Mahlgängen ausgestattet, einem Roggen-, einem Weizen- und einem Graupengang. 1888 kam die Mühle (bis heute in der fünften Generation) in den Besitz der Müllerfamilie Schwenke. Um im härter werdenden Wettbewerb bestehen zu können, wurde sie mehrfach überholt und ihre Technik dem jeweils modernen technischen Standard angepasst, u. a. Umrüstung von Segelgatter- auf Jalousieflügel, Einbau von Motoren sowie einer Windrose. Seit Einstellung des Gewerbebetriebes im Jahre 1985 betreiben die Freunde Worpswedes e. V. die Mühle. Das Wahrzeichen Worpswedes diente seit jeher den Malern als Motiv.

Bonze des Humors[Bearbeiten]

Der Bonze des Humors ist eine lachende Buddha-Statue, die in der Nähe des Parkplatzes beim Café Worpswede steht. Das steinerne Monument wurde – wie das Café und der Niedersachsenstein – von Bernhard Hoetger 1914 entworfen. Hervorgegangen ist die Statue aus einer Serie von 15 kleinen Majolika-Keramiken. Hoetger hatte, als er noch auf der Mathildenhöhe in Darmstadt tätig war, einen Zyklus von Gegensatzpaaren geschaffen. Mit ihnen wollte er die „Licht- und Schattenseiten“ des Menschen darstellen, so z. B. Güte, Glaube, Hoffnung auf der Lichtseite, Habgier, Wut, Hass auf der Schattenseite. Der Bonze bildete die Mittelfigur der Lichtseite (sie heißt deshalb eigentlich Licht). Die Wut als Teil der Schattenseite – ebenfalls aus Kunststein – steht nur wenige Schritte entfernt neben dem Treppenaufgang zur Großen Kunstschau. Beide waren von Hoetger zunächst im Park seines ersten Wohnsitzes in Worpswede, dem Brunnenhof, aufgestellt worden. Dort bekamen sie von den Worpswedern die Namen Orang und Utan. Der Brunnenhof brannte 1923 ab, an seiner Stelle wurde 1924 ein neues Gebäude errichtet, das von der Eigentümerin nach dem Vornamen ihres Mannes Diedrichshof genannt wurde. Das Haus gehört seit 1953 der Bremer Heimstiftung.[11] Erhalten und restauriert ist der Garten mit zahlreichen Skulpturen, der später zu Ehren des Künstlers den Namen Hoetger-Garten erhielt.[12] Einige Standbilder, wie der Bonze, wurden an andere Stellen verbracht.

Findorff-Denkmal[Bearbeiten]

Der dem Kirchberg benachbarte Hügel des Weyerbergs trägt das Denkmal für Jürgen Christian Findorff (1720–1792). Der Obelisk wurde 1799 errichtet als Dank und Anerkennung für die besonderen Leistungen, die sich der „Vater aller Moorbauern“ in der Region erworben hatte. Zu den Verdiensten des königlichen Moorkommissars unter den hannoverschen Kurfürsten und englischen Königen Georg II. und Georg III. zählten u. a. die Gründung vieler Dörfer zwischen Bremervörde, Osterholz und Ottersberg, der Bau des Osterholzer Hafens und Hafenkanals sowie des Hamme-Oste-Kanals. Beim Bau der Worpsweder Zionskirche bewährte er sich als Bauleiter. Die Kirchen in den benachbarten Orten Grasberg und Gnarrenburg gehen auf seine Baupläne zurück.

Ansichten[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2011
Wahlbeteiligung: 57,1 %
 %
40
30
20
10
0
39,5 %
28,0 %
26,9 %
4,1 %
1,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-9,1 %p
+2,3 %p
+10,2 %p
+1,2 %p
-4,6 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c UWG Worpswede

Literatur[Bearbeiten]

Sachbücher

  • Ferdinand Krogmann: Worpswede im Dritten Reich 1933–1945. Donat Verlag, Bremen 2012, ISBN 978-3-938275-89-4.
  • Björn Bischoff: Worpswede A–Z – das Künstlerdorf. 2. Auflage. Aschenbeck Media, Bremen 2011, ISBN 978-3-941624-60-3.
  • Jürgen Teumer: Spaziergänge in Worpswede. überarb. Neuauflage. Schünemann-Verlag, Bremen 2013, ISBN 978-3-7961-1009-2.
  • Jürgen Teumer: Friedhof und Kirche in Worpswede. Ein Rundgang durch Gegenwart und Vergangenheit. Landschaftsverband Stade, Stade 2007, ISBN 978-3-931879-32-7.
  • Katharina Groth, Björn Herrmann, Die Worpsweder Museen (Hrsg.): Mythos und Moderne. 125 Jahre Künstlerkolonie Worpswede, Wienand, Köln 2014, ISBN 978-3-86832-203-3.
  • Peter Groth: Martha Vogelers Haus im Schluh. Worpsweder Verlag, Lilienthal 1995, ISBN 3-89299-139-1.
  • Bernd Küster: Das Barkenhoff-Buch. Worpsweder Verlag, Lilienthal 1989, ISBN 3-922516-86-6.
  • Helmut Stelljes: Worpsweder Almanach. Dichtung, Erzählung, Dokumente. Schünemann Verlag, Bremen 1989, ISBN 3-7961-1798-8.
  • Bettina Vaupel: Weites Land für große Kunst; Bernhard Hoetger in Worpswede und Bremen. In: Monumente. 09/125, (ISSN 0941-7125), S. 8–15.
  • Friederike Schmidt-Möbus: Worpswede. Leben in einer Künstlerkolonie. Reclam, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-010744-7.
  • Rilke: Worpswede – Fritz Mackensen • Otto Modersohn • Fritz Overbeck • Hans am Ende • Heinrich Vogeler. insel taschenbuch 1011, ISBN 978-3-458-32711-0.

Belletristik

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Worpswede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 244.
  3. Die Barkenhoff-Stiftung Worpswede, barkenhoff-stiftung.de, abgerufen am 9. Januar 2013.
  4. Kunsthalle Worpswede, worpswede24.de, abgerufen am 30. Juli 2013.
  5. Seite der Gemeinde Worpswede, dort unter Rathaus, Wissenswertes/Geschichte
  6. Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, 09/125, S. 8–15.
  7. Große Kunstschau – Historie, worpswede-museen.de, abgerufen am 10. Januar 2013.
  8. Zionskirche auf worpswede.de
  9. Neue Orgel in Worpswede, gesehen 12. Januar 2012.
  10. Helmut Stelljes: „Königin der Kirchenmusik“ in der Worpsweder Zionskirche. In: Heimat-Rundblick. Geschichte, Kultur, Natur. Nr. 100, 1/2012 (Frühjahr 2012). Druckerpresse-Verlag, ISSN 2191-4257, S. 16–17.
  11. http://www.diedrichshof.de/geschichte.html
  12. http://www.worpswede.de/gaerten-und-parks