Hapax legomenon

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Als Hapax legomenon (Plural: Hapax legomena; ‚(nur) einmal Gesagtes‘; von griechisch ἅπαξ hápax ‚einmal‘; λεγόμενον legómenon ‚was gesagt wird‘), Hapax oder Einzelbeleg wird ein sprachlicher Ausdruck bezeichnet, der nur an einer einzigen Stelle in einem gegebenen Text oder Korpus belegt ist. Erscheint ein Wort, eine Wortform oder eine Redewendung zweimal in einem Text, spricht man von einem Dis legomenon, bei drei Fundstellen von Tris legomenon.

Hapax legomena in der Quantitativen Linguistik[Bearbeiten]

Im Bereich der Quantitativen Linguistik spielen Hapax legomena eine besondere Rolle. Ihr Anteil am jeweiligen Text oder Textkorpus wird immer wieder als wichtiges Strukturmerkmal des betreffenden Wortschatzes angesehen. Weithin bekannt ist der Diversitätsindex („index of diversity“), der auf zwei unterschiedliche Weisen definiert werden kann: 1. als das Verhältnis zwischen Hapax legomena und allen den Wörtern, die mit anderen Häufigkeiten vorkommen, oder 2. als das Verhältnis zwischen Hapax legomena und der Gesamtzahl der Wörter eines Textes oder Textkorpus.[1] Für Muller sind sie ein Stilmerkmal: „Die Gesamtmenge der Vokabeln mit der Häufigkeit (oder Subhäufigkeit) 1, die ... neben den anderen Klassen als konstante Zahl erscheint, ist folglich als stilistisches Element zu behandeln und mit dem Reichtum der Situationslexik in Zusammenhang zu bringen.“[2]

Diejenigen Hapax legomena, die sich in einem großen Korpus als solche herausgestellt haben, können als vergleichsweise seltene Wörter aufgefasst werden. Sie stehen dann in einem Geflecht von Zusammenhängen, die zwischen der Häufigkeit der Wörter und etlichen anderen Eigenschaften wie ihrer Länge oder der Zahl ihrer Bedeutungen bestehen (Köhlers Regelkreis: linguistische Synergetik) und als gesetzmäßig verstanden werden.

Hapax legomena in alten Texten[Bearbeiten]

Bei der Erforschung älterer Texte können Hapax legomena ein besonderes Problem darstellen. Da sie nur einmal vorkommen und daher auch nur in einem einzigen Kontext belegt sind, kann es sich als schwierig herausstellen, die exakte Bedeutung des betreffenden Wortes zu bestimmen, wenn nicht andere Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Einige weitere Aspekte der Bedeutung von Hapax legomena[Bearbeiten]

In der Bibelauslegung gemäß der historisch-kritischen Methode wird ein Hapax legomenon als Anzeichen dafür angesehen, dass der Autor fremdes Textmaterial in seinen Text eingebaut hat oder der Text von einem späteren Bearbeiter verändert wurde.

Einige Schriftsteller waren für ihre Hapax legomena berühmt, z. B. Apuleius von Madauros, Jean Paul, Leopold Schefer, Kurt Hiller oder Kurt Schwitters brillierten damit.

Bekannte Beispiele für Hapax legomenona sind Knabenmorgenblütenträume aus Goethes Hymnus Prometheus und Honorificabilitudinitatibus aus Shakespeares Komödie Verlorene Liebesmüh.

Das Wort Lessus im Text von de legibus, 2.59, bei Cicero wird als Hapax legomenon betrachtet, obwohl es an anderen Stellen, so den Zwölftafelgesetzen, den Gesetzen Solons und den Gesprächen in Tusculum ebenfalls vorgekommen sein soll. Es gibt dafür allerdings keine Originalbelege, die in der Literatur dafür verwendeten Belege lassen sich auf die Stelle bei Cicero zurückführen.[3] Dass das Wort tatsächlich dort vorgekommen sein sollte, wird überdies unter Hinweis auf die opportunistischen Motive Ciceros, die zum Text von de legibus, 2.59, führten, in Zweifel gezogen.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage, Stichwort: „Hapax legomenon“. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2010. ISBN 978-3-476-02335-3.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2001. ISBN 3-520-23108-5. Stichwort: „Hapax legomenon“.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Juhan Tuldava: Stylistics, author identification. In: Reinhard Köhler, Gabriel Altmann, Gabriel, Rajmund G. Piotrowski (Hrsg.): Quantitative Linguistik - Quantitative Linguistics. Ein internationales Handbuch. de Gruyter, Berlin/ New York 2005, S. 368-387; bes.: 375. ISBN 3-11-015578-8.
  2. Charles Muller: Einführung in die Sprachstatistik. Hueber, München 1972, S. 228.
  3. Marie Theres Fögen: Das Lied vom Gesetz (erweiterte Fassung eines Vortrags am 14. März 2006). Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München 2007. In der Reihe: THEMEN - Veröffentlichungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Band 87. ISBN 978-3-938593-07-5 (formal falsche ISBN), korrigierte ISBN 978-3-938593-07-3. S. 62–66.
  4. Fögen: Gesetz, S. 65–68.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hapaxlegomenon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Java Programm zum Berechnen des Hapax Wertes ( JHapax )